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Veröffentlicht am 02.04.2020

Solide, aber ausbaufähig

Das Gerücht
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MEINUNG:
Paula Hawkins sagt über die Geschichte „Eine Geschichte über Paranoia und Verdächtigungen, die einem Schauer über den Rücken jagt.“ Dieses Zitat und dass es von Paula Hawkins ist, haben mich neugierig ...

MEINUNG:
Paula Hawkins sagt über die Geschichte „Eine Geschichte über Paranoia und Verdächtigungen, die einem Schauer über den Rücken jagt.“ Dieses Zitat und dass es von Paula Hawkins ist, haben mich neugierig auf das Buch gemacht.

Joanna ist alleinerziehende Mutter und zieht zusammen mit ihrem Sohn aus London zurück in ihren kleinen Heimatort, um auch ihrer Mutter, die dort noch lebt, wieder näher zu sein. Joanna muss in dem Ort wieder neuen Anschluss finden und versucht dies zunächst bei anderen Müttern. Um deren Aufmerksamkeit zu bekommen, erzählt im Buchclub über eine aufgeschnapptes Gerücht: Eine Mörderin könnte unter ihnen leben. Damit setzt sie ungewollt eine Ketter von Ereignissen in Gang, die sie am Ende nur noch schwer kontrollieren kann und die sie selbst in Gefahr bringt.

Die Autorin greift hier zwei große und auch interessante Kernthemen auf. Zum einen die Macht eines in die Welt gesetzten Gerüchts und auch das Thema vom Leben dem Abbüßen einer Strafe wegen Mordes. Ersteres Thema ist gut umgesetzt worden. Man sollte am Ende daraus lernen, dass man aufpassen sollte, was man zu wem sagt, denn die Konsequenzen können verheerend werden. Das passiert Joanna auch. Dazu kommt, dass man Misstrauen gegenüber den falschen Personen schafft und das unschuldige Personen unter Umständen dafür geächtet werden. Man muss allerdings sagen, dass Joanna auch ein bisschen vom Vater ihres Sohnes angestachelt wird, der Journalist ist und eine große Story für ein Buch wittert. Sie selbst möchte sich irgendwie interessant machen und somit Anschluss finden.

Im Großen und Ganzen läuft die Geschichte ziemlich nach Schema F ab und bietet für mich in den ersten beiden Dritteln wenig Spannung, auch wenn natürlich so einiges passiert und Joanna natürlich in Aufruhr ist. Die erst ziemlich spät kommende, wirklich gut gemacht Wendung, kann noch ein bisschen was retten, denn endlich kommt es zum zweiten großen Thema in diesem Roman, was für mich allerdings fast ein bisschen zur kurz kommt, obwohl es wahnsinnig interessant ist. Man kann sich hier viele große Fragen stellen. Darf eine Person, die jemanden ermordet hat, nach der Strafe ein normales glückliches Leben führen? Darf diese Person eine Familie gründen und von dieser geliebt werden? Darf man die Vergangenheit ruhen lassen? Darf man sogar verzeihen? Auf jeden Fall wird klar, dass man nicht mehr in das alte Leben zurück kann und z.T. nur in einem Zeugenschutzprogramm leben kann.

FAZIT:
Das Gerücht ist eine solide Geschichte, die für mich aber insgesamt zu wenig Spannung aufwies und mir ein wenig schwer machte voran zu kommen. Dennoch wurde hier eine interessante Kernthemen verarbeitet, allen voran der Verlauf und die Folgen von Gerüchten. Ich sehe bei der Autorin noch Potential nach oben.

Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.03.2020

Trifft nicht meinen Nerv

Blutige Gnade
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INHALT:
Ein Einbruch ohne Diebstahl. Eine Mordserie ohne Spuren. Ein toter Journalist, der kurz davor war, eine brisante Story zu enthüllen. Mara Billinsky sieht sich mit mehreren mysteriösen Verbrechen ...

INHALT:
Ein Einbruch ohne Diebstahl. Eine Mordserie ohne Spuren. Ein toter Journalist, der kurz davor war, eine brisante Story zu enthüllen. Mara Billinsky sieht sich mit mehreren mysteriösen Verbrechen konfrontiert. Zugleich wird sie von einem Schatten aus der Vergangenheit verfolgt, der ihr ebenfalls Rätsel aufgibt - bis sie begreift, dass alle Ereignisse in Verbindung stehen. Als sie erkennt, wer im Hintergrund die Fäden zieht, ist es fast zu spät: Ab jetzt kämpft Mara nicht mehr nur um ihr eigenes Leben ...

MEINUNG:
Leo Born und seine Reihe um Mara Billinsky war etwas, was ich mir schon lange vorgenommen hatte und umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich hier das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe. Ich habe die ersten drei Teile nicht gelesen. Grundsätzlich ist es hier sicher empfehlenswert die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass ich groß etwas verpasst hätte.
Die kurzen Kapitel und der flüssige, rasante Schreibstil ermöglichen es, dass man hier sehr schnell durch die Seiten fliegt. Ich mochte es auch sehr, dass man hier nicht nur aus Maras Sicht liest, sondern auch diversen anderen Personen, die so einen Blick auf die verschiedenen Nebenschauplätze geben. Vermutlich sind Frankfurts dunkle Seiten genau so, aber mir war das alles irgendwie ein bisschen zu drüber beschrieben und dass die Stadt düster und ,O-Ton Leo Born, voller Gangster ist, wird auch mehr als einmal wiederholt.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich mit Mara Billinsky nicht wirklich warm geworden bin, obwohl ich ein absoluter Fan von solchen Frauencharakteren bin. Vermutlich ist es gewollte, dass man bei Mara immer ein bisschen an Lisbeth Salander vorgeht. Ich finde es gut, dass sie sehr tough ist und dass sie sich trotz des Polizistenjobs nicht anpassen möchte, aber ich finde sie geht gegenüber Zeugen und Verdächtigen einfach viel zu rücksichtslos und zum Teil auch respektlos vor. Am meisten hat mich wirklich abgeschreckt, dass sie eine Frau, also ihr eigenes Geschlecht, als Hure bezeichnet. Gerade Mara sollte doch wissen, dass es für Frauen nicht immer leicht ist in männerdominierten Bereichen. Was grundsätzlich schon respektlos ist, gewinnt in ihrer Rolle als Polizisten für mich einen noch schlechteren Beigeschmack. Ein bisschen Weichheit und Empathie könnten ihr wirklich nicht schaden.

Ich empfand den Thriller fast bis zu zwei Drittel sehr verworren, so dass ich wirklich überhaupt keine Ahnung hatte wie alles zusammenhängt. Das spricht natürlich für den Aufbau des Romans, aber für mich verliert es dann immer etwas an Reiz, wenn ich nicht ein paar Brocken zum Miträtseln bekomme. Leider ging es mir wie Mara, die ebenfalls vor einem großen Rätsel steht. Die Auflösung ist dennoch in sich schlüssig und lässt keine Fragen offen.

FAZIT:
Obwohl der Fall spannend war und der Schreibstil flüssig ist, wurde ich mich mit Mara und der ganzen beschriebenen Frankfurter Flair nicht wirklich warm. Es fehlte mir ein bisschen die Schwäche der Charaktere und auch die Empathie der Ermittler, die das ganze noch etwas glaubhafter gemacht hätte. Ich bin mir unsicher, ob ich diese Reihe weiter verfolgen werde.

Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2020

Vielversprechender Start

Schweige still
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MEINUNG:
Michael Robotham gehört bei mir schon lange zu meinen absoluten Lieblingsautoren im Bereich (Psych Thriller. Die Reihe um den Psychologen Joe O’Loughlin begleitet mich schon sehr lange, aber ich ...

MEINUNG:
Michael Robotham gehört bei mir schon lange zu meinen absoluten Lieblingsautoren im Bereich (Psych Thriller. Die Reihe um den Psychologen Joe O’Loughlin begleitet mich schon sehr lange, aber ich lese auch jedes andere Buch, was von ihm so in den letzten Jahren erschienen ist. Ich habe mich sehr gefreut, dass es nun mit Cyrus Haven einen neuen Charakter gibt, der auch Psychologe ist.

Cyrus Haven berät in seiner Rolle als Psychologe die Polizei. Er wird gerufen als ein junges Mädchen ermordet aufgefunden wird. Parallel dazu lernt er Evie Cormac kennen. Auch hier wird als Sachverständiger dazu gerufen, um eine Einschätzung zu Evie abgeben zu können. Evie, die so eigentlich nicht heißt, wurde jahrelang gefangen gehalten und niemand weiß etwas über sie, weder ihre Alter, ihren richtigen Namen, noch irgendeine Information zu ihrer Herkunft. Evie gibt auch keine Informationen über ihren Entführer preis. Trotzdem ist Cyrus ein wenig fasziniert von ihr, auch wenn er das auf eine ganz ruhige Art zeigt.

Man sagt über Evie, dass sie erkennt, wenn jemand lügt. Durch Zufall bekommt Evie auch etwas von Cyrus‘ Fall mit und auch dort setzt sie ihre „Fähigkeit“ ein. Am Anfang der Geschichte hatte ich schon die Befürchtung, dass es hier so ein bisschen Hokuspokus geben wird darum, aber das verflüchtigt sich recht schnell. Evie ist einfach anders, was natürlich auch ihrer Erfahrung und ihren Erlebnissen geschuldet ist. Der Autor muss hier sehr gut recherchiert haben, denn ich finde sie ist wirklich gut dargestellt und ein sehr spannender Charakter, der einfach in kein Muster passt. Evie bekommt durch ihren eigenen Erzählpart auch eine eigene Stimme. Ich fand die Geschichte, um Evie auch fast spannender als den Fall an sich. Ich hoffe, dass es im nächsten Band weiter auch um Evie gehen wird.

Auch Cyrus hat ein großes persönliches Päckchen zu tragen, welches sich allerdings nicht auf seine Tätigkeit als Psychologe auswirkt, sondern ich empfand ihn als in sich ruhend. Aus diesem Grund findet er wohl als einer der wenigen Personen Zugang zu Evie. Cyrus ist der in sich ruhende Part in dieser Geschichte. Man erfährt auch, dass Joe O’Loughlin einer seiner Dozenten war, was ich sehr sympathisch fand.

FAZIT:
Mit Schweige still und dem Psychologen Cyrus Haven hat Michael Robotham eine spannende neue Reihe mit interessanten neuen Charakteren geschaffen. Man merkt auch, dass er einfach schreiben kann. Ich bin hier immer wieder begeistert, trotz einiger Längen in der Handlung.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2020

Nix passiert? Und doch soviel...

Nix passiert
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MEINUNG:
Ich folge der Autorin schon länger auf Instagram und habe vorher Super und dir? gelesen und es hat mich so ein bisschen rat- bis fassungslos zurück gelassen. Auf Nix passiert war ich trotzdem ...

MEINUNG:
Ich folge der Autorin schon länger auf Instagram und habe vorher Super und dir? gelesen und es hat mich so ein bisschen rat- bis fassungslos zurück gelassen. Auf Nix passiert war ich trotzdem sehr gespannt. Die Lesung in Hamburg hat mich sofort dazu inspiriert mit dem Buch zu beginnen.

Es beginnt damit, dass Alex von meine Namensvetterin Jenny verlassen worden ist und für Alex spricht wortwörtlich eine Welt zusammen. Nun kann jeder Mensch unterschiedlich mit Liebeskummer umgehen, für Alex ist es sein persönliches Waterloo und ein normaler Alltag ist nicht mehr möglich. Ich würde sagen, dass die Verzweiflung wirklich schon so groß ist, dass Alex sich hier selbst schadet. Ich glaube, wer so ein Verlassen werden schon einmal erlebt hat, der kann das nachvollziehen. Ich konnte es zumindest. Kathrin Weßling schreibt auch sehr, sehr intensiv und es ist unfassbar, was in Alex Kopf so abgeht.
Weil er es in Berlin nicht mehr aushält, quartiert er sich bei seinen Eltern in seiner Heimatstadt wieder ein. Den wahren Grund verschweigt er seinen Eltern, die natürlich trotzdem misstrauisch sind. Alexs Geburtsstadt ist das ganze Gegenteil von Berlin. In seiner Jugend wollte Alex unbedingt weg und nun scheint dieser Ort gerade recht zu sein. Lustigerweise bin ich selbst in Berlin geboren und ausgewachsen und kann es natürlich nicht nachvollziehen in einer kleinen Stadt groß geworden zu sein. Die Autorin beschreibt es dennoch wahnsinnig amüsant, aber natürlich auch immer mit ernsten Untertönen und auch niemals abwertend. Ganz im Gegenteil, Berlin als Lebensmittelpunkt kommt hier wirklich sehr schlecht weg und ist meiner Meinung nach auch sehr klischeebehaftet. Falls es keine Klischees sein sollten, dann ist es traurig zu lesen, was aus meiner Heimat geworden ist.

In der Zeit bei seinen Eltern versucht Alex wieder zu sich selbst zu finden bzw. fängt an zu hinterfragen wer er selbst eigentlich ist. Man ahnt schon, dass es bei Alex noch eine Vorgeschichte gibt, denn sein Verhalten, was viel von Ängsten und Panik geprägt ist seit der Trennung, wirkte immer mehr verstörend. Es gab Stellen, die fand ich wirklich sehr anstrengend. Es ist war nötig das Buch dann mal zur Seite zu legen. Von Alex‘ Eltern hätte ich heute wie damals ein bisschen mehr Verständnis und Unterstützung erwartet. Ich weiß es nicht, ob an dem mangelnden Wissen liegt, aber auch seinem Bruder konnte ich wenig Sympathie abgewinnen. Man hat irgendwie den Eindruck, dass man hier wenig über die wirklich wichtigen Dinge spricht. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Städter wie sie Leute vom Land nennen, da doch anders sozialisiert sind.

FAZIT:
Nachdem mich Super und dir? ein bisschen verstört und ratlos zurück gelassen hat, konnte mich Nix passiert sehr gut abholen. Sehr eindringlich beschreibt die Autorin, was passiert, wenn man Verlassen wird und welche Chance es bietet sein bisheriges Leben zu hinterfragen. Außerdem sehr gut und sehr ehrlich dargestellt, wie das Leben in der Großstadt (Berlin in dem Fall) einen beeinflusst und auch limitiert in der Hinsicht man selbst sein zu können.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.02.2020

Eine tragische Familiengeschichte

Weil niemand sie sah
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MEINUNG:
Weil niemand sie sah ist die Geschichte eines entführten jungen Mädchens namens Ellie Mack. Nun muss man sagen, dass es solche Geschichten schon zu Hauf gibt und ich mich auch ein bisschen schwer ...

MEINUNG:
Weil niemand sie sah ist die Geschichte eines entführten jungen Mädchens namens Ellie Mack. Nun muss man sagen, dass es solche Geschichten schon zu Hauf gibt und ich mich auch ein bisschen schwer damit tue noch weitere zu lesen, aber mich interessierte der Fakt, dass ein neujähriges Mädchen genauso wie die Verschwundene aussieht.
Schon auf der ersten Seite springt einem der entsetzliche Schmerz entgegen, den vor allem Ellies Mutter Laurel auch nach 10 Jahren immer noch spürt. Das Verschwinden von Ellie hat die Familie Mack als auch die Ehe von Laurel und Paul zerstört. Besonders Laurel konnte nur sehr schwer wieder in ein normales Leben zurück finden. Darunter mussten auch Ellies Geschwister Jake und Hanna sehr leiden, für die ihre Mutter von einem Tag auf den anderen nicht mehr präsent war. Die Autorin beschreibt diese Auswirkungen der Geschehnisse sehr einfühlsam und besonders bei Laurel zerspringt das Leserherz immer wieder in 1000 Teile. Ellie war Laurels Goldmädchen.
Nach 10 Jahren hat es Laurel trotzdem geschafft nun ein einigermaßen geordneten Leben zu führen bis neue Hinweise auf Ellies Verschwinden auftauchen. Diese Thematik wird ziemlich schnell abgehandelt. Ich war ein bisschen verwundert, dass das gleich auf den ersten Seiten geschieht und dass es keine polizeilichen Ermittlungen gibt, welche ich für durchaus angebracht gehalten hätte. Durch Kapitel aus der damaligen Sicht von Ellie erfährt man auch recht schnell wie ihr Verschwinden zustande kommen konnte. Die Geschichte wird also relativ a-linien-förmig erzählt ohne große Wendungen und doppelte Böden, dennoch war ich bereits nach 50 Seiten völlig in den Bann des Buches gezogen von dieser wirklich tragischen Familiengeschichte.

Vom Aufbau her teilt sich das Buch in mehrere Teile und die Autorin lässt durch diverse Ich-Erzähler auch alle Beteiligten zu Wort kommen. Vor allem lernt man diese auch sehr gut kennen und kann hinter die Beweggründe schauen. Es steht nicht darüber, wer der Ich-Erzähler ist, aber man kann sich dann schon denken.

FAZIT:
Weil niemand sie sah habe ich innerhalb von 3 Tagen ausgelesen. Auch wenn es von dieser Art Geschichten schon einige vergleichbare am Markt gibt, muss ich sagen, dass ich es selten so intensiv und allumfassend beschrieben gelesen habe. Es ist eine wirklich tragische Geschichte, um ein junges Mädchen, dass nicht das Leben führen konnte, was für die vorgesehen war und eine Familie, die daran zerbrochen ist.

Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere