Profilbild von faanie

faanie

Lesejury Profi
offline

faanie ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit faanie über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.08.2018

Roman über eine geheimnisvolle Dorfgemeinschaft mitten im Wald

Das verlorene Dorf
1

Höllenmensch, Schattenmensch, Nachtmensch – so muss sich Rosalie nennen lassen, die in einem Waisenhaus in Augsburg aufwächst. Ein Kind, welches an Leukopenie, einem Mangel an weißen Blutkörperchen, leidet ...

Höllenmensch, Schattenmensch, Nachtmensch – so muss sich Rosalie nennen lassen, die in einem Waisenhaus in Augsburg aufwächst. Ein Kind, welches an Leukopenie, einem Mangel an weißen Blutkörperchen, leidet und noch dazu Bilder von Siechtum und Tod zeichnet, um den Verlust ihrer Eltern zu verarbeiten.

Nachdem ihre Mentorin Agnes verstirbt, wird Rosalie Ende 1843 in ein Waisenhaus nach Schongau im Ostallgäu gebracht. Dort als Hilfsköchin beschäftigt lernt sie Romar kennen, einen Waldmann aus Haberatshofen. Schon beim ersten Rendezvous zeigt sich, dass die Warnungen der Schongauer vor den Waldmenschen berechtigt sein könnten…

Die Autorin nahm die regionale Legende der Weißen Frau und eine bis 1845 real existierende Siedlung als Vorlage und hat auf dieser Basis einen geheimnis- und stimmungsvollen Roman geschaffen. Die bildhaften Beschreibungen alltäglich wahrgenommener Gegenstände, Situationen und vor allem des Waldes waren ein wahrer Genuss für mich.

Auch der Spannungsaufbau ist meiner Meinung nach perfekt gelungen. Die Abgeschiedenheit des Dorfes, das unergründliche Verhalten der Bewohner und ihre Kunst, Fragen zu ignorieren, tragen dazu ebenso bei wie die ständigen Lügen und Ausflüchte. Rosalie selbst unterstützt diese Spannung durch ihre Naivität, die so weit geht, dass ich sie am liebsten geschüttelt hätte: Glaub doch nicht alles, was man dir auftischt! Hinterfrage weiter! Nimm das doch nicht so hin!

Also hatte mich der Roman schon bald gefesselt und ich war begierig darauf zu wissen, worin das alles endet. Meine dahingehende Vermutung hat sich schlussendlich bestätigt, was aber der Spannung keinen Abbruch tat.

Einzig die Liebesgeschichte zwischen Rosalie und Romar hat mich nicht überzeugt. Zwar waren die Beschreibungen ihrer Beziehung mitnichten ohne Gefühl oder ließen liebevolle Gesten vermissen; der Funke jedoch ist einfach nicht übergesprungen und ich konnte nicht mit den beiden mitfühlen.

4 Sterne für eine gruselige Geschichte, die den nächsten Wald ein bisschen unheimlicher macht.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Halle, die Vierte

Zorn - Wie sie töten
1

Stephan Ludwig präsentiert mit seinem neuesten Fall den vierten Band der Reihe um das Ermittlerduo Zorn und Schröder. Nach dem spannenden dritten Band „Zorn – Wo kein Licht“, welcher in einem fulminanten ...

Stephan Ludwig präsentiert mit seinem neuesten Fall den vierten Band der Reihe um das Ermittlerduo Zorn und Schröder. Nach dem spannenden dritten Band „Zorn – Wo kein Licht“, welcher in einem fulminanten Finale endete, war ich sehr gespannt auf den Nachfolger – allein schon aufgrund interessanter Entwicklungen gegen Ende des Vorgängerbandes: Schröder hat nach einem Unfall seines dementen Vaters beschlossen, den Polizeidienst zu quittieren. Und Malina? Die hält sich momentan in Zagreb auf. Sie hatte Zorn verlassen, nachdem dieser ihr vorgeworfen hatte, mit ihrem besten Freund Hermann geschlafen zu haben. Dieser ist jedoch, wie sich später herausstellen sollte, gar nicht an Frauen interessiert. Und noch dazu Vegetarier! Aber eine Versöhnung zwischen Melina und Zorn ist in Sicht, sodass auch hier Potential für „Zorn – Wo kein Licht“ geschaffen wurde.

So, was ist nun alles geboten?

Einige Leichen (darunter auch der ein oder andere vermeintliche Selbstmord), eine grausame und noch dazu mordende Altenpflegerin, ein toller Hecht als Ermittler, die – mittlerweile in der deutschen Sprache fast schon obligatorische – falsche Bildung des Genitiv’s, Babyalarm, Hochzeitsalpträume. Und das alles bereits zu Beginn des Buchs. Man merkt, Ludwig startet mit einem gehörigen Tempo in den vierten Fall. Es passiert also einiges, jedoch ist nach mehr als einem Drittel des Buches noch keine nennenswerte Ermittlungsarbeit aufgenommen worden – Schröder fehlt also nicht nur Zorn. Wobei ein wissender Erzähler anmerkt, dass selbst dieser wohl keine Veranlassung zu Nachforschungen gesehen hätte.

Stattdessen erfährt man einiges über die Protagonisten und deren Leben. Daneben gibt’s zwar auch eine Reihe von Morden – diese werden aber nicht entdeckt oder eben nicht als solche erkannt. Deshalb war es für mich bisher mehr ein Roman mit ein paar Toten als ein Krimi – was durchaus passt und das vierte Buch aus der Reihe herausragen lässt. Dass bei den vielen Erzählungen auch Zorns Seelenleben nicht zu kurz kommt, freut mich besonders. Zorns Gedanken einerseits und sein Handeln andererseits brachten mich des Öfteren zum Schmunzeln. Denn auch wenn er sich nach außen hin meist als Misanthrop verkauft, gibt es doch zwei Menschen die seine harte Schale erweichen können. Und so wie es ausschaut, ist es wohl bald einer mehr.

Schön finde ich auch, dass Zorn einen neuen „Kollegen“ bekommt – und zwar in Gestalt von Wachtmeister Kanthak. Dieser spricht aus, was ich mir eigentlich schon immer in Bezug auf Zorn gedacht habe: Wie kann man es nur so weit bringen, wenn man so faul ist und andere die Arbeit machen lässt? Natürlich, er ist nicht auf den Kopf gefallen. Aber seine Dreistigkeit erstaunt mich immer wieder. Jedenfalls macht es wahnsinnigen Spaß, die gegenseitigen Beleidigungen der beiden Kollegen zu lesen, welche nebenbei für viel Dynamik sorgen.

Schließlich geht es gegen Anfang der zweiten Hälfte des Buches dann richtig zur Sache. Die Schilderungen, wie die Altenpflegerin ihren vermeintlichen Kompagnon foltert, las ich mit gehörigem Ekel. Und als sie auch noch vor Zorns Tür steht, war ich endgültig gepackt und fragte mich, worauf das alles hinauslaufen wird. Hat sie die Morde im Altenheim nur verübt, um Zorn in ihre Nähe zu locken? Wird sie ihrem Verlangen nachgeben und versuchen, ihn in irgendeiner Art und Weise für sich zu haben? Und ist Malina in Gefahr? All diese Fragen begleiteten mich, aber Antworten darauf darf jeder selbst finden. Nur so viel sei verraten: Für Spannung ist gesorgt und das Ende wartet mit so mancher Überraschung auf.

Vier Sterne für einen rasanten vierten Fall!

Veröffentlicht am 28.08.2020

Was zur Hölle ist denn das für eine humorvolle und unterhaltsame Geschichte? Ich will mehr!

Devilish Beauty 1: Das Flüstern der Hölle
0

Wäre ‚Devilish Beauty‘ ein Film, würde Muse‘ ‚Apocalypse please‘ auf dem Soundtrack keine Rolle spielen. Denn Mimi und ihre unheilige Allianz versuchen genau das zu vermeiden: Das Ende der Welt, so wie ...

Wäre ‚Devilish Beauty‘ ein Film, würde Muse‘ ‚Apocalypse please‘ auf dem Soundtrack keine Rolle spielen. Denn Mimi und ihre unheilige Allianz versuchen genau das zu vermeiden: Das Ende der Welt, so wie wir sie kennen. Und auch wenn das nicht nur ernst klingt, sondern auch ernst und vor allem todbringend ist, war der erste Teil der Trilogie einfach nur locker-leicht, witzig und unterhaltsam. Ich will definitiv mehr!

Justine Pusts Debüt überzeugt mich in jeder Hinsicht. Zu Beginn wusste ich noch nicht so recht, was mich erwarten wird. Der Klappentext verrät einiges und doch ziemlich wenig. Denn es ist daraus nicht erkennbar, was für eine tolle Geschichte im Buch steckt und wie diese an den Leser gebracht wird. Witzig, unterhaltsam und um keinen Spruch oder 80er-Jahre-Song verlegen, bringt uns Justine Pust die Hölle nah. Und den Himmel. Denn, upsi, der Waffenstillstand wurde aus Versehen gebrochen. Dass Protagonistin Mimi das nicht mit Absicht gemacht hat, wird schon auf den ersten Seiten klar. Sie ist eine Dämonin, die für ihren Chef Baal Seelen einfängt. Eigentlich hasst sie ihren Job, doch zurück in die Hölle zu gehen ist keine Option. So trickst sie rum, erfindet Ausreden und dass sie mit ihrem Chef schläft ist in dieser Hinsicht auch ziemlich hilfreich, drückt er doch hier und da mal eins seiner gelben Augen zu.

Ach Mimi, ich mag sie so sehr. Sie steht voll im Leben (ok, die Wortwahl ist vielleicht nicht soo zutreffend), jobbt in einer Bar (hier hatte ich immer ‚True Blood‘-Assoziationen) und auch wenn sie ihrer dämonischen Libido fast nichts entgegenzusetzen hat und gefühlt dauernd an ihren Boss und Sex mit ihm denkt, finde ich sie sehr geradlinig und gar nicht so typisch dämonenlike. Nie um einen schlagfertigen Spruch verlegen, kippt sie gerne mal Tequila und bedauert, dass sie erstens nichts mehr von ihrer Vergangenheit weiß (warum, erfahren wir) und zweitens ihren Job nicht so mag. Ihren Körper hingegen findet sie richtig toll und hegt und pflegt ihn mit Essen. Da könnten sich andere höllischen oder himmlischen Gestalten mal eine Scheibe abschneiden.

Die anderen Personen sind eigentlich wohl eher Nebencharaktere, nehmen aber für diese Definition zu viel Raum ein. Bei fast allen habe ich meine Sympathien im Laufe der Handlung umverteilt, denn vor allem Dämonenjäger, Hexe, Engel und Prinz der Hölle machen es nicht immer leicht, sie durchwegs zu mögen. Trotzdem sind auch sie nie um einen witzigen Spruch verlegen – oder einen Songtitel an der richtigen Stelle! À propos Songtitel: Hinten im Buch ist eine Playlist abgedruckt, leider sind mir auf den ersten Blick schon drei Rechtschreibfehler aufgefallen. Das finde ich sehr schade und müsste nicht sein.. Aber zurück zur Geschichte selbst.

Der Plot ist sehr spannend und mitunter habe ich das Gefühl, es passiert alles gleichzeitig. Manchmal hätte ich gerne bestimmte Sachen genauer erklärt bekommen. Denn auf einmal ist von etwas die Rede, wo ich dachte, ich hätte es überlesen. Doch das hatte ich nicht, ich habe nur nicht verstanden, was diese oder jene Handlung ausgelöst hat.
Es werden viele biblische Zitate in die Handlung gewebt, es treten einige Gestalten auf, die man ebenfalls aus der Bibel kennt. So dachte ich zwar, Baal, Luzifer und der Antichrist wären mehr oder weniger die gleiche Person, aber weit gefehlt und Google hilft mal wieder. Man merkt, ich bin nicht sehr bibelfest und fand diese Aspekte deswegen so interessant. Ich kenne ein paar Geschichten, ein paar Personen und habe die Art, wie Justine Pust diese in ihre Story eingebaut hat, sehr genossen. Nicht alles so bierernst nehmend, sehr feministisch und ziemlich sexy.

Ich habe mir gleich noch die beiden Folgebände geholt, denn diese Trilogie möchte ich auf alle Fälle bald weiterlesen. 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.08.2020

Ein besondere historischer Liebesroman mit Zeitreiseelement

Mit dir für alle Zeit
0

Eine magische Liebesgeschichte. Treffender als es im Klappentext formuliert ist, kann man dieses Buch gar nicht beschreiben. Es ist ein historischer Roman, der einen nicht nur mit seinen tollen Beschreibungen ...

Eine magische Liebesgeschichte. Treffender als es im Klappentext formuliert ist, kann man dieses Buch gar nicht beschreiben. Es ist ein historischer Roman, der einen nicht nur mit seinen tollen Beschreibungen New Yorks in den Bann zieht, sondern auch mit seinen Zeitreiseelementen. Einzig die große Liebe, die Joe und Nora füreinander empfinden, kam bei mir nicht so an und blieb für mein Empfinden hinter den Möglichkeiten zurück.
Lisa Grunwald entführt den Leser mit Worten in das New York der 1930er bis 1940er. Weltausstellung, Kriegseintritt, der Alltag am Grand Central Terminal und der dazugehörenden Terminal City, das Leben einer amerikanischen Einwandererfamilie. Ich habe New York bei meinem ersten und einzigen Besuch sofort ins Herz geschlossen, denn es in jeder Hinsicht einfach überwältigend. Es dann so detailliert beschrieben zu bekommen hat mir unglaublich gut gefallen. Da habe ich nach dem Commodore Hotel gegoogelt, das jetzt das Grand Hyatt New York ist. Ich habe ungläubig den Kopf geschüttelt, als ich realisiert habe, dass High Diving Horses tatsächlich aus großer Höhe in ein Wasserbecken gesprungen sind. Und ich weiß jetzt, dass Marshmallows schon älter sind, als ich dachte. Denn das mache ich gerne beim Lesen historischer Romane: überzeugt sein, dass das doch nicht authentisch ist, denn das oder jenes gibt’s doch noch nicht so lange. Um dann eines besseren belehrt zu werden.
Grunwald beschreibt aber nicht nur New York sehr einnehmend. Sie hat auch eine schöne Art, Dinge zu sehen. Das Buch ist eigentlich eine einzige Leichtigkeit, sieht man von der Tragik des Verschwindens Noras mal ab. Ich habe mich richtig in das Leben dort hineinversetzt gefühlt, und das tolle Setting wurde dann noch mit einer ganz besonderen Liebesgeschichte bestückt. Joe, Stellwerker am Grand Central Terminal, verkuckt sich auf den ersten Blick in Nora. Die aber auf einmal verblasst und weg ist – um genau ein Jahr später wieder aufzutauchen. Es dauert ein bißchen, bis Joe herausfindet, warum das so ist. Die Erklärung finde ich toll, auch wenn man nicht erfährt, wie genau es funktioniert. Aber das ist auch gar nicht nötig, denn auch ohne physikalische Erklärung macht dieses Zeitreiselement das Buch bemerkenswert. Denn die Fragen und Herausforderungen, die damit einhergehen, sind keine Fragen, die man sich in einem „normalen“ Liebesroman stellt: Warum verschwindet Nora? Warum taucht sie überhaupt auf? Ist sie ein Geist? Ist Joes und Noras Liebe zum Scheitern verurteilt?

Leider ist die Beziehung zwischen Joe und Nora dann eher langweilig. Noras Leben ist durch die gegebenen Umstände auf einen bestimmten Bereich beschränkt. Und auch wenn dieser nicht besonders groß ist, hätte ich mir mehr erhofft als der dauernde Aufenthalt der beiden in irgendeinem Hotelzimmer. Ich denke, da wäre noch mehr möglich gewesen, einfach, um die Beziehung abwechslungsreicher und spannender zu gestalten. Gerade Terminal City mit seinen Hotels, Bars, Restaurants und weiteren Optionen der Zerstreuung hätten da bestimmt mehr hergegeben.
Als Joe dann vor die Wahl gestellt wird, sich entweder um Nora oder seine Familie zu kümmern wird die Problematik nicht angegangen, sondern sprichwörtlich in Nichts aufgelöst. Ebenso wird der Altersunterschied zwischen den beiden zwar ab und an angesprochen, aber nie ernsthaft thematisiert, geschweige denn nach Lösungen für eine gemeinsame Zukunft gesucht.

Nichtsdestotrotz habe ich das Buch gerne gelesen und fand es sehr verzaubernd. Auch wenn die Liebesgeschichte eher oberflächlich bleibt, macht das Zeitreiseelement sie doch lesenswert. 3,5 Sterne.
Achja, Manhattanhenge spielt übrigens eine wichtige Rolle in der Geschichte. Ein Phänomen, das tatsächlich existiert. Ich habe nachgeschaut.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.08.2020

Für mich minimal hinter den Vorgängerbänden bleibend, bereitet der dritte Band alles für's Finale vor. Ich will nicht, dass die Reihe endet.

Gejagt von Schicksal und Verrat (Sturmwanderer 3)
0

Da rückt es immer näher, das Ende der Sturmwanderer-Reihe. Nachdem ich nun den dritten Teil ‚Gejagt von Schicksal und Verrat‘ beendet habe, blicke ich ein bißchen wehmütig auf den Erscheinigungstermin ...

Da rückt es immer näher, das Ende der Sturmwanderer-Reihe. Nachdem ich nun den dritten Teil ‚Gejagt von Schicksal und Verrat‘ beendet habe, blicke ich ein bißchen wehmütig auf den Erscheinigungstermin des letzten Teils. Denn auch wenn dieser dritte Teil für mich von der Handlung her ein ganz kleines bißchen hinter den beiden Vorgängerbänden zurückgeblieben ist, werde ich diese Reihe nur schwer beenden können. So sehr habe ich sie ins Herz geschlossen. Da es sich um den dritten Teil einer Reihe handelt, sind in dieser Rezension Spoiler nicht zu vermeiden.
Großen Anteil an meiner Begeisterung für diese Reihe hat July Winters Schreibstil. Er ist einfach nur unglaublich, in jeder Hinsicht. Detailliert, gefühlvoll, bildhaft und derart einnehmend, dass man nur so über die Seiten fliegt. Die Sprache ist dem mittelalterlichen Setting angepasst. Neben den Wörtern, die man heute wohl nicht mehr zwingend so verwendet ist auch der Satzbau eher gehoben und macht es noch leichter sich in die Geschichte zu finden. Diese ist zwar wieder sehr spannend, reicht aber für mich vom Gefühl her nicht an die beiden Vorgänger heran. Vielleicht habe ich die knisternde Stimmung zwischen Dereck und Danielle vermisst, obwohl sie sich wieder witzige und zweideutige Wortduelle liefern. Oder ich sehnte mich unbewusst nach dem ländlichen und friedlichen Setting in Montelans. Ich kann es nicht festmachen woran es liegen mag, aber die beiden Vorgänger haben ein kleines bißchen mehr ins Herz getroffen. Nichtsdestotrotz mag ich auch diesen Teil sehr, selbst wenn sich die Schauplätze. Die Handlung schreitet mit großen Schritten voran und bereitet alles für’s große Finale.
Die Geschichte setzt direkt nach dem zweiten Band ein. Dereck ist weg und die Bewohner von Montelans erwarten den Boten des Königs. Schnell wird klar, dass das mitnichten ein Höflichkeitsbesuch ist. Auf brutale Schilderungen verzichtet die Autorin Gott sei Dank, aber die Fantasie übernimmt natürlich den Rest. Ich möchte nicht zu viel zur Weiterentwicklung der Handlung verraten, doch wir gehen auf Reisen. Das mag ich in Fantasyromanen ja besonders gerne, denn man lernt Land und Leute besser kennen. Ja, das widerspricht sich mit dem, dass ich Montelans vermisse. Aber man kann ja das eine mögen und das andere trotzdem vermissen oder?
Die Reise ist alles andere als sicher, denn überall lauert die Gefahr, von den Sturmkrähen König Davians gefunden zu werden, die es sowohl auf Dereck als auch auf Danielle abgesehen haben. Während des Fortgangs der Handlung lernen wir viele neue Leute kennen, manche sympathisch, manche weniger. Aber dadurch nur umso interessanter! Was treibt sie an? Was wollen sie? Auf welcher Seite stehen sie?
Vor allem die Entwicklung Danielles und Derecks im Laufe der drei Bände mitzuverfolgen war schön. Aus der vorsichtigen Wirtstochter ist eine junge Frau geworden, die sich nicht scheut, ihre Meinung zu vertreten, aber die in ihrem Herzen doch sehr unsicher geblieben ist und sich leicht von Worten anderer beeinflussen lässt – auch wenn sie das nicht möchte, doch wer hat schon Kontrolle über seine Gefühle? Ich mag sie einfach so gerne, sie ist natürlich und bleibt sich treu.
In diesem Band lernen wir mehr aus Derecks Vergangenheit als Soldatenprinz. Der Unterschied zu dem Menschen der er heute ist, wird dadurch noch deutlicher. Er wird als sehr arrogant beschrieben, selbstverliebt und gnadenlos, man merkt, wie umfassend ihn Danielle und ihre Familie verändert haben. Ich würde tatsächlich sehr gerne mehr über den kriegerischen Prinzen, der er war, erfahren. Denn dann kann ich mich umso mehr daran erfreuen, zu was für einem tollen Menschen er sich entwickelt hat. Er würde sein Leben für Danielle geben, das wird im Laufe der Geschichte sehr deutlich. Er empfindet nun auch Mitleid für andere und hinterfragt nicht nur einmal den Sinn des Ganzen. Denn er will unbedingt Rache nehmen für den Tod seines Bruders. Und dann? Auch ihn mag ich sehr, aber nur in der Version, die er jetzt ist: auf andere Rücksicht nehmend, sie beschützend, für sie kämpfend.

Alle offenen Fragen werden in diesem vorletzten Teil nicht beantwortet, aber der Weg zu einem spannenden vierten und letzten Teil ist auf alle Fälle gut vorbereitet worden. Und so freu ich mich einerseits auf ‚Gekrönt von Blut und Göttern‘, andererseits bin ich traurig, dass diese tolle Reihe dann zu Ende gehen wird. 4,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere