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Veröffentlicht am 19.08.2018

Ein wundervolles Buch über zwei starke Frauen, die mit allen Konventionen ihrer Zeit brechen

Das Geheimnis der Mittsommernacht
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In Das Geheimnis der Mittsommernacht schickt uns Christine Kabus in das Norwegen gegen Ende des 19. Jahrhunderts, in ein kleines Bergarbeiterstädtchen namens Røros nahe der schwedischen Grenze.
Norwegen ...

In Das Geheimnis der Mittsommernacht schickt uns Christine Kabus in das Norwegen gegen Ende des 19. Jahrhunderts, in ein kleines Bergarbeiterstädtchen namens Røros nahe der schwedischen Grenze.
Norwegen ist damals noch keine völlig unabhängige Nation, Protestanten und Katholiken können noch nicht ihre vielen Gemeinsamkeiten erkennen, Frauen sind als vermeintlich dumme und unmündige Menschen nur dazu da, den Haushalt zu führen und die Kinder großzuziehen, Arbeiter haben keine Rechte und werden auf Kosten ihrer Gesundheit und ihres Lebens ausgebeutet.
Die Autorin versetzt uns also in eine Zeit, die uns heute vielleicht unvorstellbar erscheinen mag. Unabhängigkeitsbewegungen, Frauenwahlrechte, Religionsfreiheit sind alles Attribute, die man nicht gerne hört. Gut, dass es Frauen gibt, die mit den vorherrschenden Konventionen brechen und ihren Weg gehen. Auf der einen Seite Sofie, in Røros als Tochter eines reichen Bergwerkdirektors geboren, auf der anderen Seite Clara, die es durch Heirat in gehobene Kreise geschafft hat, aber in ihrem Herzen die bodenständige Frau geblieben ist, wie es sie das Leben als Waise gelehrt hat.

Die Autorin verwebt geschickt die Schicksale der beiden Frauen, die trotz ihrer vermeintlichen Verschiedenheit zu Freundinnen werden, ihrem Herzen folgen und für ein Zeitalter des Aufbruchs stehen. Man bekommt als Leser einen Einblick in das harte Leben im strengen norwegischen Winter, voller Entbehrungen, Anfeindungen und Vorurteilen.
Ein wundervolles Buch über zwei starke Frauen, die ihren Weg gehen. 4 Sterne.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Auch der fünfte Fall für Isabelle Bonnet ist spannend, witzig und unterhält gut.

Madame le Commissaire und die tote Nonne
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Pierre Martin (wer steckt eigentlich hinter diesem Pseudonym?) schickt uns mit Madame le Commissaire und die tote Nonne mittlerweile schon zum fünften Mal in die Provence. Ich finde es schön, anhand einer ...

Pierre Martin (wer steckt eigentlich hinter diesem Pseudonym?) schickt uns mit Madame le Commissaire und die tote Nonne mittlerweile schon zum fünften Mal in die Provence. Ich finde es schön, anhand einer längeren Reihe den Figuren und ihren Entwicklungen zu folgen und mit kleinen Andeutungen während der aktuellen Geschichte wieder an alte Fälle erinnert zu werden. So ist mir vor allem der Vorgängerband in Erinnerung geblieben, in dem sich alles um ein geheimnisvolles Bild drehte. Da mir dieser Vorgänger wirklich sehr gut gefallen hatte, war ich nun gespannt, was der neuste Krimi für mich bereithalten würde.
Auch dieser Band behandelt ein Thema, das ich sehr interessant finde und über das ich nicht viel weiß. Nonnen, Klöster, Askese, aber auch die Organisation des Klosterlebens, der Alltag in einem Kloster, die Überlebensfähigkeit in der heutigen Zeit und Nachwuchsprobleme. Dabei wird weder das Christentum verschrien noch in den Himmel gelobt, man bekommt einfach einen sachlich-nüchternen Einblick – und eine Ahnung davon, dass selbst fromme Mönche dem Schicksal gelegentlich auf die Sprünge helfen könnten.
Martin schreibt auch diesen Teil wieder mit viel Witz und Ironie, Bonnet und Apollinaire liefern sich unterhaltsame Wortduelle. Der verschrobene und (fast) allwissende Sous-Brigadier hat sich so im Laufe der Reihe zu meinem Liebling entwickelt. Bonnet selbst ist mir zu taff und ihre Dreiecksbeziehung finde ich auch nicht optimal – ich kann mich einfach nicht so mit ihr identifizieren. Dabei ist sie mir aber nicht unsympathisch, sonst hätte ich längst mit der Reihe aufgehört.
So hat mich auch der fünfte Band um Madame le Commissaire überzeugt, 4 Sterne für die tote Nonne.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Was für ein Auftakt!

Palace of Glass - Die Wächterin
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London 2054. Die Gesellschaft ist gespalten. In Magdalenen und Menschen, deren Berührungen nicht gefürchtet werden. Denn eine Magdalena hat die Gabe, in den Geist eines Menschen einzudringen, seine Gedanken ...

London 2054. Die Gesellschaft ist gespalten. In Magdalenen und Menschen, deren Berührungen nicht gefürchtet werden. Denn eine Magdalena hat die Gabe, in den Geist eines Menschen einzudringen, seine Gedanken zu lesen und sie vielleicht sogar zu manipulieren.
C.E. Bernard hat mit Palace of Glass – Die Wächterin einen Auftakt geschaffen, der mich fast sofort mitgerissen hat. Die Gabe der Magdalenen ist (zumindest für mich) neu und innovativ, also einfach noch nie dagewesen. Unglaublich, wie man als Autor immer noch etwas schaffen kann, was einem als Leser bisher nicht bekannt war. Man sieht, der Fantasie sind wahrhaftig keine Grenzen gesetzt. Auch der Aufbau der Welt und wie es zum jetzigen Zustand im Jahr 2054 gekommen ist, ist gut nachvollziehbar und macht es trotz der fantastischen Elemente sehr realistisch. Zumal so alltägliche Sachen wie Handys, Tablets und Diskobesuche eine Rolle spielen.
Bernards Schreibstil ist dabeieinfach und schnörkellos. Sie schafft es, dass ich mich fühle, als wäre ich atemloser Teil der Geschichte. Obwohl sie in Deutschland geboren ist, an der Universität Bonn lehrt und Deutsch ihre Muttersprache ist, hat die Autorin die Trilogie auf Englisch verfasst. Die Übersetzung ist gut gelungen, deshalb finde ich dieses Detail eher interessant und außergewöhnlich, als irgendwie hinderlich.
Rea mit ihrer Gabe als Magdalena ist eine unglaublich sympathische Protagonistin. Kein mädchenhaftes Getue, sondern tough und stark . Genauso wie ich das mag. Die restlichen, nicht immer durchschaubaren, Personen tun ihr übriges und fertig ist dieser tolle Auftakt voller Spannung, unvorhersehbarer Wendungen, mit viel Gefühl und auch Berührungen – trotz der Illegalität. Da die beiden Folgebände der Trilogie im Abstand von je 2 Monaten erscheinen, gibt es auch kein zu langes Warten auf die Fortsetzung der Geschichte. Zumal das Ende von Palace of Glass nicht mit einem so miesen Cliffhanger endet wie man das vielleicht aus anderen Trilogien kennt. 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Guter zweiter Band, der aber einige Schwächen aufweist

Palace of Silk - Die Verräterin
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Nur knapp zwei Monate nach Palace of Glass, dürfen wir den Ereignissen in Palace of Silk weiter folgen. Rea ist nach Paris geflüchtet, vermeintlich liberal und mit mehr Freiheiten für Magdalenen verbunden. ...

Nur knapp zwei Monate nach Palace of Glass, dürfen wir den Ereignissen in Palace of Silk weiter folgen. Rea ist nach Paris geflüchtet, vermeintlich liberal und mit mehr Freiheiten für Magdalenen verbunden. Mir ist der Start trotz der kurzen Zeitspanne zwischen den zwei Büchern nur etwas holprig gelungen, ich lese anscheinend einfach zu viel in dem Genre. Wirklich wiederholt werden die Ereignisse aus Band eins nämlich nicht, aber das muss ja auch nicht sein. Band eins ist aber unbedingt zu lesen, bevor mit Palace of Silk gestartet wird! Nach dem phänomenalen ersten Band waren meine Erwartungen riesig, die aber leider nicht in jeder Hinsicht erfüllt werden konnten.


C.E. Bernard holt mich auch im zweiten Band mit ihrem Schreibstil ab. Ich fühle mich sprachlich gesehen auf einer Wellenlänge mit ihr, also ob sie schreibt wie ich spreche. Dadurch fällt mir das Lesen leicht und ich komme rasch voran. Die vielen französischen Ausdrücke und Sätze stören meinen Lesefluss nicht, wenn jemand jedoch nie Französisch gelernt hat, könnte das lesetechnisch schon zu Stolpersteinen führen. Wobei alle für die Handlung wichtigen Sätze übersetzt werden und lediglich die Ausrufe, die dem Flair der Umgebung dienen, unübersetzt stehengelassen werden.


Wie der Klappentext verrät, kommt auch Robin nach Paris. Das war zu erwarten, macht aber aus Rea eine Person, die ich nicht unbedingt als stark bezeichnen würde. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden finde ich noch dazu nicht mehr überzeugend, ich kann mit den beiden einfach nicht mehr mitfühlen. Auch Rea handelt unversätndlich, sie ist geradezu blind vor Liebe und vergisst alles und jeden für ihren Prinzen. Der übrigens auch wie ein Fähnchen im Wind ist und keine Person, die man als Leser mögen kann.
Dafür knistert es ordentlich zwischen zwei anderen aus Reas engstem Kreis und ich würde mir für den dritten Band wünschen, dass da noch etwas kommt. Und dann gibt es da noch eine Liebesgeschichte: schön, wie die Autorin auch gleichgeschlechtliche Liebe in ihren Roman einfließen lässt, aber das beschriebene Liebestrio finde ich nur verwirrend und kein bißchen nachvollziehbar. Schade, denn viel gelesen habe ich noch nicht in diese Richtung, deshalb ist so eine verworrene und gefühllose Beschreibung umso enttäuschender.

In Palace of Silk lernen wir einen neue Gegenspielerin kennen, die es wirklich in sich hat. Eiskalt, mächtig und geheimnisvoll. Madame Hiver ist wirklich mein Highlight in der Geschichte, auch wenn sie keine Sympathieträgerin ist. Durch ihre Position und das man sie als Leser nicht kennenlernt, birgt sie Potential für Action und überraschende Wendungen!


Palace of Silk ist ein guter zweiter Teil, der mit seinen Ereignissen den Weg für Band drei ebnet und durch Details wie einem Protestmarsch für Berührungsfreiheit auch politische Themen anspricht und dadurch Parallelen zu unseren Problemen in der Realität schafft. Leider fand ich zwei Liebesgeschichten nicht authentisch und nachvollziehbar, war von einer regelrecht genervt und habe die Zeilen nur überflogen. Rea und Robin haben sich in diesem Teil durch ihr Verhalten auch keine großen Sympathien erarbeitet, das kann nur besser werden. 4 Sterne.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Flavias fünfter Fall ist der bisher spannendste für mich - mit einem fiesem Cliffhanger!

Flavia de Luce 5 - Schlussakkord für einen Mord
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Alan Bradley entführt uns mit Flavia de Luce – Schlussakkord für einen Mord nun schon zum fünften Mal in das England der 50er Jahre. Wie der Titel und auch der Klappentext verraten, spielen nach den Stars ...

Alan Bradley entführt uns mit Flavia de Luce – Schlussakkord für einen Mord nun schon zum fünften Mal in das England der 50er Jahre. Wie der Titel und auch der Klappentext verraten, spielen nach den Stars und Sternchen des Filmbusiness' im Vorgängerband, nun ein Heiliger, ein Grab und ein toter Organist die größten Rollen.


Flavia ist – wie kann es auch anders sein - der Polizei zum wiederholten Male eine Zopflänge voraus. Es macht unglaublich Spaß, dieser klugen und naseweisen 11-jährigen bei ihren Ermittlungen zu folgen, auch wenn man teilweise merkt, dass sie doch noch ein kleines Mädchen ist. Da erzählt ihr ihre Schwester Daffy beispielsweise, ihre Mutter wäre aus Transsilvanien und in ihren Adern fließe Fledermausblut. Andere Mädchen in ihrem Alter hätten es vielleicht auch geglaubt, aber wahrscheinlich geheult - nicht so Flavia. Sie sammelt heimlich Blutproben ihrer Familie und beweist mit ihren Untersuchungen, dass sich ihre Blutkörperchen nicht von denen ihrer Familie unterscheiden. Genialität und Neugier schlagen Kindlichkeit und Naivität. Einfach nur klasse! Diese Fledermäuse ziehen sich übrigens durch die ganze Geschichte und sorgen für nette Anekdoten.

Neben diesen kleinen Geschichten und anderen witzig-ironischen Szenen, die auch in diesem fünften Band nicht zu kurz kommen, wird es richtig spannend und gefährlich für Flavia, die zwar in einem netten Privatdetektiven einen Verbündeten gefunden hat, sich aber trotzdem immer alleine in alle Abenteuer stürzt – man muss schließlich einen Mörder finden, und das schnell! Sie kann ja schließlich nichts dafür, dass Inspektor Hewitt sie nicht in seine Ermittlungen einbindet. Manchmal sind kleine Mädchenhände nämlich wirklich von Vorteil. Und, dass sie oft unterschätzt wird.

Was ich ziemlich traurig für Flavia finde, ist, dass ihr Vater sich leider nicht wie ein Vater verhält und ihm seine Briefmarken wichtiger sind als alles andere. Wie sehr sich Flavia freut, dass sie zum zweiten Mal in ihrem Leben ein Gespräch mit ihm hat. Sie ist elf und hat zum zweiten Mal in ihrem Leben ein Gespräch mit ihrem Vater? Hallo?! Doch in den 50er-Jahren herrschten noch andere Familiensituationen, vielleicht war es zu dieser Zeit normal, dass das Oberhaupt der Familie so unnahbar ist, zumal er wohl seelisch ziemlich versehrt aus dem Krieg zurückgekehrt ist und seine Frau kurz nach Flavias Geburt ums Leben kam. Nun, eventuell ändert sich das in den Folgebänden, der Cliffhanger ist fies und unerwartet und birgt einiges an Potential. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil der Reihe, den ich bestimmt bald in Angriff nehmen werde. 4 Sterne für Flavias bisher spannendsten Fall, ich freue mich darauf, demnächst weiterlesen zu können.