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Veröffentlicht am 19.10.2017

Wünsche, Glück und große Verantwortung

Gwendys Wunschkasten
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Richard Farris bezeichnet sich selbst als Wanderer. Mit kecker Melone auf dem Kopf, tingelt er, adrett gekleidet, durch ganz Amerika und beobachtet die Menschen. Hin und wieder wecken bestimmte Personen ...

Richard Farris bezeichnet sich selbst als Wanderer. Mit kecker Melone auf dem Kopf, tingelt er, adrett gekleidet, durch ganz Amerika und beobachtet die Menschen. Hin und wieder wecken bestimmte Personen sein Interesse. Eine von ihnen ist die zwölfjährige Gwendy Peterson. Als er sie zum ersten Mal anspricht, ist sie zunächst vorsichtig. Natürlich weiß das Mädchen, dass sie nicht mit Fremden sprechen und schon gar keine Geschenke entgegennehmen soll. Als Farris ihr jedoch ein Kästchen aus braunem Holz überreicht, überwiegt die Faszination. Sie ist eine Auserwählte und es hat den Anschein, als gehöre es tatsächlich ihr. Mit diversen Hebeln und Tasten ausgestattet, erfüllt der Kasten seinem Besitzer alle Wünsche – von Schokolade über Silbermünzen und allerlei mehr. Gwendy versteckt ihren Wunschkasten erst in einem Hohlraum des Wurzelwerks einer alten Eiche im Garten, später hinter einem Ziegelstein des Keller-Gemäuers oder im Kleiderschrank. Mit dem Besitz des Kästchens geht große Verantwortung einher. Er ist ein Geheimnis und Neugier sowie Zwang, die Tasten zu drücken, sind nicht zu unterschätzen. Jahre vergehen, bis Gwendy große Schuld auf sich lädt …

GWENDYS WUNSCHKASTEN bewirkt in zweiunddreißig Kapiteln über rund zehn Jahre augenscheinlich eine Menge Gutes. Das Mädchen entwickelt eine starke Persönlichkeit, bekommt Bestnoten in der Schule und erntet viel Lob und Anerkennung. Ihr Umfeld profitiert ebenso vom Glück wie sie selbst. Dennoch fragt sich Gwendy, genau wie die Leserschaft, was sich schlussendlich hinter den bunten Tasten des Kästchens verbirgt. Hell- und dunkelgrün, orange und gelb, blau und violett – eine jede gilt für einen bestimmten Kontinent. Die schwarze Taste steht für das große Ganze und die rote Taste für einzelne Wünsche in beliebiger Anzahl. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Hauptfigur die Entscheidung trifft, eine von ihnen zu betätigen. Natürlich nicht ohne Folgen!

Die Erzählung von STEPHEN KING und RICHARD CHIZMAR bewegt sich in einem ruhigen Rahmen, ohne bahnbrechende Actionelemente oder übertrieben arges Blutvergießen. Das Grauen schwingt zwischen den Zeilen und betrifft vielmehr die Fragestellung „Was wäre, wenn …?“ Für Spannung ist dennoch gesorgt, weiß man nie, wann eine Taste betätigt wird, welche Wirkung dies hat und ob Gwendy den Kasten vielleicht früher oder später wieder abgeben muss. Eine ganze Reihe Eventualitäten! Der Abschluss der Novelle ist recht gefällig, stimmt dennoch nachdenklich.

GWENDYS WUNSCHKASTEN erscheint als handliches Hardcover im Heyne Verlag.
Die Aufmachung ist optisch wie haptisch ein Traum: Mit Holzprägung samt Furchen, wirkt das Buch selbst wie ein kleines Kästchen. Naschereien und Münzen in Spotlack, haben ebenfalls spürbare Höhen und Tiefen. Wirklich toll gemacht!

Fazit:

GWENDYS WUNSCHKASTEN ist kein Horror im üblichen Sinne, jedoch eine absolut lesenswerte Novelle mit Tiefgang. STEPHEN KING und RICHARD CHIZMAR funktionierten gut als Team – Idee und Umsetzung sind zweifelsohne gelungen.

Veröffentlicht am 10.10.2017

Solider Thriller für rundum gute Unterhaltung

The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot.
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Folgate Street 1 in Hendon, London: Ein Haus, so eigen wie sein Architekt. Außen ein kompakter Würfel mit horizontalen Glasschlitzen, innen beeindruckende Technik, gepaart mit karger Leere und absoluter ...

Folgate Street 1 in Hendon, London: Ein Haus, so eigen wie sein Architekt. Außen ein kompakter Würfel mit horizontalen Glasschlitzen, innen beeindruckende Technik, gepaart mit karger Leere und absoluter Stille. Es gibt etwa zweihundert Klauseln im Mietvertrag, allerhand Pflichten und Verbote sowie ein Bewerbungsprozedere mit finalem Vetorecht des Vermieters. Das Objekt hat allerdings eine dramatische Historie. Leichen pflastern seinen Grund und Boden. Nicht zuletzt verlor Edward Monkford Frau und Sohn bei einem tragischen Unfall und ließ sie an Ort und Stelle begraben. Auch Emma Matthews und Jane Cavendish haben einschneidende Erlebnisse hinter sich, als sie das Haus beziehen. Während Emma nach einem bewaffneten Überfall einen Neuanfang wagt, lässt Jane eine Totgeburt zurück. Monkford ist ein Mann, wie kein anderer. Ein Techno-Minimalist, der großen Wert auf Integrität, Ordnung und Disziplin legt. Mit Charme und Selbstbewusstsein fasziniert er die Damenwelt. So erliegen auch zunächst Emma und später Jane seinen Reizen. Beide Beziehungen sind unkonventionell, währen jedoch nur kurz. Trotz frappierender Ähnlichkeit zur verblichenen Elizabeth Monkford, widerstreben beide Frauen seinem zwanghaften Perfektionismus. Emma wird jäh von ihrer Vergangenheit eingeholt, während Jane wiederum der Vergangenheit des Architekten auf den Fersen ist, um ihre gemeinsame Zukunft zu sichern. Mit Widerstand und selbständigem Denken kann Edward nicht umgehen, Kontrolle und Macht sind sein Metier. Seine Obsessionen bergen allerdings nie ein gutes Ende. Und jeder Fertigstellung eines neuen Gebäudes der Monkford Gruppe geht ein Todesfall voraus …

THE GIRL BEFORE ist eine Geschichte über ein faszinierendes Hightech-Haus, einen dominanten Architekten und die Frauen, die Teil seines Lebens waren. Es geht um Leidenschaft, Lügen, allerhand Geheimnisse und ungeklärte Todesfälle. Im Fokus stehen zudem zwanghafte Wiederholungen, die umso deutlicher werden, da während der Lektüre Vergangenheit und Gegenwart parallel zum Zuge kommen. J P DELANEY unterteilt das Buch in siebzehn Kapitel, die sich thematisch, den Fragen des Bewerbungsbogens potenzieller Mieter angelehnt, dem Höhepunkt des Geschehens nähern. Die Ereignisse werden abwechselnd jeweils in erster Person Singular aus den Perspektiven „Damals: Emma“ und „Heute: Jane“ geschildert. Jede Frau nimmt den Leser in ihrem Leben gefangen. Was allerdings in ihren Köpfen vorgeht, erfährt er nur in begrenzten Maßen. Handlungen, Andeutungen und seltsame Begebenheiten sorgen für Verwirrung und fachen die Suche nach möglichen Erklärungen an. Das Spannungspotenzial ist dementsprechend hoch angesetzt und erfüllt die Erwartungen. Die Auflösung des Ganzen vermag womöglich auch einige Leser überraschen, der richtige Knalleffekt bleibt für mich allerdings aus. Zu glatt und durchdacht wirken Inhalt und Umsetzung. Eben perfekt auf eine Verfilmung ausgelegt, die nicht auf sich warten lässt.

THE GIRL BEFORE erscheint als Paperback im Penguin Verlag. Das Cover ist ein absoluter Eyecatcher! Düstere Farbgebung, scharfe Kanten und der Wechsel zwischen glänzenden und matten Flächen verzaubert hinsichtlich Optik und Haptik gleichermaßen. Der Auszug aus dem Inhalt auf der Buchrückseite sowie ausgewählte Fragen des Bewerbungsbogens auf den Innenklappen machen Lust auf mehr. Ein gelungener Marketing-Effekt!

Fazit:

J P DELANEY erzählt mit THE GIRL BEFORE einen soliden Thriller, der Interesse weckt, Spannung erzeugt und befriedigend endet. Der regelmäßige Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie allerhand Lügen und Geheimnisse sind gelungen, ebenso die Hintergründe des Geschehens. Trotz rundum guter Unterhaltung fehlt mir allerdings das gewisse Extra, der Wow-Effekt zum Hype bleibt aus.

Veröffentlicht am 07.10.2017

Spannende Exkursion zwischen den größten Rätseln der Menschheit

Palast der Finsternis
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Anouk Geneviève von Roijer-Peerenboom ist eine von fünf Auserwählten, die gemeinsam den Spuren einer jahrhundertealten Sensation nachgehen. Eine Expedition in den Untergrund von Paris – streng reglementiert ...

Anouk Geneviève von Roijer-Peerenboom ist eine von fünf Auserwählten, die gemeinsam den Spuren einer jahrhundertealten Sensation nachgehen. Eine Expedition in den Untergrund von Paris – streng reglementiert und absolut geheim. Außerdem im Team: Jules Makra, William Park, Hayden Maiburgh und Lilly Watts. Sie alle sind überaus geeignet für diese besondere Reise. Ihre Kontakt- und Begleitperson ist Professor Dr. Thibault Dorf, der inmitten seiner vier Bodyguards wohl den groteskesten Auftritt am Treffpunkt hat. Vor Ort wird darüber hinaus Miss Sei, leitende Wissenschaftlerin der Sapani Corporation, assistieren. Und schon startet das Projekt Papillon!

Warum ausgerechnet Teenager im Alter von sechzehn bis siebzehn Jahren anstelle von erfahrenen Archäologen oder renommierten Kunsthistorikern die sagenumwobene Fundstätte unter dem Château du Bessancourt ergründen, bleibt zunächst fraglich. Nichtsdestotrotz erwartet die jungen Leute nicht nur ein architektonisches Wunder des 18. Jahrhunderts, sondern das größte Abenteuer ihres Lebens …

Über dreißig Meter unter der Erdoberfläche nimmt unerwartetes Unheil unaufhaltsam seinen Lauf. Nicht alles lässt sich rational erklären und nicht alles folgt logischen Abläufen. Das Palais du Papillon ist für die Hauptfiguren ebenso ein spannendes Verwirrspiel wie für die Leserschaft. Gleich zu Beginn wird die Gruppe unter merkwürdigen Umständen um ein Mitglied ärmer. Hayden hat es erwischt. Damit bekommt das Projekt einen negativen Anstrich und es steht wohl außer Frage, dass ihnen die Veranstalter böse mitspielen. Gut für den Spannungsbogen!

Fünfundfünfzig Kapitel in erster Person Singular aus Anouks Blickwinkel sowie regelmäßige Einschübe, ebenfalls in erster Person Singular, aus der Perspektive von Aurélie du Bessancourt aus dem Jahre 1789 treiben das Geschehen einst wie heute auf einen mysteriösen Höhepunkt zu. Kurze Abschnitte kommen hierbei einem zügigen Lesefluss zugute. Der Palast birgt viele Räume und ein jeder hält eine Überraschung bereit. Einige hiervon sind wirklich gefährlich. Ab und an wird es sogar recht brutal. Insgesamt bewegt sich die Erzählung zwischen Phantasie, Historie, Wissenschaft und Familientragödie. Die größten Rätsel der Menschheit sind das Leben und der Tod. Im PALAST DER FINSTERNIS liegt die Lösung irgendwo dazwischen!

PALAST DER FINSTERNIS erscheint als Paperback im Diogenes Verlag.
Das Cover fällt vor allem durch metallischen Schimmer ins Auge. Aber auch das Motiv selbst wirkt mysteriös und weckt Neugier auf den Inhalt. Rückseite und Innenklappen halten Informationen über Inhalt und Autor, darüber hinaus auch die Einladung der Sapani Corporation zur Exkursion bereit.

Fazit:

Im PALAST DER FINSTERNIS erwartet die Leserschaft ein, im wahrsten Sinne des Wortes, finsteres Abenteuer zwischen Phantasie und Wirklichkeit. STEFAN BACHMANN schickt seine jungen Hauptfiguren in ein unterirdisches Labyrinth unterschiedlicher Gefahren. Die Geschichte bewegt sich zwischen Leben und Tod, Freundschaft und Einsamkeit. Spannend und unterhaltsam!

Veröffentlicht am 03.10.2017

FLORA – Ein grandioser Bildband über 3000 JAHRE PFLANZENDARSTELLUNG IN DER KUNST!

Flora
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Mit FLORA feiert die Deutsche Verlags-Anstalt 3000 JAHRE PFLANZENDARSTELLUNG IN DER KUNST. Freude und Ehre all jenen, die Faszination und Leidenschaft teilen. Der umfangreiche Bildband ist in der Tat ein ...

Mit FLORA feiert die Deutsche Verlags-Anstalt 3000 JAHRE PFLANZENDARSTELLUNG IN DER KUNST. Freude und Ehre all jenen, die Faszination und Leidenschaft teilen. Der umfangreiche Bildband ist in der Tat ein gewaltiges Werk, sowohl schwer von Gewicht als auch inhaltlich zweifelsohne herausragend! 300 ausgewählte Illustrationen repräsentieren botanische Schönheit aus aller Herren Länder und geben Einblick in künstlerisches Schaffen auf einer Zeitachse von rund 1600 Jahren vor Christus bis in die Gegenwart. Das internationale Expertengremium, das für die Zusammenstellung verantwortlich zeichnet, legt besonderen Wert auf die kulturellen und spezifischen Hintergründe der Abbildungen. Künstler und Wissenschaftler aus Europa, China und Indien, Afrika, Australien und Amerika finden ebenso Einlass wie Skulpturen, Handschriften, Malereien und Zeichnungen sowie Fotografien und sogar Arbeiten, die auf mikroskopischen Aufnahmen basieren. Erklärende Texte bergen darüber hinaus so manches Highlight für den Leser und Betrachter des Buches.

Zunächst weist ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis den Weg. Ein ausführliches Vorwort erzählt über die Geschichte der botanischen Illustration, deren Ursprünge und Fortgang, über die Bedeutung der botanischen Systematik per se und die bildliche Wiedergabe in Kunst und Wissenschaft sowie über moderne Entwicklungen und frische Ansätze botanischer Bildgebung und deren Verbreitung in Gegenwart und Zukunft. Das Herzstück von FLORA sind selbstredend die Kunstwerke. Jedem Exponat steht eine gesamte Seite für Bild und Text zur Verfügung. Die Anordnung ist natürlich nicht dem Zufall überlassen. Paarweise ermöglichen sie Vergleiche und Kontraste hinsichtlich Gegenstand, Alter, Zweck, Herkunft oder Darstellungsform. Für Interessenten chronologischer Aspekte folgt eine Zeittafel mit allerhand Meilensteinen botanischer Geschichte. Auszüge zur Taxonomie des Pflanzenreichs, ein übersichtliches Glossar sowie ausgewählte Biografien runden den Bildband zusammen mit Literatur-Hinweisen, einem alphabetischen Register, Danksagung sowie Text- und Bildnachweisen ab.

Die Aufmachung von FLORA ist ein Kunstwerk für sich! Das eingangs erwähnte Gewicht kommt nicht von ungefähr. Für 3000 JAHRE PFLANZENDARSTELLUNG IN DER KUNST wurde nicht nur das Großformat, sondern auch qualitativ hochwertiges Papier genutzt. Der Druck ist klar und, wo beabsichtigt, farbgewaltig. So kommt auch das kleinste Detail der Abbildungen perfekt zur Geltung, Licht- und Schatten verlieren nicht an Wirkung und Reliefs scheinen zum Greifen nah. Die erklärenden Texte stehen den Kunstwerken in ihren Maßen zurück, enthalten dennoch mannigfaltige Informationen um Werk, Künstler bzw. Wissenschaftler sowie die Schaffensperiode. Tatsächlich lernt man hier noch einiges dazu. Wer weiß schon um den Kultstatus der Acker-Schmalwand, der ersten Pflanze, die einen vollständigen Lebenszyklus im All durchlief und deren Genom komplett entschlüsselt wurde – um nur ein Beispiel zu nennen …

Fazit:

FLORA – Ein grandioser Bildband über 3000 JAHRE PFLANZENDARSTELLUNG IN DER KUNST! Mit 300 ausgewählten Kunstwerken, die diesen Anlass zelebrieren und darüber hinaus allerlei Informationen mit sich führen. Umfangreich, imposant und qualitativ hochwertig, sucht dieses Werk seinesgleichen.

Veröffentlicht am 14.08.2017

Überleben kennt keine Regeln

Spectrum
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Aaron Brown, besser bekannt als ETHAN CROSS, überzeugte viele Leser bereits mit mehreren Titeln um den Serienmörder Francis Ackerman junior sowie den ehemaligen Polizisten Marcus Williams. Mit SPECTRUM ...

Aaron Brown, besser bekannt als ETHAN CROSS, überzeugte viele Leser bereits mit mehreren Titeln um den Serienmörder Francis Ackerman junior sowie den ehemaligen Polizisten Marcus Williams. Mit SPECTRUM geht nun eine weitere Thriller-Reihe an den Start, die den so genannten SHEPHERD-Büchern in nichts nachstehen soll. Der geniale Held ist schnell gefunden: Dr. Auguste Burke, Heavy-Metal-Fan und leidenschaftlicher Autoschrauber. Das Besondere an ihm ist das Asperger-Syndrom, eine Variante des Autismus. Seine Kenntnisse und Fähigkeiten sind enorm. Und er würde nichts lieber tun, als anderen Menschen helfen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen!

Die Gelegenheit bekommt er, als Special Agent Samuel Carter seinem Vater einen Gefallen einlöst und ihn als FBI-Berater unter seine Fittiche nimmt. Allein mit Akten, Computer und seinem brillanten Verstand schließt er siebenundzwanzig alte Fälle. Zusammen mit Officer Dominic Juliano, Sohn eines Mafiabosses und ein Ass im Entschärfen von Bomben, bilden Carter und Burke ein äußerst fähiges Team gegen das organisierte Verbrechen.

Aller Anfang ist schwer. Dr. August Burke hasst die direkte Konfrontation mit ihm unbekannten Menschen. Nichtsdestotrotz sind seine Analysen und Vorhersagen Gold wert. Sein Talent beweist er gegen den wortwörtlich großen Bösewicht Krüger. Idris Madeira, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist ein Profi mit ungeheuer viel Blut an den Händen. Der Söldner ist ein gefährliches Raubtier und eine tödliche Waffe. Folter ist ihm kein Fremdwort und er bekommt stets, was er will!

Krüger hat unter der harten Schale dennoch einen weichen Kern. Seine Tochter ist sein Sonnenschein. Für Kianga ist er bereit, ein besserer Mensch zu werden. Ein letzter Coup und er wird sich ein für allemal freikaufen. Zukünftig möchte er ein guter Vater und für die Familie da sein. Doch wird ihm das gelingen?

Der Autor wirft seine Leserschaft sofort mitten ins Geschehen. Dieses Gefühl, überrannt zu werden, bleibt auch ein Weilchen erhalten. Ein Szenario jagt das nächste und nebenbei werden die Charaktere benannt. ETHAN CROSS legt dabei ein rasantes Tempo vor und nimmt hinsichtlich Brutalität kein Blatt vor den Mund. Vor allem letzteres überrascht gleich zu Beginn des Buches. Wo andere Autoren behäbig Schauplätze und Zusammenhänge beschreiben sowie Figuren einführen und in vermeintlicher Sicherheit wiegen, geht es hier sofort zur Sache. Das macht es allerdings auch etwas schwer, Namen und Handlungsstränge auseinanderzuhalten.

Das Geschehen nimmt seinen Lauf, Hinweise und Andeutungen werden gestreut und schlussendlich folgt man einem roten Faden. Ganz schlüssig sind manche Details nicht. Die harten Kerle sind beispielsweise zu nah am Wasser gebaut und haben ständig Tränen in den Augen. Auch spielt der Zufall hin und wieder seine Karten aus und einiges wirkt einfach übertrieben.

Das Buch ist spannend, keine Frage! Meine, zugegeben recht hohen, Erwartungen hat es dennoch nicht erreicht. Aber ich sehe der Fortsetzung im Sinne einer Task Force mit Humor und Köpfchen durchaus entgegen. In SPECTRUM steckt Potenzial und das Böse lauert schließlich immer und überall …

SPECTRUM erscheint als handliches Taschenbuch im Bastei Lübbe Verlag. Mit dem blauen Buchschnitt, dem Kontrast von Licht und Schatten sowie dem minimalistischen Covermotiv in hochglänzendem Schwarz mit leuchtenden Farben im Titel, fällt es sofort ins Auge!

Fazit:

ETHAN CROSS startet mit seinem neuen Thriller eine Reihe mit einem ungewöhnlichen aber genialen Helden inmitten eines humorvollen, gewieften Teams. Ich bin noch nicht vollends überzeugt, aber sehr gespannt auf die Fortsetzung. SPECTRUM ist auf jeden Fall actiongeladen, temporeich und rundum filmreif!