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fredhel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.03.2018

Emma Vaughan

Schweigegelübde
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"Schweigegelübde" ist die Fortsetzung von Barbara Bierachs erstem Irlandkrimi "Lügenmauer", den ich schon mit Vergnügen gelesen habe. Diese zweite Folge ist auch ohne Vorkenntnisse gut zu verstehen.

Das ...

"Schweigegelübde" ist die Fortsetzung von Barbara Bierachs erstem Irlandkrimi "Lügenmauer", den ich schon mit Vergnügen gelesen habe. Diese zweite Folge ist auch ohne Vorkenntnisse gut zu verstehen.

Das romantische Städtchen Sligo ist erneut der Ort der Handlung. Inspector Emma Vaughan wird von einem befreundeten Klinikarzt um die Aufklärung einiger suspekter Todesfälle gebeten. Die Ermittlung selbst ist nicht wirklich aufregend, sondern bezieht ihren Reiz aus der persönlichen Situation von Emma, die mit mehreren Problemen zu kämpfen hat. Dabei ist die unerwiderte und geheime Liebe zu ihrem jüngeren Arbeitskollegen James noch die kleinste Angelegenheit.

-Immer noch nimmt sie starke Schmerzmittel und ihre Dosis scheint sich erhöht zu haben. Das ist ihrem Vorgesetzten wohl aufgefallen, denn es wird ein Drogenscreening angeordnet.

-Emmas Mann gerät immer mehr in den Verdacht, IRA-Sympathisant zu sein. Er sitzt weiterhin in Haft. Seine Verteidigung wird teuer werden.

-Emmas eigenmächtige Handlungsweise in ihrem ersten Fall aus "Lügenmauer" scheint ihr nun um die Ohren zu fliegen. Ihrer Karriere droht ein plötzliches Aus. Der zweite Teil des Krimis ist nun die Fortsetzung von damals und ist richtig, richtig spannend.

Barbara Bierach hat sich mit ihrem zweiten Roman in meinen Augen noch eindeutig steigern können. Hintergrundinformationen bleiben im Hintergrund, aber sind dennoch interessant und wichtig, und vor allem sehr geschickt in die Handlung eingebunden.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es gibt hoffentlich eine Fortsetzung!

Veröffentlicht am 16.03.2018

Mutige Schwestern

Die Nachtigall
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"Die Nachtigall" von Kristin Hannah ist ein sehr umfangreiches Buch. Zirka sechshundert Seiten lang begleitet der Leser die ungleichen Schwestern Isabelle und Vianne durch die Härten des zweiten Weltkrieges. ...

"Die Nachtigall" von Kristin Hannah ist ein sehr umfangreiches Buch. Zirka sechshundert Seiten lang begleitet der Leser die ungleichen Schwestern Isabelle und Vianne durch die Härten des zweiten Weltkrieges. Ihr Vater kam schon verstört und an der Seele verwundet aus dem ersten Weltkrieg heim. Mit Alkohol betäubt er sich, die Mädchen gibt er fort, als seine Frau stirbt.

Vianne findet sich besser mit den neuen Umständen ab. Sie findet Freunde, wird schwanger, heiratet.....auch wenn nicht alles glatt läuft, so scheint ihr Weg doch geradlinig vorgezeichnet.

Isabelle dagegen ist aufsässig, zornig, nicht zu bändigen. Sie flüchtet aus allen Internaten, nur um aufs Neue entweder vom Vater oder der Schwester auf die nächste Schule geschickt zu werden. Sie ist eine rechte Plage und unter der deutschen Besatzung sogar eine tickende Zeitbombe für Vianne und ihre Tochter, da Isabelle fast an ihrer ohnmächtigen Wut zu ersticken droht. Sie zeigt offen ihren Hass und kann ihren Mund nicht zügeln. Es ist eine gute Entscheidung in die Résistance abzutauchen, um hunderten abgestürzten Piloten der Alliierten die Flucht nach Spanien zu ermöglichen.

Die vernünftige Vianne macht indessen eine schwere Zeit durch. Ein deutscher Offizier nimmt Quartier in ihrem Haus und sie muss es hilflos dulden. Doch auch sie findet ihren Weg der geheimen Revolte.

Keine Seite dieses grossen Romans ist langweilig. Es ist eine Geschichte mit Spannung und mit grossen Emotionen vor einer schwierigen geschichtlichen Epoche. Es sind nicht ausschliesslich die persönlichen Schicksale, die berühren, sondern auch die Wirklichkeit des Überlebens in einer rundum feindlich gewordenen Umwelt. Jeder ist auf sich allein gestellt, Misstrauen schleicht sich in jede Freundschaft, Hunger und Kälte mergeln den Körper aus, während es sich die Besatzer vor aller Augen gut gehen lassen.

Das Ende ist dann so ergreifend, dass mir fast die Tränen gekommen sind. Aber es ist auch ein in sich runder Abschluss von zwei bewegenden Frauenschicksalen.

Veröffentlicht am 10.03.2018

Kein 007

Spritztour
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Vom Autor Jürgen Seibold kenne ich schon ein paar andere Regionalkrimis. Immer wieder bin ich davon begeistert, wie er seine Leser mit leichter Hand durch Mord und Totschlag lotst. Seine Charaktere sind ...

Vom Autor Jürgen Seibold kenne ich schon ein paar andere Regionalkrimis. Immer wieder bin ich davon begeistert, wie er seine Leser mit leichter Hand durch Mord und Totschlag lotst. Seine Charaktere sind recht eigenwillige Typen, geraten schon mal in skurrile Situationen und sind in erster Linie einfach knuffig.

Die Allgäu-Krimi-Serie dreht sich um Kommissar Eike Hansen (ein Nordlicht, wie der Name schon sagt) und seine Truppe. Sie sind ein eingespieltes Team, das sich diesmal um einen rätselhaften Mord in Füssen kümmert. Das Opfer hatte es faustdick hinter den Ohren: Tricksereien mit Handelswaren, mehrere parallel verlaufende Gespusis, eine Ex-Agentenkarriere.....viele Motive, viele Spuren und die Ermittlertruppe geht frisch ans Werk, obwohl schon schnell das BKA alles an sich reißt. Natürlich findet sich zum Schluss die richtige Spur, aber bis dahin hat der Leser nicht nur spannende sondern auch manch humorvolle Szene genossen. Der beste Nebendarsteller ist übrigens Kater Ignaz, superschlau und supercool, ein richtiges Viecherl fürs Herz!

Der Mord wird lupenrein aufgeklärt, aber es gibt neben Ignaz auch noch einige offene Enden, die Lust auf eine Fortsetzung machen.

Veröffentlicht am 28.02.2018

Stress für Fameo

Liebe macht zornesblind
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Leider kenne ich den ersten Band der Südtirol-Krimis von Ralph Neubauer (noch) nicht, in dem der elegante Commissario Fameo bei seinen erfolgreichen Ermittlungen einflussreichen Personen dermaßen auf die ...

Leider kenne ich den ersten Band der Südtirol-Krimis von Ralph Neubauer (noch) nicht, in dem der elegante Commissario Fameo bei seinen erfolgreichen Ermittlungen einflussreichen Personen dermaßen auf die Füße tritt, dass man sich genötigt sieht, diesen in die Südtiroler Provinz weg zu loben. Eine fast sichere Nachfolge als Vicequestore dient als Köder. Insgesamt hat sich Fameos Lebenssituation hier im Pfossental eindeutig verbessert. Die Arbeit und die Leute liegen ihm, und in der Apothekerin Elisabeth hat er seine große Liebe gefunden. Bis jedoch die Hochzeitsglocken läuten, steht ihm eine aufregende Mörderjagd an der Seite seines Freundes Tommaso bevor. Zwei in abgelegenen Gegenden aufgefundene Männerleichen geben Rätsel auf, simple Tankstelleneinbrüche sind ein Indiz für organisierte Kriminalität, die erste Fühler ins Pfossental ausstreckt, und die versprochene Beförderung rückt erst einmal in weite Ferne, als ihm eine unfähige Vorgesetzte aus parteipolitischem Klüngel vor die Nase gesetzt wird.

Von der ersten Seite an nimmt Fameo den Leser für sich ein. Man erfährt viel über sein Privat- und Liebesleben, und seine Reaktion auf die neue cholerische Vorgesetzte ist absolut nachvollziehbar. Fameos Kollegen werden auch sehr treffend charakterisiert. Besonders die hübsche, taffe Francesca kann man sich bildlich vorstellen. Doch all diese persönlichen Details, ebenso wie die authentischen Landschaftsszenen bleiben wohldosiert hinter der eigentlichen, spannenden Ermittlungsarbeit zurück. Die unterschiedlichen Handlungsstränge bilden zum Schluss ein großes Ganzes, und das macht für mich einen guten Krimi aus.

Neubauers Schreibstil ist mir angenehm aufgefallen, unaufgeregt und trotzdem mitreißend, besonders wenn Francesca ihr Können unter Beweis stellt.

Ich bin froh, diese Südtiroler Krimis entdeckt zu haben, und werde mir noch weitere Folgen zulegen.

Veröffentlicht am 24.02.2018

Hazel und Bär

Secret - Niemand schweigt für immer
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Der Thriller "Secret-Niemand schweigt für immer" hat ein interessantes Cover. Auch die Inhaltsangabe verlockt zum Kauf. Es ist zwar der Klassiker, dass die Hauptfigur mit Gedächtnisverlust nach einem Autounfall ...

Der Thriller "Secret-Niemand schweigt für immer" hat ein interessantes Cover. Auch die Inhaltsangabe verlockt zum Kauf. Es ist zwar der Klassiker, dass die Hauptfigur mit Gedächtnisverlust nach einem Autounfall im Krankenhaus erwacht, aber Hazel ist keine alltägliche Person, da sie schon von klein auf von Rätseln und Geheimnissen umgeben war, weil ihr Vater eine entsprechende TV-Show moderierte. Jack Nash stirbt ebenfalls bei diesem Crash, doch alle Anzeichen deuten auf Mord. Plötzlich tauchen Verbindungen zu Geheimdiensten auf. Die Geschichte wird hauptsächlich aus Hazels Perspektive erzählt, aber es gibt auch Einschübe aus der Sicht eines dubiosen Agenten, der Bär genannt wird.

Ohne Gedächtnis fällt es Hazel schwer, Vertrauen zu fassen, auch sich selbst muss sie neu kennenlernen, und nicht alles gefällt ihr an sich. Einerseits erzählt Brad Meltzer hier eine sehr, sehr spannende Geschichte, aber ganz überzeugen kann er mich nicht. Die Handlung ist zu sehr mit Rätseln und Geheimnissen überfrachtet, so dass ich zeitweise den Faden (und auch etwas die Leselust) verloren habe.