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Veröffentlicht am 23.05.2021

Was für ein Buch!

Stay away from Gretchen
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Der Klappentext dieses Buches kann nur in Ansätzen wiedergeben, was diese Geschichte alles beinhaltet. In Wahrheit steckt noch so viel mehr darin.

Durch den Protagonisten Tom wird der Leser mitgenommen ...

Der Klappentext dieses Buches kann nur in Ansätzen wiedergeben, was diese Geschichte alles beinhaltet. In Wahrheit steckt noch so viel mehr darin.

Durch den Protagonisten Tom wird der Leser mitgenommen in die Medienwelt. Er erfährt, was sich hinter den Kameras abspielt, wird mitgenommen zu Berichterstattungen, Interviews. Den Beruf des Nachrichtensprechers betrachte ich nach dem Lesen mit ganz neuen Augen. Es gehört so viel mehr dazu, als fünfzehn Minuten lang von den aktuellsten Geschehnissen zu berichten, möglichst ohne sich dabei zu versprechen.

2015 ist die Flüchtlingskrise auf einem ihrer Höhepunkte. Schonungslos und mit ihrem ganz eigenen Blick reist Susanne Abel mitsamt ihren Lesern zurück in diese Zeit. Erinnerungen werden geweckt, Bilder werden lebendig. Die meisten von ihnen sind sehr unschön.

Greta und Tom, Mutter und Sohn, erzählen, was es bedeutet, wenn Vergangenheit und Gegenwart sich vermischen, wenn Erinnerungen verloren scheinen, nur um dann umso eindrücklicher lebendig zu werden. Aus der Perspektive der Erkrankten und der eines Angehörigen wird die Krankheit Demenz beleuchtet. Und wie! Besonders die Textstellen, in denen Greta selbst zu Wort kommt, der Leser in ihren Kopf reist und einen Eindruck davon bekommt, wie sich diese Krankheit anfühlen könnte, haben mich bewegt.

Und dann sind da die Kapitel, die in der Vergangenheit spielen, beginnend mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs und darüber hinaus. So eindringlich beschreibt die Autorin, was es bedeutet hat, in dieser Zeit aufzuwachsen, zu erleben, wie der Vater in den Krieg zieht, was Flucht bedeutet und wie es sich anfühlt, vertrieben worden und nicht willkommen zu sein. Gretas Schicksal geht noch so viel weiter, aber mehr möchte ich dazu an dieser Stelle nicht sagen. Nur, dass ihr Leben Spuren hinterlassen hat. Dass ich so sehr mit ihr mitgefühlt habe. Und sie ist nur eine von vielen, die ein ähnliches Schicksal ereilt hat.

Und dadurch spannt sich auf so geniale, wenn auch tragische Weise der Bogen in die Gegenwart. Denn es sind die Bilder der Flüchtlingskrise 2015, die die Erinnerungen an ihr eigenes Schicksal in Greta wachrütteln.

Das alles steckt in diesem Buch. Und noch so viel mehr. Und dazu erzählt auf so lebendige, eindringliche und bewegende Weise, dass es sich gleichzeitig so anfühlt, als hätte ich einen über fünfhundert Seiten dicken Wälzer gelesen, und doch nicht. Ich bin sehr beeindruckt!

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Veröffentlicht am 22.05.2021

Sehr speziell

Der Zirkus von Girifalco
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Ein beschauliches Dorf in Italien mitten im Hochsommer - hier leben und hier sterben sie, die zahlreichen Charaktere, die in diesem Buch auf ganz wundersame Weise miteinander verwoben sind. Alle werden ...

Ein beschauliches Dorf in Italien mitten im Hochsommer - hier leben und hier sterben sie, die zahlreichen Charaktere, die in diesem Buch auf ganz wundersame Weise miteinander verwoben sind. Alle werden sie nacheinander vorgestellt, ihr Leben in knappen Kapiteln im Schnelldurchlauf zusammengefasst. Bis der Zirkus anreist und der Wind der Veränderung den Bewohnern von Girifalco um die Nase weht.

Was für ein Buch! Und vor allem ein großes Lob an die Übersetzerin. Ich kann mir vorstellen, sie hat Großartiges geleistet, diese verwobene, teilweise zarte, teilweise aber auch knallharte Ausdrucksweise des italienischen Autors auch im Deutschen zur Geltung und zum Klingen zu bringen. Kein Wort ist zu viel, alles sitzt da, wo es sitzen soll, um die eigenwilligen, mal mehr, mal weniger liebenswerten Charaktere lebendig werden zu lassen und ihre Geschichten zu erzählen, die so vielfältig sind wie das Leben.

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Veröffentlicht am 16.05.2021

So spannend erzählt!

Die Verlorenen
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Die Geschichte rund um "Die Verlorenen" hat meine Erwartungen absolut übertroffen. Ich hatte nicht mit einer so tiefgründigen und so spannend erzählten Geschichte gerechnet. Besonders begeistert hat mich ...

Die Geschichte rund um "Die Verlorenen" hat meine Erwartungen absolut übertroffen. Ich hatte nicht mit einer so tiefgründigen und so spannend erzählten Geschichte gerechnet. Besonders begeistert hat mich der reale Hintergrund der Geschichte, der ihr das gewisse Etwas gibt.

Menschliche Abgründe tun sich auf, am Ende bleibt jedoch großes Mitgefühl. Ich bin tief berührt von den Schicksalen der Charaktere, von den Wendungen, die die Geschichte genommen hat, und von ihrem Ausgang. So geschickt hat Stacey Halls die Handlungsstränge miteinander verwoben, eingebettet in das London des mittleren 18. Jahrhunderts. Es ist nobel und vornehm auf der einen Seite, doch dreckig und düster auf der anderen. Beide Seiten sind mit den vielseitigen Charakteren vertreten, die der Geschichte Leben einhauchen.

Dazu wird sie so intensiv und lebendig erzählt, dass es eine große Freude und ein großes Vergnügen war, dieses Buch zu lesen. Kleinere Längen haben sich schnell wieder gelegt und zurück bleibt das Gefühl, eine wirklich fesselnde und tiefgründige Geschichte von der Autorin erzählt bekommen zu haben.

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Veröffentlicht am 14.05.2021

Fühlen ist menschlich

Fühlen lernen
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Gefühle lassen uns lebendig fühlen. Es gibt Gefühle, nach denen wir streben, und Gefühle, die wir als negativ bewerten, vor denen wir uns verschließen oder vor denen wir wegrennen. Manchmal fehlen uns ...

Gefühle lassen uns lebendig fühlen. Es gibt Gefühle, nach denen wir streben, und Gefühle, die wir als negativ bewerten, vor denen wir uns verschließen oder vor denen wir wegrennen. Manchmal fehlen uns die Worte, um zu beschreiben, wie wir uns fühlen, und manchmal wissen wir gar nicht, ob wir traurig, wütend oder ängstlich sind.

Mit ihrem Buch "Fühlen lernen" macht Dr. Carlotta Welding den Lesern bewusst, wie Gefühle funktionieren, welches Gefühlsspektrum das Menschsein umfasst, wie wir lernen, zu fühlen, und wie wir mit und über unsere Gefühle kommunizieren. Dabei ist sie stets sehr nah am Leser, sehr verständnisvoll und mitfühlend, aber doch auch direkt genug, um ihre Leser zum Nachdenken zu bringen und ihnen ins Bewusstsein zu rufen, was nötig ist, um gesünder mit den eigenen Gefühlen und denen der Mitmenschen umzugehen. Berichte aus ihrer eigenen Erfahrung zeigen, dass wir im Menschsein alle gleich sind, und dass wir daher alle lernen können, gesund mit unseren Emotionen umzugehen.

Ein wichtiges Buch, wie ich finde, denn es sind unsere Gefühle, die das Menschsein ausmachen.

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Veröffentlicht am 14.05.2021

Liebe zur Musik

Der Klang der Wälder
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"Der Klang der Wälder" ist fast so etwas wie eine Hommage an die Musik. An das Instrument Klavier. An Töne an sich. Beinahe fühlt es sich so an, als würde die Autorin ihre eigene Faszination für den Klang ...

"Der Klang der Wälder" ist fast so etwas wie eine Hommage an die Musik. An das Instrument Klavier. An Töne an sich. Beinahe fühlt es sich so an, als würde die Autorin ihre eigene Faszination für den Klang von Tönen durch ihren Protagonisten zum Ausdruck bringen. Und dieser geht so sehr darin auf, dass er sich fast darin zu verlieren scheint. Das hat es für mich manchmal sehr schwer gemacht, mich auf die Geschichte einzulassen, denn es gibt nur sehr wenig Handlung, dafür viel Raum für fast poetische Betrachtungen, in denen der Protagonist sich verliert, wenn er seiner Arbeit als Klavierstimmer nachgeht. Oder wenn er über seine Arbeit als Klavierstimmer nachdenkt. Oder wenn er sich mit anderen über seine Arbeit als Klavierstimmer und seine Rolle und Verantwortung austauscht. Immer feinfühliger werden seine Gedanken, immer mehr verliebt und verliert er sich in Klang und Tönen. Nichts anderes bestimmt seinen Alltag so sehr wie die Arbeit mit den Instrumenten, weswegen nichts anderes so sehr dieses Buch bestimmt.

"Der Klang der Wälder" ist ein sehr leiser, feinfühliger, achtsamer und entschleunigender Roman. Er ist sehr besonders, daher gleichzeitig für mich als Leserin so ungewohnt, dass ich nur drei Sterne vergeben kann.

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