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Veröffentlicht am 06.10.2019

Ein passender Abschluss

Und ein ganzes Jahr
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Der Klappentext zu "Und ein ganzes Jahr" sagt nicht viel aus, aber letztlich muss er gar nicht mehr sagen, denn wer "Nur ein Tag" gelesen hat, wird aufgrund des fiesen Cliffhangers automatisch zu Band ...

Der Klappentext zu "Und ein ganzes Jahr" sagt nicht viel aus, aber letztlich muss er gar nicht mehr sagen, denn wer "Nur ein Tag" gelesen hat, wird aufgrund des fiesen Cliffhangers automatisch zu Band 2 greifen. Und wer den ersten Band noch nicht gelesen hat, merkt spätestens anhand des Klappentextes, wenn nicht schon aufgrund des Aufklebers auf dem Cover, dass es sich um eine Fortsetzung handelt. Somit ist dieser Klappentext vollkommen ausreichend. Er muss kein Interesse wecken, das schafft das Ende von Band 1 schon von ganz allein.

Aber dann kommt doch die große Überraschung, denn "Und ein ganzes Jahr" setzt nicht da ein, wo "Nur ein Tag" aufhört, an der Stelle also, die so spannend ist, dass man sofort erfahren möchte, wie es weitergeht. Nein, weit gefehlt! Stattdessen setzt die Handlung an der Stelle ein, an der Willem in Band 1 verschwunden ist. Wir erfahren nun, was mit ihm passiert ist. Und nicht nur das, in Rückblicken wird beschrieben, wie Willem das Aufeinandertreffen mit Allyson und den Tag mit ihr in Paris erlebt hat. Und im weiteren Verlauf der Handlung verfolgen wir ihn dabei, wie er versucht, Allyson ausfindig zu machen. Und dabei fügen sich die Puzzleteile wie die beiden Herzhälften auf den Covern der beiden Bücher nach und nach zusammen. Die Fragezeichen, die nach Band 1 zurückgeblieben sind, lösen sich auf. Und es hat mich teilweise wahnsinnig gemacht, wie oft Allyson und Willem so kurz davor waren, sich endlich wiederzusehen. Doch wieder sind es die Zufälle, die schon in Band 1 so eine große Rolle gespielt haben, die ihnen immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen. Gayle Forman hat ganze Arbeit dabei geleistet, es den Charakteren so schwierig wie möglich zu machen, was mir dann aber stellenweise doch einfach zu viel des Guten war. Wie gesagt, es hat mich wahnsinnig gemacht!

Natürlich bekommt Willem in seinem Buch auch Raum für seine ganz eigene Geschichte. Was in "Nur ein Tag" von Zeit zu Zeit angedeutet wurde, wird nun erklärt: Willem hat viel zu verarbeiten, was er bislang verdrängt hat. Diesen Teil des Buches fand ich allerdings etwas langatmig. Wie ich schon in meiner Rezi zu "Nur ein Tag" erwähnt habe, hatte ich Probleme, meinen Zugang zu den Charakteren zu finden. In "Nur ein Tag" bestand Allysons Geschichte in den Schwierigkeiten, die sie mit ihren Eltern hat. Diesen Teil der Handlung fand ich immerhin noch ganz amüsant, da man sich so herrlich über die Eltern aufregen konnte. Aber Willems Geschichte ist viel ernster, trauriger. Aber sie konnte mich ihm nicht näher bringen. Da war immer noch diese Distanz zwischen uns. Und daher konnte ich mich für diesen Handlungsstrang, der recht umfangreich ist, nicht begeistern.

Erst auf den letzten Seiten begegnen sich die beiden bis dahin parallel verlaufenden Handlungsstränge von Allyson und Willem wieder und erst auf der vorletzten Seite setzt die Handlung endlich da ein, wo sie in Band 1 aufgehört hat. Aber interessanterweise reichen mir die wenigen Zeilen, die nun noch folgen, um mit der Geschichte von Willem und Allyson abzuschließen. Man erfährt nicht mehr viel, aber mir reicht es aus, mir reichen die Andeutungen und wenigen Worte, um erahnen zu können, wie es mit den beiden weitergehen wird. Natürlich hatte ich nach dem Ende von Band 1 gehofft, dass die Handlung in Band 2 nahtlos fortgesetzt wird, dass die Autorin uns auf den über 360 Seiten lang und breit erzählt, was das Schicksal für Allyson und Willem bereithält. Aber irgendwie hat dieser Drang mit dem Erfahren von Willems Geschichte nachgelassen. Meine Erwartungen wurden exterm heruntergefahren, aber das meine ich durchaus positiv. Durch Willems Geschichte bekommt man einen anderen Blickwinkel auf seinen gemeinsamen Tag mit Allyson und aufgrund der vielen Fragen, die beantwortet werden, kann man sich als Leser seinen Teil einfach denken. Daher ist das Ende dann für mich überraschenderweise doch ausreichend gewesen.

Für ganz neugierige Leser, die einfach nicht genug von den beiden Charakteren bekommen können, gibt es ein kostenfreies Bonuskapitel, das gratis als E-Book angefordert werden kann. Diese Lösung finde ich nicht schlecht. So kann jeder selbst entscheiden, ob er mit dem Ende zufrieden ist oder nicht. Wobei es andererseits für die Leser, die keinen E-Reader besitzen, natürlich angenehmer gewesen wäre, das Bonus-Kapitel einfach mit im Buch abzudrucken.


Mein Fazit

Mit "Und ein ganzes Jahr" bekommt die Geschichte von Willem und Allyson einen für mich passenden Abschluss, aber der Weg dorthin ist teilweise nervenaufreibend und mühsam.

Veröffentlicht am 06.10.2019

Fand ich leider schwächer als Band 1

Trust Again
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"Trust Again" habe ich als viel ernsteres Buch als "Begin Again" empfunden. Während mich bei Band 1 das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Allie und Kaden begeistert hat und ich so oft über den Schlagabtausch ...

"Trust Again" habe ich als viel ernsteres Buch als "Begin Again" empfunden. Während mich bei Band 1 das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Allie und Kaden begeistert hat und ich so oft über den Schlagabtausch zwischen den beiden lachen musste, war die Geschichte von Dawn und Spencer teilweise richtig bedrückend. Ihre Vergangenheiten haben einen viel größeren Raum eingenommen und das, was die beiden voneinander abhält, endlich glücklich miteinander zu werden, war nicht so einfach zu überwinden. Es hat so lange zwischen den beiden gestanden, dass es mir stellenweise etwas zu viel war. Es gab immer wieder Momente, in denen die beiden sich nähergekommen sind, bis es wieder zu einem Knall kam und sie sich wieder voneinander entfernt haben. Das war mir teilweise etwas zu viel Hin und Her.



Auch hat mir leider ein wenig das Prickeln gefehlt. Ich hatte dein Eindruck, dass die Anziehung viel mehr körperlicher Art ist. Aber dieses schon erwähnte Katz-und-Maus-Spiel kam mir einfach zu kurz. Es gab ein paar dieser Szenen, aber mir waren es zu wenige.



Dafür hat mir richtig gut gefallen, dass Dawns Hobby bzw. ihre Leidenschaft so stark im Vordergrund stand und auch ihr Studium, insbesondere einer der Kurse, beleuchtet wurde. Das war richtig interessant zu lesen und hat mir sehr, sehr gut gefallen.



Monas Buch liest sich sehr schnell und sehr flüssig. Teilweise hatte ich beim Lesen ihre Stimme im Ohr. Neben der Geschichte um Dawn und Spencer hat mir vor allem Dawns Vater richtig gut als Charakter gefallen. Und natürlich das Wiedersehen mit den alten Bekannten aus Band 1.

Veröffentlicht am 06.10.2019

Ich mag die Bücher von Adriana Popescu einfach

Morgen irgendwo am Meer
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Adriana Popescu ist für mich eine der wenigen Autorinnen, deren Bücher ich blind kaufe. Ich brauche keinen Klappentext oder ein aufregendes Cover. Es reicht, dass ihr Name draufsteht, und schon ist das ...

Adriana Popescu ist für mich eine der wenigen Autorinnen, deren Bücher ich blind kaufe. Ich brauche keinen Klappentext oder ein aufregendes Cover. Es reicht, dass ihr Name draufsteht, und schon ist das Buch gekauft. Ehrlich gesagt fiebere ich jeder Veröffentlichung von ihr ganz aufgeregt entgegen, denn sie trifft immer irgendetwas in mir. Berührt mich auf eine ganz feine, aber sehr nachhallende Art und Weise. Sie verbindet für mich einen lockeren Schreibstil mit Tiefgang. Und genau das habe ich auch bei "Morgen irgendwo am Meer" bekommen.

Die knapp 480 Seiten lesen sich wie in einem Rutsch. Ich hänge förmlich an den Lippen beziehungsweise Fingerspitzen der Autorin, während ich Seite um Seite umblättere, mich immer mehr im Sommer der vier Charaktere verliere, die abwechselnd zu Wort kommen. Ich begebe mich auf einen Roadtrip, der so viel mehr ist. Er ist die Reise von Freunden, die sich ganz neu kennenlernen, und von Fremden, deren Wege sich kreuzen, um eine Zeit lang in dieselbe Richtung zu verlaufen. Ich spüre die Sonne, spüre den Wind, spüre diese besondere Spannung, die in der Luft liegt. Bis sie sich entlädt. Immer und immer wieder. Manches davon ahnt man, vieles überrascht. Denn so eigen jeder der vier Charaktere ist, so eigen ist auch seine Geschichte, die er zu erzählen hat. Und mit jeder Seite offenbart sich mehr davon, bis ich das Buch am Ende zuklappe und mir verstohlen ein, zwei Tränen von meinen Wangen wische. Wieder einmal hat die Autorin es geschafft, mich so zu berühren.

"Morgen irgendwo am Meer" erzählt von Verlust, von Trauer, von Angst, von Selbstzweifeln, von der Suche nach dem Platz in dieser Welt. Aber auch von Loslassen, Erkennen, Vertrauen, Ankommen. Und dafür steht jeder Charakter auf seine ganz eigene Art und Weise. Es ist großartig, wie sich die Dynamik zwischen den Figuren mit jeder Seite entwickelt. Wie sie selbst sich entwickeln und man als Leser sie dabei beobachten darf. Es ist ein tolles Leseerlebnis, sie auf einem Teil ihres Lebensweges zu begleiten, und die Roadtrip-Atmosphäre trägt ihren ganz eigenen Teil dazu bei. Sommerferien-Feeling kommt auf und für ein paar Stunden vergesse ich die Welt um mich herum.

Mein Fazit:

"Morgen irgendwo am Meer" ist für mich Adriana Popescus bishes bestes Jugendbuch. Jeder der vier Charaktere hat seine ganz eigene Geschichte zu erzählen, der Tiefgang ist für mich ein ganz besonderer und die Roadtrip-Atmosphäre nimmt mich mit in einen Sommer am Meer. <3

Veröffentlicht am 06.10.2019

Ein Buch mit einer ganz besonderen Atmosphäre

Alles okay
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Ich habe schon viele Jugendbücher gelesen, auch solche, deren Handlungsort unter anderem ein Studentenwohnheim in den USA ist. Ich habe aber noch nie ein Jugendbuch gelesen, das fast ausschließlich in ...

Ich habe schon viele Jugendbücher gelesen, auch solche, deren Handlungsort unter anderem ein Studentenwohnheim in den USA ist. Ich habe aber noch nie ein Jugendbuch gelesen, das fast ausschließlich in einem solchen Studentenwohnheim spielt, noch dazu im tiefsten Winter, wo sich außer der Protagonistin niemand sonst in der Unterkunft befindet. Zu wissen, dass man als Leser zusammen mit der Ich-Erzählerin völlig allein in diesem Gebäude ist, hat für eine unglaubliche Atmosphäre und Spannung gesorgt. Ich fand es so besonders, zusammen mit Marin durch die verlassenen Flure zu streunen, in den Wasch- und Aufenthaltsräumen nur zu zweit zu sein.

An dieser besonderen Atmosphäre ändert sich etwas, als Marins Freundin Mabel zu Besuch kommt. Dennoch habe ich das Lesen weiterhin sehr genossen. Mit Mabels Auftauchen wird ein Thema eingeführt, das ich anhand des Klappentextes so nicht erwartet hätte. Und gleichzeitig wird der Leser zusammen mit Marin mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, in der ihr Großvater eine große Rolle spielt. Ich fand es so spannend, mit jedem neuen Kapitel zwischen der Gegenwart und der näheren Vergangenheit hin und her zu wechseln und mehr über Marin als Ich-Erzählerin und ihr Leben bei ihrem Großvater zu erfahren.

"Alles okay" ist ein bewegendes und stellenweise sehr dramatisches Buch über ein Erwachsenwerden, das herausfordernd, schmerzhaft und nicht immer einfach ist, bei dem aber stets ein Funke Hoffnung bleibt. Es hat mich sehr berührt.

Veröffentlicht am 27.09.2019

Ein Poetry Slam zwischen zwei Buchdeckeln

Poet X
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"Poet X" hat mich sehr beeindruckt. Ich mag es total, wenn Bücher besondere Geschichten erzählen und dafür ein besonderes Format gewählt wird, um den Text bestmöglich zur Geltung zu bringen. Das ist hier ...

"Poet X" hat mich sehr beeindruckt. Ich mag es total, wenn Bücher besondere Geschichten erzählen und dafür ein besonderes Format gewählt wird, um den Text bestmöglich zur Geltung zu bringen. Das ist hier mehr als gelungen. "Poet X" ist eine Sammlung von Poetry Slams zwischen zwei Buchdeckeln. Da die Texte sich nicht krampfhaft reimen, sondern erzählend geschrieben sind, lässt sich das Buch wie ein klassisches belletristisches Buch lesen. Die Slams fügen sich perfekt aneinander und erzählen von der vierzehnjährigen Xiomara, die sich in Worte und Slams flüchtet, um zu verarbeiten, was um sie herum und in ihrem Inneren geschieht. Es hat mich wirklich begeistert, wie tiefgründig die Texte stellenweise sind, was für kluge Sachen Xiomara zu sagen hat und wie mit der Sprache gespielt wird. Die Figuren fand ich ebenfalls durchweg überzeugend. Besonders berührend fand ich die Beziehung zwischen Xiomara und ihrem Zwillingsbruder. Hier waren es vor allem Kleinigkeiten - einfache Gesten oder das, was zwischen den Zeilen steht und gesagt wird -, die mich beeindruckt haben. Die Handlung selbst hatte für mich zwischendurch ein paar Längen, aber es ist wichtig, was in diesem Buch thematisiert wird, und auch, wie es angesprochen und vor allem aufgelöst wird. Das Buch kann Mut machen, junge Leser können sich erkannt und verstanden fühlen. Ich habe "Poet X" daher sehr gern gelesen.