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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2021

gehaltvoll und nachhaltig

Die Erfindung der Sprache
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Anders als andere Leser fand ich die Kastanienjahre nicht besonders spannend und habe mich nur auf den zweiten Versuch dieser Autorin eingelassen, da der Plot mich unheimlich angesprochen hatte. Ich mag ...

Anders als andere Leser fand ich die Kastanienjahre nicht besonders spannend und habe mich nur auf den zweiten Versuch dieser Autorin eingelassen, da der Plot mich unheimlich angesprochen hatte. Ich mag sperrige Charaktere, die Probleme mit der Kommunikation haben. Und mit einem Plot, der viele Winkel und Kreise macht und in dem es mehr um die Menschen geht, als um eine rasend spannende Story. Und hier kommt noch eine Stärke hinzu, die man aus dem Titel bereits erahnen kann. Die Sprache, die die Autorin ins Zentrum ihrer Geschichte stellt.

Es geht um Adam, der Sprachwissenschafter wird, um eine Frau, die ihre Sprache verloren hat, eine Frau, die die Sprache auf ganz eigene Weise verdreht und für sich neu erschafft. Es geht die Suche nach dem Vater, die Suche nach der Liebe, die Suche nach Worten für das Leben.

Die Autorin malt Bilder mit Sprache. Ihre Sätze sind wie kleine Kunstwerke. Man muss inne halten, darüber nachdenken, sie genießen und sich an ihnen erfreuen. Es ist beileibe kein Buch zum schnell lesen. Aber das ist auch gar nicht notwendig. Eine unglaubliche Kraft und Wärme geht von der Geschichte aus, die mir gut gefallen hat.

Ein gehaltvolles nachhaltiges Leseerlebnis.

Veröffentlicht am 05.05.2021

tolles Buch

Stay away from Gretchen
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Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Das ist nicht immer mein Fall, vor allem, weil oftmals die eine Ebene spannend ist und die andere zurückfällt. Das ist bei "stay away from Gretchen" überhaupt ...

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Das ist nicht immer mein Fall, vor allem, weil oftmals die eine Ebene spannend ist und die andere zurückfällt. Das ist bei "stay away from Gretchen" überhaupt nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Die fortschreitende Demenz von Greta wird sehr realistisch geschildert und man möchte den Sohn anfangs schütteln, weil er so wenig einfühlsam zu sein scheint. Das ändert sich aber, um so mehr er aus der Vergangenheit seiner Mutter erfährt. Diese Vergangenheit spielt vor allem nach dem Krieg und es geht um die Liebe zu einem amerikanischen Soldaten und was daraus entsteht.

Mich hat das Buch sehr berührt und die geschichtlichen HIntergründe sind sehr interessant in den Plot verwoben. Ich lese gerne Bücher, die vor, im oder kurz nach dem Krieg spielen. Die Ausnahmesituation der Menschen und die Geschehnisse in Deutschland versprechen immer einen ganz speziellen Ton in den Romanen. Susanne Abel besticht mit einer angenehmen Sprache und einem Gespür für ihre Darsteller. Die Entwicklung der Personen ist glaubhaft.

Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen.

Veröffentlicht am 05.05.2021

hervorragend

Hard Land
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Zur Zeit sind diese Coming-of-Age-Romane stark vertreten. Und sie sind genau mein Fall. Außerdem kenne ich Benedict Wells und schätze den Autor von Buch zu Buch mehr. Er beherrscht es, den Leser mit seinen ...

Zur Zeit sind diese Coming-of-Age-Romane stark vertreten. Und sie sind genau mein Fall. Außerdem kenne ich Benedict Wells und schätze den Autor von Buch zu Buch mehr. Er beherrscht es, den Leser mit seinen Darstellern in den Bann zu ziehen, auch wenn die Handlung oft unspektakulär daher kommt.

Eindringlich wird in Hard Land die ganze Emotionsbandbreite eines heranwachsenden jungen Mannes geschildert. Sam erlebt in kurzer Zeit all die menschlichen Erfahrungen und Abgründe, die ein Roman dieses Genres haben muss. Von den Ängsten und Unsicherheiten eines Teenagers, den aufkommenden Gefühlen für das andere Geschlecht bis hin zur Ablösung von den Eltern. Er schildert das so glaubwürdig und empathisch, dass man traurig ist, wenn man die Protagonisten wieder verlassen muss, weil man sie ins Herz geschlossen hat und gerne weiter an ihrer Seite bleiben würde.

Wells entwickelt sich zu einem meiner Lieblingsautoren im deutschsprachigen Raum.

Veröffentlicht am 03.05.2021

dicke Kochempfehlung

Greenfeast: Herbst / Winter
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Dieses Buch hat mit durch den Herbst und Winter begleitet. Nigel Slater war mir vorher unbekannt. Ich bin auch keine Vegetarierin, aber sehr aufgeschlossen allem Grünzeug gegenüber. Besonders gefallen ...

Dieses Buch hat mit durch den Herbst und Winter begleitet. Nigel Slater war mir vorher unbekannt. Ich bin auch keine Vegetarierin, aber sehr aufgeschlossen allem Grünzeug gegenüber. Besonders gefallen hat mir, dass neben den Rezepten, die meist schnell, einfach und gut beschrieben waren, auch eine Menge an Hintergrundinfos in diesem Kochbuch steckten. Ich werde mir das Buch jetzt als print-Ausgabe zulegen, da Kochbücher als ebooks mir zu anstrengend sind. Aber durch diese netgalley-action bin ich auf den Koch/Autor aufmerksam geworden und habe einige sehr leckere Gerichte auf meinen Alltags-Speiseplan übernommen. Also alles richtig gemacht und alle Erwartungen an ein ebook-Kochbuch erfüllt.

Veröffentlicht am 20.04.2021

Lesevergnügen

Das Flüstern der Bienen
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"Das Flüstern der Bienen" hat all meine Erwartungen aufs Vortrefflichste erfüllt.

Wer Bücher südamerikanischer Autoren schätzt - und ich meine nicht nur Isabell Allende sondern auch Marquez und Llosa ...

"Das Flüstern der Bienen" hat all meine Erwartungen aufs Vortrefflichste erfüllt.

Wer Bücher südamerikanischer Autoren schätzt - und ich meine nicht nur Isabell Allende sondern auch Marquez und Llosa - der ist hier genau richtig. Die Autorin Sofia Segovia schöpft aus dem Vollen der mexicanischen Kultur, lässt die herrliche Natur vor dem Auge des Lesers aus den Seiten wachsen, den Duft nach Orangen, das Zirpen der Zykaden, die Sehnsucht der Menschen nach Liebe und einem besseren Leben. Das noch jüngferliche Zwanzigste Jahrhundert hält viele Versprechungen bereit und ist doch immer noch verhaftet im alten Aberglauben und der Kolonialherrschaft weniger Mächtiger über kleine Dorfgemeinschaften.

Das Buch hat etwas märchenhaft-magisches und spielt mit der Phantasie des Lesers. Die Autorin lässt sich viel Zeit das Leben und die Menschen der mexikanischen Kleinstadt Linares widerauferstehen zu lassen. Der Plot ist nicht unbedingt stringent erzählt. Aber dieses mäandern und schwelgen in Kleinigkeiten und Randfiguren führt durchaus in eine Richtung. Andeutungen und Ahnungen fesseln und faszinieren gleichermaßen.

Ein Lesevergnügen wie ein großer Fluß. Kraftvoll, exotisch, schillernd und tief.