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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2021

Ein Buch zum Verschenken

Glück hat einen langsamen Takt
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Vor Jahren, als ich den ersten Krimi von Mechtild Borrmann gelesen hatte, war ich geflasht, dass ein so dünnes Büchlein mich so überwältigen und emotional packen kann. Über die Jahre, und alle anderen ...

Vor Jahren, als ich den ersten Krimi von Mechtild Borrmann gelesen hatte, war ich geflasht, dass ein so dünnes Büchlein mich so überwältigen und emotional packen kann. Über die Jahre, und alle anderen Romane der Autorin, habe ich festgestellt, dass sie das jedes Mal aufs Neue schafft und man weiß gar nicht recht, wie. Es ist die klare, lyrische Sprache und die unglaubliche Authenzität, mit der sie ihre Figuren zeichnet. Man möchte die Menschen kennen lernen oder man glaubt sie zu kennen. Auf jeden Fall zeigt sich immer in den Texten von Frau Borrmann, dass nicht die Dicke eines Buches, die Länge einer Geschichte, ihre Klasse ausmacht. Nur deshalb habe ich bei ihrem Erzählband ebenfalls ohne Bedenken zugegriffen, denn eigentlich mag ich keine Kurzgeschichten. Und wie erwartet wurde ich erneut nicht enttäuscht.

Glück hat einen langsamen Takt ist ein wundervolles Buch voll Weisheit und Lebenserfahrung, voll bewegender Momente des Glücks aber auch des Leids, voll Spannung und Ruhe, voll von Leben. Ein Buch zum Verschenken.

Veröffentlicht am 02.04.2021

perfekt

Eine ganze Welt
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„Eine ganze Welt“ erzählt von einer mir bis dato gänzlich fremden Welt. Strengen religiösen Regeln unterworfene orthodoxe Juden im heutigen New York. Dieses mittelalterlich anmutende Konstrukt, in dem ...

„Eine ganze Welt“ erzählt von einer mir bis dato gänzlich fremden Welt. Strengen religiösen Regeln unterworfene orthodoxe Juden im heutigen New York. Dieses mittelalterlich anmutende Konstrukt, in dem die Frauen ganz unten in der männlich dominierten Hierarchie stehen, sich möglichst nur der Familie und der Erziehung der Kinder widmen sollen und alle Handlungen von der Glaubensgemeinschaft genau und wertend betrachtet werden, das hatte ich so nicht erwartet. Fasziniert hat mich, dass Surie und ihr Mann Yidel mir trotz dieser fremden Ansichten schnell sehr nah kamen. Das Buch wird auf eine wunderbar einfühlsame Art und Weise erzählt und ich konnte akzeptieren, dass ihre Religion ihr Leben auf diese Weise bestimmt. Umso spannender wird es, als Surie ihre unerwartete Schwangerschaft mit 57 sie aus der Bahn zu werfen droht. Ihre schwankende Gefühlswelt, ihre Ängste und Sorgen, gingen mir sehr nah.

Das Buch ist ein rundherum perfektes Wohlfühlbuch. Das Cover ist passend und zieht den Blick des Interessierten an. Der Titel könnte nicht treffender gewählt sein. Und der Schreibstil wirft den Leser mit einem liebevollen Blick in diese Welt und ist zu jeder Zeit warmherzig und aufmerksam. Für mich war diese Autorin und diese Geschichte eine wahnsinnig schöne Neuentdeckung.

Veröffentlicht am 01.04.2021

still und kraftvoll zugleich

Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau
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Zur Zeit lese ich Coming-of-Age-Romane wahnsinnig gerne. Nach Wells und Arenz jetzt Stephan. Und auch hier bin ich wieder hocherfreut. Denn der Autor findet ganz eigene Töne. Diesmal in einer Plattenbausiedlung ...

Zur Zeit lese ich Coming-of-Age-Romane wahnsinnig gerne. Nach Wells und Arenz jetzt Stephan. Und auch hier bin ich wieder hocherfreut. Denn der Autor findet ganz eigene Töne. Diesmal in einer Plattenbausiedlung Anfang der 90ger. Die Wiedervereinigung steckt allen Erwachsenen noch in den Gliedern, nichts ist so schön, wie sie es sich ausgemalt hatten. Mitten drin die neue Generation. Teenager, die Lust aufs Leben haben. Die sich nach Freiheit und dem Unbekannten sehnen. Und an den Ketten des Alten zerren. Dort trifft Sascha auf die unbändige Juri. Und während er eher der stille Kopfmensch mit der Lust an schönen Worten ist, zieht das Mädchen ihn mit in ein Abenteuer vom Erwachsenwerden und heraus aus dem Alltagstrott und der Depression des Vaters.

Ein wunderbarer Roman - kraftvoll und still zugleich. Voll schöner Sprachbilder und Menschen, die man nicht so schnell vergisst. Ich habe das Buch sehr genossen. Der tolle Titel und das Cover haben nicht zu viel versprochen.

Veröffentlicht am 25.02.2021

empfehlenswerte Lektüre

Die Schwimmerin
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Nach langem habe ich mal wieder ein Buch von Gina Mayer gelesen. Mein Lieblingsbuch von ihr ist „Maikäfermädchen“, welches 1945 spielt. Das Buch „Die Schwimmerin“ spielt etwa zwischen 1942 und 1962 in ...

Nach langem habe ich mal wieder ein Buch von Gina Mayer gelesen. Mein Lieblingsbuch von ihr ist „Maikäfermädchen“, welches 1945 spielt. Das Buch „Die Schwimmerin“ spielt etwa zwischen 1942 und 1962 in zwei unterschiedlichen Handlungssträngen, deren Hauptperson aber dieselbe ist. Die Zeitenwechsel waren leicht erkennbar, u.a. dadurch, dass Elisabeth als Erwachsene Betty genannt wird. Außerdem rechne ich dem Buch hoch an, dass beide Ebenen ausgewogen im Umfang und beide spannend waren, so dass ich dem Wechsel gerne gefolgt bin. Schnell ist klar, dass die erwachsene Elisabeth in ihrer Jugend etwas erlebt hat, was sie versucht zu verdrängen und tief drinnen zu verschließen. Dies hat zu einem Trauma geführt, welches sie irgendwann bewältigen muss, wenn sie mit ihrem Mann und in ihrem Leben glücklich werden will.

Nach und nach erfährt man, was passiert ist. Dabei werden die Schrecken einer Flucht quer durch Deutschland, die Fremde, die Unsicherheit, die Ablehnung der Mitbürger ebenso anschaulich geschildert wie das Erwachsenwerden, Probleme mit der instabilen Mutter, Ängste vor Menschen, die sie bedrängen und ihr schaden wollen und vieles mehr. Natürlich spielen vor allem im Vergangenheitsteil der Krieg und die Nazis eine große Rolle. Die Dramatik und den Ernst muss man verkraften können. Es ist keine leichte oder gar seichte Lektüre aber die Darsteller wachsen einem ans Herz und man spürt in allem Elisabeths Kraft, die immer wieder gewinnt auch in schlimmen Zeiten. Das stimmt zuversichtlich, dass sie auch in der Gegenwart ihren Weg finden wird.

Empfehlenswerte Lektüre.

Veröffentlicht am 09.02.2021

Glück in schwierigen Zeiten

Glückskinder
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Glückskinder sind sie alle. Die Holländerin Griet, die als Zwangsarbeiterin unter unmenschlich harten Bedingungen versucht zu überleben, ihre Freundin Leni, die zur Prostitution gezwungen wurde und hochschwanger ...

Glückskinder sind sie alle. Die Holländerin Griet, die als Zwangsarbeiterin unter unmenschlich harten Bedingungen versucht zu überleben, ihre Freundin Leni, die zur Prostitution gezwungen wurde und hochschwanger schwer erkrankt ist, die Münchnerin Toni, die mitten in der zerbombten Stadt auf engstem Raum mit den überlebenden Mitgliedern ihrer Familie zusammenlebt, die allesamt hungern und frieren in dieser schweren Zeit nach dem verlorenen Krieg, der geheimnisvolle Louis, der aus allem das Beste zu machen scheint, obwohl ihn eine traurige Vergangenheit plagt, ja sogar der amerikanische Soldat Dan, der so viele Meilen weg von zuhause als Kriegsgewinner in die bayerische Hauptstadt einzieht und der versucht all jene vor Gericht zu bringen, die Nazis waren oder den Nazis hinterherliefen.

Anfangs wissen sie nicht, wie viel Glück sie gehabt haben, diesen Krieg zu überleben und wie viel Glück das Leben trotz all des Leides noch für sie bereit hält. Und obwohl die Ausgangssituation grau und traurig und düster scheint, so ist doch von Anfang an ein kleines zuversichtliches Licht in dieser Geschichte und nach und nach wird es immer heller und bunter und fröhlicher und schafft es, dass Wunden heilen, Feinde sich versöhnen, Menschen sich verlieben, Meinungen sich ändern und aus den Ruinen Münchens Stück für Stück wieder die wunderschöne Stadt mit all den föhlichen Menschen wird, die es immer sein wollte.

Mich hat vor allem der positive Ton in dieser Geschichte total berührt. Die Darsteller hatten es keineswegs leicht gehabt in diesem Krieg und konnten teilweise nur mit viel Mut und Erfindungsreichtum und auch der ein oder anderen Lüge überleben. Und die Nachkriegszeit ist geprägt von eisigen Wintern und einem Sommer, der die Felder verbrennt, so dass sehr lang Hunger und Mangel am Notwendigsten das Leben bestimmt. Und die Kriegserlebnisse sind natürlich noch lange nicht verarbeitet und bewältigt. Aber Griet und Toni sind jung und wollen mehr vom Leben. Und sie dürfen am Ende auch das Glück finden, das sie verdient haben.

Eine weitere Stärke des Buches ist das treffend geschilderte Lokalkolorit und die historischen Fakten, die wunderbar in die Story verwoben sind. Als waschechte Münchnerin fühlte ich mich hier von der ersten Seite an zuhause und war begeistert über die vielen kleinen Details, die Teresa Simon liebevoll verarbeitet hat. Man merkt ihr die versierte Autorin und Historikerin an und dass sie selbst ein münchner Gwächs ist, hat sicherlich auch nicht geschadet.

Ein wundervoller Roman der auch in grauen Zeiten Optimismus versprüht und glücklich macht. Ganz ohne Kitsch, versteht sich.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere