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Veröffentlicht am 01.08.2017

zwiegespalten

Die Morde von Morcone
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Der Münchener Anwalt Robert Lichtenwald hat sich ein Rustico in der Maremma gekauft, wo er zur Zeit ein Sabbatjahr verbringt. Doch dann findet man eine ermordete Prostituierte und Robert beginnt zusammen ...

Der Münchener Anwalt Robert Lichtenwald hat sich ein Rustico in der Maremma gekauft, wo er zur Zeit ein Sabbatjahr verbringt. Doch dann findet man eine ermordete Prostituierte und Robert beginnt zusammen mit der Journalistin Giada nachzuforschen.
Als es nicht bei dieser einen Toten bleibt, kristallisiert sich heraus: Der Mörder will die Menschheit für ihre Sünden bestrafen. Können Giada und Robert den Fanatiker stoppen?

„Die Morde von Morcone“ ist ein Krimi, dessen Schauplatz die Toskana ist. Dem Autor gelingt es durchaus, für mich die Landschaft zum Leben zu erwecken und Land und Leute vor meinem geistigen Auge entstehen zu lassen. Hier und da war ich jedoch von den italienischen Begriffen genervt.
Anfangs erschien mir dieser Krimi etwas träge und der persönliche Hintergrund des Robert Lichtenwald fehlte mir, der aber im Laufe der Zeit näher beleuchtet wurde ohne allzu viel zu verraten. Da steckt noch Potential für weitere Lichtenwald-Fälle drin. Auch die Geschichte von Giada und Robert scheint mir noch nicht zu Ende erzählt zu sein.
Zwischendurch fühlte ich mich stark an Dan Brown erinnert, was dem Lesegenuss jedoch nicht zwingend abträglich war. Jedoch ging mir der Täter in seinem religiösen Eifer oder besser Fanatismus schrecklich gegen den Strich. Ich habe das Gefühl, von solchen gab es inzwischen einfach schon genug – eben auch beim erwähnten Dan Brown.
Von daher bin ich mir noch nicht sicher, ob es ein Wiedersehen mit Robert Lichtenwald für mich geben wird – wenn der Autor denn weitere Bücher mit diesem Protagonisten plant.

Veröffentlicht am 19.07.2017

Der Rechtsprecher

Du sollst nicht leben (Ein Marina-Esposito-Thriller 6)
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Ein Mann, der sich „Der Rechtsprecher“ nennt, tötet und verstümmelt seine Opfer. Um der Gerechtigkeit willen – wie er sagt. Phil Brennan und Marina Esposito müssen den Täter stoppen, bevor er ein neues ...

Ein Mann, der sich „Der Rechtsprecher“ nennt, tötet und verstümmelt seine Opfer. Um der Gerechtigkeit willen – wie er sagt. Phil Brennan und Marina Esposito müssen den Täter stoppen, bevor er ein neues Opfer findet …
„Du sollst nicht leben“ ist der 6. Band der Reihe und nachdem ich vor einiger Zeit „Jäger“ gelesen habe, war ich gespannt, wie es mit der Familie Esposito/Brennan weitergeht.
Leider war ich dieses Mal nicht ganz so begeistert. Zwar ist der Schreibstil der Autorin (oder genauer gesagt: des Autorengespanns) wieder geradlinig, doch Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, überhaupt in den Fall hinein zu kommen und ich hatte auch den Eindruck, dass auf einmal zu viele Protagonisten eine Rolle spielten.
Da ich gerne selbst Vermutungen anstelle, wer in einem Krimi der Täter ist, fand ich es schade, dass dem Leser die gesuchte Person quasi „auf dem Silbertablett“ serviert wird und auch einige Handlungsstränge bzw. Handlungsweisen der Polizei konnte ich nicht so recht nachvollziehen. Das wirkte zu sehr wie gewollt.
Dennoch werde ich die Reihe gern weiterverfolgen.

Veröffentlicht am 05.05.2017

Besser als Teil eins, aber weiterhin mit Luft nach oben

Spreewaldtod (Ein-Fall-für-Klaudia-Wagner 2)
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Ein Toter im Fließ stellt Kommissarin Klaudia Wagner vor eine neue Herausforderung. Nicht nur, weil sie anstatt mit ihrem Kollegen Thang zusammen arbeiten zu können, den ihr verhassten Kollegen Demel zur ...

Ein Toter im Fließ stellt Kommissarin Klaudia Wagner vor eine neue Herausforderung. Nicht nur, weil sie anstatt mit ihrem Kollegen Thang zusammen arbeiten zu können, den ihr verhassten Kollegen Demel zur Seite gestellt bekommt. Auch schweigen sich mögliche Zeugen gegenüber der Polizei aus. Doch dann gibt es eine weitere Leiche und langsam lichtet sich der Nebel.

Dieser zweite Fall der Kommissarin hat mir schon deutlich besser gefallen als der erste Teil „Spreewaldgrab“, denn hier hatte ich wesentlich eher das Gefühl, dass die verschiedenen Kollegen mit Klaudia zusammen arbeiten wollen und auch Klaudias Tinnitus nahm nicht mehr so einen großen Raum ein. Dafür bekam der Leser mit der Staatsanwältin wieder eine Figur, an der sich Klaudia (und damit der Leser) reiben konnte. Das wirkte dieses Mal wesentlich lebensechter.
Auch das Verhalten der Rumänen wirkte nicht aufgesetzt sondern recht realistisch: In einem fremden Land von der Polizei verhört werden, das möchte sicher niemand erleben und lieber sagt man ein Wort zu wenig als eines zuviel.
Die unterschiedlichen privaten Probleme der Polizisten runden den Roman ab und hier steckt noch viel Potential drin.
Bei der Lösung des Falles hat Klaudia mal den einen oder anderen als möglichen Täter im Visier und besonders das Verhalten der Staatsanwältin lässt einen stutzig werden. Schade, dass das nicht weiter geklärt wird, aber so bleib noch viel Raum für Spekulationen und weitere Fälle aus dem Spreewald.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Familiendrama mit einigen Längen

Perfect Girl - Nur du kennst die Wahrheit
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Die 18-jährige Zoe hat ein dunkles Geheimnis, das sie vor ihrem Stiefvater und dessen Sohn verbirgt. Doch am Abend ihres wichtigsten Konzerts – Zoe ist eine hochbegabte Pianistin – taucht ein Mann auf ...

Die 18-jährige Zoe hat ein dunkles Geheimnis, das sie vor ihrem Stiefvater und dessen Sohn verbirgt. Doch am Abend ihres wichtigsten Konzerts – Zoe ist eine hochbegabte Pianistin – taucht ein Mann auf und beschuldigt Zoe des Mordes. Sofort bricht Zoe das Konzert ab und flüchtet nach Hause, wo wenig später ihre Mutter tot aufgefunden wird.

Dies war mein erster Thriller aus der Feder der Autorin und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich weiteres von Gilly Macmillan lesen möchte.
Nach der Titelgebung und ausgehend von dem, was ich über das Buch wusste, war ich der Meinung, dass es ein Geheimnis gibt, das sich um den Unfall rankt, wegen dem Zoe verurteilt worden war und dessen Aufdeckung im Mittelpunkt des Geschehens stehen würde. Doch nachdem der Leser erfahren hat, wie es Zoe nach dem Unfall und während des Prozesses ging, wandelte sich das Buch und die Frage, was mit Zoes Mutter Maria nach dem Konzert passiert ist, rückte in den Mittelpunkt. Dadurch wirkte Zoes Geschichte plötzlich wie ein Lückenfüller.
Erschwert wurde das Lesen zudem durch die verschiedenen Ich-Erzähler, die immer wieder wechseln.
Gänzlich unpassend wird dann noch Sams Krankengeschichte mit eingeflochten. Diese empfand ich persönlich als „too much“ und musste nicht wirklich sein.

Am Ende hätte die gesamte Geschichte straffer erzählt werden können, und insbesondere auf Zoes Zeit "in Haft"wurde zu viel Augenmerk gelegt.

Veröffentlicht am 04.04.2017

Spannung stell ich mir anders vor

Sweetgirl
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Auf der Suche nach ihrer Mutter findet die 16-jährige Percy im Haus des Drogendealers Shelton ein vernachlässigtes Baby: Jenna. Da sich die Mutter des Babys im Drogenrausch befindet, will Percy Jenna in ...

Auf der Suche nach ihrer Mutter findet die 16-jährige Percy im Haus des Drogendealers Shelton ein vernachlässigtes Baby: Jenna. Da sich die Mutter des Babys im Drogenrausch befindet, will Percy Jenna in ein Krankenhaus bringen. Doch es ist Winter in Michigan und der Weg in die Stadt erweist sich als ein Wettlauf gegen die Zeit.

„Sweetgirl“ ist Travis Mulhausers Debutroman und ich denke, für mich wird es auch der einzige des Autors bleiben.
Zwar ist der Schreibstil des Autors gut lesbar und der Story konnte ich gut folgen, doch nach dem Klappentext hatte ich eine andere Geschichte erwartet. Vor allem fehlte es mir an Spannung. Percy verlässt unentdeckt mit dem Baby das Haus und spätestens nachdem Shelton erwacht ist, hätte ich mit einer Verfolgung gerechnet, die den Fortgang der Geschichte voran treibt.
Doch stattdessen kämpfen sich Percy, Fortis und Jenna durch den Schnee und abseits gelegene Pfade, während Shelton an ganz anderer Stelle nach den Entführern des Babys sucht und abwechselnd völlig unbeteiligte Personen als Täter in Verdacht hat. Spannung stelle ich mir anders vor.
Recht witzig waren Sheltons Gedankengänge, die in seiner Beschränktheit schon wieder ganz logisch anmuteten: Wer vor seiner geladenen Pistole flüchtet, kann nur der Entführer des Babys sein. Klar!
Percy wollte mir als toughes Mädchen auch nicht so recht gefallen:
Warum zum Beispiel überlässt sie es der drogensüchtigen und damit unzuverlässigen Mutter, sich um die Bezahlung der Telefonrechnung zu kümmern? Und dann steht sie plötzlich ohne funktionierendes Handy da …
Fortis trockene Kommentare hingegen konnte mir schon den einen oder anderen Lacher entlocken, wenngleich sein Alkoholkonsum nur Kopfschütteln auslöste.

Alles in allem war „Sweetgirl“ ein nettes Buch für zwischendurch, aber nichts was man unbedingt gelesen haben sollte.