Platzhalter für Profilbild

giselaslesehimmel

Lesejury Star
offline

giselaslesehimmel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit giselaslesehimmel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.02.2026

Ein wichtiges Thema, in eine berührende Geschichte verpackt

Da, wo ich dich sehen kann
0

.
Es geht um die neunjährige Maja, die für ihre tote Mutter den Rettungsdienst anruft. Sie kann die Tatsache, dass ihre Mutter nicht mehr lebt, nicht verarbeiten und wartet auf Hilfe. Noch weniger kann ...

.
Es geht um die neunjährige Maja, die für ihre tote Mutter den Rettungsdienst anruft. Sie kann die Tatsache, dass ihre Mutter nicht mehr lebt, nicht verarbeiten und wartet auf Hilfe. Noch weniger kann sie später verarbeiten, dass ihr Vater die Mutter umgebracht hat. Der Vater, der immer liebevoll und großzügig ist, und die Mutter ständig auf ihre Fehler hingewiesen hatte. Wenn die Mutter ihr etwas verbat, wurde es ihr vom Vater erlaubt. Kann so ein toller Vater wirklich böse sein?

Bei den Großeltern mütterlicherseits lebt sie nun vorläufig. Brigitte und Per bitten die beste Freundin ihrer Tochter und Patentante von Maya, mit ihrer Schäferhündin Chloé bei ihnen zu wohnen. Sie haben bemerkt, wie gut Maya der Umgang mit der Astrophysikerin Liv bekommt und der Hund ihr dabei hilft, die gefährlichen Ranken, die ihr die Luft abschnüren, fernzuhalten.

Jasmin Schreiber hat ein sehr wichtiges Thema aufgegriffen und mit sehr viel Empathie zu Papier gebracht.

Was es mit einem kleinen Mädchen macht, dessen Vater die Mutter umgebracht hat, wird sehr feinfühlig aufgezeigt und ist beim Lesen nicht spurlos an mir vorbeigegangen. Besonders die Rettungsdienstszene ging mir durch und durch.

Per und Brigitte machen sich große Vorwürfe, nicht bemerkt zu haben, in welch auswegsloser Situation ihre Tochter gesteckt hatte.

Liv vermisst ihre beste Freundin und macht sich große Vorwürfe, nicht energischer auf das veränderte Verhalten von ihr reagiert zu haben. Der Umgang mit Maya wirkt unerwartet gut auf ihren Gemütszustand. Sie schaut mit dem Mädchen in den Sternenhimmel und zusammen mit Chloé machen sie herrliche Spaziergänge.

Die Großeltern väterlicherseits bleiben überwiegend im Hintergrund.

Der magische Schreibstil und die Thematik Femizid haben für mich dieses Buch zu einem ganz besonders emotionalen Erlebnis gemacht. Es steckt so viel Kummer, Verzweiflung und dennoch Herzenswärme zwischen den Seiten. Das Leben geht ganz normal weiter, ohne Rücksicht auf das Drama, das sich ereignet hat. Vor allem die Schuldgefühle, die – wie so oft – die falschen Menschen haben, kommen sehr gut zum Ausdruck. Der Mörder selbst findet in der Geschichte wenig Beachtung, was mir total gut gefällt. Der hat schließlich schon genug kaputtgemacht und bei sämtlichen Menschen einen Scherbenhaufen hinterlassen.

"Da, wo ich dich sehen kann" ist nach "Marianengraben" das zweite Buch, mit dem mich die Autorin überzeugen konnte. Bei ihren Geschichten bin ich mit vollem Herzen dabei. In dieser habe ich stellenweise sehr viel Wut empfunden, da ich aktuell eine Frau kenne, die in Gefahr schwebt. Am Ende des Buches gibt es viele Adressen und Telefonnummern für betroffene Frauen. Die Spalte für Männerhilfe fällt vergleichsweise gering aus. Was sagt uns das? Es besteht noch viel Handlungsbedarf. Wir Frauen kommen schließlich nicht auf die Welt, um von Männern misshandelt und getötet zu werden. Wenn ich so lese und mitbekomme, was mit vielen Frauen passiert, bin ich wieder einmal sehr dankbar um meinen Ehemann.

Eine klare Empfehlung. Danke, Jasmin Schreiber

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2026

Krönender Abschluss der Mercedes-Trilogie

Mind Control
0


Das Finale konnte mich komplett überzeugen und somit habe ich auch dieses Hörbuch wieder sehr geliebt. Brady Hartsfield hat mich schon im 1. Band das Fürchten gelehrt und ich hätte niemals gedacht, dass ...


Das Finale konnte mich komplett überzeugen und somit habe ich auch dieses Hörbuch wieder sehr geliebt. Brady Hartsfield hat mich schon im 1. Band das Fürchten gelehrt und ich hätte niemals gedacht, dass dieser Psychopath im 3. Band zu einer Höchstform aufläuft, die alles Bisherige in den Schatten stellt.

Detective Bill Hodges hat mich zu Tränen gerührt. Warum solltet ihr aber am besten selbst erkunden. Zusammen mit Holly und Jerome hat der empathische Detective Horror pur erlebt.

Stephen King hat in der Mercedes-Trilogie wunderbare Figuren geschaffen und eine Geschichte erzählt, die ich bitte niemals in der Realität erleben möchte. Ich habe jetzt noch Gänsehaut vom Zuhören.

Mein nächstes Hörbuch wird der Outsider. Ich weiß jetzt schon, mir wird eine Person fehlen. Kann es überhaupt ohne weitergehen? Ich bin gespannt!

Dank, Stephen King

Danke, David Nathan

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2026

Verlorene Seelen, auf der Suche nach ein bisschen Glück

Der andere Arthur
0


Eines gleich mal vorweg: Diese Geschichte ist völlig anders als „Der Gott des Waldes“. Das finde ich sehr positiv, da die Autorin damit ihrem Ideenreichtum Ausdruck verleiht. Abwechselnd wird die Geschichte ...


Eines gleich mal vorweg: Diese Geschichte ist völlig anders als „Der Gott des Waldes“. Das finde ich sehr positiv, da die Autorin damit ihrem Ideenreichtum Ausdruck verleiht. Abwechselnd wird die Geschichte aus der Sicht von Arthur Opp und dem jungen Kel Keller erzählt.

Der adipöse Arthur verlässt seit vielen Jahren seine Wohnung nicht mehr. Seine Nahrung bestellt er im Internet, und sein längster Spaziergang besteht vom Sofa bis zur Haustür. Der Literaturprofessor pflegt über Jahre hinweg Briefkontakt mit der ehemaligen Studentin Charlene. Sie belügen sich gegenseitig, was ihr Leben betrifft. Arthur unterrichtet längst nicht mehr und erzählt Charlene dennoch von seinem beruflichen Alltag und den Reisen, die er unternimmt. Dann beantwortet Charlene lange Zeit seine Briefe nicht mehr.

Arthur kann sich kaum noch bewegen und fristet sein einsames Leben vor dem Fernseher. Sein wunderschönes Haus verkommt immer mehr. Erst als Charlene sich wieder meldet und ihn um Hilfe bittet, erwacht Arthur aus seiner Lethargie. Charlene möchte, dass Arthur ihren Sohn Kel—von dem er zum ersten Mal hört—unterrichtet. Sie telefoniert mit Arthur, der sofort bemerkt, dass irgendwas mit der zierlichen Frau nicht stimmt.

Arthur lässt von der blutjungen Yolanda sein Haus auf Vordermann bringen, damit er Besuch empfangen kann. Nur, was werden Charlene und Kel denken, wenn ihnen der adipöse Arthur die Tür öffnet?

Niemals zuvor ging mir die Einsamkeit von Menschen so unter die Haut wie in dieser Geschichte. Arthur lebt in Brooklyn und ist nur 30 Kilometer von seiner großen Liebe Charlene entfernt. Aber, das weiß er ja nicht. Die zierliche Frau ist eine große Meisterin, wenn es darum geht, plötzlich zu verschwinden. Auch sie führt ein sehr trauriges Leben und verlässt ihr Haus ebenfalls nicht mehr. Ihr 17-jähriger Sohn Kel strebt eine Karriere als Baseballspieler an und ist ein mittelmäßiger Schüler. Seine Mutter besteht darauf, dass er auf der Pells Highschool einen guten Abschluss macht, um anschließend aufs College zu gehen. Kels Vater hat sie verlassen, als der Junge vier Jahre alt war. Charlene sucht Trost im Alkohol, wofür ihr Sohn sie hasst. Kel muss sich um alles kümmern. Fast jeder kennt seine Mutter, da sie vor ihrem Absturz als Sekretärin auf der Pells Highschool gearbeitet hat. Einzig die Briefe von Arthur bescheren ihr ein paar glückliche Momente.

Arthur hat mein Herz besonders berührt. Der gutmütige Mann hat jedes bisschen Zuwendung aufgesaugt wie ein Schwamm ein paar Tropfen Wasser. Er hat Hilfe bekommen und Hilfe gegeben.

Kel musste durch die Hölle gehen, als er seine Mutter bewusstlos im Haus fand. Er schämt sich wegen ihres Verhaltens und hat sich nie für ihre Probleme interessiert. Erst als es zu spät ist, begreift er, wie seine Mutter gelitten hat. Er erinnert sich an die Zeiten, als er mit seiner Mutter glücklich war. Der beliebte Junge findet Hilfe bei guten Freunden und deren Familien.

Insgesamt hatte ich das Gefühl, mitten in einem Drama zu stecken und dennoch ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und kommt ungewöhnlich daher. Es finden keine Dialoge zwischen Arthur und Kel statt, obwohl sie die beiden Hauptfiguren sind, die zueinander finden sollen. Das war für mich eine ganz neue Leseerfahrung.

Die Geschichte erzählt von zufälligen Begegnungen und schweren Verlusten. Sie zeigt, wie wichtig es ist, Hilfe anzunehmen.

Liz Moore hat wichtige Themen aufgegriffen und genial umgesetzt. Sie hat fett- und alkoholsüchtigen Menschen eine Stimme gegeben.

Mehr will ich nicht mehr verraten, da jeder diese Geschichte unbedingt selbst entdecken sollte. Die wunderbar gezeichneten Figuren haben mein Herz berührt und mir feuchte Augen beschert. Die Szenen in der Highschool und die Baseballspiele wirken wie aus einem Jugendbuch, was dem Geschehen eine besondere Note gegeben hat.

Von mir eine klare Empfehlung.

Ein großes Dankeschön an Liz Moore und dem C.H. Beck Verlag.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.01.2026

Eine würdige Fortsetzung, die Lust auf mehr macht

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
0



1945-1961 Güstrow

Wir erleben die Flucht von Marlen, die sich aus einer Familientragödie retten konnte, und anschließend Zuflucht in einem verlassenen Forsthaus findet. Wilma versteckt das 14-jährige ...



1945-1961 Güstrow

Wir erleben die Flucht von Marlen, die sich aus einer Familientragödie retten konnte, und anschließend Zuflucht in einem verlassenen Forsthaus findet. Wilma versteckt das 14-jährige Mädchen in der Schublade einer Bauernkommode vor den Russen. Im Anschluss nimmt die hagere Frau Marlen zu sich nach Hause in ihr Waldhaus. Sie adoptiert das Mädchen und weist sie in die Kunst der Malerei ein. Marlen zeigt viel Talent und hat ein Geheimnis. Damals, in der Schublade im Forsthaus, hat sie versehentlich ein kleines Bild beschädigt, das sie wieder reparieren möchte. Eine junge Frau, am Fenster stehend ...

2023 Berlin

In der Gegenwart erlebt Hannah einen großen Abschiedsschmerz, da ihre beste Freundin Rubi aus der gemeinsamen Wohnung in Berlin auszieht. Rubi erwartet von ihrem Freund Max ein Kind.

Zu ihrer größten Verwunderung meldet sich ihr leiblicher Vater, nachdem er jahrelang den Kontakt zu ihr gemieden hatte.

Alena Schröder bringt die Gefühle der Figuren wunderbar zum Ausdruck; ohne große Gefühlsduselei. Der coole Humor täuscht nicht über die innere Zerrissenheit von Hannah hinweg. Sei es die Unsicherheit gegenüber ihrem Vater oder das Verlassenheitsgefühl, nachdem ihre Freundin ausgezogen war.

Besonders Marlen geht einem ziemlich nahe. Sie trifft im Laufe der Geschichte eine Entscheidung, für die ich ihr sehr großen Respekt zolle. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich gehandelt hätte. Das Leben im Waldhaus war nicht immer leicht für Marlen, da sie nie ein selbstbestimmtes Leben führen konnte. Die alte, schrullige Burgel führte den Haushalt, und Marlen erstellte, nach genauen Anweisungen von der erblindenden Wilma, Bilder. Im Großen und Ganzen verlief das Leben der drei Frauen harmonisch. Nachdem Wilmas Mann aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, hing der Haussegen schief.

Die Geschichte wirft viele Fragen auf, die nicht so einfach zu beantworten sind. Wie weit man sich der Familie verpflichtet fühlen muss oder ob man ein selbstbestimmtes Leben führen kann, ohne Rücksicht auf die Angehörigen. Selbst dann, wenn es sich um keine Blutsverwandten handelt.

Der Schreibstil enthält unverkennbar Frau Schröders Handschrift und hat mich wieder mal an die Seiten gefesselt. Alle Figuren sind gut gezeichnet und haben Erkennungswert. Hannahs Gedanken kommen sehr humorvoll und menschlich daher. Bei sämtlichen Situationen konnte ich sie sehr gut nachvollziehen und so manche Situationskomik hat mich zum lächeln gebracht.

Ich empfehle Euch das Buch, wenn ihr gerne Familiengeschichten lest, die wie mitten aus dem Leben gegriffen wirken. Nichts wird hier beschönigt – nichts unnötig dramatisiert. Diese Besprechung enthält nur einen kleinen Teil des Buches. Den Rest zu entdecken lohnt sich.

"Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid." "Bei euch ist es immer so unheimlich still." "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel."
Diese drei Buchtitel klingen wie eine kleine Kurzgeschichte. Eine klare Empfehlung für alle drei Titel.

Ein herzliches Dankeschön geht an Alena Schröder und den Dtv-Verlag. "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" war aber noch nicht das Ende, oder? Ich wüsste wirklich sehr gerne, wie es mit Hannah weitergeht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2026

Was einst geschrieben stand

Der Nachbar
0



Es geht um die Strafverteidigerin Sarah Wolff, die mit ihrer Tochter nach Berlin gezogen ist und dort ein Späti betreibt. Sie hat Angst vor dem Alleinsein. Sie hat Angst vor ihrem Exmann, der in der ...



Es geht um die Strafverteidigerin Sarah Wolff, die mit ihrer Tochter nach Berlin gezogen ist und dort ein Späti betreibt. Sie hat Angst vor dem Alleinsein. Sie hat Angst vor ihrem Exmann, der in der Vergangenheit grausame Dinge getan hat. Noch mehr hat sie Angst vor dem mysteriösen, unsichtbaren Nachbarn, der sich Eintritt in ihr Leben verschafft hat. Sie muss einsehen, dass sie nicht mehr allein ist ...

Sie muss einsehen, dass sie ungebetene Hilfe bekommt ...

Die Figurenzeichnung ist Fitzek gut gelungen und ich konnte mir die Personen bildlich vorstellen. Besonders Sarahs Ängste sind zwischen den Zeilen spürbar. Als Kind traumatisiert, hat sie auf Anraten ihrer Psychologin ein "Dunkelbuch" angelegt. Dort durfte sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen und ohne Wertung beschreiben, was sie am liebsten mit Menschen machen würde, die ihr in der Vergangenheit übel mitgespielt haben. Als sie feststellt, dass der geheime Nachbar ihre Einträge abarbeitet, gerät sie in Panik. Vor allem wegen des letzten Eintrags, der nicht von ihr stammt.


Misstrauen und innere Zerrissenheit bestimmen die Handlung und machen die Geschichte zu einem Pageturner. Nichts ist so, wie es scheint.

Der Schreibstil liest sich wie Butter und ich bin nur so durch die Seiten gerutscht. Ein Abbremsen war mir ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr möglich.


Das Ende ist typisch Fitzek. Eine klare Empfehlung.


Danke, Sebastian Fitzek.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere