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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.05.2020

Klug in Szene gesetzter Thriller

Sühne
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Eine Zufallsentdeckung war für mich diese Neuerscheinung. Der Autor war mir bislang unbekannt gewesen, ich war überrascht, wie viele Titel der ziemlich finster dreinblickende Autor, von Beruf Chirurg, ...


Eine Zufallsentdeckung war für mich diese Neuerscheinung. Der Autor war mir bislang unbekannt gewesen, ich war überrascht, wie viele Titel der ziemlich finster dreinblickende Autor, von Beruf Chirurg, bereits geschrieben hatte. Vielleicht ist das vorliegende Buch nicht unbedingt ein reißerischer Thriller. Er hat auch viele ruhige Elemente, fast wie in einem Krimi, aber dennoch niemals langweilig, immer durchsetzt von unterschwelliger Spannung, die sich zum Ende hin noch erheblich steigert. Wohltuend übrigens die sehr augen- und lesefreundliche Schriftgröße!

Frank Linden, Besitzer eines Pharmaunternehmens, ist todkrank. Er möchte vor seinem Tod noch hochbrisante Informationen veröffentlichen und heuert dazu einen Journalisten an. Doch als Linden dem Journalisten das Material übergeben will, werden beide hinterrücks erschossen. Michael Sander, Freund des Journalisten, gelangt in den Besitz des Geheimmaterials und beginnt auf eigene Faust nachzuforschen. Seine Frau, Kommissarin Lene Jensen, soll ganz offiziell die Morde an Linden und dem Journalisten aufklären und stößt dabei im Umfeld des Pharmaunternehmens auf Ungeheuerliches im Bereich der Insulin-Mafia. Doch nicht nur sie, auch Michael Sander gerät in tödliche Gefahr.

Steffen Jacobsen schreibt mit wohltuend viel Fachwissen. Das spürt man in allen Sequenzen, in denen es um Details zur Entwicklung von wirksamen Medikamenten geht. Und er schreibt mit großem politischem Engagement, was speziell in den tagebuchartigen Einträgen von Thomas Schmitz aus Äthiopien sehr eindrucksvoll zum Ausdruck kommt. Und Steffen Jacobsen erzählt gekonnt kurzweilig, temporeich die spannende Handlung vorantreibend. Aus verschiedenen Blickwinkeln, aus verschiedenen Puzzleteilen setzen sich mehr und mehr die erschreckenden Machenschaften der Pharma-Industrie zusammen. Mich hat der virtuose Schreibstil des Autors fasziniert, wie er zum Beispiel die malerische Schilderung eines Ambientes vornimmt, schön, geschmackvoll, um dann völlig unerwartet in dieses wohltuende Bild weitere Bilder hineinzuschmuggeln, grausame Bilder, verstörende… Zwar konnte ich nicht jedes Verhalten der Protagonisten nachvollziehen, insbesondere nicht das viele Schweigen, das viele Unausgesprochene in der Beziehung zwischen Lene und Michael, aber dennoch hatte ich insgesamt viel Sympathie für die beiden und bangte entsprechend voller Spannung um ihr Überleben. Mir gefiel besonders, dass viel Raum eingeräumt wird den psychologisch vielschichtigen Interaktionen der Menschen untereinander, belauernd, anziehend, misstrauisch, hasserfüllt, hingerissen, kämpferisch und nur selten wahrhaftig, echt. Ein Autor mit viel Feingefühl, wie mir scheint. Eine echte Entdeckung auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 22.05.2020

Zu viele geschwätzige Oberflächlichkeiten

City of Girls
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Vermutlich gefällt Vielen dieses Buch. Vermutlich bin ich schlichtweg zu alt, um an diesem Buch Gefallen zu finden. Je länger ich las, desto mehr ging mir das Buch auf die Nerven. Worum geht es?

New ...


Vermutlich gefällt Vielen dieses Buch. Vermutlich bin ich schlichtweg zu alt, um an diesem Buch Gefallen zu finden. Je länger ich las, desto mehr ging mir das Buch auf die Nerven. Worum geht es?

New York, Vierziger Jahre. Der Krieg grollt nur ganz in der Ferne. Vivian, 19, wird von ihrer begüterten Familie aus der Provinz zu ihrer exzentrischen Tante Peg nach New York geschickt. Diese leitet ein heruntergekommenes Theater, und Vivian lernt ein völlig anderes Leben kennen im täglichen Umgang mit den Revuegirls. In Bars herumhängen, Alkohol im Übermaß, zwischendrin mal eine Entjungferung, Musicals, Gangster und Sex, wann immer es sich bietet. Bis ein verhängnisvoller Fehler Vivians Welt auf den Kopf stellt. Halt findet Vivian schließlich an ihrer Freundin Marjorie, mit der zusammen sie ein feines Schneideratelier eröffnet und Brautkleider näht. Abends geht es weiter mit Spaß und Partys.

Vivian berichtet als alte Frau in Ich-Form rückblickend aus ihrer Lebensgeschichte, und zwar einem jüngeren Gegenüber, dessen Identität erst zum Schluss offenbart wird . Insofern ist die Geschichte geschickt eingebettet zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie ist auch durchaus spritzig und humorvoll erzählt, keine Frage, mit oftmals bildhaften Beschreibungen, zum Beispiel wenn vornehme Damen geschildert werden mit „Profilen wie italienische Windspiele“. Aber sonst? Oberflächlichkeiten und Nichtigkeiten in Hülle und Fülle, Glamour und Chaos, Sucht nach Vergnügen, nirgendwo ein Funken von Ernsthaftigkeit, dazu eine extrem naive Protagonistin, und dies alles in einer unendlich geschwätzigen Erzählweise breit getreten. Mir ist einfach nicht klar geworden, warum dieses Buch ein „gefeierter Bestseller“ sein soll. Tut mir leid.

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Veröffentlicht am 21.05.2020

Gute Unterhaltung mit fehlendem Tiefgang

Die Farben der Schönheit – Sophias Hoffnung
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Corina Bomann lese ich gerne zur Entspannung. Jedes Mal habe ich das Gefühl, mich auf einem Theatersessel bequem niederzulassen, mit Aufschlagen des Buches den Vorhang aufgehen zu lassen und mich wegtragen ...


Corina Bomann lese ich gerne zur Entspannung. Jedes Mal habe ich das Gefühl, mich auf einem Theatersessel bequem niederzulassen, mit Aufschlagen des Buches den Vorhang aufgehen zu lassen und mich wegtragen zu lassen von den Szenen, die Corina Bomann entstehen lässt.

Mit „Sophias Hoffnung“ befinden wir uns im Berlin der späten Zwanziger Jahre. Sophia, die zwanzigjährige Ich-Erzählerin, steht völlig unerwartet vor dem Nichts. Vom Vater verstoßen, vom verheirateten Geliebten mit dem ungeborenen Kind allein gelassen, reist sie völlig verzweifelt nach Paris zu einer Freundin. Dort begegnet sie der großen Helena Rubinstein, die ihr eine Anstellung in ihrem Schönheits-Imperium anbietet. So reist Sophia voller neuer Hoffnung nach New York…

Dieser Auftaktband einer Trilogie lässt sich gut und flüssig lesen, wie immer bei dieser Autorin. Sie schreibt lebendig, lässt die jeweiligen Geschehnisse farbig und kurzweilig sich entwickeln. Obwohl ich von reiner Unterhaltungsliteratur ausgegangen bin, blieb mir leider doch nach Beendigung der Lektüre ein Gefühl der Enttäuschung zurück. Wo war in diesem Buch die erwartete Faszination für Kosmetik? Wo blieben die atmosphärisch tiefer ausgestalteten historischen Verknüpfungen? Wo bleibt der Glamour der Zwanziger Jahre? Und wo, vor allen Dingen, ist eine psychologische Weiterentwicklung der Hauptperson zu erkennen? Es werden Szenen aneinandergereiht, in denen Sophia immer wieder kämpfen muss, dabei aber für mein Empfinden stets auf dem gleichen Niveau naiv bleibt. Kurzum, ein wenig mehr Tiefe hätte ich mir gewünscht, auch wenn ich mich gut unterhalten fühlte.

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Veröffentlicht am 20.05.2020

Ein Kultroman? Nicht für mich

Die Brautprinzessin
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1977 erschien „Die Brautprinzessin“, verfasst von dem Drehbuchautor William Goldman. Ausgestattet mit unermüdlicher Lese-Neugier, begann ich das Buch zu lesen und brauchte lange, war oftmals nahe daran, ...


1977 erschien „Die Brautprinzessin“, verfasst von dem Drehbuchautor William Goldman. Ausgestattet mit unermüdlicher Lese-Neugier, begann ich das Buch zu lesen und brauchte lange, war oftmals nahe daran, endgültig abzubrechen. Dass sich dieses Buch zum Kultroman entwickelte, kann ich nicht nachvollziehen.

Für den Inhalt zitiere ich ausnahmsweise die Verlagsangabe: „Erzählt wird die Geschichte der wunderschönen Butterblume und des Stalljungen Westley, der unsterblich in sie verliebt ist. Die Erzählung von der Bedrohung ihrer Liebe durch Prinz Humperdinck, seine Ritter und Spione ist aber nur eine Geschichte in einem atemberaubenden Spiel von Kürzungen und raunenden Kommentaren.“

Ja, es ist eine Geschichte in einer Geschichte. Es ist ein Märchen, Es ist eine Parodie. Das Buch ist schräg, witzig, hinterlistig, romantisch, ideenreich, unterhaltsam, subtil, heldenhaft, originell, fesselnd. Aber es ist auch schrecklich langweilig, zäh, klischeehaft, grausam, ausgestattet mit nicht besonders intelligenten Protagonisten und fetten Kindern, die natürlich (!) nicht lesen wollen.
Abenteuer, Sehnsucht, Liebe, Leidenschaft und allerlei Sticheleien – kurzum, es ist viel drin im Buch, aber nichts, was mich wirklich begeistert hätte.

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Veröffentlicht am 19.05.2020

Zum Mutmachen

Kleiner Löwe, großer Mut
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Zugegeben, in einer ersten Reaktion war ich irritiert über den dreibeinigen Löwen. Dann las ich Näheres über den Autor, der 2018 mit einem Bein und zwei Krücken erfolgreich den Kilimandscharo bestiegen ...

Zugegeben, in einer ersten Reaktion war ich irritiert über den dreibeinigen Löwen. Dann las ich Näheres über den Autor, der 2018 mit einem Bein und zwei Krücken erfolgreich den Kilimandscharo bestiegen hatte. So wurde mir verständlich, dass Tom Belz einen dreibeinigen Löwen zum Bilderbuchhelden gewählt hat und ihn letztlich seine eigene Geschichte erzählen lässt. Aber muss es wirklich sein, dass in einem Bilderbuch für die ganz Kleinen ein Löwe auf so grausame Weise durch ein Krokodil sein Bein verliert? Bei dieser Frage bleibe ich weiterhin unschlüssig…

Die Botschaft ist klar: Tobe, der kleine Löwe mit drei starken Beinen, möchte alles machen, was Löwenkinder so machen. Laut brüllen zum Beispiel und Fangen spielen. Dass ihn seine Freunde beschützen und schonen wollen, macht ihn zornig. Und so macht er sich mit seinem besten Freund auf den Weg, um es allen zu zeigen…

Ein Mutmach-Buch ist das vorliegende Bilderbuch mit Sicherheit. Hilfreich für Kinder, denen man nicht viel zutraut und die sich dadurch auch selbst nicht viel zutrauen. Mit der Botschaft, dass Kinder, die in irgendeiner Form eingeschränkt sind, nicht anders behandelt werden wollen wie alle anderen Kinder: „Was mir guttut und was nicht, entscheide ich!“ Aber auch, dass man mit ein klein wenig Unterstützung über sich selbst hinauswachsen kann, wenn man es wagt, sich auf den Weg zu machen. Die Illustratorin Alexandra Helm lässt mit ihren schlichten, aber ausdrucksstarken Zeichnungen die Geschichte lebendig werden.

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