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Veröffentlicht am 11.07.2019

auch Ärzte haben ein Liebesleben

Herzstillstand
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Steffen Milz war erfolgreicher und angesehener Herzchirurg bis ein schlimmer Unfall ihn mitten aus dem Leben gerissen hat. Geschwächt und gehandicapt durch die Verletzungsfolgen kann er seiner Leidenschaft ...

Steffen Milz war erfolgreicher und angesehener Herzchirurg bis ein schlimmer Unfall ihn mitten aus dem Leben gerissen hat. Geschwächt und gehandicapt durch die Verletzungsfolgen kann er seiner Leidenschaft nicht mehr nachgehen und sucht neue Herausforderungen in einer neuen Stadt. Steffens Pläne sahen auch gar nicht so schlecht aus, bis er dann in Heidelberg ankommt und auf einen Schlag nochmals alles ganz anders ist, als er es sich erhofft hatte. In seiner Not gerät er in eine außergewöhnlichen Wohngemeinschaft, die ihn vor ganz andere Aufgaben stellt, als sich nur in seinem neuen Job zurecht zu finden.

Zu Beginn jedes Kapitels gibt es eine Stelle aus einem Songtext, in dem das Wort Herz bzw. heart vorkommt, das fand ich sehr schön und war jeweils eine nette Einstimmung auf den nächsten Abschnitt. Die Kapitelnamen an sich haben ebenfalls einen guten Ausblick auf das gegeben, was da wohl kommen mag, auch wenn es nicht immer so war, wie man es zunächst vermutet hätte.

Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig. Ich habe mich von Beginn an sehr wohl gefühlt in der Geschichte, obwohl es alles andere als harmonisch anfängt. Eine gute Portion Ironie und Sarkasmus gibt der Handlung eine besondere Note und ist vor allem Steffens stetiger Begleiter, teilweise sehr zum Leidwesen seines Gegenübers. Mich hat er damit auf jeden Fall erreicht und ich konnte einige Male ordentlich lachen. Neben Steffen konnte mich aber auch Antonia, die zweite Protagonistin des Buches, begeistern. Sie ist sehr schlagfertig und nicht auf den Kopf gefallen, trotzdem hat sie Träume, die sehr bodenständig und absolut nachvollziehbar sind.
Die Geschichte wird aus zwei Ich-Perspektiven geschildert, so dass man beide Hauptcharaktere intensiv kennen lernen kann. So bekommt man auch viel vom Leben des jeweils anderen mit, wenn die Figuren gerade nicht gemeinsam agieren. Vielleicht sind mir die beiden auch aufgrund ihrer Berufswahl so sympathisch, ich weiß es nicht genau, ich schätze aber, es liegt eher an der Gesamtmischung. Sie sind etwas verschroben, haben immer mal einen Spruch auf den Lippen, den man ohne medizinischen Backround vielleicht nicht lustig findet und sind trotzdem einfach authentisch und liebenswert, ohne dabei perfekt oder abgehoben zu sein. Nicht alle Einstellungen der Figuren kann ich unbedingt gut heißen, aber es passt einfach zu ihnen, ihrem Leben und dem, was sie sich so erhoffen. An der Seite der beiden finden sich einige Charaktere, die die Handlung noch bunter und abwechslungsreicher machen. Jeder bringt seine eigenen Sorgen und Probleme mit, macht es damit für die Protagonisten nicht unbedingt immer einfacher, aber es wirkt wie mitten aus dem Leben gegriffen.

Da es sich nicht nur um einen, sondern gleich um mehrere Ärzte dreht, ist auch ihr Arbeitsleben immer wieder Thema in der Geschichte. Dabei kommen öfter medizinische Fachausdrücke vor, die nicht ständig erklärt oder umschrieben werden. Wenn man genau wissen möchte, was dort passiert, ist es sicherlich gut selbst aus einem medizinischen Bereich zu kommen. Da ich Krankenschwester bin, fiel es mir meistens nicht schwer, den Fachgesprächen, den Beschreibungen der Eingriffe und den, in die alltäglichen Gesprächen, eingebauten Fachtermini zu folgen. Ich denke jedoch, man kann der Handlung an sich auch folgen, wenn man nicht bis ins Kleinste versteht, was da wo genau operiert und behandelt wird. Denn obwohl die Arbeit der Protagonisten immer wieder in den Mittelpunkt rückt, da es einen wichtigen Teil ihres Lebens ausmacht, sind die Ausdrücke an sich nicht entscheidend, um den Entwicklungen folgen zu können. In den anderen Passagen ergibt sich die Bedeutung der Worte, die vielleicht nicht allgemein bekannt sind, aus dem Gesamtkontext. Mir fiel es da schon schwerer den, an einigen Stellen eingebundenen, Dialekt zu verstehen. Für manchen Satz habe ich mehrere Anläufe gebraucht, bis ich verstanden habe, was die Figuren da sprechen. Es machte die Handlung aber auch noch abwechslungsreicher und authentischer.

Die Figuren treffen sich in unterschiedlichen Konstellationen sowohl im Privatleben, als auch auf der Arbeit und müssen dort neben den beruflichen Herausforderungen auch noch persönliche Diskrepanzen überwinden bzw. sich nicht von Hoffnungen und Erwartungen ablenken lassen.
Nicht alle Entwicklungen im Buch kommen unerwartet, jedoch gibt es immer wieder Momente, in denen sich die Handlung in einigen Aspekten dann doch anders fortsetzt, als man es gedacht, erhofft oder erwartet hätte. Durch die vielfältige Figurenkonstellation wird es nie langweilig und man erlebt die unterschiedlichsten emotionalen Ausbrüche genauso wie offene, ehrliche Gespräche, heimliche Wünsche und stille Hoffnungen für die Zukunft. Und obwohl die Figuren nicht mehr blutjung sind, benötigen auch sie immer mal einen kleinen Anstoß, um sich auf den richtigen Weg zu begeben.
Am Ende der Geschichte bin ich auf jeden Fall gespannt, wie es weiter gehen wird. Einige Grundsteine wurden gelegt, einige Weichen gestellt, aber es sind noch lange nicht all am Ziel ihrer Wege angekommen.

Fazit
Eine facettenreiche Geschichte, die mich besonders durch die Kombination an tollen, authentischen Charakteren und dem Arbeitsfeld in der Medizin überzeugen konnte. Der Klinikalltag war gut in die Gesamthandlung eingebunden, hat mal mehr, mal weniger Raum eingenommen und war doch häufig präsent, ohne den Fokus zu sehr vom Privatleben der Figuren abzulenken.

Vielen Dank an das breitgestellte Rezensionsexemplar!

Veröffentlicht am 06.07.2019

spannend, fesselnd, brutal, blutig

Zornesbrand
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Es handelt sich um den 5. Band der Thriller-Reihe von Saskia Berwein. Man kann „Zornesbrand“ ohne Vorwissen lesen, den Hauptteil der Handlung wird man in jedem Fall verstehen. Da die Ermittlergeschichten ...

Es handelt sich um den 5. Band der Thriller-Reihe von Saskia Berwein. Man kann „Zornesbrand“ ohne Vorwissen lesen, den Hauptteil der Handlung wird man in jedem Fall verstehen. Da die Ermittlergeschichten jedoch weiter gehen und auch keine ganz unwichtige Rolle in einigen Passagen spielen, ist es sicher schöner, das Buch mit Vorwissen zu lesen, wenn man die Lust, Zeit und Möglichkeit dazu hat.

In Lemanshain kommt es immer wieder zu brutalen Verbrechen. Kaum wurde ein Krimineller dingfest gemacht, taucht aus irgendeinem versteck der nächste auf. Mit ihm ziehen dieses Mal Angst, Schrecken und Vergewaltigung ein. Eine Serie, die rasch an Brutalität zunimmt und den Druck auf die im Dunklen tappenden Ermittler stetig erhöht. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, tut sich für Jennifer Leitner auch noch die ganz persönliche Hölle auf…

Ich habe die ersten vier Bände der Reihe ebenfalls gelesen und bin immer wieder beeindruckt von dem fesselnden, einnehmenden Schreibstil von Saskia Berwein. Von Beginn an hat mich das Buch gepackt und nicht wieder los gelassen. Es gibt Passagen, in denen man mit den Figuren die Luft anhält und sich drei Mal umschaut, ob man auch wirklich allein ist, weil die Atmosphäre so aufgeladen ist. Dazwischen kommen jedoch immer mal wieder Momente, in denen die persönlichen Belange der Protagonisten in den Mittelpunkt rücken. Doch auch in den Abschnitten, die scheinbar vom Ermittlungsgeschehen weglenken, wird es niemals langweilig. Dafür sorgen schon die facettenreichen Charaktere selbst, aber zusätzlich auch ihr turbulentes Leben, in dem gerade auch so einiges vor sich geht.

Jennifer Leitner ist bei der Kriminalpolizei und arbeitet dadurch immer wieder mit dem Staatsanwalt Oliver Grohmann zusammen. Gemeinsam haben sie schon die eine oder andere Grenze überschritten und sich nicht immer an alle Regeln und Vorschriften gehalten, doch der Erfolg gab ihnen bisher Recht. Allerdings hat man ihnen nun ziemliche Steine in den Weg gelegt und damit in gewisser Weise einen Maulkorb verpasst, der sich auf viele Bereiche auswirkt. Man spürt diese Hemmschwelle besonders bei Jennifer, da bei ihr in diesem Band auch einige Gefühle zum Tragen kommen, die man in der Intensität aus den anderen Büchern von der taffen, oftmals sturen Kommissarin nicht unbedingt kennt. Das macht Jennifer aus meiner Sicht jedoch nur noch authentischer, menschlicher und auch sympathischer.
Neben Oliver, der auch wieder fest mit dem Geschehen verbunden ist, trifft man auch auf einige andere Charaktere, die man bereits aus den anderen Büchern kennen könnte. Sollte man die Figuren nicht kennen, bekommt man allerdings auch noch mal die wichtigsten Informationen zu ihnen, so dass man einordnen kann, welche Position sie in den Ermittlungen einnehmen bzw. was sie sonst für eine Rolle spielen. Die Mischung der Charaktere ist gut gewählt. Es gibt einige Personen, denen man sofort vertrauen möchte, andere müssen sich diesen Status erst arbeiten, sowohl bei Jennifer, als auch bei mir als Leser. Ohne dass es von der professionellen Arbeit ablenkt, bringen die Figuren ihre Ecken und Kanten mit, was zum einen total angenehm ist und zum anderen zwischendurch Situationen schafft, in denen man trotz der ernsten Thematik schmunzeln kann.

Der Fall, der aus der „Vergangenheit“ der Protagonisten thematisiert wird, wird soweit wieder aufgerollt, dass man die groben Zusammenhänge und Ereignisse im Verlauf des Buches erfährt, ohne dass es langatmig wird. Die Entwicklungen gehen hier voran und spielen auch für den aktuellen Fall eine Rolle. Ab und an habe ich mich allerdings gefragt, wie das nun alles ganz genau war, da bei mir das Lesen des vierten Bandes auch schon eine ganze Weile zurück liegt. Es hat meinen Lesefluss jedoch nicht gestört, mich eher neugierig gemacht, mir die anderen Bände noch mal vorzunehmen.

Neben den zermürbenden Ermittlungen taucht man recht tief in das Privatleben von Jennifer und Oliver ein, nicht zuletzt aufgrund der Bedrohungen, die es gegenüber der Kommissarin gibt. Die parallel laufenden Handlungsstränge sind gut miteinander verknüpft, die Wechsel zwischen den Szenen erhöhen noch zusätzlich die Spannung in der Geschichte. Durch die Perspektivwechsel und den personalen Erzähler hat man als Leser die Chance, an allen Orten zu sein und viel Wissen zu erlangen, ohne dass einem dabei irgendwas verraten wird. Man kann mit rätseln, vermuten, grübeln und doch muss man, genau wie die Ermittler feststellen, dass man eigentlich oft im Dunklen tappt.
Die Handlung legt im Verlauf an Tempo zu, die Brutalität und Dramatik wächst und der Täter wird immer gewaltbreiter und ungezügelter. Durch die Abschnitte, in denen man den Verbrecher begleitet, wird das Ausmaß an Grausamkeiten richtig deutlich. Einige Szenen sind ziemlich heftig, erschreckend und blutig und damit vielleicht nichts für zartbesaitete Leser, insgesamt empfand ich es jedoch nicht als zu ausufernd.
Gegen Ende konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, obwohl es von Anfang an spannend ist, gab es hier noch mal eine deutliche Steigerung und Wendung. Der Abschluss des Bandes lässt auf eine rasche Fortsetzung hoffen, denn die Geschichte der Ermittler ist im Moment so aufgewühlt, dass man unbedingt wissen möchte, wie es auch dort weiter geht.

Fazit
Ein packender, spannender, blutiger Thriller, der mich von Beginn an gefesselt hat. Die Steigerung des Gewaltpotenzials und der Intensität der Brutalität zeigt auf erschreckende Weise zu was manche Menschen fähig sind und wie geschickt sie dabei vorgehen, damit ihnen niemand auf die Schliche kommt. Ein gelungenes Versteckspiel mit Irrungen und Verwirrung, mit Vermutungen und Wendungen, die immer für neue Spannung sorgen. Besonders gut gefällt mir auch die Kombination aus den fesselnden Ermittlungen und den privaten Entwicklungen der Protagonisten, die sehr eng miteinander verknüpft sind.

Vielen Dank an das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

Veröffentlicht am 06.07.2019

spannender, emotionaler Abschluss der Trilogie

Das Goldmädchen (Die Legenden der Jiri 3)
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Band drei der Reihe! Auch wenn auf der Verlagsseite steht, man kann die Bücher unabhängig lesen, würde ich das nicht empfehlen, da Band drei direkt an das sehr offene Ende in Band zwei anschließt.

Da ...

Band drei der Reihe! Auch wenn auf der Verlagsseite steht, man kann die Bücher unabhängig lesen, würde ich das nicht empfehlen, da Band drei direkt an das sehr offene Ende in Band zwei anschließt.

Da die Handlung recht nahtlos an den zweiten Band anschließt, möchte ich gar nicht zu viel verraten und vorweg nehmen. Im Mittelpunkt des letzten Buches stehen nun Lani und Barein, aber auch die anderen Charaktere sind wieder mit dabei und jeder wird seinen Weg weiter verfolgen.
Es ist sehr viel passiert, die Protagonisten haben einiges hinter sich und sind noch immer nicht in Sicherheit. Neben den Gefahren von außen gibt es da aber auch noch die Bedrohungen, die aus dem eigenen Herzen kommen. Gefühle, die nicht sein sollen, die nicht sein dürfen, die man nicht erklären kann und die doch einfach nicht weggehen, so sehr man sich auch bemüht.

Der Schreibstil ist wieder sehr angenehm und fesselnd. Da man direkt an einer sehr mitreißenden Stelle wieder in die Handlung einsteigt, griff die gereizte, angespannte Atmosphäre sofort wieder auf mich über. Und auch wenn sich die Stimmung im Laufe der Handlung ändert, bleibt es durchweg emotional aufgewühlt.
Im Gegensatz zu den anderen beiden Bänden gibt es hier nur zwei Ich-Perspektiven, was ich sehr angenehm fand. Man ist sehr viel intensiver bei den Protagonisten und kann sich mehr auf ihre Geschichte, ihre Gedanken und Gefühle konzentrieren. Trotzdem bekommt man noch mit, wie es mit den anderen Charakteren weitergeht, da auch sie immer wieder dabei sind und ihre Erfahrungen mit den beiden und damit auch dem Leser teilen.
Barein und Lani kennt man aus den vorherigen Büchern schon. Zwischen ihnen gibt es eine gewisse Spannung, die immer wieder zu Reibereien, Missverständnissen und verletzten Gefühlen führt. Ein Jiri und eine Uhura passen einfach nicht zusammen, selbst wenn es nur für eine gemeinsame Reise sein soll, um die Freunde zu schützen. Die Entwicklungen zwischen den beiden stehen im dritten Band im Mittelpunkt, dennoch sind auch die turbulenten Ereignisse rundrum nicht vergessen, schließlich gibt es Bedrohungen, Intrigen, die abgewendet und Herausforderungen, die gelöst werden wollen.

Umso weiter man im Buch voran schreitet, umso spannender und turbulenter wird es. Es werden Geheimnisse gelüftet und Irrtümer aufgeklärt, die alles verändern. Die angefangenen Handlungsstränge werden zu Ende geführt und obwohl es schade ist, die Welt der vier Völker zu verlassen, hat mich der Abschluss der Reihe zufrieden gestimmt, so dass man die Figuren auch gern ziehen lässt.

Fazit
Ein toller, emotionaler, aufwühlender Abschluss der Trilogie, der noch einmal Überraschungen und Wendungen mit sich bringt. Besonders gut gefallen hat mir der Fokus auf zwei der Protagonisten, die hier die Chance bekommen, sich noch intensiver zu entwickeln, als bisher. Es war eine spannende Zeit bei den verschiedenen Völkern, die so viele Fähigkeiten, Magie und Geheimnisse bereit halten, dass es nie langweilig wird.

Veröffentlicht am 06.07.2019

schöne, spannende Entwicklungen & tolle, facettereiche Welt

Das Kriegermädchen (Die Legenden der Jiri 2)
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Es handelt sich um den zweiten Band der Reihe, meine Rezension enthält jedoch keine Spoiler in Bezug auf den ersten Band „Das Feuermädchen“, da ich nichts von der Handlung und den Entwicklungen vorweg ...

Es handelt sich um den zweiten Band der Reihe, meine Rezension enthält jedoch keine Spoiler in Bezug auf den ersten Band „Das Feuermädchen“, da ich nichts von der Handlung und den Entwicklungen vorweg nehme. Vorwissen zu haben, wäre sicher hilfreich, damit man die Zusammenhänge und Entwicklungen der Figuren besser nachvollziehen kann. Besonders wichtig ist das Wissen von Band zwei zu Band drei, da man mitten in der Handlung zurück gelassen wird.

Zahra ist eine Kriegerin und lebt für ihr Volk und dessen Schutz. Ihr eigenes Wohl steht hinten an, obwohl sich in der Vergangenheit einige Dinge ereignet haben, die ihren eisernen Willen und ihr verschlossenes Herz ein wenig ins Wanken bringen.
Als sie jedoch erfährt unter welchen grausamen Umständen ihre Schwester leben muss, fasst Zahra schnell einen Plan. Sie muss ihrer Schwester beistehen, sie retten, auch wenn das heißt, ihre Heimat verlassen zu müssen.

Am Ende vom ersten Band konnte man schon erahnen, in welche Richtung sich der zweite Band bewegen könnte, da man dort etwas erfahren hat, was eine Wendung in der Geschichte bringen könnte und nun im zweiten Buch zum Tragen kommt. Im Verlauf der Handlung gibt es ein paar Hinweise auf die Entwicklungen im ersten Buch, die dabei helfen, Erinnerungen aufzufrischen oder einen groben Überblick geben, was mit den Figuren im Vorfeld passiert ist, sollte man die Geschichte nicht kennen. Den zweiten Bänd könnte man ohne Vorwissen vielleicht sogar noch verstehen, ich persönlich fand es aber schön, die wichtigsten Charaktere schon zu kennen und ihren bisherigen Weg begleitet zu haben. So kann man deutlich besser einordnen, wieso sie reagieren, wie sie es tun und warum die Ausgangssituation ist, wie sie sich nun darstellt.

Der Schreibstil von Martina Fussel ist flüssig und lebendig. Da die Geschichte wieder aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert wird, erhält man einen sehr vielseitigen und umfangreichen Blick auf die Handlung, die zwar größtenteils gemeinsam mit allen Figuren verläuft, sich aber auch immer mal wieder in parallel verlaufende Stränge aufteilt. Die Ich-Perspektiven ermöglichen es dem Leser einen Blick auf die Gedanken und Gefühle der Charaktere zu werfen, die sie meistens vor den anderen Figuren zu verbergen versuchen. Dadurch kann man das Verhalten der Personen und ihre manchmal sehr gereizten, schnippischen Reaktionen besser einordnen und verstehen. Viele Dinge sind nämlich gar nicht so, wie sie scheinen oder erscheinen sollen.
Aufgrund der Perspektivwechsel lernt man zwar nicht jede Figur so intensiv kennen, wie es ein oder zwei Ich-Perspektiven ermöglichen würden, man erhält dafür jedoch einen sehr umfassenden Einblick in die Wünsche, Hoffnungen, die Möglichkeiten und Zukunftsaussichten der verschiedenen Charaktere. Dadurch wird die Handlung noch komplexer und vielseitiger. Da sich die Charaktere dieses Mal auch lange Zeit gemeinsam durch das Reich bewegen, entgeht einem auf der einen Seite nicht so viel von der Handlung in den anderen Strängen, auf der anderen Seite wird einem aber auch nicht so viel vorweg genommen, wie es im ersten Buch ab und an der Fall war. Die Wendungen, die eintreten, treffen die Protagonisten fast genauso, wie den Leser, sieht man mal von den Gefühlen ab. Ein paar Entwicklungen kann man zwar erahnen, jedoch gibt es auch unerwartete, überraschende Aspekte, die neue Türen öffnen, aber auch neue Gefahren bergen.

Gut gefallen haben mir auch die zahlreichen Schauplätze im Buch. Durch anschauliche Beschreibungen wird die Welt richtig lebendig und man kann sich gut vorstellen, wie die Umgebung aussehen muss. Man lernt neue Orte und Teile der Reiche kennen, die man vorher nur grob aus Erzählungen kannte. Auch die unterschiedlichen Völker mit all ihren Eigenarten, Stärken und Kräften spielen wieder eine große Rolle und stellen hin und wieder eine ziemliche Herausforderung dar.
Umso weiter man voranschreitet, umso spannender und gefährlicher wird es. Am Ende wird man mitten in der Handlung an einer sehr aufwühlenden Stelle zurück gelassen. Ich möchte nun unbedingt wissen, wie es weitergeht und welche meiner Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen sich vielleicht erfüllen werden.


Viele der Charaktere kannte ich bereits aus dem ersten Buch, einige Personen kommen neu hinzu und mischen die Runde noch mal ein wenig auf. Es gibt wieder Reibereien, Neckereien, versteckte und ausgelebte Liebesgefühle und zahlreiche andere Emotionen. Die persönliche Entwicklung der Figuren zu verfolgen, hat mir viel Freude bereitet. Sie müssen alle zusammenhalten, obwohl sie aus so unterschiedlichen Völkern stammen und sich manchmal lieber an die Gurgel gehen möchten. Dabei müssen sie sich hin und wieder sogar eingestehen, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist, wie sie geglaubt haben und das nicht alles, wofür man sonst gekämpft hat, noch immer ein Grund ist, seine eigenen Wünsche dafür hinten anzustellen. Ich bin gespannt, was da im dritten Band noch so kommt, denn für einige Entwicklungen wurde hier sicher der Grundstein gelegt.
Besonders ins Herz geschlossen habe ich die kleine Ayana. Durch sie erhält man noch mal einen anderen Blick auf die Geschehnisse, die Welt und die Beziehungen zwischen den Figuren, da sie vieles noch nicht kennt und dadurch teilweise auch nicht versteht, wo die anderen Probleme sehen. Auch die anderen Charaktere mag ich alle sehr gern. Sie sind alle sehr unterschiedlich, aber jeder ist auf seine Art liebenswert.

Fazit
Ein schöner, ereignisreicher zweiter Band, der einen noch intensiver in die Welt der vier Völker und damit der unterschiedlichen Charaktere eintauchen lässt. Umso weiter man voran schreitet, umso spannender, gefährlicher und auch gefühlvoller wird es. Das Ende ist wirklich gemein und ich bin froh, dass ich mit dem dritten Band gleich weiter machen kann.

Veröffentlicht am 06.07.2019

facettenreiche Welt, interessante Figuren

Das Feuermädchen (Die Legenden der Jiri 1)
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Shaani ist eine Jiri und gehört damit zum Volk der Waldmenschen. Sie sollte sich der Erde verbunden fühlen und aufgrund ihres mächtigen Vaters mit diesem Element umgehen können. Doch Shaani zieht es zum ...

Shaani ist eine Jiri und gehört damit zum Volk der Waldmenschen. Sie sollte sich der Erde verbunden fühlen und aufgrund ihres mächtigen Vaters mit diesem Element umgehen können. Doch Shaani zieht es zum Meer, zu den rauschenden Wellen und blauen Weiten. Es ist den Jiri verboten zum Meer zu reisen und für Shaani ist es ganz besonders gefährlich, denn es könnte Geheimnisse zu Tage fördern, die verborgen bleiben sollten.

„Das Königsmädchen“ ist die Vorgeschichte der „Legenden der Jiri“-Reihe. Wenn man das Buch kennt, weiß man einige Hintergründe und Entwicklungen in der Welt der Völker etwas früher. Die wichtigsten Aspekte werden in „Das Feuermädchen“ jedoch auch aufgegriffen, so dass man der Handlung trotzdem gut folgen kann und nichts Entscheidendes fehlt.

Der Schreibstil von Martina Fussel ist angenehm und lebendig. Detaillierte Formulierungen machen die Welt und die Figuren greifbar. Man kann sich beim Lesen das Aussehen und die Eigenarten der Charaktere, sowie die verschiedenen Schauplätze gut vorstellen. Besonders interessant fand ich die komplexe Welt, in die man immer mehr eintaucht, mit all der Magie und den unterschiedlichen Möglichkeiten in der Ausübung und Entfaltung. Man lernt die vier verschiedenen Völker und auch einige „geschichtliche“ Entwicklungen kennen, wodurch man die Zusammenhänge, Anfeindungen und Verbote besser verstehen kann.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Ich-Perspektiven erzähl, wodurch man sehr nah an den Charakteren und am Geschehen ist. Zunächst sind es hauptsächlich zwei Ich-Erzähler, Shaani und Barein, so kann man gut in die Handlung rein finden und sich erst mal einen Überblick verschaffen. Im Verlauf des Buches kommen dann weitere Erzähler dazu, so dass es zum Ende hin fünf Ich-Perspektiven sind, aus denen man die Geschichte erlebt.
Man erhält intensive Einblicke in die Gedankenwelten, die teilweise Dinge enthalten, die sie niemandem anvertrauen wollen, und die immer intensiver werdenden Gefühle. Liebe, Freundschaft, Hass, Verzweiflung, Enttäuschung, Hoffnung und Zuversicht sind nur einige der Emotionen und Stimmungen, die im Laufe des Buches auftauchen. Auf die Charaktere kommt viel zu, jeder hat seine ganz eigenen Herausforderungen zu meistern und Grenzen zu überwinden. Durch die Ich-Perspektiven kann man die Figuren dabei intensiv begleiten, lernt viel von ihnen kennen und kann ihre Entwicklungen verfolgen. Da die Schicksale jedoch eng miteinander verbunden sind und manch einer mehr weiß, als sein Gegenüber, erfährt man als Leser teilweise schon vor den Buchcharakteren, welche Verbindungen und Verknüpfungen es gibt. Trotzdem bleibt es interessant zu verfolgen, wie die einzelnen Personen hinter die Geheimnisse kommen, auf Intrigen reagieren und sich dann für ihren weiteren Weg entscheiden.
Die meiste Zeit kann man die Perspektiven gut auseinander halten, da zu Beginn der Kapitel immer die Namen vermerkt sind. Zwischendurch wechseln die Perspektiven allerdings auch mitten im Kapitel, so dass man sich dann kurz sortieren muss, aus wessen Sicht nun erzählt wird.
Magie und Begabungen nehmen einen großen Raum in der Handlung ein und machen es noch abwechslungs- und facettenreicher. Die unterschiedlichen Fähigkeiten spielen immer wieder eine Rolle, können hilfreich oder hinderlich sein.
Die ganz großen Überraschungen bleiben aus, da man durch die Perspektivwechsel einige Dinge einfach schon früher weiß bzw. erahnen kann durch die gemachten Andeutungen. Mir hat die Geschichte trotzdem viel Freude bereitet und besonders die persönlichen und emotionalen Entwicklungen waren schön zu verfolgen.

Fazit
Eine schöne, vielseitige Geschichte mit tollen, individuellen Figuren. Man lernt die Welt, mit all der Magie und den unterschiedlichen Völkern gut kennen und taucht intensiv in die Leben der einzelnen Charaktere ein. Durch die zahlreichen Perspektiven bleiben zwar die Überraschungen ein wenig aus, trotzdem ist die Handlung interessant zu verfolgen. Auch wenn die Geschichte an sich abgeschlossen ist, macht der Schluss schon neugierig auf den nächsten Band der Reihe.