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Veröffentlicht am 04.06.2019

leidenschaftlich; tolle, schlagfertige Protagonisten

British Knight
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Alexander Knightly ist ein Karrieremensch. Als Anwalt ist er angesehen, doch das ist ihm nicht genug. Er will nur eines: der Beste sein. Dafür opfert Alexander alles- seine Freizeit, seinen Schlaf, seine ...

Alexander Knightly ist ein Karrieremensch. Als Anwalt ist er angesehen, doch das ist ihm nicht genug. Er will nur eines: der Beste sein. Dafür opfert Alexander alles- seine Freizeit, seinen Schlaf, seine Kontakte zu Freunden. Dass sein Büro dabei im Chaos versinkt und die Buchhaltung auf seine Zuarbeit wartet, stört ihn dabei nur wenig. Doch als Violet King als seine neue Assistentin eingestellt wird, ändert sich einfach alles. Denn die Assistentin, die Knightly eigentlich gar nicht will, lässt sich nicht so einfach verscheuchen.

Durch den angenehmen, flüssigen Schreibstil fällt der Einstieg in die Geschichte sehr leicht. Man wird direkt in die Handlung geworfen und lernt dann nach und nach die Charaktere kennen. Dabei bin ich direkt neugierig geworden, was es da noch alles zu erfahren geben wird und vor allem, wie die Zusammenarbeit der Protagonisten nach dem sehr temperamentvollen Einstieg verläuft. Ich kenne die anderen Bände der Reihe nicht und hatte nicht das Gefühl, dass mir etwas an Wissen fehlt, um diesem Buch folgen zu können.

Durch die zwei Ich-Perspektiven erhält man sehr intensive Einblicke und kann sowohl Violet als auch Alexander gut kennen lernen. In ihre Gedankenwelt eintauchen zu können, eröffnet dabei einen ganz anderen Blick auf die Geschehnisse, denn beide halten einiges vor ihrem Gegenüber geheim. Besonders Alexander ist oft sehr mürrisch, stur und manchmal nicht gerade freundlich, nur mit seiner Leistung kann er glänzen und das scheint auch das Einzige zu sein, was für ihn zählt. Doch Violet lässt sich von seiner schroffen Art und dem Chaos in seinem Büro nicht einschüchtern. Sie hält dagegen, kontert und sucht sich Mittel und Wege, um ihren Job trotzdem irgendwie machen zu können. Die Herausforderung nimmt Violet nur zu gern an, besonders wenn alle glauben, sie wäre nicht zu meistern. Es gibt aber auch immer wieder Momente, in denen die zweifelt und doch ein wenig eingeschüchtert ist, auch wenn sie das Alexander gegenüber niemals zugeben würde.
Eine Kombination aus Versteckspiel, verbalem Schlagabtauch, Provokation und körperlicher Anziehung beginnt zwischen den Protagonisten und beschäftigt sie auch nach dem Aufenthalt im Büro. Obwohl Alexander und Violet so unterschiedlich sind, waren sie mir doch recht schnell sympathisch. Besonders gemeinsam ergeben sie eine sehr spannende, temperamentvolle Mischung, bei der man nie so genau weiß, was als nächstes passiert. Auch wenn es den Charakteren selbst vielleicht nicht so geht, ich habe häufiger schmunzelnd vor dem Buch gesessen und mich sehr über die schlagfertigen, teils frechen oder witzigen Antworten gefreut.

Umso weiter man im Buch voranschreitet, umso mehr fallen die Mauern der Charaktere. Langsam und sehr behutsam öffnen sie sich einander und tauchen in die Welt ihres Gegenübers ein. Dabei kann man auch als Leser entdecken welche Facetten die Figuren noch an den Tag legen und dass so viel mehr hinter ihren Masken steckt, als sie sonst zeigen. Die persönliche Entwicklung der Protagonisten hat mir gut gefallen. Man kann mit ihnen einen kleinen Wandel durchlaufen und sie dabei begleiten, wie sie neue Dinge über sich selbst lernen und ihr bisheriges Leben überdenken. Immer wieder wird es auf verschiedene Weise emotional, sehr leidenschaftlich und erotisch. Obwohl mir die erotischen Passagen an sich gut gefallen haben, gab es einige Ausdrücke, die aus meiner Sicht irgendwie nicht so recht zu den Charakteren und ihrer sonstigen Ausdrucksweise passen wollten. In einem anderen Personenkreis bzw. bei anderer Konstellation hätte ich mich daran vermutlich nicht gestört, aber irgendwie empfand ich es als unpassend für die beiden. Die Szenen haben sich sonst allerdings sehr gut in das Gesamtbild eingefügt und waren immer wieder kleine Höhepunkte der Provokation und des gegenseitigen Anheizens.

Fazit
Eine schöne Liebesgeschichte, die vor allem mit den temperamentvollen, schlagfertigen Protagonisten und ihren Entwicklungen im Verlauf der Geschichte punkten kann. Beide sind durch die veränderte Situation gezwungen, sich neu zu orientieren und öffnen sich für Möglichkeiten, die sie vorher vielleicht nie in Betracht gezogen hätten. Neben diesen nachdenklichen Momenten wird es immer wieder sehr leidenschaftlich und auf unterschiedlichen Ebenen emotional.

Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

Veröffentlicht am 04.06.2019

topaktuelles Thema, kleine Schwächen in der Umsetzung

Show. Ein Netz aus Liebe und Lügen
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Eine App hier, eine App da, Kommunikation übers Handy – welchen jungen Menschen sieht man schon noch ohne sein Smartphone? Auch Valerie und Klara nutzen ihr Handy viel und als es eine neue App gibt, machen ...

Eine App hier, eine App da, Kommunikation übers Handy – welchen jungen Menschen sieht man schon noch ohne sein Smartphone? Auch Valerie und Klara nutzen ihr Handy viel und als es eine neue App gibt, machen sie gern mit. Durch das Posten von Fotos kann man Punkte sammeln und sogar richtig bekannt werden, wenn man gut genug ist bzw. gute Bewertungen bekommt. Valerie ist mit der Hilfe von Klara richtig erfolgreich, doch dann passiert es: Valerie verschwindet spurlos und niemand scheint etwas mitbekommen zu haben. Wohin kann die junge Frau nur verschwunden sein, in der medienüberwachten Liveshow?

Das Buch bezieht sich auf ein topaktuelles Thema: Social Media, Apps und Co. Wer kennt und nutzt sie nicht? Ich vermute, davon kann sich niemand so richtig frei sprechen. Die Frage ist natürlich nur, wie man selbst damit umgeht, was die Nutzung mit einem macht, ob es einen beeinflusst, hemmt, zweifeln lässt oder was auch immer. Die Idee eine App zu entwickeln, in der es nur um positive Dinge geht und die Chancen negative Feedbacks zu erhalten, eingeschränkt wird, finde ich an sich gut. Aber ob es eben wirklich so funktioniert?! Vergleicht man sich nicht dennoch mit dem Rest? Wer bekommt welche Bewertung, wieso bekommt der andere vielleicht mehr Punkte als ich, warum bin ich nicht so beliebt?! Schnell ist man wieder in der Gedankenspirale, die einen dazu antreibt, Dinge zu tun, die man sonst vielleicht gar nicht tun würde. Neid, Missgunst, vielleicht sogar Hass entsteht, nur hat man keine direkte Plattform, um es los zu lassen. Wirklich ein Fortschritt?

Das Buch hinterlässt gemischte Gedanken bei mir. Auf der einen Seite finde ich es schön, dass auf ein sehr sensibles Thema hingewiesen und es auch recht ausführlich, auf verschiedene Weisen behandelt wird. Auf der anderen Seite hat man den teilweise sehr spannenden, zeitweise dramatischen Handlungsverlauf, der einen immer wieder zu der Frage führt: was ist mit Valerie passiert?! Darüber kann man die anderen Dinge dann schon mal vergessen.
Wie oben schon erwähnt, finde ich die Umsetzung der eigentlich schönen App-Idee eben auch nicht komplett gelungen, weil es aus meiner Sicht nicht das abdeckt, was eigentlich erreicht werden soll bzw. für meinen Geschmack dann nicht genug reflektiert wird, was eben nicht so läuft, wie eigentlich gedacht.

Der Schreibstil an sich ist angenehm und man kann die Geschichte flüssig lesen. Durch die Ich-Perspektive ist man sehr intensiv bei Klara, die verzweifelt nach ihrer einzigen, besten Freundin sucht. Für sie bricht eine Welt zusammen, als Valerie einfach verschwindet und es scheinbar keinen plausiblen Grund für all das gibt, die Bemühungen rund rum jedoch auch eher mäßig sind, um sie wieder zu finden. Diese Szenen erzeugen viel Spannung und man möchte selbst irgendwie helfen und herausfinden, was mit Valerie passiert ist und ob hinter all dem eine viel größere Sache steckt, als es den Anschein macht. Zeitweise wird die Suche dann jedoch immer wieder unterbrochen bzw. gerät etwas ins Stocken, was an verschiedenen Aspekten liegt, die ich hier jetzt nicht vorweg nehmen möchte. Trotzdem schreitet die Handlung auf andere Weise voran und man kommt der Lösung Stück für Stück näher. Gleichzeitig lernt man auch viel über Klara, über ihre Entwicklung, ihren Stand in der Gesellschaft und ihre Sicht auf viele Dinge. Klaras Gefühlsleben wird auf verschiedene Weisen auf den Kopf gestellt. Zum einen ist da ihre verschwundene, beste Freundin, die ihr Kummer und Sorge bereitet, auf der anderen Seite sind da junge Männer, die ihr mal etwas bedeutet haben, etwas bedeuten könnten oder gerade anfangen sich in ihr Herz zu schleichen. Das klingt jetzt vielleicht nach einer komischen Dreiecksgeschichte, das ist es aber auf keinen Fall. Es spielen einfach nur verschiedene Männer auf unterschiedliche Weise eine Rolle auf ihrem Weg. Schön fand ich Klaras Entwicklung zum Ende des Buches hin, denn da hinterfragt sie doch noch Mal viele Sachen, betrachtet sich, Freundschaften und Geschehnisse von einer anderen Seite.

Der Schluss der Geschichte beleuchtet dann noch mal eine andere Seite, viele offene Fragen werden beantwortet, die Geschehnisse bekommen einen Ursprung und man versteht, was hinter allem steckte. Mit so einer Auflösung hätte ich zwar nicht gerechnet, aber irgendwie weiß ich auch nicht, ob sie mich 100%ig glücklich macht. Einige Gedanken dahinter kann man sogar nachvollziehen, auch wenn es vielleicht der falsche Weg war. Aber die Naivität von einer Vielzahl junger Frauen hat mich dann doch ein wenig gestört. Einmal in dem Kreislauf gefangen, kommt man zwar vielleicht nicht so leicht wieder raus, aber ob wirklich so viele da freiwillig mitmachen? Oder wussten sie nicht genug? Vielleicht lässt das Buch an der Stelle dann auch einfach einiges offen, so dass es schwer wird, das komplett nachzuvollziehen.

Fazit
Eine Geschichte, die viele wichtige Aspekte beinhaltet, über die man vielleicht das eine oder andere Mal intensiver nachdenken sollte. Auch der Grundgedanke hinter der thematisierten App gefällt mir ganz gut, nur mit der Umsetzung bin ich nicht so ganz zufrieden. Das Buch vereint spannende und gefühlvolle Momente und beinhaltet einige Überraschungen zum Ende der Handlung. Trotz einiger Tage, die nach dem Lesen bereits vergangen sind, hinterlässt es unterschiedliche Gefühle bei mir und auch wenn ich die Geschichte an sich nicht schlecht fand, haben mich eben doch auch ein paar Punkte gestört.


Veröffentlicht am 03.06.2019

leidenschaftlich, liebevoll, erotisch

Irresistible - Ein Single-Daddy zum Verlieben
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Es handelt sich zwar um den zweiten Band, die Bücher sind aber unabhängig voneinander lesbar!

Ethan ist alleinerziehender Vater und hat mit seinen zwei Kids und seiner Ranch alle Hände voll zu tun. Alles ...

Es handelt sich zwar um den zweiten Band, die Bücher sind aber unabhängig voneinander lesbar!

Ethan ist alleinerziehender Vater und hat mit seinen zwei Kids und seiner Ranch alle Hände voll zu tun. Alles was er benötigt, ist ein wenig Unterstützung, um seiner Arbeit weiter nachgehen zu können, ohne dass seine Kinder darunter leiden. Doch die Suche nach einer Nanny gestaltet sich in der Abgeschiedenheit seines Wohnorts ziemlich schwierig. Als er über Bekannte an Tori gerät, ist er zwar zunächst nicht begeistert, doch eigentlich kommt ihre Hilfe wie gerufen und sie versteht sich sofort mit seinen Kleinen. Und nicht nur das, auch ihn lässt ihre Anwesenheit alles andere als kalt…

Der Schreibstil von Lex Martin ist sehr angenehm, flüssig und emotionsgeladen. Umso weiter man in der Geschichte voran kommt, umso leidenschaftlicher und gefühlvoller wird die Handlung. Die hochkochenden Emotionen sorgen dabei allerdings nicht nur für positive Stimmung. Immer wieder gibt es Reibereien, Missverständnisse, kleine Intrigen und Lügen, die die mühsam aufgebaute Vertrauensbasis ins Schwanken bringen. Zusätzlich kommen noch die persönlichen Vorgeschichten der Charaktere hinzu, die es nicht immer leicht macht, mit den Situationen zurecht zu kommen.
Durch die zwei Ich-Perspektiven ist man den Protagonisten sehr nah und erlebt ihre Geschichte intensiv mit. Man kann hinter die Mauern gucken, die sie erst nach und nach sinken lassen und erhält Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt, noch bevor sie mit jemandem darüber reden. Dadurch kann man einige Entwicklungen in der Geschichte zwar erahnen, das hat jedoch nichts von dem Zauber zwischen den Charakteren genommen. Sie sind ein bisschen wie Feuer und Wasser, sehr unterschiedlich, aber doch irgendwie miteinander verbunden. Sie ziehen sich an, brauchen sich irgendwie, sobald sie sich zu nah kommen, ergibt es aber auch eine ziemlich heiße, explosive Mischung.
Neben dem ganz alltäglichen Familienwahnsinn gibt es auch immer wieder sehr leidenschaftliche, erotische Momente, in denen die Protagonisten ihre Sorgen mal hinter sich lassen können. Manchmal ist es sehr turbulent, dann wird es wieder etwas ruhiger und sanfter, langweilig oder langatmig wird es jedoch nie. Ein paar kleine Aspekte der Handlung hätte ich persönlich nicht gebraucht, da das Drama rundrum schon groß genug war, aber das ist sicher Geschmackssache. Es ist auf jeden Fall schlüssig, wie es dazu kommt und auch, dass es dazu kommen kann, daher ist es keine richtige Kritik, sondern nur ein persönliches Empfinden.

Tori ist durch ihre schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit etwas vorbelastet und möchte sich auf nichts einlassen, was ihr wieder weh tun könnte. Wenn man liest, was sie erlebt hat, kann man das zwar verstehen, trotzdem hofft man für sie, dass sie wieder bereit sein kann, über ihre schlechten Erlebnisse hinweg zu kommen, um sich auf diese liebevolle Familie einzulassen. Sie ist sehr schlagfertig und die meiste Zeit tritt sie recht selbstbewusst auf, doch sie hat auch andere Seiten, die man immer wieder miterlebt, die sie zweifeln und zögern lassen. Besonders wenn man sie im Umgang mit ihrer Schwester und den Kindern erlebt, kann man sie eigentlich nur ins Herz schließen. Und auch wenn ihre Zweifel ihr manchmal im Weg stehen, so kann ich sie doch ziemlich gut nachvollziehen und sie machen Tori eben auch zu dem Menschen, der sie ist.
Ethan ist ein toller, aufopferungsvoller Vater, der alles für seine Kids tun würde. Dennoch versinkt er in Arbeit und den Schwierigkeiten der Trennung, die ihn nachhaltig beschäftigen. Seine manchmal etwas schroffe Art kann man ihm da irgendwie nicht übel nehmen, schließlich zeigt er auch immer wieder, dass er ganz anders kann. Er scheint nicht nur unglaublich attraktiv, sondern auch sehr leidenschaftlich zu sein.
Neben den Protagonisten gibt es noch einige andere Charaktere, die im Buch eine wichtige Rolle spielen. Viele von ihnen sind wirklich sympathisch, einige sind furchtbar- geben der Handlung jedoch noch mal einen anderen Schwung, sorgen für Probleme und Wendungen. Die Gesamtkonstellation ist auf jeden Fall stimmig, angefangene Handlungsstränge werden zu Ende geführt und es ergibt sich ein komplexes und vollständiges Gesamtbild.

Fazit
Eine romantische, leidenschaftliche, gefühlsintensive Geschichte, die einen auf eine Pferderanche führt und intensiv in das Leben von Ethan und seinen Kindern eintauchen lässt. Tori und Ethan sind tolle Protagonisten, die der Handlung mit ihren Neckereien und schlagfertigen Antworten immer wieder neuen Schwung geben. Es wird ziemlich turbulent und zeitweise fahren einige Charaktere die Krallen mächtig aus. Doch es gibt auch ruhigere, sanftere und sehr erotische Momente im Buch. Alles in allem eine wirklich tolle, abwechslungsreiche, intensive Liebesgeschichte.

Vielen Dank an den Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

Veröffentlicht am 27.05.2019

spannender, turbulenter Dilogieabschluss

Jagdfieber
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Da es sich um den zweiten Band der Dilogie handelt, kann meine Rezension kleine Spoiler enthalten. Da die Handlung direkt weiter geht und es keine großen Rückblenden gibt, sollte man „Nachtjäger“ kennen, ...

Da es sich um den zweiten Band der Dilogie handelt, kann meine Rezension kleine Spoiler enthalten. Da die Handlung direkt weiter geht und es keine großen Rückblenden gibt, sollte man „Nachtjäger“ kennen, um der Geschichte folgen zu können.

Vincents Leben in der Einsamkeit hat ein ziemlich chaotisches Ende gefunden. Obwohl er erleichtert ist, mit seinem düsteren, zerstörerischen Erbe nicht allein zu sein, hat er sich seine Zukunft nicht so vorgestellt. All die Eindrücke, Pflichten und Regeln, die nun auf ihn einstürzen, drohen ihn zu erdrücken und scheitern zu lassen. Einzig sein Anker gibt ihm Kraft und Halt, doch auch das verläuft nicht ohne Komplikationen. Immer neue Hürden und Intrigen bringen seine Hoffnung, die Herausforderungen zu bestehen, gehörig ins Wanken. Und als hätte Vincent allein nicht schon genug Probleme mit seiner dunklen Seite und seinen Gefühlen, droht der Gemeinschaft um ihn herum auch noch ein gnadenloser Kampf mit den Feinden.

Da die Dilogie als Gesamtgeschichte angelegt ist, sollte man die Bände möglichst zeitnah nacheinander lesen. Das wird es auf jeden Fall einfacher machen bei der Vielzahl an Charakteren den Überblick zu behalten und die Zusammenhänge zwischen ihnen noch in Erinnerung zu haben. Auf große Rückblenden zum vorherigen Verlauf der Geschichte wird verzichtet, nur hin und wieder blitzen Erinnerungen auf, die zeigen, was die Figuren erlebt haben. Ohne Vorwissen aus dem ersten Band könnte es da schwierig werden, all den Handlungssträngen zu folgen.
Die Geschichte setzt sich aus unterschiedlichen, komplexen Strängen zusammen, die sich alle auf eine gewisse Weise beeinflussen und nach und nach miteinander verbinden. Durch die Perspektivwechsel wird die Handlung dynamisch und vielseitig. Man erlebt die einzelnen Handlungsstränge mit unterschiedlichen Figuren und hat dadurch einen umfangreichen Blick auf all die Entwicklungen. Umso weiter man im Buch voranschreitet, umso intensiver wird die Geschichte- sowohl auf der emotionalen, als auch auf der düsteren Ebene.
Der klare, direkte Schreibstil unterstützt die aufgewühlte Atmosphäre der Dilogie. Hochkochende Gefühle, unerfüllte Hoffnungen, ungeahnte Chancen, Provokationen, Intrigen und Verrat prägen die turbulente, immer temporeicher werdende Geschichte. Das Leid und der Frust der Charaktere werden greifbar, die Spannung und Anspannung steigt, umso weiter sich die Fronten verhärten und die Schwierigkeiten häufen.
Das Buch ist wirklich keine leichte Kost, hat aber trotz all der Dunkelheit und dem Verderben eine schöne Tiefe und beleuchtet die persönlichen Entwicklungen der Figuren zwischen all den Grausamkeiten. Es wird immer wieder heftig und blutig, wenn die Biester die Oberhand haben. Aber es gibt auch schöne, gefühlvolle, leidenschaftliche Szenen, die im ziemlichen Kontrast zu den raus brechenden Monstern stehen.
Besonders nah erlebt man die Entwicklungen rund um Nina und Vincent. Begierde, Verlangen, Angst, ungezügelte Leidenschaft und der Wunsch einander zu erobern begleiten die Protagonisten lange Zeit. Ihr Weg ist sehr steinig und wird immer wieder durch die Rahmenhandlung beeinflusst.
Ein Aspekt, der mir an Swantje Berndts Büchern besonders gefällt, ist die Rolle der Nebenfiguren. Viele von ihnen bekommen einen festen und wichtigen Platz in der Geschichte, können eingreifen, hilfreich, schädlich oder einfach nur sie selbst sein, mit all ihren Ecken und Kanten. Auch wenn der Fokus auf einer bestimmten Charakterkonstellation liegt, werden die Nebenfiguren nie ganz außer Acht gelassen. Für den Fortgang der Handlung ist ihr Auftauchen und Eingreifen von Bedeutung. So erweitert sich der Personenkreis stets und es wird wahrlich nie langweilig. Und auch wenn nicht alle ihr Glück finden, werden die Charaktere nicht einfach in der Luft hängen gelassen. Am Ende der Dilogie sind die angefangenen Stränge soweit bearbeitet, dass man sie als für diese Geschichte abgeschlossen betrachten kann. Auch wenn keine Fortsetzung geplant ist, gäbe es ein paar Türchen, die man wieder öffnen und eine neue Handlung daraus bauen könnte- ich würde mich darüber freuen, falls das irgendwann passieren sollte.

Fazit
Eine komplexe, düstere Dilogie, die durch ihre facettenreichen, sehr individuellen Figuren und ihr faszinierendes Erbe punkten kann. Die Entwicklungen sind geprägt von Dunkelheit, Hoffnungslosigkeit und Verrat, immer wieder blitzen aber auch positive Gefühle, Vertrauen und neuer Mut auf und bringen die Figuren immer wieder an den Rand ihrer Kräfte. Obwohl ich „Das Biest in ihm“ 2012 gelesen hatte, konnte ich die überarbeitete, ausgebaute Version jetzt noch einmal völlig neu erleben und genießen.

Veröffentlicht am 27.05.2019

düster, spannend, energiegeladen

Nachtjäger
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Diese Dilogie erschien bereits 2012 unter dem Namen „Das Biest in ihm“ in einer deutlich kürzeren Variante. Die Neuauflage splittet sich aufgrund der Länge nun in zwei Einzelbände auf, die aber direkt ...

Diese Dilogie erschien bereits 2012 unter dem Namen „Das Biest in ihm“ in einer deutlich kürzeren Variante. Die Neuauflage splittet sich aufgrund der Länge nun in zwei Einzelbände auf, die aber direkt miteinander verknüpft sind und nur gemeinsam die gesamte Geschichte wiedergeben.
Ich habe die „Das Biest in ihm“ zwar vor sieben Jahren gelesen, hatte aber kaum noch Erinnerungen daran und konnte mich dadurch und durch die umfassende Überarbeitung der Handlung noch einmal neu auf Vincent und Nina einlassen und ihre Erlebnisse ein weiteres Mal unvoreingenommen „genießen“, wenn man das bei der Düsternis der Geschichte überhaupt so sagen kann.

In Vincent schlummert ein dunkles, gefährliches Geheimnis. Seit vielen Jahren lebt er so zurückgezogen wie möglich, um für sich und sein Umfeld möglichst wenige Situationen zu provozieren, in denen er die Kontrolle verlieren könnte. Doch die Macht in ihm wird stärker, dunkler und es fällt ihm immer schwerer, sich dem Drang zu widersetzen. Als Vincent auf Nina trifft ist es Fluch und Segen zugleich. Die junge Frau löst etwas in ihm aus, was nicht sein darf, was er aber gleichzeitig so unbedingt will, dass es ihn immer wieder zu ihm zieht. Ob er sie vor seiner dunklen Seite schützen kann?

Ich habe schon einige Bücher von Autorin Swantje Berndt gelesen und liebe ihren Schreibstil einfach. Auch dieses Buch konnte mich von Beginn an wieder mitnehmen, obwohl es mit den zahlreichen Figuren, die man zu Beginn kennen lernt, nicht immer einfach ist, den Überblick zu behalten. Man erhält sehr viel Input und muss diese Fülle an Informationen mit der Zeit sortieren, Verbindungen zwischen den Charakteren knüpfen, ihre Motivationen verstehen und sich einfach auf sie und ihre Entwicklungen einlassen.
Der Schreibstil ist geprägt von klaren, oft auch düsteren Aussagen, die bis in die Tiefen der einzelnen Seelen blicken lassen. Sowohl die Protagonisten als auch die Nebenfiguren haben ihren Platz in der Geschichte und sind für den Fortgang der Handlung von enormer Bedeutung. Selbst wer nicht im direkten Fokus steht, hat seine Aufgabe im Gefüge, ohne die es größtenteils nicht bzw. nicht in der Form laufen würde. Das macht die Handlung sehr komplex und verstrickt, mir persönlich gefällt das aber unglaublich gut. Ums weiter man im Buch voranschreitet, umso mehr dröselt sich die Geschichte auf, man taucht in die Geheimnisse, Verknüpfungen und Zusammenhänge ein, erkennt, wer wen eigentlich schon kannte, wer wen hintergeht, wer wem am liebsten den Kopf abreißen oder ihn ins Bett ziehen wollen würde. Es gibt viel Streitpotenzial, Turbulenzen, lange währende Feindschaften und immer wieder hochkochende Gefühle, auf ganz verschiedene Weisen.
Durch die Wechsel in der Perspektive erlebt man die Geschichte an der Seite verschiedener Figuren. So kann man an unterschiedlichen Handlungsorten sein und die einzelnen Stränge, die sich zu einem großen Ganzen verknüpfen bzw. noch verknüpfen werden, verfolgen. Dabei lernt man viele der Figuren intensiver kennen, blickt hinter ihre Mauern und mühsam aufrecht erhaltenen Fassaden, erfährt etwas von ihrer Lebensgeschichte und den Schrecken, die bereits hinter ihnen liegen. Nicht jeder der Charaktere ist sympathisch und liebenswert, insgesamt sorgt die facettenreiche Mischung aber auf jeden Fall für viel Potenzial in unterschiedliche Richtungen und eine Kombination, bei der es nie langweilig werden kann.
Vincent begleitet man, in unterschiedlichen Konstellationen, sehr häufig. Dadurch bekommt man zu ihm einen intensiven Bezug und taucht tief in seine Vergangenheit, seine Gedanken und Gefühle ein. Immer wieder kam dabei bei mir der Wunsch auf, ihm eine helfende Hand zu reichen, um seine Qualen ein wenig zu lindern und es alles erträglicher zu machen. Er ist ein sehr spannender, in sich zerrissener Charakter, der so viel versteckt, aber trotzdem so unglaublich viel zu bieten hat und noch erleben könnte. Die Entwicklungen rund um ihn sind zwar aufwühlend, teilweise schockierend und zeigen, wie schlecht es zwischendurch um ihn steht, aber sie enthalten auch viele positive, liebevolle Aspekte, die immer wieder Hoffnung geben.
Besonders faszinierend finde ich die Ausprägung der Biester. Diese Eigenart macht den Betroffenen meistens ziemlich zu schaffen, besonders wenn es mit der Kontrolle mal schwer wird. Es gibt erschreckende, blutige Momente, aber auch viele spannende, leidenschaftliche Augenblicke, die deutlich machen, dass nicht alles daran nur negativ gesehen werden sollte.
Am Ende des ersten Bandes ist viel passiert. Nicht nur Vincents Welt steht Kopf, es gibt einige Bedrohungen, einige harte Kämpfe, die ausgefochten werden müssen, aber auch die Chancen auf dauerhafte Veränderungen. Ich bin neugierig, wie es weitergeht und welche meiner Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen sich am Ende vielleicht erfüllen werden.

Fazit
Eine düstere, komplexe, auf verschiedene Weise leidenschaftliche Geschichte, die den Leser sehr intensiv in das Leben verschiedener Charaktere eintauchen lässt. Der Fantasyanteil fügt sich dabei wie ein ganz natürliches Element in die Handlung ein, obwohl es so präsent und beeinflussend für alle ist. Trotzdem spielen die persönlichen Entwicklungen verschiedener Charaktere eine sehr wichtige Rolle und stehen immer wieder im Fokus. Am Ende bleiben einige Fragen offen. Viele Handlungsstränge haben sich zwar schon verbunden, aber noch längst nicht aufgelöst, da wird es sicher turbulent weiter gehen.