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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.11.2017

Im Alleingang gegen Mr. Unbekannt

Bruderlüge
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Aber das hier war so weit von der Normalität entfernt, dass man es dem Uneingeweihten nicht erklären konnte. Nichts war mehr, was es zu sein schien.“



Inhalt


Martin Benner, der eigentlich als Anwalt ...

Aber das hier war so weit von der Normalität entfernt, dass man es dem Uneingeweihten nicht erklären konnte. Nichts war mehr, was es zu sein schien.“



Inhalt


Martin Benner, der eigentlich als Anwalt arbeitet ist mittlerweile ein Gejagter. Obwohl er seine Nichte wohlbehalten von einer Entführung zurückbekommen hat, steht vor ihm die schier unlösbare Aufgabe, den ebenfalls entführten Sohn seines Gegners aufzuspüren. Sollte ihm das nicht gelingen, dann ist das Mädchen erneut in Gefahr. Doch Banner findet eine Spur und stellt Parallelen zu seinem Leben fest, die Ursache, warum er ins Visier des unberechenbaren Lucifers geraten ist, scheint in seiner Vergangenheit zu liegen. Als Martin den Jungen Mio endlich aufspürt, wird ihm aber schlagartig klar, dass er das Opfer einer Verschwörung wurde, die ihn weit ins Abseits befördert hat. Lebend wird er möglicherweise nur dann aus der Sache herauskommen, wenn er alle Sozialkontakte kappt und sich dem Duell mit seinem Widersacher stellt, doch dazu müsste er herauszufinden, wer es ist und was ihm eigentlich zu Lasten gelegt wird …


Meinung


Von der schwedischen Kriminalautorin Kristina Ohlsson habe ich bereits ihren Debütroman „Aschenputtel“ gelesen, der mich nicht ganz überzeugen konnte aber auch nicht schlecht war. „Bruderlüge“ habe ich nun als zweites ihrer Bücher kennengelernt, doch auch hier wirkte die Handlung sehr aufgesetzt und damit auch konstruiert. Hinzu kommt zwar ein hohes Erzähltempo und eine kurzweilige Unterhaltung, doch das Gesamtkonzept weist zahlreiche Lücken auf und präsentiert sich als wenig einprägsam.

Obwohl „Bruderlüge“ der zweite Band der Reihe um Martin Benner ist, kann man ihn auch problemlos isoliert lesen, die Berührungspunkte zum ersten Fall sind nicht so gravierend und das fehlende Insiderwissen habe ich ebenfalls nicht vermisst. Schwieriger wird es mit dem Hauptprotagonisten selbst, der einerseits wie ein vollkommen verstörter und verängstigter Mensch wirkt, und dann wieder voller Tatendrang allein gegen die Übermacht von Mr. Unbekannt auftritt. Irgendwo zwischen Choleriker und Draufgänger angesiedelt, führt er fragliche Beziehungen, die ihn dann wieder zum Typ einsamen Wolf machen. Dieses On-Off in der Hauptperson dieses Thrillers hat mich definitiv verstört. Und dann kommen da noch die vielen Opfer hinzu, die irgendwann die Lebenslinie von Martin Benner gekreuzt haben und nun konsequent ermordet werden, natürlich nicht von ihm, doch der Täter im Hintergrund ist auch nicht allein und seine Marionetten führen ein gar spektakuläres Affentheater auf. Inhaltlich fehlte es nicht nur an Stimmung und Hintergrundwissen, sondern vor allem an einer geradlinigen Erzählstruktur.

Positiv hingegen ist mir das hohe Erzähltempo und damit einhergehend das hohe Spannungsniveau aufgefallen. Die Szenen könnte ich mir in einer Verfilmung fast noch besser vorstellen und auch der Text könnte gängig in ein Drehbuch umgeschrieben werden. Um sich die einzelnen Schauplätze vorstellen zu können und auch die Rückblenden besser vor Augen zu haben, würde mir hier das Bildmaterial definitiv weiterhelfen, vor allem weil ich nach dem Lesen das Gefühl habe, keine der Personen wirklich kennengelernt zu haben. Das finde ich ausgesprochen schade und es hinterlässt bei mir eine unzureichende Befriedigung.


Fazit


Ich vergebe 2,5 (aufgerundet 3) Lesesterne für diesen schnellen, kurzweiligen Unterhaltungsthriller mit einer scheinbar temporeichen Handlungsebene, der mir jedoch kaum im Gedächtnis bleiben wird. Es gab einfach zu wenig Bezugspunkte, zu viele ungenaue Beschreibungen, zu viele blasse Figuren und eine derart konstruierte Auflösung, die fast schon wieder humorvoll war, denn wer bitteschön verpasst schon den entscheidenden Moment seiner Hinrichtung auf so profane Weise?

Veröffentlicht am 07.09.2017

Hüte dich vor Einhorn und Adler!

Aquila
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„Das Blut ist nicht deines. Du weißt, wo das Wasser am dunkelsten ist. Halte dich fern von Adler und Einhorn.“

Inhalt

Die junge Studentin Nika wacht eines morgens auf und stellt fest, dass ihr die Erinnerung ...

„Das Blut ist nicht deines. Du weißt, wo das Wasser am dunkelsten ist. Halte dich fern von Adler und Einhorn.“

Inhalt

Die junge Studentin Nika wacht eines morgens auf und stellt fest, dass ihr die Erinnerung an die vergangenen zwei Tage komplett fehlt. Sie ist in ihrer Wohnung eingeschlossen und von ihrer Mitbewohnerin Jenny fehlt jede Spur. Aber schlimmer noch, auf dem Spiegel im Badezimmer steht eine Drohung und auf dem Wannenrand liegt ein blutiges T-Shirt. Nur mühsam gelingt es Nika, die Umstände zu recherchieren und dann findet sie in ihrer Hosentasche eine merkwürdige Liste, die sie selbst verfasst hat, deren tieferer Sinn sich aber verschließt. Als schließlich Jennys Leiche gefunden wird, steht Nika schon bald als Hauptverdächtige im Zentrum der Ermittlungen. Nur ihr Bekannter Stefano steht noch auf ihrer Seite, doch auch er hat sie ganz bewusst belogen, wie sie schon bald schmerzlich herausfinden muss. Wer steckt wirklich hinter dem Mord und wird es Nika trotz ihres Blackouts gelingen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen?

Meinung

Ursula Poznanski schreibt für gewöhnlich atemberaubend spannende Geschichten, egal ob es sich dabei um ihre Jugendbücher oder auch Thriller handelt, sie zählt zu meinen Lieblingsautorinnen und mit entsprechend hohen Leseerwartungen habe ich auch dieses Buch begonnen. Allein das Cover strahlt förmlich und zieht die Blicke auf sich, ganz zu schweigen vom schönen Layout – der Loewe Verlag hat sich mit dem Taschenbuch wirklich große Mühe gegeben. Nur leider konnte mich diesmal die Geschichte, die sich als Jugendthriller präsentiert kaum überzeugen.

Am ärgerlichsten fand ich nicht einmal die etwas öde Geschichte, die sich immer wieder um das gleiche Thema dreht, sondern in erster Linie den Handlungsverlauf und die Hauptprotagonistin Nika, die mir über gut 400 Seiten hinweg ganz und gar nicht sympathisch geworden ist. Bis zur Hälfte des Textes dreht sich alles um den Gedächtnisverlust und die ominöse Liste, mit deren Hilfe Nika versucht, ihre Erinnerung zu rekonstruieren. Doch jede Bemühung wird im Keim erstickt und nach weiteren 30 Seiten steht man wieder am gleichen Punkt. Obwohl mir grundsätzlich Thriller mit persönlichem Bezug gefallen und man als Leser zumindest stellenweise mit Nika Mitleid hat, habe ich mich immer wieder gefragt, warum sie so handelt wie beschrieben. Ihre Beweggründe, ihre Ängste aber auch ihre Aktionen ergaben für mich nur bedingt einen tieferen Sinn und in meine Reaktionen auf ähnliche Umstände wären sicher ganz anders ausgefallen. Kurzum, vieles erscheint mir hier sehr konstruiert und damit zu Lasten der Stimmung gehend, die irgendwo zwischen Desinteresse und Kopfschütteln lag.

Trotz all dieser Kritikpunkte muss man diesem Jugendroman zugestehen, dass er sehr gut geschrieben ist und mit einer gelungenen Wortwahl hantiert, die mich dazu veranlasst hat, doch immer weiter zu lesen, einfach weil der Text schön flüssig und gut gegliedert ist. Der Schreibstil von Frau Poznanski spricht mich sehr an, gerade weil er etwas intensiver und weniger umgangssprachlich ist, als man das von manch einem anderen Buch des Genres gewöhnt ist.

Fazit

Ich vergebe 2,5 Lesesterne (aufgerundet 3) für dieses schwächere Buch einer erfahrenen Autorin, welches sich nicht speziell an Jugendliche wendet, aber sicher auch diese Zielgruppe trifft. Für eingefleischte Fans ist es okay, wer die Autorin kennenlernen möchte, sollte ein anderes Buch von ihr wählen. Mir kam Nika in der italienischen Stadt Siena äußerst verloren vor und die Aufklärung des Mordfalls stellt mich nur bedingt zufrieden. Vielleicht hätte mir dieses Buch mit einem Touch Mystik und mehr Atmosphäre gleich viel besser gefallen, so beurteile ich es eher durchschnittlich.

Veröffentlicht am 26.07.2017

Ein kleines Stück Lebensfreude

Swing Time
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„Vielleicht habe ich es auch falsch erklärt, ich bin kein Philosoph. Für mich heißt das etwas ganz Einfaches, als würde man sagen, die Zukunft ist immer schon da, sie wartet auf uns. Warum warten wir nicht ...

„Vielleicht habe ich es auch falsch erklärt, ich bin kein Philosoph. Für mich heißt das etwas ganz Einfaches, als würde man sagen, die Zukunft ist immer schon da, sie wartet auf uns. Warum warten wir nicht auch und schauen, was sie bringt?“

Inhalt

Die Ich-Erzählerin des Buches, die keinen Namen bekommt und dadurch immer etwas fremd und unpersönlich bleibt, entführt den Leser in die bunte, teilweise schillernde Welt des Showbusiness, des Tanzes und eines Lebens auf den großen Bühnen. Geprägt von anmutigen Tänzerinnen, erfolgreichen Entertainern und ambitionierten Mitarbeitern im Hintergrund, weitherzigen Entscheidungen und einer Menge Geld, welches für wohltätige Zwecke im Sinne der Entwicklungshilfe eingesetzt wird, entfaltet sich eine ganz eigene Welt. Im Zentrum des Romans steht die persönliche Lebensgeschichte der Protagonistin, die Einblicke in eine Kindheit voller Hoffnungen schenkt, die später jedoch unerfüllt bleiben und gleichermaßen in ein Erwachsenenleben voller Bemühungen und Selbstansprüche, denen sie nicht genügen kann. Ein ständiges Auf-und-Ab der Gefühle gut verborgen hinter den großen ethischen Fragen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Hautfarbe und der damit verbundenen Rolle in der Gesellschaft prägen den Inhalt über zahlreiche Seiten hinweg.

Meinung

Die erfolgreiche Autorin Zadie Smith, die Trägerin des Welt-Literaturpreises ist, entwirft in ihrem neuesten belletristischen Werk das Porträt einer Frau, die sich selbst zwischen den erfolgreichen Personen ihres Umfeldes sucht und einfach kein passendes Lebensmodell für sich selbst findet, nichts scheint wirklich zu ihr zu passen und immer bleiben Punkte offen, die sie eigentlich nicht verhandeln möchte. Was zunächst wie ein Ausflug in die Kindheit einer Person wirkt, die im Schatten ihrer Freundin steht und immer zwischen allen Stühlen sitzt, manifestiert sich schließlich in einem angepassten aber unerfüllten Leben. Eigene Träume und Hoffnungen werden nicht weiterverfolgt, weil der Alltag sich ausschließlich auf die Wünsche anderer konzentriert.

Die angerissene Freundschaftsbeziehung, die auf mich sehr ambivalent wirkt, nimmt einen eher kleineren Teil der Erzählung ein, während das Bild der Hauptprotagonistin um sie selbst rotiert und ihre persönlichen Handlungen aus allerlei Perspektiven betrachtet. Dabei entsteht im Lauf des Romans schon eine fast drückende Stimmung, weil der Leser unterschwellig die enttäuschte, verpasste und ungelebte Sicht auf all die verstrichenen Chancen erhält.

Der Schreibstil an sich ist tatsächlich das große Plus dieser Erzählung, denn darin erkennt man als ambitionierter Leser sehr viel Schönheit und Liebe zum geschriebenen Wort. Zwar erschweren diverse Zeitsprünge den Lesefluss, doch man findet sich erstaunlich gut in den jeweiligen Aussagen zurecht. Klar definierte Kapitel gepaart mit größeren Erzählabschnitten schaffen eine gängige Struktur, die zum Lesen ebenso animiert wie die Wortwahl selbst.

Fazit

Ich vergebe 2,5 Lesesterne, die ich gerne zu 3 Sternen aufrunde, für diesen Roman, der mich leider auf Grund seiner etwas ermüdenden Handlung nicht fesseln konnte. Zu langatmig und ausufernd waren die Passagen, zu wenig Dramatik und keinerlei positives Entwicklungspotential der Protagonistin haben mir die Freude am Buch leider kontinuierlich genommen. Immer habe ich darauf gehofft, der Funke würde noch überspringen, doch dem war leider nicht so. Die guten Ansätze der Handlung wirken teilweise so langweilig, dass ich einige Seiten nur noch quergelesen habe, während mich andere Passagen wieder ganz gut unterhalten haben. Auf die Autorin bin ich aufmerksam geworden und möchte gerne noch ein anderes Werk von ihr lesen, bei diesem hier fehlte mir einfach die innere Beteiligung, das Herzblut und die Kraft, die ich mir im Vorfeld erhofft hatte.

Veröffentlicht am 01.05.2021

Meine verhängnisvolle Schwäche

Seitensprung
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„Ihr Plan war so effektiv, dass ich mich schließlich selbst fragte, ob ich verrückt war. Vielleicht war der Gedanke, dass ich nicht verrückt war und sie mir nur einreden wollten, ich sei verrückt, ein ...

„Ihr Plan war so effektiv, dass ich mich schließlich selbst fragte, ob ich verrückt war. Vielleicht war der Gedanke, dass ich nicht verrückt war und sie mir nur einreden wollten, ich sei verrückt, ein Ausdruck meiner Verrücktheit.“

Inhalt

Früher war Jack Harper Musiker und führte eine intensive Ehe mit der Frau seines Herzens. Mittlerweile ist er nicht nur trockener Alkoholiker und gesetzter Immobilienmakler sondern auch Vater eines Sohnes, doch sein Leben hat sich dennoch vollkommen falsch entwickelt, wie er nach einem Gespräch mit einem ehemaligen Freund und Bandmitglied erschreckend feststellen muss. Was er braucht ist etwas Abwechslung und sei es nur, um aus seiner verkorksten Situation zu fliehen. Als er sich auf Empfehlung bei einem Onlinedatingportal anmeldet, bei dem sich Männer und Frauen aus festen Beziehungen unverbindlichen zum Sex verabreden können, spürt er endlich wieder etwas Nervenkitzel. Doch die Enttäuschung folgt auf dem Fuß, denn das erste Treffen zwischen ihm und der unbekannten Frau wird zum Fiasko, denn sie liegt ermordet im Bett und Jack ist der erste, der nach dem Täter die Wohnung betritt. Für die Polizei, die er pflichtbewusst alarmiert, ist schnell klar, dass Jack gekommen ist, um seine Gewaltphantasien mit der Frau auszuleben und dabei wahrscheinlich etwas zu weit gegangen ist …

Meinung

Bisher habe ich noch kein anderes Buch des New Yorker Autors Jason Starr gelesen und habe mich ohne bestimmte Erwartungshaltung an die Lektüre seines aktuellen Thrillers gewagt, um eine möglichst spannende Story über einen Ehebruch und seine tödlichen Folgen kennenzulernen.

Nur leider lies der Thriller nach den tatsächlich fesselnden ersten Seiten absolut nach und hat mich durch den vorrangig naiven, nervigen Hauptprotagonisten sogar verärgert. Zunächst fand ich die gewählte Ich-Erzählperspektive sehr gut, weil dadurch mehr Nähe zum Charakter des Jack Harper entstehen konnte, aber als der Mord schließlich geschehen war, hätte ich mir so sehr eine weitere Erzählstimme gewünscht, die allerdings nicht vorgesehen war. Und deshalb saß ich nun kopfschüttelnd vor der Lektüre und musste mich mit den vielen Fehlentscheidungen der Hauptperson auseinandersetzen, der mehr durch die Geschichte schlittert, als sie jemals zu durchdenken. Seine persönliche Unentschlossenheit setzt dem ganzen dann die Krone auf, denn anstatt sich eine zielgerichtete Strategie zu überlegen, bei der er dann konsequent bleibt, agiert Jack absolut spontan und willkürlich und schafft es tatsächlich bald nicht nur der Hauptverdächtige eines Mordfalls zu sein, sondern gleich mehrerer.

Der Plot selbst ist etwas holprig, die Polizeiarbeit findet eher am Rande statt und die Realitätsnähe hat mir auch etwas gefehlt, aber mit all diesen Dingen wäre ich klargekommen, hätte ich nicht ständig im Kopf von Jack Harper gesessen, mit dem ich leider so gar nichts anfangen konnte. Das Library Journal, New York bewertet den Thriller mit folgenden Worten: „Wie gemacht für Fans des amerikanischen Thrillers, erinnert an Gilian Flynns Gone Girl.“ In diesem Fall hätte mir die Bewertung weiterhelfen können, denn den genannten Thriller von G. Flynn mochte ich ebenso wenig, wie diesen hier.

Wirklich positiv kann ich rückblickend eigentlich nur den Schreibstil bewerten, der sich zeitgenössisch präsentiert, interessante Dialoge aufwirft und sich schnell lesen lässt, aber das ist für mich nur ein einziges Bewertungskriterium und reicht natürlich nicht aus, um ein gutes Urteil zu fällen, bzw. den enttäuschenden Gesamteindruck zu revidieren.

Fazit

Ich vergebe leider nur 2 Sterne für diesen im Kern interessanten Thriller, der durch seinen Aufbau und die gewählten Protagonisten leider nicht meinen Lesegeschmack trifft. Weder der Mord noch die Ermittlungen standen im Zentrum des Buches sondern, ein hilflos rudernder Mann, der neben seinen verhängnisvollen Schwächen auch noch mit einer großen Portion Naivität gestraft ist und vom Leser vielleicht Mitleid erhofft – ich weiß es nicht.

Dieses Buch hat sein gutes Potential verschenkt, zum einen wegen der einseitigen Perspektive, zum anderen wegen der Fokussierung auf die lange Liste der menschlichen Verfehlungen in geballter Ladung. Das war mir eindeutig zu anstrengend/ nervtötend. Dennoch gebe ich Jason Starr eine zweite Chance, die Klappentexte seiner diversen Thriller, die sich hier im Anhang befinden klingen insgesamt ansprechend und wenigstens ein zweites Buch möchte ich gelesen haben, bevor ich mir ein abschließendes Urteil bilde. Wer eine gute Empfehlung hat, kann sie gerne kundtun.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.12.2019

Mein Bild ohne dich

Tage des Verlassenwerdens
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„Was für ein kompliziertes, schaumiges Gemisch ein Paar doch ist. Eine Beziehung mag sich abnutzen und enden, um dennoch auf unsichtbare Weise weiterzuwirken, sie stirbt nicht, sie will einfach nicht sterben.“

Inhalt

Die ...

„Was für ein kompliziertes, schaumiges Gemisch ein Paar doch ist. Eine Beziehung mag sich abnutzen und enden, um dennoch auf unsichtbare Weise weiterzuwirken, sie stirbt nicht, sie will einfach nicht sterben.“

Inhalt

Die achtunddreißigjährige Turinerin Olga gerät in eine ganz klassische Trennungssituation, die für sie dennoch unheimlich plötzlich kommt. Ihr Mann hat eine andere, viel jüngere Frau und lässt sie mit den gemeinsamen Kindern und dem Hund sitzen. Eigentlich glaubte sie, eine glückliche Ehe zu führen und kann es nicht fassen, das Mario, ihr Geliebter nichts mehr von ihr wissen will. Ehrlich und schonungslos setzt sie sich mit der bitteren Wahrheit auseinander und versucht nebenbei ihren Alltag zu meistern. Doch schon bald muss sie feststellen, dass sie restlos überfordert ist, dass ihr ganzes Dasein auf die Existenz ihres Mannes gerichtet war und sein Part nun nicht mehr besetzt ist. Immer mehr verstrickt sie sich in Gedankenspielen und verliert die Realität zunehmend aus dem Auge. Der Umstand, dass ihr Mann, einen derartigen Vertrauensbruch begehen konnte, treibt sie an den Rand des Wahnsinns und sie versucht wie eine Ertrinkende den Fluten zu entkommen …

Meinung

Da ich bereits etliche Bücher der unter Pseudonym schreibenden Autorin Elena Ferrante gelesen habe, war ich mir durchaus bewusst, dass ich hier einen Roman mit einer eigenwilligen, interessanten, wenn auch nicht liebenswürdigen Protagonistin zu lesen bekommen würde. Allerdings war mir die hier vorliegende Charakterisierung dermaßen überspitzt und hochdramatisch umgesetzt, dass ich mich zunehmend über die Entwicklung der Erzählung geärgert habe.

Prinzipiell finde ich die intensive Auseinandersetzung mit der Trennungsthematik aus Sicht einer nichtsahnenden Frau sehr reizvoll, kann man doch ihr aufgezwungenes Leiden nachempfinden, ihr Unverständnis und größtenteils auch noch die Wut. Selbst Rachegedanken lassen sich implizieren und auch die Tatsache, dass diese Schmach von außen, zugefügt vom untreuen Gatten, das Selbstbild ins Wanken bringt.

Aber leider schmiedet die Autorin einen anderen, viel differenzierten Plot, der von obszöner Sprache und derben Gesten unterstrichen wird. Denn Olga leidet nicht nur, sie versinkt regelrecht in einem Sumpf am Rande des Wahnsinns, den sie mit Hysterie durchlebt und vollkommen hilflos sich selbst gegenüber erscheinen lässt. Diese Überspitzung der Ausgangssituation hat mich maßlos geärgert, denn einmal abgesehen davon, dass mir die emotionale Trauer gefehlt hat, weil Olga diese nicht zulässt oder im Kern erstickt, begibt sie sich auf einen Weg, auf dem ihr das Selbstbild wichtiger ist, als ihre Verantwortungsposition gegenüber den Kindern.

Gerade ihre Rolle als Mutter, ist für mich absolut abschreckend und überhaupt nicht mehr nachvollziehbar geschildert. Hinzu kommt ihr liebloser Versuch, alles beim Alten zu belassen und sich auf den Alltag zu konzentrieren, obwohl sie spürt, dass sie das allein nicht schaffen kann.

Fazit

Obwohl der Schreibstil intensiv und ansprechend wirkt, einmal abgesehen von derben sprachlichen Worten, konnte mich dieser Roman inhaltlich nicht überzeugen, deshalb vergebe ich hier wirklich nur 2 Lesesterne.

Viel zu lange verharrt er bei einer Frau, die das Bild von sich neu erschaffen muss und ihre bisherige Lebensweise elementar umstülpt, um wieder zu sich selbst zu finden. Dadurch, dass sie ihr direktes Umfeld so sträflich mit hineinzieht und es dennoch außen vorlässt, entsteht ein erschreckendes Porträt, bei dem ich mich tatsächlich emotional auf der Seite des Ehebrechers gesehen habe, denn wer so mit seinen Liebsten umgeht, verdient sie nicht wirklich.

Als Mutter finde ich ihre Handlungen einfach nur verantwortungslos – wenn sie sich den Strapazen nicht gewachsen sieht, müsste sie doch Hilfe holen. Gerade die Beziehung zwischen ihr und den Kindern wirkt mehr wie ein ungesundes Abhängigkeitsverhältnis, als eine Bindung aus Wärme und Zuneigung. Mir war das Gesamtkonzept zu hysterisch, zu skurril und viel zu unrealistisch, da hilft dann leider auch nicht die interessante Hintergrundgeschichte über die Verarbeitung eines persönlichen Verlusts.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere