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Veröffentlicht am 12.04.2021

Erschütternder Lesegenuss

Drei Kameradinnen
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Ich habe „Drei Kameradinnen“ gelesen und wurde in diese eine große Stadt geschickt, in der wir wohl alle mal leben wollten. Dort führte Shida Bazyar mich in eines dieser heruntergekommenen Viertel, die ...

Ich habe „Drei Kameradinnen“ gelesen und wurde in diese eine große Stadt geschickt, in der wir wohl alle mal leben wollten. Dort führte Shida Bazyar mich in eines dieser heruntergekommenen Viertel, die jetzt aber irgendwie hip geworden sind. Und dort ganz spezifisch in das WG-Zimmer von Kasih. Kasih ist erschüttert von den Ereignissen der letzten Nacht: ein schrecklicher Anschlag mit vielen Toten. Und weil ich gerade da bin, erzählt sie mir, was sie mit diesem Anschlag zu tun hat und insbesondere ihre beste Freundin Saya.

Saya, Hati und Kasih sind beste Kindheitsfreundinnen. Sie sind in derselben Siedlung aufgewachsen, die Wohnungen gleich geschnitten, mit demselben kleinen Balkon weit über der Straße. Sie sind auch verbunden durch das Gefühl, nicht dazuzugehören, anders zu sein als diejenigen, deren Eltern hier in diesem Land geboren wurden.

Jede der drei Kameradinnen geht anders mit diesem Gefühl um. Während Hani versucht, durch fleißige Arbeit ihren Platz zu finden, klammert sich Kasih an ihre Liebe aus dem Studium. Und Saya, Saya beginnt sich mit dieser Gesellschaft, in der sie keinen Platz zu haben scheint, auseinanderzusetzen, um etwas zu verändern. Voller Wut studiert sie die rechte Szene, gibt Seminare und stürzt sich bewaffnet mit Argumenten in rechte Filterblasen. Als ihre Wut in Hass umschlägt, beginnen Hani und Kasih sich um ihre Freundin zu sorgen.

Als ich diese Geschichte höre muss ich mich erstmal setzen. Sie nimmt mich mit und zeigt mir, dass meine schöne liberale Welt unter der gebildeten Oberfläche eben immer noch nicht frei von Alltagsrassismus, nein, Rassismus im Allgemeinen ist. Sie ist auch eine Milieustudie und eine Geschichte über Erwachsenwerden, den Traum vom „Aufstieg“, Bildung und Gerechtigkeit.

Shida Bazyar stellt dabei sicher, dass ihre Botschaft auch ankommt, indem Kasih sich immer wieder direkt an mich wendet, mich direkt anspricht. Und ich bin froh über dieses Gespräch in der WG-Küche. Froh darüber, immer wieder wachgerüttelt, ertappt und aufgeschreckt zu werden. Denn das bin ich nach diesem spannenden Buch: Aufgerüttelt, nachdenklich, wütend und mir gleichzeitig darüber im Klaren, dass ich irgendwie auch Teil des Problems bin.

Eine absolute Leseempfehlung für jeden, nicht nur wegen der wichtigen Thematik, sondern auch weil dieses Buch großartig geschrieben, intelligent und spannend ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2021

Ein Familienroman zwischen Mensch und Natur

Das Flüstern der Bienen
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Ich habe ein Buch gelesen, das mich mitnahm in ein mir unbekanntes Land, nach Mexiko, auf die Felder der wohlhabenden und herzensguten Familie Morales. Ich lernte das Familienoberhaupt Francisco kennen, ...

Ich habe ein Buch gelesen, das mich mitnahm in ein mir unbekanntes Land, nach Mexiko, auf die Felder der wohlhabenden und herzensguten Familie Morales. Ich lernte das Familienoberhaupt Francisco kennen, und seine Frau Beatriz. Außerdem ihre Töchter Consuelo und Carmen, und die beiden Großmütter, Nana Pola und Nana Reja. Nana Reja sitzt den lieben langen Tag auf ihrem Schaukelstuhl auf der Veranda und lässt das Leben an sich vorüberziehen. Doch eines Tages steht sie auf, denn sie wird gerufen, von einem kleinen Jungen namens Simonopio. Er liegt alleine und zurückgelassen im Wald, umgeben von einem Schwarm Bienen, der ihn zu beschützen scheint.

Die Familie Morales nimmt Simonopio sofort als Patenkind auf, obwohl sein Gesicht durch eine Fehlbildung am Mund vielen Angst macht. Ein Arbeiter auf der Farm sieht sogar den Teufel in ihm. In Wahrheit aber ist Simonopio ein Gesandter der Natur, die mit ihm und durch ihn spricht. Er macht es sich zur Lebensaufgabe, seine neue Familie mit dieser Gabe zu beschützen.

Und von da an begleitete ich die Familie durch eine Zeit, die mir bis dahin fremd war und die viel Leid mit sich brachte: Die spanische Grippe, Krieg, Revolution, Enteignungen und Reformen. Und daneben entspinnt sich das Leben einer Familie mit all seinen eigenen Dramen: Kinder werden geboren, geliebte Menschen sterben, es wird geheiratet, Geburtstag gefeiert und gestritten. Und die ganze Zeit ist es, als stünde ich daneben, als würde ich auch ein Gast ihres Hauses sein.

Denn Sofía Segovia beschreibt Simonopios Welt in einer Schönheit und Wortgewandtheit, die mich träumen und schweben ließ. Die Stadt erscheint plastisch, als könne man sie riechen und schmecken und ihre Bewohner sind behutsam ausgewählte und sorgsam ins Leben geschriebene Personen, die mir zu Freunden geworden sind. Ihre Geschichte ist mitreißend und dramatisch und ich bin heilfroh, dass Sofía Segovia sie mir erzählt hat.

Eine absolute Leseempfehlung für Freunde von historischen Geschichten, Familienromanen, Bienen und einem Hauch Magie.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2021

Über Menschen und Tiere

Die Letzten ihrer Art
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Eine Geschichte über Wildpferde

Der dritte Band von Maja Lundes Klimaquartett spielt, wie auch schon die vorherigen Bände auf drei verschiedenen Zeitachsen.

Michail: Im Jahre 1883 schreibt Michail in ...

Eine Geschichte über Wildpferde



Der dritte Band von Maja Lundes Klimaquartett spielt, wie auch schon die vorherigen Bände auf drei verschiedenen Zeitachsen.

Michail: Im Jahre 1883 schreibt Michail in Sankt Petersburg seine Geschichte auf. Er arbeitet im städtischen Tierpark und ist dort für die Anschaffung und Pflege exotischer Tierarten zuständig. Eines Tages erfährt er, dass in der Mongolei Wildpferde gefunden wurden. Przewalski-Pferde, oder auch Thakis, die ältesten Wildpferde überhaupt. Voller Aufregung beginnt er eine Expedition zu planen und gewinnt schließlich den Deutschen Wilhelm Wolff als Sponsor und Expeditionsgefährten. Gemeinsam reisen sie in die Mongolei, um die Wildpferde nach Europa zu bringen.

Karin: 1992 reist auch Karin in die Mongolei. Sie ist Zoologin und beschäftigt sich seit ihrer Jugend mit den Przewalski-Pferden. Sie sieht es als ihre Lebensaufgabe an, diese in der Mongolei wieder anzusiedeln und erfolgreich zu züchten. Begleitet wird sie von ihrem erwachsenen Sohn Matthias und Jochi, einem einheimischen Kollegen.

Eva: In der Zukunft, dem Jahr 2064 stehen zwei einsame Przewalski-Pferde auf einer Weide mitten im Nirgendwo in Norwegen. Der Hof gehört Eva und ihrer Tochter Isa, die gemeinsam im kleinen Dorf Heiane leben. Wegen des ständigen Regens und den bitteren Wintern stirbt das Dorf aus, Isa und Eva sind mit die letzten übriggebliebenen Einwohner und kämpfen mit begrenzten Ressourcen um ihr Überleben. Isa möchte fort aus Heiane, doch Eva kann sich nicht von ihren Tieren trennen, insbesondere nicht von den beiden Wildpferden. Eines Tages begegnet sie einer fremden Frau auf der Flucht und beschließt, sie bei sich aufzunehmen.

Eine Geschichte über Familie



Alle drei Geschichte drehen sich um die Entdeckung, die Bergung, oder die Rettung der Wildpferde. In allen drei Zeiten ist ihre Art selten. Zwischen den Ereignissen beschäftigt sich die Geschichte aber auch immer wieder mit der Frage, was es heißt, eine Familie zu haben, nicht gründen zu können, oder zu verlieren.

Michail wohnt mit seinen knapp 30 Jahren nämlich immer noch bei seiner Mutter und kann sich nicht von ihr losreißen. Sie würde sich wünschen, dass er eine eigene Familie gründet, aber er fühlt sich zu Frauen nicht hingezogen und pflegt stattdessen intime Männerfreundschaften.

Karins Sohn Mathias entstammt einer ungewollten Schwangerschaft und sie hat große Probleme ihm die Liebe zu geben, die er braucht. Sie verlor ihre eigene Mutter unter dramatischen Umständen und vergräbt sich in ihrer Arbeit, um dem nicht aufgearbeiteten Trauma zu entgehen. Ihr Sohn Mathias entgleitet ihr zunehmend, nimmt Drogen und bringt sich selbst immer wieder in Gefahr. Karin fühlt sich ihm gegenüber fremd und doch verantwortlich.

Eva und ihre Tochter verbindet eine tiefe Einsamkeit, denn sie haben niemanden außer sich. Das führt zu Konflikten und Abhängigkeit. Eva sehnt sich nach einem anderen Erwachsenen in ihrem Leben, mit dem sie Isa gemeinsam erziehen kann, aber Isa Vater ist alkoholabhängig und gewalttätig und andere Männer gibt es im Dorf nicht mehr.

Was die Geschichte bewegend macht



Auch der dritte Teil des Klimaquartetts von Maja Lunde hat mich in seinen Bann gezogen und tief bewegt. Maja Lunde schafft es auf unglaublich geschickte Art und Weise das Schicksal der Tiere mit dem der Menschen zu verbinden.
Bei den Wildpferden gibt es eigentlich nur drei relevante Fragen:

1) Gibt es genug Futter?
2) Wer darf sich mit wem paaren?
3) Werden die Fohlen überleben?

Während alle drei Protagonist*Innen sich diese Fragen stellen, richtet sich auch ihr eigenes Leben an diesen aus. Evas Alltag ist bestimmt von der Sorge um ihre Vorräte. Michail kann seinen Partner nicht frei wählen und Karin sorgt sich um das Leben ihres Sohnes. Gleichzeitig macht gerade Evas Geschichte auf bedrückende Weise deutlich, dass auch wir Menschen letztlich nur eine von vielen Arten sind. Auch wir können die letzten unserer Art sein, als erstes in einem verlassenen Dorf, dann in einem verlassenen Landstrich und irgendwann vielleicht weltweit. Das stimmt nachdenklich.

Tief erschütternd ist außerdem dass Maja Lunde in diesem Buch alle bisherigen Dystopien zusammenführt. Eva und Isa leben auf einer Welt, in der es keine Bienen mehr gibt, der Süden verdurstet, während es im Norden wegen des ständigen Regens keine erfolgreichen Ernten und Überschwemmungen gibt. Die Welt steht am Abgrund und es tut weh und macht Angst, das zu lesen.

Ich frage mich, was uns im nächsten Band des Klimaquartetts erwartet. Wird Maja Lunde gnädig mit uns sein und uns am Ende einen Hoffnunsschimmer geben, dass die Menschheit es doch noch irgendwie schaffen kann? Oder wird sie am Ende zugrunde gehen, gemeinsam mit der Natur, die sie zugrunde gerichtet hat?

Die gesamte Reihe ist nicht nur lesenswert sondern eine absolute Buchempfehlung, und dieser Band steht den anderen Bänden in nichts nach. Wenn überhaupt, geht er, vor allem im letzten Drittel, noch tiefer unter die Haut.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.04.2021

Ein Tanz zwischen Fiktion und Relität

Nach einer wahren Geschichte
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Ich habe „Nach einer wahren Geschichte“ gelesen und mich sehr gefreut, denn die Autorin Delphine de Vigan nahm mich scheinbar mit in ihr eigenes Leben, zu ihrer Protagonistin Delphine, die in Paris lebt. ...

Ich habe „Nach einer wahren Geschichte“ gelesen und mich sehr gefreut, denn die Autorin Delphine de Vigan nahm mich scheinbar mit in ihr eigenes Leben, zu ihrer Protagonistin Delphine, die in Paris lebt. Ihr Kinder ziehen gerade in die weite Welt hinaus, ihre Lebenspartner bereist die Welt für seine Filmprojekte, und sie selbst hat gerade einen Bestseller geschrieben. Ein sehr persönliches Buch, über ihre Familie und ihre Ängste, das für viele Leser zum Identifikationsobjekt wurde. Während sie Bücher signiert, Lesungen gibt und Interviews führt, wächst in ihrem Kopf die Angst vor dem nächsten Roman. Was soll nach diesem Höhepunkt noch folgen?

Und dann lernt sie L. kennen. Eine selbstbewusste, starke und besitzergreifende Frau, die schon bald nicht mehr aus Delphines Leben wegzudenken ist. L. arbeitet als Ghostwriterin und weiß genau, was gut für Delphine ist und was sie aus ihrer Blockade befreien wird. Dankbar greift Delphine immer wieder nach ihrer Hand, wenn sie in ihren Gefühlen versinkt und erlaubt L. immer mehr Platz in ihrem Leben, bis sich irgendwann alles nur noch um L. dreht.

Auch ich lernte L. kennen, so wie Delphine sie sah und durchlebte mit ihr gemeinsam die qualvollen Tiefen ihrer Blockade. Ihre Erzählung hat mich tief getroffen und bewegt, war unfassbar greifbar und absolut ehrlich erzählt. Es geht um Depressionen, toxische Beziehungen, Ängste und die innere Dunkelheit, aber auch um Freundschaft, die Sicherheit eines sozialen Netzes und echte Beziehungen. Gleichzeitig diskutierten die beiden immer wieder darüber, was es eigentlich bedeutet einen Roman zu schreiben, über die Rolle von Fiktion in der Literatur und den Wert von Echtheit in einer Erzählung.

Nun bin ich wieder zuhause und weiß immer noch nicht so recht, was ich da eigentlich erlebt habe. Eine wahre Begebenheit? Eine traumhafte Eingebung? Eine Projektion der inneren Ängste, oder doch nur eine spannende Geschichte? Ich werde noch etwas weiter grübeln, denn dieses Buch hallt nach und hinterlässt Spuren.

Eine anspruchsvolle und bedeutungsschwere Geschichte und eine Empfehlung für alle, die gerne in die Psyche anderer Menschen eintauchen oder selber schreiben.

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 23.02.2021

Mehr als nur ein Puppenspiel

Herzfaden
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Wer kennt sie nicht, die Augsburger Puppenkiste. Dieser Roman begleitet die Familie Oehmichen, die die Puppenkiste während des zweiten Weltkrieges erschuf. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Hatü ...

Wer kennt sie nicht, die Augsburger Puppenkiste. Dieser Roman begleitet die Familie Oehmichen, die die Puppenkiste während des zweiten Weltkrieges erschuf. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Hatü erzählt, der jüngsten Tochter der Oehmichens.

Das Buch ist in seiner äußeren Form etwas besonderes, nicht nur wegen dem wunderschönen Cover: Es ist in zwei verschiedenen Farben gedruckt, die jeweils einen Halndungsfaden repräsentieren. Der blaue Teil ist die Hauptgeschichte, der rote Teil eine Art Rahmenerzählung.

Die Hauptgeschichte beginnt im zweiten Weltkrieg, als Hatüs Vater zum Dienst an der Waffe eingezogen wird. Wenig später kann er dem Krieg entkommen. Er ist in seiner Position im Augsburger Stadttheater unabkömmlich. Inmitten der Kriegswirren und Bombennächte beginnt er, Marionetten zu schnitzen und sie gemeinsam mit seiner Familie in einem kleinen Puppentheater zum Leben zu erwecken. Die Augsburger Puppenkiste ist geboren.

Hatü ist von Anfang an begeistert dabei. Wir begleiten sie durch die Kriegsjahre und die Nachkriegszeit, durch ihre Kindheit und Jugend. Dabei geht es nicht nur um die Marionetten, sondern auch um die erste Liebe, Freundschaft und den Umgang mit dem Nationalsozialismus, insbesondere auch nach dem Krieg.

Im roten Teil des Buches begleiten wir parallel dazu ein Mädchen, dass aus der Wohnung ihres Vaters weggelaufen ist und auf einen dunklen Dachboden gerät. Hier trifft es auf eine geisterhafte Version von Hatü und die lebendig gewordenen Marionetten aus der Puppenkiste. Diese erzählen ihr die Geschichte des blauen Handlungsstrangs.Auch zwischen den Marionetten gibt es Konflikte und jede Marionette hat eine Hintergrundgeschichte, die wir ebenfalls aus dem blauen Buchteil erfahren.

Ich persönlich hatte leichte Startschwierigkeiten mit diesem Buch. Gerade zu Beginn der Lektüre hat mich der rote Buchteil immer wieder aus der Geschichte herausgerissen. Im zweiten Drittel des Buches hat sich das aber verändert, weil die beiden Handlungsstränge stärker miteinander verknüpft wurden und zum Ende hin alles ineinander greift. Mit dem Charakter des Mädchens konnte ich mich aber bis zum Schluss nicht richtig verbinden.

Das ist aber gar nicht schlimm, weil mich der Rest des Buches wirklich sehr überzeugt hat. Die Art und Weise wie hier Hatüs Gefühle beschrieben wurden ist subtil, realistisch und trotzdem mitreißend. Die Handlungsstränge und Konfliktlinien innerhalb der Geschichte sind spannend und fügen dem wahren Geschehen gerade die richtige Menge an Drama hinzu. Besonders gut gefallen hat mir aber vor allem, wie hier die Nachkriegszeit und der Umgang mit der Erinnerung an das nationalsozialistische Reich besprochen wird. Hatü ist während des gesamten Romanes umgeben von einer Freundesgruppe Jugendlicher. In dieser erlebt jeder den Krieg ein bisschen anders und jeder geht am Ende anders damit um. Das gibt der Erzählung eine schöne Tiefe und auch eine hohe Relevanz. Damit hatte ich zu Beginn wirklich überhaupt nicht gerechnet.

Insgesamt also ein sehr schönes Buch und eine Leseempfehlung. Eine kleine Einschränkung ist lediglich der etwas hoplrige Start. Daher vergebe ich gerne 4,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
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