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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2026

Zeit ändert alles

Das Buch der verlorenen Stunden
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Hayley Gelfuso hat eine interessante Idee aufgegriffen und daraus ein bewegendes, spannendes Buch geschrieben. Wer kontrolliert die Zeit und was passiert, wenn einzelne Menschen die Kontrolle über das ...

Hayley Gelfuso hat eine interessante Idee aufgegriffen und daraus ein bewegendes, spannendes Buch geschrieben. Wer kontrolliert die Zeit und was passiert, wenn einzelne Menschen die Kontrolle über das Gedächtnis der Menschheit besitzen.

Lisavet lebt mit ihrem Bruder und Vater im Deutschland der 1930er Jahre. In der Kristallnacht bringt ihr Vater sie in eine geheime Bibliothek zwischen den Falten der Zeit mit dem Versprechen, ihr zu folgen. Doch er kommt nie nach. Gefangen in dieser Zwischenwelt beobachtet sie insgeheim andere Menschen dabei, wie sie die in den Büchern gespeicherten Erinnerungen studieren und teilweise auch verändern. Bis sie eines Tages Ernest begegnet und zum ersten Mal wieder Nähe zulässt.

Ich finde es unheimlich gelungen, wie die Autorin mit der Wahrnehmung des Lesenden spielt. Ähnlich wie die Zeit sich ständig im Wandel befindet und teilweise Haken schlägt, verändern sich auch die Figuren im Laufe der Geschichte und wechseln teilweise gekonnt die Seiten. Wer ist gut, wer ist böse? Wer ist im Recht, wer im Unrecht?

Natürlich hat sie neben einer sehr ambivalenten Hauptfigur auch einen charismatischen Gegenspieler erschaffen, der im Widerspiel mit Lisavet das Buch sehr gut trägt.

Zum Schluss entscheiden die teilweise etwas ungelenk gelungenen Antworten auf die verschiedenen Fragen des Romans darüber, dass aus einem großartigen Roman nur ein ziemlich guter wird.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Rettende Insel

The Second Death of Locke
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So wie die romantische Fanatsy gerade den Markt flutet, wird es immer schwerer die Perlen aus der Masse herauszupicken. Umso schöner ist es doch, mal wieder ein Buch zu erwischen, dass den Leser noch mit ...

So wie die romantische Fanatsy gerade den Markt flutet, wird es immer schwerer die Perlen aus der Masse herauszupicken. Umso schöner ist es doch, mal wieder ein Buch zu erwischen, dass den Leser noch mit einer originellen Idee überraschen kann.

Die Königreiche liegen im Krieg miteinander und kämpfen um die letzten Reste Magie, seitdem das Königreich und die Insel Locke untergegangen ist und die Quelle aller Magie mitgenommen hat. Die verbliebenen Magier sind auf die wenigen Menschen angewiesen, die ihnen noch als Quelle dienen können. Denn das ist das besondere: nur wenn zwei Menschen vertrauensvoll zusammenarbeiten, können sie Magie wirken. Kier und Grey sind ein besonders mächtiges Team und sind deshalb bisher erfolgreich im Kampf, bis sie auf eine geheime Mission geschickt werden. Während sie um ihr Leben bangen müssen, drohen gleichzeitig ihre Geheimnisse ans Licht zu kommen.

Wie gesagt: dieses Welten- und Magiekonzept ist überzeugend und mal was anderes. Die Beziehung zwischen Kier und Locke ist einfühlsam beschrieben und erfreulicherweise agieren beide auf Augenhöhe miteinander.

Hat das Buch gewisse Längen? Sicher. Und doch macht es immer wieder Spaß, mit den beiden durchs Land zu reisen, auch wenn es zeitweise ziemlich blutig und brutal wird.

Einziger Wehmutstropfen ist die Tatsache, dass die historische Sage, auf der alles beruht, etwas zu kurz kommt und mehr in den Mittelpunkt hätte gerückt werden können.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Der fünfte Streich

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
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Bei manchen Reihen ist irgendwann die Luft raus, andere reifen wie ein guter Wein. "Der Donnerstagsmordclub" zählt eindeutig zur zweiten Gruppe und beweist auch in seiner fünften Runde, dass eine Gruppe ...

Bei manchen Reihen ist irgendwann die Luft raus, andere reifen wie ein guter Wein. "Der Donnerstagsmordclub" zählt eindeutig zur zweiten Gruppe und beweist auch in seiner fünften Runde, dass eine Gruppe Rentner noch lange keine lahmen Enten sind.

Der Donnerstagsmordclub macht sich sorgen um Mitglied Elizabeth. Nach dem Tod ihres Mannes Steven wirkt sie ziellos und müde. Dabei haben alle Mitglieder ihre eigenen Igel zu kämmen. Und bald überschlagen sich die Ereignisse und geben vor allem Elizabeth ein neues Ziel.

Eigentlich sollte man meinen, dass die Geschichte rund um die vier Renter irgendwann mal auserzählt sien müsste, sich die Erzählung im Kreis drehen könnte. Und doch findet Richard Osman immer wieder neuen Stoff und schafft es dabei trotzdem noch, seine Figuren in den Vordergrund zu rücken und ihre Stärken, ebenso wie ihre Schwächen herauszukitzeln.

Auch der Humor ist wie immer einzigartig und "very british", nimmt die Figuren auf herrliche Weise aufs Korn. Dabei bleibt aber auch die Emotionalität nicht kurz, es wird die Balance perfekt gehalten zwischen Humor und Ernsthaftigkeit.

Damit ist und bleibt "Der Donnerstagsmordclub" eine herausragende Koryphäe des unterhaltsamen Cosy Crimes der aktuellen Zeit.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Moderne Robin Hood Story

Hustle
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In der heutigen Gesellschaft passiert es recht schnell, dass man seinen Antrieb verliert und so in die Ziellosigkeit abrutscht.

So ähnlich geht es Leonie, nachdem sie sich an ihrem Chef rächt, weil er ...

In der heutigen Gesellschaft passiert es recht schnell, dass man seinen Antrieb verliert und so in die Ziellosigkeit abrutscht.

So ähnlich geht es Leonie, nachdem sie sich an ihrem Chef rächt, weil er ihre Forschunsgergebnisse als seine ausgegeben hat. Als Konsequenz findet sie keine neue Anstellung, bis sie eher zufällig in München landet und einen Neuanfang wagt. Mit der Unterstützung einer tatkräftigen Mädelstruppe findet sie schon bald ein neues Lebensziel.

Dieses Buch liest sich wie eine moderne Robin Hood-Adaption, wenn man davon ausgeht, dass Robin weiblich und sich selbst als armes Volk sieht, dem es zu spenden und helfen gilt. Was könnte passender sein als "sei dir selbst die nächste und steh für dich ein"?

Und dabei findet sie neben einem finanzierbaren Leben auch noch ein Hobby, dass sie zum Beruf machen kann. Am wichtigsten aber ist wohl die Erkenntnis, dass du mit Freundinnen, die durch dick und dünn gehen und sich in allen Lebenslagen unterstützen, wirklich alles schaffen kannst.

Ist die geschichte moralisch einwandfrei? Mit Sicherheit nicht. Mir hat sie aber vor allem Hoffnung und ganz, ganz viel Unterhaltung gegeben.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Überraschend unterhaltsam

The Witch Collector
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Das war doch mal eine erfrischend überzeugende Lovestory! Hat sie ihre Schwächen und Fehler? Mit Sicherheit, aber das kann den Unterhaltungsfaktor nicht trüben.

Raina bereitet sich auf den einen tag im ...

Das war doch mal eine erfrischend überzeugende Lovestory! Hat sie ihre Schwächen und Fehler? Mit Sicherheit, aber das kann den Unterhaltungsfaktor nicht trüben.

Raina bereitet sich auf den einen tag im Jahr vor, an dem der Witch Collector in ihr Dorf kommt, um die mächtigste Hexe mitzunehmen. Sie will ihn zwingen, sie zum Frost King zu führen, damit sie ihre Schwester befreien kann, die er vor acht Jahren mitgenommen hat. Doch der Angriff des Ostkönigs kommt ihr dazwischen und sie ist gezwungen, sich gemeinsam mit dem Witch Collector auf die Jagd zu begeben.

Wie gesagt, natürlich weist die Geschichte kleinere Fehlerchen auf und kommt, was das Worldbuilding angeht, etwas langsam in die Gänge.

Dafür überzeugen mich die Figuren umso mehr. Raina ist eine starke, kluge und mutige Frau, die sich trotz ihrer Einschränkung (sie kann nicht sprechen und ist auf Gebärdensprache angewiesen) nicht zurückhält und immer lösungsorientiert agiert. Und dann haben wir noch Alexus, den männlichen Hauptpart, der es schafft, eine Frau für sich zu gewinnen, ohne sie kleinzureden, seine körperliche Überlegenheit gegen sie einzusetzen oder ihr Informationen vorzuenthalten.

Mein Herz hat er damit auf jeden Fall gewonnen!

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