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Veröffentlicht am 14.11.2025

Hölzerne Sprache

Die Bibliothek meines Großvaters
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Ich weiß nicht genau, was es ist, dass ich immer wieder so meine Probleme mit der Sprache in japanischen Büchern habe, und trotzdem jedes Mal wieder danach greife.

Masateru Konishi erzählt die Geschichte ...

Ich weiß nicht genau, was es ist, dass ich immer wieder so meine Probleme mit der Sprache in japanischen Büchern habe, und trotzdem jedes Mal wieder danach greife.

Masateru Konishi erzählt die Geschichte der Lehrerin Kaede, die ihren an Demenz erkrankten Opa pflegt, und dabei mit ihm gemeinsam die verschiedensten Alltagsrätsel und kleineren Kriminalfälle auf teils ziemlich kreative Weise löst.

Die Figur der jungen Lehrerin hat mir eigentlich sehr gut gefallen, da der Autor ihre Einsamkeit und Traurigkeit auf einfühlsame Art eingefangen hat. Ihr Großvater ist die letzte verbliebene Bezugsperson ihres noch kungen Lebens und es fällt ihr offensichtlich schwer, Kontakt zu den Personen in ihrem Umfeld zu knüpfen. So liest es sich schön, wie sie sich nach und nach öffnet.

Auch die Rätsel und Krimis, die die beiden lösen, haben mir eigentlich ziemlich gut gefallen, waren kreativ und ideenreich.

Aber diese Sprache. Ich werde einfach nicht warm mit diesem hölzernen, teilweise recht plastischen, emotionslosen, sehr beschreibenden Erzählstil. Dabei möchte ich das gar nicht dem Übersetzer Peter Aichinger-Fankhauser anlasten. Man merkt es dem Text einfach an, dass das Japanische aus einer völlig anderen Sprachfamilie kommt als das Deutsche. Ich verneige mich vor der Arbeit des Übersetzers, daraus einen flüsssigen Text kreiert zu haben, mich packt es nur einfach nicht so richtig und ich habe Mühe, gedanklich am Ball zu bleiben.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Könnte so großartig sein

Die Geschichte des Klangs
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Was habe ich die Geschichte von Lionel und David geliebt! Ich hätte ewig weiterlesen können, hätte mich der Verlag nicht um einen Großteil ihrer Geschichte gebracht.

Ben Shattuck erzählt auf berührende ...

Was habe ich die Geschichte von Lionel und David geliebt! Ich hätte ewig weiterlesen können, hätte mich der Verlag nicht um einen Großteil ihrer Geschichte gebracht.

Ben Shattuck erzählt auf berührende und ergreifende Weise von der kurzlebigen, aber alles über den Haufen werfenden Begegnung zwischen dem Sänger Lionel und dem Pianisten David. Daraus entwickelt sich ein Sommer, der für Lionel die Welt bedeutet und alles, was er später erreicht und erlebt, bestimmt und formt.

Dabei erzählt der Autor diese Geschichte in kurzen Essays, lässt verschiedene Figuren zu Wort kommen und formt daraus ein komplexes Bild dieser Beziehung.

So zumindest stelle ich mir es vor, denn die deutsche Übersetzung enthält leider nur einen Bruchteil des gesamten Werkes. Aus für mich vollkommen unerfindlichen Gründen hat sich der Verlag entschieden, von den im Original enthaltenen Kurzgeschichten lediglich zwei übersetzen zu lassen.

Diese lassen zwar schon die Großartigkeit erahnen (Dirk van Gunsteren hat es auf überzeugende Weise geschafft, die Wortmagie des Autors einzufangen und wiederzugeben), die das Buch in seiner Gänze entfaltet, stellen mich aber in keiner Weise zufrieden. Man spürt einfach, dass da noch mehr ist!

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Unentschlossen

Furye
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Das Cover deutet schon auf das Kernproblem, das das Buch aus meiner Sicht hat.

Es geht um Alec, erfolgreiche Musikmanagerin in der Großstadt, die dank eines Anrufs in ihre Vergangenheit zurückgezogen ...

Das Cover deutet schon auf das Kernproblem, das das Buch aus meiner Sicht hat.

Es geht um Alec, erfolgreiche Musikmanagerin in der Großstadt, die dank eines Anrufs in ihre Vergangenheit zurückgezogen wird. Zurück in ihrem Heimatort wird sie bald von Erinnerungen an den Sommer, als sie 17 war, eingeholt.

So wirklich kann sich die Autorin nicht entschieden, worin es in ihrem Buch gehen soll. Den Sommer der ersten großen Liebe. Entscheidungen, die wir treffen und die uns ein Leben lang verfolgen. Die alles entscheidende Freundschaft dreier Mädchen auf der Schwelle zum Frausein. Die Probleme zwischen Männern und Frauen, von denen so einige Leserinnen ein Liedchen trällern können werden.

Jedes Thema für sich genommen hätte einen ganzen Roman füllen können. So ist es eine wilde Mischung, die keinem der Temen den ihm zustehenden Raum bieten kann.

Zudem ist Alec auch eine nicht gerade sympathische Figur, deren Entscheidungen und Handlungen nicht immer nachvollziehbar und freundlich wirken.

Insgesamt wurde ich gut unterhalten, aber lange nachhallen wird es eher nicht.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Effekt verfehlt

Dr. No
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Percival Everett hat ein unglaubliches Talent, mit Worten umzugehen und tiefgründige Bedeutung dahinter zu verstecken. Mit "James" und "Die Bäume" hat er mir den Kopf gesprengt (im positiven Sinne), aber ...

Percival Everett hat ein unglaubliches Talent, mit Worten umzugehen und tiefgründige Bedeutung dahinter zu verstecken. Mit "James" und "Die Bäume" hat er mir den Kopf gesprengt (im positiven Sinne), aber diesmal war es zu viel.

Wala Kitu, eine Matheprofessor, der sich mti Theorien rund um das "Nichts" beschäftigt, wird von einem schwarzen Multimilliradär engagiert, um genau das zu tun. Das Nichts aus Fort Knox zu stehlen. Begleitet wird er dabei von seinem einbeinigen Hund, seiner hübschen Kollegin Eigen und Bösewicht-Girl Victoria.

Den James Bond-Effekt hat er perfekt eingefangen, keine Frage. Wir haben alles, was das Fan-Herz höher schlagen lässt. Vielleicht liest sich der Roman deshalb so ernüchternd, weil er die leere Hülle entlarvt, die er darstellt.

Daneben geht es um sehr viel (wortgewandtes) Nichts, das massive Kritik an Amerika, Rassismus, Klimaverbrechen und vielen mehr (von dene ich vermutlich nicht einmal die Hälfte zur Gänze wahrgenommen, geschweige denn verstanden habe).

Denn das ist irgendwie auch mein großes Problem mit diesem Buch: ich verstehe kaum die Hälfte von dem, was Herr Everett schreibt. Was normalerweise okay wäre, wenn mich der Rest unterhalten würde (auf irgendeiner Art und Weise) und ich am Ende nicht das Gefühl hätte, dass es so überhaupt keinen Unterschied gemacht hat, dass ich das alles nicht verstanden habe!

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Das Monster hinter der Fassade

Bestie
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Der Titel des Buches spielt ebenso wie seine Figuren mit der Wahrnehmung des Lesenden: Monster oder beste Freundin? Wer ist gemeint?

Delia sucht eine neue Bleibe für einen Neuanfang und dabei sind ihr ...

Der Titel des Buches spielt ebenso wie seine Figuren mit der Wahrnehmung des Lesenden: Monster oder beste Freundin? Wer ist gemeint?

Delia sucht eine neue Bleibe für einen Neuanfang und dabei sind ihr beinahe alle Mittel recht. Als Lilly bewirbt sie sich bei Influencerin Anouk für ein WG-Zimmer und bekommt es dank einiger Missverständnisse. Doch auch bei Anouk ist nicht alles so wie es nach außen hin wirkt. Kann aus dieser Konstellation eine Freundschaft erwachsen oder drohen ihre Geheimnisse früher oder später, die Beziehung zu zerstören? Wie weit sind beide bereit zu gehen?

Joana June scheint zu wissen, wovon sie schreibt. Die Autorin ist selbst ziemlich erfolgreich auf Instagram unterwegs und weiß deshalb genau, wie Anouks Alltag aussieht.

So nimmt sie uns mit in eine Welt, in der mehr Schein als Sein herrscht und Freundschaften nie ohne Hintergedanken und Nutzen geschlossen werden. In diese Welt will auch Lilly eintauchen, um Anouks Kontakte zu nutzen und ihrem Ziel als Bühnenautorin näher zu kommen. Verkompliziert wird das Ganze durch die Männerwelt und die Lügen, auf denen alles gründet.

Sympathisch ist mir keine der Figuren, dafür bleiben sie aber perfekt unperfekt. Die Autorin schafft es sehr gut, die Ecken und Kanten der Figuren in Szene zu setzen, um ihnen Tiefe zu verleihen.
Und doch versucht sie für meinen Geschmack, zu viele Themen unterzubringen. Allein der Einblick in die Untiefen des Social Media-Starlebens hätte mir schon gereicht. Der Roman hätte genug Raum geboten, um die scharfen Kanten dieser dunklen Seite auszuloten. Doch das hat ihr offensichtlich nicht gereicht. Und dadurch hat sie mich leider etwas verloren.

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