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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2020

Leider enttäuschend

Hamish Macbeth hat ein Date mit dem Tod
3

„Der Zug donnerte über die schottische Grenze. Es war trübe und bedeckt gewesen, doch nun war der Himmel strahlend blau, und die Sonne schien. „ (17)

Maria führt die Paarvermittlung Checkmate für vermögende, ...

„Der Zug donnerte über die schottische Grenze. Es war trübe und bedeckt gewesen, doch nun war der Himmel strahlend blau, und die Sonne schien. „ (17)

Maria führt die Paarvermittlung Checkmate für vermögende, elitäre Kunden. Ihre Mitinhaberin Peta ist gerade auf Urlaubsreise und Maria nutzt die Gunst der Stunde mit ihren Klienten eine Reise ins schottische Hochland zu machen. Hier sollen Pärchen zueinander finden. Und zwar ungestört. Denn Peta ist eine recht unangenehme Zeitgenossin.

Natürlich reist Peta kurz darauf ebenfalls an und zieht den Hass aller Beteiligten auf sich. Die Dinge nehmen ihren Lauf und der Dorfpolizist Hamish Macbeth hat schon bald einen Mordfall zu lösen.

„Hamish Macbeth hat ein Date mit dem Tod“ war für mich der erste Band, den ich aus dieser Reihe gelesen habe. Ich kannte daher die Protagonisten nicht aus Vorgängerbänden. Und leider wurden sie mir auch in diesem Band nicht näher gebracht. Man erfährt kaum etwas über Hamish - der Ermittler bleibt völlig charakterlos und im Hintergrund.

Dieses Buch bietet nur einen hochgradig konstruierten Mordfall mit einer ganzen Truppe oberflächlichen und völlig überzeichneten Figuren.

Und leider bleibt auch die Spannung auf der Strecke. Da alles so überspitzt ist, kommt man keiner der Figuren nahe und hat deshalb überhaupt kein Interesse an der Entwicklung und dem Ausgang der Geschichte.

Schöne Landschaftsbeschreibungen und ein hübsches Cover sind die positiven Aspekte dieses Krimis. Außerdem bleibt die Hoffnung, dass die anderen Bände besser sind und dort ein interessanter Ermittlercharakter aufgebaut wird.

  • Cover
  • Handlung
  • Spannung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 06.03.2020

Szenen einer Ehe auf Hornby-Art

Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst
1

»Wir fangen an zu reden, jemand sagt was Falsches, und dann reden wir nur noch über dieses Falsche.« (62%)

Tom und Louise sind schon seit einigen Jahren verheiratet, haben gemeinsame Kinder. Nach einem ...

»Wir fangen an zu reden, jemand sagt was Falsches, und dann reden wir nur noch über dieses Falsche.« (62%)

Tom und Louise sind schon seit einigen Jahren verheiratet, haben gemeinsame Kinder. Nach einem Fehltritt Louises gehen sie nun zur Paartherapie, um ihre Ehe zu retten. Sie treffen sich vor jeder Sitzung in einem Pub gegenüber der Therapiepraxis. Worüber sie sich dort unterhalten, erfahren wir im Roman. Zehn Sitzungen, zehn Vorabtreffen im Pub, zehn Kapitel.

Während man am Anfang noch denkt „Lasst es doch lieber, ihr beiden!“, kommt man ganz schnell zu der Einsicht, dass die beiden irgendwie zusammengehören. Was die Zeit eben so aus einer Beziehung macht, das zeigen die Schlagabtäusche der Eheleute sehr deutlich auf. Sehr real und gleichzeitig natürlich zugespitzt. Szenen einer Ehe auf Hornby-Art.

Leider ist die Geschichte so kurz. Kaum ein ganzes Buch. Aber es passt auch irgendwie zu der sehr szenischen, komprimierten Erzählweise.

Ich denke, dass dieses Büchlein sehr schlau ist. Dass es etwas aufzeigt, dass viele Leute in einer langjährigen Beziehung so bestätigen könnten. Und es hat ein schönes, mutmachendes Ende - wenn man das so vorwegnehmen darf…

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2019

Ein kleines Kunstwerk

Die kleine Spinne Widerlich sagt Gute Nacht (Pappbilderbuch)
1

"Gute Nacht, mein Schatz, jetzt schlaf auch du."

Die kleine Spinne Widerlich ist bettfertig und macht sich auf den Weg, ihrer Familie und ihren Freunden Gute Nacht zu sagen, bis sie schließlich zu ihrem ...

"Gute Nacht, mein Schatz, jetzt schlaf auch du."

Die kleine Spinne Widerlich ist bettfertig und macht sich auf den Weg, ihrer Familie und ihren Freunden Gute Nacht zu sagen, bis sie schließlich zu ihrem eigenen Netzchen gelangt und von ihrer Mama einen Gutenachtkuss bekommt.

"Die kleine Spinne Widerlich sagt Gute Nacht" ist ein zauberhaftes Pappbilderbuch für die Kleinsten. In einem Vierzeiler in Reimform sagt die kleine Spinne Gute Nacht und wir erfahren, was ihre Liebsten abends so machen.

Die Sprache geht ins Ohr, die Illustrationen sind wunderschön und detailliert. Diese Geschichte kann man schon ganz kleinen Kindern Abend für Abend vorlesen. Sie prägt sich sehr schnell ein und gibt dadurch Geborgenheit.
Ältere Kinder können bald mitsprechen und finden in den Bildern immer wieder neue interessante Details.

Wir erfahren in diesem Büchlein zwar wenig über die "Vorgeschichte" der Spinne Widerlich (dazu muss man wohl das erste Buch kennen), aber das macht nichts, denn es ist ein in sich stimmiges kleines Kunstwerk.

  • Spaß
Veröffentlicht am 01.06.2020

Genial!

Mode und andere Neurosen
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„Die Ambivalenz ist die Essenz des menschlichen Daseins, und sie ist auch die Essenz der Mode. Genau das macht das Leben so schön – und diese Schönheit gilt es auszuhalten.“ (Der letzte Satz des Buches.)

Mode ...

„Die Ambivalenz ist die Essenz des menschlichen Daseins, und sie ist auch die Essenz der Mode. Genau das macht das Leben so schön – und diese Schönheit gilt es auszuhalten.“ (Der letzte Satz des Buches.)

Mode - ein glamouröses Thema, dem immer auch Oberflächlichkeit und vielleicht ein Hauch Hysterie anhaftet. Kommt also ein Buch zu diesem Thema heraus, kann das doch kein relevantes und noch dazu blitzgescheites sein, oder?

Oh doch! Katja Eichinger hat ein sehr kluges und wichtiges Buch geschrieben! Und ich muss zugeben, dass sie auch mich damit überrascht hat. Ein charmantes, kurzweiliges Buch über Mode - ein Thema, an dem ich generell interessiert bin - hatte ich erwartet; aber kein aufrüttelndes oder politisches.
Doch Eichinger bringt die unterschiedlichsten Modephänomene zur Sprache und deckt auf, warum Mode niemals oberflächlich ist, sondern immer auch politisch ist und gesellschaftlich relevante Angelegenheiten zum Ausdruck bringt. 
Aktuelle und wichtige Themen wie Fast Fashion (mit einem positiven Blick in die Zukunft - danke!), Feminismus und die Einflüsse des Patriarchats auf die Mode (die doch heute eher als weibliches Metier gilt) werden angesprochen. Und auch Modeerscheinungen in Subkulturen und der High Society werden unter die Lupe genommen.

Dabei schreibt die Autorin auf unterhaltende und sehr intelligente Art. Dieses Buch ist voll kluger Gedanken. Und übrigens auch kein Buch, das nur Frauen ansprechen sollte.

Abgerundet wird es durch spannende Fotos von Christian Werner. Auch hier darf man keine klassischen Modefotografien erwarten, sondern bekommt Bilder präsentiert, auf die man länger schauen muss und die teilweise verwirren.

„Mode und andere Neurosen“ ist eine Perle unter den aktuellen Sachbüchern. Lest dieses Buch - ich kann es euch nur empfehlen!

„Egal wie en vogue Gleichberechtigung und Frauenrechte derzeit scheinen, egal wie prominent Themen wie Gender und nicht-binäre Gender-Identität gehandelt werden, der männliche Blick dominiert.“ (90%)

„Die Fleeceweste ist das nächste an der Pille-für-den-Mann, was derzeit auf dem Markt ist.“ (74%)

„Leben ist das Gegenteil von Luxus.“ (84%)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2020

Fantasie- und stimmungsvoll

Max und Mux und der Riesenwunschpilz
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„Und was macht den Fabelwald wohl noch so besonders? Natürlich Max und Mux, die zwei besten Freunde der Welt.“ (5)

Max und Mux wohnen beide in fantasievollen Baumhäusern im Fabelwald. Eines Tages finden ...

„Und was macht den Fabelwald wohl noch so besonders? Natürlich Max und Mux, die zwei besten Freunde der Welt.“ (5)

Max und Mux wohnen beide in fantasievollen Baumhäusern im Fabelwald. Eines Tages finden sie ein groooßes Buch über Pilze, in dem sie etwas über einen blau-weißen Wunschpilz lesen. Abenteuerlustig machen sie sich auf die Suche nach diesem Pilz. Der eine sehr mutig (Max), der andere eher vorsichtig (Mux). Was sie auf ihrer Suche erleben, lesen wir in diesem kreativen Kinderbuch.

„Max und Mux und der Riesenwunschpilz“ ist großformatig wie ein Bilderbuch und jede Seite ist üppig illustriert, aber es ist ein recht lange Geschichte mit viel Text. Das empfohlene Lesealter von vier Jahren ist gut getroffen.

Mein Sohn war sofort angetan von den fabelhaften Waldillustrationen. Auch die Geschichte um Max und Mux findet er spannend und mag sie sehr. Deshalb haben wir das Buch nun auch schon einige Male gelesen.

Auch mir gefallen besonders die Illustrationen, die eine schöne Wald- und Märchenstimmung ausstrahlen. Und die so detailliert sind, dass sich dauernd etwas neues entdecken lässt. Die Geschichte finde ich auch sehr fantasievoll und charmant. Aber es gibt auch ein paar Ungereimtheiten. Manches bleibt unausgesprochen. Sind Max und Mux Wichtelchen? Mein Sohn nennt sie immer Schweinchen wegen ihrer Knollennasen. In der Geschichte wird es nicht weiter erwähnt. Im Titel wird bereits verraten, dass es sich um einen RIESENwunschpilz handelt. In der Geschichte weiß man das zunächst ist - mit dieser Information würde sie auch nicht funktionieren für die beiden Helden. Was ist Fabelwald und was Dunkelwald? Mein Sohn behauptet steif und fest, dass die Riesen im Fabelwald leben (weil das in der Einleitung erwähnt wird), Max und Mux aber nicht. Und dann gibt es ja auch noch das Riesengebierge und das Waldlabyrinth.

Die Schrift passt sehr gut zu den Illustrationen, ist aber beim Vorlesen ein bisschen von Nachteil (mit meiner Kurzsichtigkeit muss ich recht nah ans Buch ran ). Die durch Farbe und Schriftgröße gesetzten Betonungen irritieren auch etwas.

Schön finde ich die unterschiedlichen Charaktere, die hier ganz selbstverständlich auftreten. Max ist ziemlich unerschrocken und abenteuerlustig. Mux ist eine eher ängstlich und zurückhaltend und liebt Bücher. Das Krawuschel ist ein lustiges Monster, das es sich nicht nehmen lässt, Max und Mux zu erschrecken, obwohl es ihnen dankbar ist. ;) Und auch die Riesen sind ganz interessante Persönlichkeiten, die wir aber nur am Rande kennen lernen.

Trotz meiner kleinen Kritik möchte ich dem Buch fünf Sterne geben. Denn es ist ein wirklich ganz besonders fantasie- und stimmungsvolles Bilderbuch und mein Sohn liebt es

  • Spaß