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Veröffentlicht am 27.07.2019

Glaube verleitet....

Das Mädchen seiner Träume
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Commissario Brunettis siebzehnter Fall.

Brunetti trägt seine Mutter zu Grabe und trifft dabei auf einen alten Schulfreund seines Bruders. Der ehemalige Missionar aus dem Kongo bittet daraufhin Tage später ...

Commissario Brunettis siebzehnter Fall.

Brunetti trägt seine Mutter zu Grabe und trifft dabei auf einen alten Schulfreund seines Bruders. Der ehemalige Missionar aus dem Kongo bittet daraufhin Tage später Brunetti um einen Rat und um dessen Hilfe.

Eine neue Kirche scheint ihr Unwesen zu treiben und den neuen Gläubigen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Genau das Richtige also für Paola Brunetti, der solche Menschen gehörig gegen den Strich gehen.

Gemeinsam beschließen die Brunettis mit Hilfe von Inspettore Vianello und dessen Frau, sich diese neue Art von Glaubensgemeinschaft mal genauer anzusehen.

Tags darauf fischen Vianello und Brunetti eine Mädchenleiche aus dem Kanal. Die Kleine ist ziemlich übel zugerichtet und hat scheinbar gestohlenen Schmuck bei sich versteckt.

Da das Mädchen nicht als vermisst gemeldet wird, führt ihr Bild durch Zufall zu den Roma, die etwas außerhalb und auf dem Festland zum Leidwesen der dortigen Bewohner siedeln.

Dieses Mädchen lässt Brunetti keine Ruhe mehr und er versucht alles in seiner Macht stehende, den Fall zu lösen.

Wie immer bei Donna Leon verstrickt man sich genau wie Vianello und Brunetti in einen Zwiespalt. Man wird sich klar über die herrschende Situation des Opfers und deren Leben. Lange verfolgt und nirgendwo ansässig zu sein, führt zu Unwissenheit und Unkenntnis gegenüber diesen Menschen.

Die politische Situation seines Chefs Patta führt Brunetti erneut dazu, etwas ungewöhnlichere Wege zu gehen und kann dank seiner guten und jahrelang gepflegten Beziehungen dennoch etwas bewegen.

Bei Leon wird schnell klar, wie ein Land wie Italien regiert und geführt wird. Im Süden herrscht die Mafia, in Rom der Papst und ansonsten die Korruption. Während die Kurie sich mehr um das Geld seiner Schäfchen als um deren Seelenheil kümmert, führt Verfolgung und Ausgrenzung unter den Menschen zu Neid und Hass.

Brunetti sieht jedoch stets das Gute im Menschen.

Veröffentlicht am 26.07.2019

Ein Zukunftsroman mit Gesellschaftskritik

Der Metropolist
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Ein Zukunftsroman mit Gesellschaftskritik

Henry Thompson arbeitet für das Bundesamt für kommunale Infrastruktur, kurz BKI. Er ist pflichtbewusst, fleißig und obrigkeitshörig. Freunde hat er allerdings ...

Ein Zukunftsroman mit Gesellschaftskritik

Henry Thompson arbeitet für das Bundesamt für kommunale Infrastruktur, kurz BKI. Er ist pflichtbewusst, fleißig und obrigkeitshörig. Freunde hat er allerdings nicht. Henry lebt für seine Arbeit, der Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Unterstützt werden die Beamten des BKI von einer künstlichen Intelligenz, genannt OWEN, die nicht so ganz arbeitet, wie man es erwarten würde, denn OWEN hat eine eigene Persönlichkeit. OWEN befindet sich auf den Smartphones der Beamten und entspricht somit vielleicht einer etwas zu gut gelaunten Siri.
Als das Bundesamt durch einen Computervirus angegriffen wird, werden gleichzeitig in Metropolis die Dienststelle der Behörde und deren Rechenzentrum zerstört.
Henry wird von seinem Chef als Ermittler eingesetzt und OWEN, nun in Form einer Krawattennadel, soll ihm dabei helfen…
Die Kurzbeschreibung „Pulp Fiction meets Science Fiction“ trifft es in meinen Augen nicht so ganz. Es ist ein wirklich unterhaltsamer Zukunftsroman, der allerdings in der sehr nahen Zukunft spielt und die Technik daher nicht ganz so abgehoben anmutet, wie in vielen anderen Science Fiction Romanen. Eine gewisse anziehende Skurrilität haben besonders die Dialoge zwischen den beiden Hauptfiguren. Ich finde allerdings, dass der Roman besonders in der zweiten Hälfte, sehr gesellschaftskritisch wird. Das ist in meinen Augen sehr positiv und hebt ihn aus der Masse heraus. Die Kritik, dass vor allem die Reichen bevorteilt werden und die arme Bevölkerung oft vergessen bzw. absichtlich in den vorherrschenden Verhältnissen bleiben muss, bleibt auch Henry am Ende nicht verborgen.
Die Charaktere, besonders die beiden Protagonisten Henry und OWEN, sind sehr stimmig und liebevoll angelegt. Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich. Es war ein Genuss von der ersten Seite bis zur letzten. Dass der Roman dabei zum Nachdenken anregt, tut der Kurzweil keinen Abbruch.

Veröffentlicht am 23.07.2019

Was für ein Theater!

»Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« und »Einladung zum Klassentreffen«
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Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten

Fredenbek ist der klassische Beamte.
Träge, kennt sich aus mit den Regeln und stets bemüht, sein Tagessoll zu erfüllen.

Doch Fredenbek bringt es tatsächlich ...

Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten

Fredenbek ist der klassische Beamte.
Träge, kennt sich aus mit den Regeln und stets bemüht, sein Tagessoll zu erfüllen.

Doch Fredenbek bringt es tatsächlich fertig, über allen Radiergummisorten, die im deutschen Büroartikelhandel zur Verfügung stehen, zu referieren.

Und was wäre er schon für ein Beamter, wenn er nicht die Vorzüge dieser fleißigen Bürohelferlein kennen würde?

Aber Fredenbek wäre nur ein Durchschnittsbeamter, wenn er nicht ab und an mal so richtig sein Können an den Mann bringen würde.

Im Urlaub, selbstverständlich immer in Italien im gleichen Hotel und am gleichen Strand. Natürlich mit einer waschechten Beamtenehegattin, die sich nach der nächsthöheren Rangfolge umguckt.

Dort angekommen führt Fredenbek auf der Bahnhofstoilette dann sein finales Stück auf.

Die Leser, die selbst schon im öffentlichen Dienst gearbeitet haben oder gar noch arbeiten werden feststellen, das uns hier nicht so ganz unbekannte Szenerien vorgespielt werden.


Einladung zum Klassentreffen

Marina, frisch geschieden und scheinbar glücklich darüber erhält einen Anruf im Zug. Ihre Fahrt verläuft jetzt alles andere als trist, hat sie doch einen alten Klassenkameraden am Telefon.

Ihre alte Liebschaft Carsten steht bei ihr zuhause vor der Tür und hofft auf ein Wiedersehen und will eigentlich zum anstehenden Klassentreffen einladen.

Marina verstrickt sich in ihrem Beziehungsdrama mit ihrem Ex-Ehemann, der sich zufälligerweise auch noch der neue Nachbar von Carsten herausstellt.

Carsten hingegen flirtet was das Zeug hält und hofft inständig auf ein Wiedersehen mit Marina. Er versucht, Marina aus ihrer alten Beziehung zu befreien, tritt dabei aber in ein Fettnäpfchen nach dem anderen.

Ein Handydrama im Zug mit vielen mehr oder weniger ungeplanten Zuhörern.

Martin Schörle hat mit seinen beiden Theaterstücken kleine kurze Kuriositäten unserer Zeit geschaffen. Wir alle sitzen im gleichen Hamsterrad und es fällt uns schwer, aus gewohnten Pfaden auszubrechen.

Veröffentlicht am 21.07.2019

Das Böse austreiben

Die Sprache der Knochen
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Jetzt bin ich also beim achtzehnten und vorerst letzten Teil der Tempe Brennan Thriller Reihe angekommen.

Tempe steht immer noch vor einer schwierigen Entscheidung. Detective Ryan aus Montreal hat ihr ...

Jetzt bin ich also beim achtzehnten und vorerst letzten Teil der Tempe Brennan Thriller Reihe angekommen.

Tempe steht immer noch vor einer schwierigen Entscheidung. Detective Ryan aus Montreal hat ihr einen Heiratsantrag gemacht und um sich davon abzulenken, lässt sie sich von einer privaten Webschnüfflerin und deren mitgebrachter Tonbandaufnahme von einem Mord überzeugen.

Doch alles, was Tempe vorerst findet, sind eine Handvoll alte Knochen, die sie selbst bereits vor Jahren untersuchte und weder eine Todesursache, noch diese irgendeiner Vermisstenmeldung zuordnen konnte.

Doch die Schnüfflerin lässt nicht locker, sodass sich Tempe sich die Fundstelle nochmal genauer ansehen möchte. Begleitet wird sie von dem dort zuständigen Deputy Ramsey. Weitere Knochen tauchen auf und um ihre Mutter Daisy abzulenken, lässt Tempe diese im Netz recherchieren.

Neue Entwicklungen bringen Tempe auf die Spur. Die scheinbar vermisste Cora auf dem Band war wie deren Eltern und Geschwister Mitglied in einer dubiosen Kirchengemeinde.

Slidell, ihre alte Hassliebe und zuständiger Ermittler in Charlotte findet tags darauf die Leiche der Schnüfflerin übel zugerichtet in einem See. Tempe ist sich genauso wie Ramsey sicher, dass jemand gehörig in ein Hornissennest gestochen hat.

Flüge werden verschoben, Ryan mit einer nichtssagenden Antwort sitzen gelassen und einen wahrlichen Steinwurf und einem Kletterabenteuer später hat Tempe eine dunkle Vorahnung.

Für Kathy Reichs sind die Opfer in ihren Thrillern immer entscheidend in die Geschichte eingebunden. Als Leser soll man deren Leid und auch die Hintergründe und das Motiv des Mörders kennen.

Die Sprache der Knochen führt uns als Leser auf eine Reise durch das Internet. Hobbydetektive, Webschnüffler und Hacker bringen doch noch die Lösung in dem einen oder anderen Vermisstenfall. Während die Polizei teilweise Wochen, wenn nicht gar Jahre hinterherhinken, geraten diese Menschen zumindest nicht in Vergessenheit.

Der vorerst letzte Teil umgibt sich mit dubiosen Kirchengemeinden, Exorzisten und einer Krankengeschichte, die einem das Blut zu Eis gefrieren lässt.

Veröffentlicht am 20.07.2019

Ein seltsames Mietverhältnis

The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot.
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"Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot."
Ein guter Einstieg für einen Thriller. Emma ist nach einem Einbruch in der gemeinsamen Wohnung auf der Suche nach einem neuen Zuhause für sich und ihren Freund ...

"Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot."
Ein guter Einstieg für einen Thriller. Emma ist nach einem Einbruch in der gemeinsamen Wohnung auf der Suche nach einem neuen Zuhause für sich und ihren Freund Simon. Nach unendlich vielen Wohnungspleiten schlägt die Maklerin ein ganz besonders eigentümliches Mietverhältnis vor.
Dieses entpuppt sich als ein vollkommen durchgestyltes und hochmodernes freistehendes Haus. Die Nachbarn sind gut betucht und die Gegend ist ruhig und teuer. Allerdings ist der Mietvertrag an über zweihundert Bedingungen und Regeln geknüpft.
Emma lässt das Haus auf sich wirken und beschließt, dass ebenfalls etwas spezielle Bewerbungsverfahren auf sich zunehmen. Sie schindet Eindruck mit ihrem dezenten Widerwillen bei dem markanten Vermieter und Bauherren Monkford, der dem Pärchen schließlich das Haus zu seinen Bedingungen vermietet.
Jahre später begibt sich Jane, nach der Totgeburt ihrer Tochter, auf Wohnungssuche und gerät ebenfalls an Edward Monkford.
Jane findet erstmals zu sich selbst. Doch dann beginnt sie eine Affäre mit Edward, der sich als meisterhafter Liebhaber herausstellt.
Ein Strauß Lilien vor der Haustüre lässt Jane jedoch aus ihrem scheinbar unglaublich wahrgewordenen Traum aufwachen.
Diese Geste hätte Sie von Edward gar nicht erwartet. Als sie die Wahrheit über diesen Blumenstrauß herausfindet, gerät sie selbst in höchste Gefahr.
Sie gräbt zu tief in der Vergangenheit.
J. P. Delaney ist mittlerweile ein Garant für Spannung. Emma und Jane verbinden einzig Edward Monkford und der gibt sich als nobler und großzügiger Liebhaber, wenn die Bedingungen stimmen.
In welche Art von Leben begeben wir uns mit Jane und Emma? Diese vollständige Kontrolle des Hauses über das eigene Leben scheint heute nicht mehr so abwegig. Es scheint beiden Frauen schwer zu fallen, in der Realität aufzuwachen und für eine ist schon viel zu spät.
Emma, gelesen von Anneke Sim Sarnau, zeigt sich als kleine Rebellin, die ganz genau weiß, was sie will. Doch ihre Zukunft ist bereits besiegelt.
Jane, hier gelesen von Petra Schmidt-Schaller, geht vollständig in dem neuen Haus und der neuen Lebenssituation auf, bis die Vergangenheit sie einholt.
Ein wirklich ausgezeichneter Thriller, bei dem man dank seiner vielen Wendungen und den parallelen Sichtweisen von Emma und Jane, die bis zur letzten Seite die Spannung halten erst nach dem letzten Ton ausatmen kann.