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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2020

Meister der Zwischenmenschlichkeit

Vier Stern Stunden
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Glattauer ist für mich ein Meister in der Beschreibung und dem Erwecken zwischenmenschlicher Beziehungen und besticht auch in „Vier Sterne Stunden“ mal wieder mit seinem besonderen Sprachwitz.
Mir hat ...

Glattauer ist für mich ein Meister in der Beschreibung und dem Erwecken zwischenmenschlicher Beziehungen und besticht auch in „Vier Sterne Stunden“ mal wieder mit seinem besonderen Sprachwitz.
Mir hat gut gefallen, dass die knapp 100 Seite lange Komödie im Stile eines Drehbuchs verfasst ist – die kurzen Regieanweisungen haben ihren Teil dazu beigetragen, die sehr speziellen Protagonisten weiter zu formen und gleichzeitig das Leseerlebnis gesteuert. Nicht selten habe ich einzelne Dialoge noch einmal gelesen und mir vorgestellt – Theater-AG lässt grüßen –, wie ich die Figur verkörpern würde.
Am Ende bleibt bei dem geringen Umfang nicht viel Raum für Unerwartetes (obwohl genau das ein wesentliches inhaltliches Thema ist) oder Wendungen, aber ein kurzes Vergnügen (und meine erste Lektüre mit Baby) war es dennoch.

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Veröffentlicht am 03.03.2020

Unterhaltsame leichte Lektüre

Hectors Reise
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Ich habe Hector gerne auf seiner Reise begleitet und mich seiner Suche nach dem Glück, das auf interessante Art und Weise immer wieder in Frage gestellt wird, angeschlossen.

Die verschiedenen Lektionen, ...

Ich habe Hector gerne auf seiner Reise begleitet und mich seiner Suche nach dem Glück, das auf interessante Art und Weise immer wieder in Frage gestellt wird, angeschlossen.

Die verschiedenen Lektionen, die Hector auf seiner Reise erhält, helfen dabei, Glück verständlich zu machen. Gleichzeitig sollte man sich aber auch nichts vormachen: Der Roman ist keine Anleitung zum Glücklichsein. Nur wer es schafft, weit über die Hinweise hinauszugehen, seine ganz individuellen und persönlichen Erkenntnisse mit einbezieht, kann von der Lektüre über die bloße gute Unterhaltung hinaus profitieren.

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Veröffentlicht am 26.02.2020

Herausforderung für den Leser

Der Choreograph
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Håkan Nesser ganz anders – und doch typisch untypisch. Für geübte Nesser-Leser finden sich in diesem ersten Roman viele Elemente, die in den späteren Titeln als Anknüpfungspunkte dienen. Für Fans demnach ...

Håkan Nesser ganz anders – und doch typisch untypisch. Für geübte Nesser-Leser finden sich in diesem ersten Roman viele Elemente, die in den späteren Titeln als Anknüpfungspunkte dienen. Für Fans demnach also ein absolutes Muss, für Neulinge vielleicht zu schwere Kost.

„Immer noch fällt es mir schwer zu begreifen, was eigentlich passiert ist; mein jetziges Leben hier ist sondern von anderen Orten und Zeiten, dass ich kaum Sagen, Märchen und Geschichten von dem unterscheiden kann, was tatsächlich existiert und geschieht“ (S. 229)

Dieser Satz beschreibt nicht nur den geistigen Zustand des Ich-Erzählers aus Nessers Debütroman, der zu seinem 70. Geburtstag erstmals auf Deutsch erschienen ist und mir vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde. (Danke!) Er gibt nämlich auch sehr gut wieder, wie ich mich beim Lesen gefühlt habe.
Rückblenden, Episoden, Zeitsprünge und rätselhafte philosophische Passagen machen diesen Roman zu einer besonderen Aufgaben.
Ich glaube, dass der Leseeindruck stark von der Haltung während der Lektüre abhängig ist. Habe ich anfangs noch versucht, den Überblick zu behalten und die Abschnitte in eine gesamterzählerische Struktur einzuordnen, gab ich mich im Laufe der Erzählung den Irrungen und Wirrungen hin.

Tatsächlich wurde ich nicht ganz schlau aus der Geschichte, konnte Leerstellen nicht mit eigenen Gedanken füllen, wollte aber dennoch wissen, wie es weitergeht. Ein bisschen unbefriedigend ist das schon, wenn man ehrlich und Fan von klaren Endpunkten ist.

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Veröffentlicht am 24.02.2020

Entwaffnend ehrlich und wunderbar modern

Nix passiert
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Mit „Nix passiert“ gelingt Kathrin Weßling erneut ein tolles Buch: Deutsche Popliteratur zum Nachdenken. Nachdenken über ganz verschiedene Dinge:

1. Über eine Generation auf der Suche – nach Allem und ...

Mit „Nix passiert“ gelingt Kathrin Weßling erneut ein tolles Buch: Deutsche Popliteratur zum Nachdenken. Nachdenken über ganz verschiedene Dinge:

1. Über eine Generation auf der Suche – nach Allem und „Nix“.
2. Über das Verständnis und ein Gefühl von Heimat.
3. Über das Reflektieren eigener Ziele, vergangener Ideale und zukünftiger Wünsche.
4. Über den Umgang mit psychischen Krankheiten und die Konfrontation mit diesen.
5. Über die Frage, warum man eigentlich nicht so ganz glücklich ist, auch wenn man noch so gut behütet oder ausgebildet ist.

Ich bin mir sicher, dass sich viele Leser*innen aus meiner Generation vor allem aufgrund der reflektierten und einnehmenden Schilderungen in Protagonist Alex wiederfinden können und werden. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, weil er meine Bereitschaft, mich auf ihn einzulassen, auf den ersten Seiten absolut herausgefordert und am Ende belohnt hat.

Mit ihrem modernen Stil, klar und unmittelbar, versucht Weßling nicht etwas zu beschönigen, das sich nicht beschönigen lässt, sondern lässt den Leser während der Lektüre auf schöne und gleichzeitig schmerzhafte Weise in die eigene Gefühls- und Gedankenwelt eintauchen. Fraglos eignet sich dabei das Szenario einer gescheiterten Beziehung bzw. frischen Trennung besonders gut, wenn es darum geht, einer Generation mit Bindungsängsten auf der einen und dem Gefühl des Social Media getriebenen Nicht-Loslassen-Könnens auf der anderen Seite Orientierung zu bieten.

Ich freue mich schon auf den nächsten Roman von ihr!

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Veröffentlicht am 13.02.2020

Toller Roman mit moralischer Schwäche

Morgen kommt ein neuer Himmel
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Zuallererst ist „Morgen kommt ein neuer Himmel“ ein wirklich schöner Roman, dessen Geschichte einem auf den ersten 20 bis 30 Seiten direkt ins Herz geht.
Im Zentrum steht die berührende und zugegeben etwas ...

Zuallererst ist „Morgen kommt ein neuer Himmel“ ein wirklich schöner Roman, dessen Geschichte einem auf den ersten 20 bis 30 Seiten direkt ins Herz geht.
Im Zentrum steht die berührende und zugegeben etwas kitschige Geschichte von Protagonistin Brett, eine Mittdreißigerin, die sich nach dem Verlust der Mutter zurück in ihr Leben kämpft – jedoch nicht in das gemütliche Leben, das sie in den letzten Jahren aufgebaut hat, sondern in ein Leben, das Brett sich als Teenager so sehr für sich gewünscht hat.
Den Weg dorthin ebnet das Testament ihrer Mutter, in dem sie von ihrer Tochter verlangt, einige Aufgaben zu erfüllen – anhand einer Liste mit Dingen, die sich Brett als Kind vorgenommen hatte, von denen sie aber nichts eingehalten hat.
So entsteht eine Geschichte über Liebe, Familie, Zusammenhalt, Wünsche und (Selbst)Bestimmung. Doch irgendwie störe ich mich ein wenig an dem Szenario, das hier gezeichnet wird: Leben wir in einer Zeit, in der wir über wirklich dringende Anliegen, fundamentale Sorgen und wegweisende Veränderungen nicht mehr miteinander, sondern nur noch zueinander sprechen können? Ich hoffe, dass ich meinem Kind ein anderes Verhalten vorleben kann...

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