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Veröffentlicht am 06.05.2021

Als Hector sein Gewissen entdeckte und zum Helden wurde

Die Nachtbushelden
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Die Geschichte rund um Hector mutet zunächst befremdlich an. Schließlich schlüpft man in die Rolle eines Jungen, welcher in vielen anderen Geschichten wohl die Rolle des Antagonisten, des Mobbers und Feindes ...

Die Geschichte rund um Hector mutet zunächst befremdlich an. Schließlich schlüpft man in die Rolle eines Jungen, welcher in vielen anderen Geschichten wohl die Rolle des Antagonisten, des Mobbers und Feindes der Hauptperson dargestellt hätte. Doch genau diese ungewöhnliche Perspektive macht das Buch super interessant und regt den Lesenden zum Perspektivwechsel an. Lob kennt Hector bisher nur in Form von Anerkennung durch seine beiden Freunde, die ihn nach jeder neuen Fiesheit mit Gelächter bestärken. Im Verlauf der Geschichte erfährt man mehr über den Strudel den falsche Freundschaften erzeugen können. Den sozialen Druck den sie ausüben die immer nächste Eskalationsstufe zu erreichen um sich weiterhin die Anerkennung sichern zu können. Schließlich ist es die einzige Anerkennung die Hector bis dato in gewisser Regelmäßigkeit erfährt und für die er bereit ist Grenzen zu überschreiten.

Der Text glänzt mit realitätsnähe und tollem, leicht zu lesenden Schreibstil! Nicht nur das Thema Mobbing ist Bestandteil der Geschichte. Sondern auch die Themen Obdachlosigkeit und Ehrenamt sind in der Geschichte verwoben und wichtiger Teil von ihr. Jetzt mag der ein oder andere Denken: "Das sind aber schwere und ernste Themen für ein Kinderbuch" und mag damit sicherlich auch recht haben. Aber wie könnte man besser beginnen über so wichtige Themen mit den Kindern zu sprechen als mit Hilfe eines Kinderbuches mit Happy End und vertrauten Aufbau einer rahmenden Geschichte. Kinder zu Zivilcourage und Achtsamkeit zu erziehen ist so ein großes und wichtiges Ziel! Und welches Kind aus der Großstadt hat sich nicht schonmal gefragt warum der alte Mann im Schlafsack auf der Parkbank schläft anstatt im warmen Bett?

Alles in allem eine absolute Lesempfehlung meinerseits!

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Veröffentlicht am 14.04.2021

Depressionen verstehen lernen

Depression - und jetzt?
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Das Buch stellt eine gelungene Mischung aus Sachbuch, Ratgeber und Erfahrungsbericht dar. Die Autorin, welche bereits im Kindesalter erste Symptome einer Depression kennelernen musste und bis heute von ...

Das Buch stellt eine gelungene Mischung aus Sachbuch, Ratgeber und Erfahrungsbericht dar. Die Autorin, welche bereits im Kindesalter erste Symptome einer Depression kennelernen musste und bis heute von ihr begleitet wird stellt in mehreren sachlogisch aufgebauten Kapiteln dar, was eine Depression überhaupt ist, welche Therapie und Behandlungsmöglichkeiten es gibt, welche Vor- und Nachteile sie mitsichbringen, wie Angehörige hilfreich mit dem Thema umgehen können ohne sich selbst aufzugeben und spricht sensibel auch das Tabuthema Suizid(-gedanken) an. Gelungen verknüpft sie hierbei in den einzelnen Kapiteln sachliche Fakten mit eigenen Erfahrungen und Experteninterviews. Niemals hat man das Gefühl, dass sie von sich auf alle anderen schließt ,sondern sie betont stehts die Individualität des Einzelnen. Das hat mir besonders gut gefallen!

Ich finde das Buch für alle Betroffenen, Angehörigen aber auch Menschen welche beruflich mit dem Thema in Berührung kommen sehr empfehlenswert und eine wirkliche Bereicherung!

  • Cover
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Veröffentlicht am 11.04.2021

Unterschätzte Superheldinnenfähigkeit: Die Scham

Carla Chamäleon: Zoff im Zoo
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Ein Gefühl was so negativ konnotiert ist wie die Scham wird für Carla zur Superheldinnenfähigkeit. Denn nur wenn sie sich so richtig schämt wird sie quasi zum Chamäleon, verschmilzt optisch mit ihrer Umgebung ...

Ein Gefühl was so negativ konnotiert ist wie die Scham wird für Carla zur Superheldinnenfähigkeit. Denn nur wenn sie sich so richtig schämt wird sie quasi zum Chamäleon, verschmilzt optisch mit ihrer Umgebung und wird von niemanden mehr gesehen.

In dem zweiten Teil der Reihe nutzt Carla ihre Fähigkeit um die Welt im Auftrag eines Geheimbundes ein Stückchen besser werden zu lassen und deckt so eine große Verschwörung auf und kann das Schlimmste gerade so noch verhindern. Ein Themenmix aus Detektiv, Tier und den Umgang mit unangenhemen Gefühlen. Tolle schwarz-weiß Illustrationen die es schaffen die Fantasiewelt einzufangen.

Ud so ganz nebenher stellt man sich als Leser:in die Frage, warum man sich eigentlich schämt und ob das ein oder andere Tabuthema nicht vielleicht mal enttabuisiert gehört. Ein interessanter Plot, den ich so noch nie gehört habe und neugierig macht! Klare Empfehlung vor Kinder ab circa 10 Jahren meinerseits.

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Veröffentlicht am 11.04.2021

Schnelles Erzähltempo, abwechslungsreiche Kapitel

Pepino Rettungshörnchen
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Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive geschrieben und spielt in der Vergangenheit. Pepino lebt mit seiner Eichhörnchenfamilie über einer Feuerwache. Oft schleicht er sich heimlich mit auf die Einsätze ...

Die Geschichte ist in der Ich-Perspektive geschrieben und spielt in der Vergangenheit. Pepino lebt mit seiner Eichhörnchenfamilie über einer Feuerwache. Oft schleicht er sich heimlich mit auf die Einsätze und erlebt so ein Abenteuer nach dem Nächsten.

Die Geschichte ist abwechslungsreich und mit einem hohen Erzähltempo versehen. In jedem Kapitel erlebt Pepino etwas Neues spannendes, sodass sich das Buch gut zum kapitelweisen Vorlesen eignet. Liebvoll und farbenfroh illustriert!
Am Anfang kam mir Pepinos Figur etwas überdreht vor, doch im Verlauf der Geschichte beweist die Figur, dass sie in ernsten Situationen dann doch einen kühlen Kopf bewahrt, fürsorglich und empathisch handelt. In der Geschichte werden Zusammenhalt und Freundschaft wunderschön vermittelt, denn als Pepino seinen kleinen Bruder sucht helfen alle Tiere mit, denn gemeinsam sind auch die Kleinsten (Tiere) stark!

Und für mich persönlich das wichtigste Kriterium für Kinderbücher: Das Lesen/ Vorlesen macht Spaß! Auch für den Erwachsenen gibt es die ein oder andere Stelle im Buch die zum Schmunzeln bringt. So liest man gerne und mit Freude vor und das merken Kinder eben auch!

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Veröffentlicht am 05.05.2021

emotional kräftezehrender Thriller

GIRL A
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In einer schonungslosen Detailtreue beschreibt die Autorin Abigail Dean die Kindheit und Jugend der Protaginistin im Horrorhaus an der Moor Woods Road und wie die Geschwister alle unterschiedlich ...

In einer schonungslosen Detailtreue beschreibt die Autorin Abigail Dean die Kindheit und Jugend der Protaginistin im Horrorhaus an der Moor Woods Road und wie die Geschwister alle unterschiedlich mit der Aufarbeitung des Vergangenen in der Gegenwart umgehen. Aufhänger der Geschichte ist der Tod der Mutter und die dadurch enstandene Testamentsvollstreckung, welche die Geschwister, allen vorran die als Testamentsvollstreckerin ernannte Tochter Lex (Girl A), gedanklich wieder zurückversetzt in das alte Grauen ihrer Kindheit. Als Leser:in wird man chronologisch durch die immer weiter wachsende Grausamkeit des Vaters geführt, der im Laufe der Geschichte einem biblischen verworrenen Weltbild voller Missgunst und Totalität verfällt. Dass der Protagonistin schließlich die Flucht gelingt und sie somit ihre Geschwister vor dem sicheren Ende im scheinbar letzt möglichen Moment retten kann, weiß man schon von Beginn des Buches an. Dennoch kann der Thriller im Laufe der Geschichte mit einer überraschenden Wende aufwarten und bleibt bis zum Ende eindrucksvoll und emotional kräftezehrend.

Die spannende Geschichte gibt den Leser:innen immer wieder dringend nötige Verschnaufpausen durch den Sprung zwischen Horrovergangeheit und aufarbeitende Gegenwart. Diese Sprünge wirken an manchen Stellen etwas wirr und man muss sich als Leser:in zunächst an den ständigen, übergangslosen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit gewöhnen. Auch die Kapitelaufteilung fand ich zunächst gewöhnungsbedürftig, denn diese teilen das Buch in lediglich sieben größere Abschnitte auf, in welchen jeweils auf die Beziehung und die Geschichte von Lex mit jeweils einem anderen der Geschwisterkinder näher eingegangen wird.

Die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil nachwirkende Emotionen auszulösen. Man sieht das Horrorhaus während des Lesens vorm inneren Auge, fühlt und leided mit den Geschwistern. Eine Geschichte die schockiert, nachhallt und auch nach dem Lesen weiter beschäftigt.

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