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Veröffentlicht am 29.07.2020

Entspannte Stunden auf dem Land!

Die Liebe kommt auf Zehenspitzen
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Endlich raus aus der Großstadt und rein ins deutsche Dorfleben! Kristina Günak nimmt uns in „Die Liebe kommt auf Zehenspitzen“ mit in ein idyllisches und dennoch keineswegs einfaches Abenteuer auf dem ...

Endlich raus aus der Großstadt und rein ins deutsche Dorfleben! Kristina Günak nimmt uns in „Die Liebe kommt auf Zehenspitzen“ mit in ein idyllisches und dennoch keineswegs einfaches Abenteuer auf dem Land.

Ganz unverhofft erben Autorin Lucy, die an einem Liebesroman schreibt, und Klinikarzt Ben, der an Panikattacken leidet, einen alten Bauernhof. Nur dumm, dass sie sich eigentlich nur flüchtig kennen. Aber weil Lucy dringend eine Bleibe und Ben eine Auszeit braucht, ziehen sie in die ländliche Idylle eines kleinen Dorfs. Gemeinsam, aber nur als Freunde, versteht sich, und bloß auf Zeit. Doch das Leben hat andere Pläne mit ihnen ...

Wer zuvor schon einmal einen Roman von Kristina Günak gelesen und geliebt hat (so wie ich) wird auch hier definitiv nicht enttäuscht werden, doch auch wer zum ersten Mal von ihr liest hat gute Chancen auf eine neue freudebringende Konstante im Bücherregal willkommen heißen zu dürfen.
Die Story zeichnet sich durch eine entspannte und harmonische Atmosphäre aus. Obwohl man das Leben auf dem Land vorab als langweilig abstempeln könnte zeigt sich hier, dass dem nicht so ist. Gesellig, freundlich, fröhlich, warm. Auch die Liebesgeschichte ist hier etwas anders als gewöhnlich. Während in anderen Romanen die Hauptfiguren lange umeinander her tänzeln bis zum großen AHA!-Erlebnis und sich dann nie mehr trennen ist dies hier ein wenig anders. Denn es gibt kein großes Knall-Bumm-Peng, sondern eine Freundschaft, Vertrautheit und Liebe die sich langsam aufbaut. Gerade die kleinen Geheimnisse, die Ben mit in die Geschichte bringt und der Generationenclash mit den Senioren des Dorfes bringen die gehörige Spannung. Und als wäre das alles nicht schön genug gibt es auch noch den heimlichen Liebling des Buches, den ängstlichen Schäferhund Helmut (Helmut!), der den Turteltäubchen auf die Sprünge hilft.
Einen Punkt Abzug, da ich einen Sommerroman erwartet habe und dann in einem Schneesturm aufgewacht bin. Die Handlung zieht sich über ein Jahr, aber wären die Jahreszeiten nicht ausdrücklich erwähnt könnte die Story auch in einem Monat stattfinden.

Insgesamt Daumen hoch! Eine schöne, leichte Sommerlektüre. Perfekt um ein paar schöne Stunden mit dem Hund und einer kühlen Limo auf der Terrasse zu verbringen.

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Veröffentlicht am 01.05.2020

Empathie, Poesie, Historie - ein absolutes Jahreshighlight!

Offene See
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Ein Debütroman wie man ihn selten bekommt! Benjamin Myers gelingt mit „Offene See“ ein grandioser Start in die Literaturwelt, indem er Poesie, Empathie und Historie vereint.



Ohne großes Aufheben beginnt ...

Ein Debütroman wie man ihn selten bekommt! Benjamin Myers gelingt mit „Offene See“ ein grandioser Start in die Literaturwelt, indem er Poesie, Empathie und Historie vereint.



Ohne großes Aufheben beginnt Robert, der Sohn einer Familie von Minenarbeitern, eine Wanderung. Sein Ziel das klare Wasser des Meeres sehen bevor die Minen Nordenglands ihn verschlucken. Im Gepäck nur das, was er am Leibe trägt.
"Es war ein Akt der Befreiung und Rebellion, doch die Fesseln des alten Lebens waren noch immer so festgezurrt, dass ich mich fragte, ob meine Wanderung lediglich eine Galgenfrist war, ein erstes und letztes Hurra vor der düsteren Aussicht auf den Ernst des Lebens. Ich musste wenigstens versuchen, eine andere Welt zu sehen, bevor die Kohle – oder schlimmer noch der Krieg – gänzlich von mir Besitz ergriff."
Und dann begegnet er der unkonventionellen Dulcie, die ganz allein in einer Hütte am Meer lebt und ihm einen völlig neuen Blick auf das Leben eröffnet. Eine schicksalhafte Begegnung.



Der absolute Catch dieses Buches ist ganz klar die Sprache. So einfach, präzise und modern die Formulierungen sind, sind sie doch von solcher Tiefe und entführen nicht nur in eine andere Zeit und einen anderen Ort, sondern auch in die Gedanken der Protagonisten. Jeder Satz wirkt gleichzeitig gut durchdacht und mühelos ohne jede Spur von Überzogenheit oder Kitsch.

Aus der Perspektive vom jungen Robert wandert der Leser mit ihm, nimmt alle Eindrücke mit ihm gemeinsam auf und trifft schlussendlich mit ihm auf Dulcie. Die Frau, die sein Leben verändert und dem Leser auch lange nach Beenden des Buches im Kopf bleiben wird. Eine starke, emanzipierte Frau, die ihrer Zeit weit voraus war, sich stets treu blieb und dennoch so viel Herz in andere investierte. Roberts Entwicklung im Laufe des Romans ist faszinierend vom stillen, scheuen Burschen hin zu einem starken, wissbegierigen Erwachsenen.

"Diese Fixierung auf die Mädchen in der Bucht weckte in mir den Wunsch, so schreiben zu lernen, dass ich Gedichte an sie alle verfassen könnte, und diese Gedichte würde ich dann zusammengefaltet in die Spalten der Felsen stecken und abwarten, bis die Flut sie erreichte, die Tinte vom Papier wusch, aus dem Papier allmählich Brei wurde, der Brei sich zu der anderen vergehenden Materie in der großen schiefergrauen Suppe gesellte, und dann – erst dann – würde ich den Mut haben, ihnen zu sagen, dass großartige Geschichten über sie geschrieben worden waren, doch um diese lesen zu können, müssten sie lernen, das Meer zu lesen. Wenn sie dann diese Worte hörten und meine ehrlichen Absichten verstanden und die Poesie einer derart romantischen Geste erkannten, vielleicht würden sie sich dann rettungslos in mich verlieben."



Ein Buch, dass vollständig unerwartet kommt, weil eben nicht die erwartete Liebesgeschichte und einen dann aus heiterem Himmel umhaut. Das Highlight des Jahres!

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Veröffentlicht am 07.04.2020

Gewohnt schön

Happy Ever After – Wo das Glück zu Hause ist
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Man nehme eine Frau vor den Trümmern ihrer Existenz, ein unscheinbares Hobby und ein Fleck Erde im schottischen Niemandsland – und geboren ist ein neuer Jenny Colgan Roman. So ist von ihrem dritten Reihenstart ...

Man nehme eine Frau vor den Trümmern ihrer Existenz, ein unscheinbares Hobby und ein Fleck Erde im schottischen Niemandsland – und geboren ist ein neuer Jenny Colgan Roman. So ist von ihrem dritten Reihenstart „Wo das Glück zu Hause ist“ als Auftakt der „Happy Ever After“-Reihe zwar keine große Überraschung zu erwarten, aber ein gelungener Wohlfühlroman.

Nina wollte schon immer nichts mehr als Bücher an den Mann zu bringen oder an die Frau oder an Kinder, einfach an jeden. Als sie jedoch ihren Arbeitsplatz in der Bibliothek verliert entschließt sie sich kurzerhand einen alten Laster zu kaufen und in einer mobilen Buchhandlung Lesestoff ins ländliche Schottland zu bringen. In ein Gebiet voller Männer.

Zu Anfangs macht das Buch etwas Mühe zu lesen, es ist langatmig und man kommt gemeinsam mit Nina nicht wirklich vom Fleck, doch nach und nach lernt man immer mehr sympathische Figuren kennen und fühlt sich stellenweise selbst wie im Urlaub in der schottischen Idylle. Auch die Verbindung zur Literatur wird sicher jedem Bücherfan das Herz höherschlagen lassen. Vielleicht ist Nina gerade deshalb so nachvollziehbar, weil sie doch nichts sehnlicher will als die Liebe finden und gute Bücher. Etwa nach der Hälfte nimmt die Geschichte dann an Fahrt auf. Nina ist angekommen und findet sich zwischen zwei Männern mit denen es jedoch nicht so richtig klappen will.
Gerade wenn man vorherige Bände von Jenny Colgan kennt erwarten den Leser hier wenig Überraschungen. Sie bleibt ihrem Stil treu und liefert uns, was sie zu Beginn des Buches verspricht: Einen Ort zum Wohlfühlen, wo alles gut ist.

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Veröffentlicht am 03.04.2020

Außen hui, innen so lala

Das Lied der Sonne
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Jennifer Wolf entführt uns in „Das Lied der Sonne“ in eine ganz neue Welt. In ein Reich voller Gegensätze. Im Süden das wunderschöne, sonnige, hawaiianisch anmutende Palilan. Im Norden das von Elend geprägte ...

Jennifer Wolf entführt uns in „Das Lied der Sonne“ in eine ganz neue Welt. In ein Reich voller Gegensätze. Im Süden das wunderschöne, sonnige, hawaiianisch anmutende Palilan. Im Norden das von Elend geprägte Kingsplains, der Sitz des Großkönigs.

Als Lanea in der Rolle ihrer Freundin der Prinzessin von Palilan zu dessen Brautschau fahren soll, zögert sie nicht. Doch weiß sie nicht, in was für ein Abenteuer das Leben bei Hofe sie stürzen wird. Verliebt sie sich doch tatsächlich den mächtigsten Mann ihrer Welt und das als Frau ohne Stand und noch dazu als Schwindlerin.

Jennifer Wolf erschafft hier eine wirklich glühende Atmosphäre, gerade das paradiesische Palilan mit dessen exotischen Einwohnern erzeugt sofort ein Feeling von Harmonie und Urlaub, dazu der Kontrast zu den prekären, verarmten Verhältnissen im Rest des Großkönigreiches.

Leider geht viel dieser Atmosphäre verloren für eine nicht stimmige Hauptfigur, die in erster Linie durch Egoismus und Impulsivität besticht. Die Handlung glänzt durch Kitsch und nicht zu Ende gedachte Ideen. Sobald sich eine spannende Wendung zu entwickeln scheint wird diese sofort im Keim erstickt. Die Lovestory rund um den Großkönig und seine bürgerliche Geliebte ist absolut vorhersehbar und entbehrt streckenweise jeglicher Logik.

Insgesamt eine wirklich schöne Atmosphäre, eine super interessante Welt, die leider durch eine eher langweilige Handlung zum Scheitern verurteilt wurde.

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Veröffentlicht am 16.03.2020

Faszinierend, beeindruckend, ein Muss

Ich erwarte die Ankunft des Teufels
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Vor mehr als 100 Jahren schrieb die 19-jährige Mary MacLane ein Tagebuch der etwas anderen Art, denn sie wartet nicht auf den Ritter in schillernder Rüstung, wie viele andere Frauen ihrer Zeit. Sie sagt ...

Vor mehr als 100 Jahren schrieb die 19-jährige Mary MacLane ein Tagebuch der etwas anderen Art, denn sie wartet nicht auf den Ritter in schillernder Rüstung, wie viele andere Frauen ihrer Zeit. Sie sagt von sich: „Ich erwarte die Ankunft des Teufels“.

Absolut kompromisslos ehrlich, reflektierend setzt sich Mary mit sich selbst auseinander und stellt fest: Ich bin nicht wie die anderen Frauen meiner Zeit. Für sie besteht kein Reiz darin einen wohlsituierten Mann zu heiraten, ihm Kinder zu gebären und den Haushalt zu führen. Mary, die sich selbst als Genie bezeichnet, erwartet mehr von ihrem Leben. Sie will das, was normalerweise den Männern ihrer Zeit vorbehalten ist: Bildung, Ruhm, Aufmerksamkeit. Sie will eine leidenschaftliche Liebe, keine wohl überlegte. Sie will alles oder nichts. Dabei schwankt sie zwischen einer gnadenlos realistischen Einschätzung ihrer individuellen Lage und Träumereien und Sehnsüchten, die typisch sind für ein gerade 19-jähriges Mädchen. Doch gerade die Gesellschaftskritik, die Mary MacLane immer und immer wieder übt und mit der sie klassische Rollenbilder anzweifelt bleiben im Gedächtnis und hinterlassen prägenden Eindruck.

Faszinierend, beeindruckend, ein Muss.

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