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Veröffentlicht am 27.07.2022

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Wer wird denn gleich an Liebe denken
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Die gebeutelte Künstlerin Trix hat nichts zu lachen. Der Alltag im harten Londoner Wettbewerb ist nicht für jeden. Daher schickt Nina May sie in ihrem Roman „Wer wird denn gleich an Liebe denken“ nach ...

Die gebeutelte Künstlerin Trix hat nichts zu lachen. Der Alltag im harten Londoner Wettbewerb ist nicht für jeden. Daher schickt Nina May sie in ihrem Roman „Wer wird denn gleich an Liebe denken“ nach Kent. Auf Schlosstour. Wer weiß, vielleicht lässt sich dort ein reicher Erbe erobern und alle Probleme sind vergessen. Doch wider Erwarten ist nicht alles Gold was glänzt und ein Schloss noch kein Zeichen für Protz und Prunk.

Leider gab es in diesem Roman doch einige Baustellen für mich und damit meine ich nicht das alte Schloss.

Von Anfang bis Ende fiel es mir schwer mit den Charakteren warm zu werden. Gerade Trix ist mir zu flach. Insgesamt sind so ziemlich alle Figuren ein aufgewärmtes Klischee nach dem anderen (ich will an dieser Stelle nicht zu viel Vorweg nehmen, daher keine genauere Ausführung).

Auch die Handlung an sich ist nicht ganz stimmig. Der Leser macht gefühlt 100.000 Dinge im Schnelldurchlauf mit, aber keins so ganz. Ich habe immer das Gefühl, dass hier einfach wahnsinnig viele Ideen da waren, die alle umgesetzt werden wollten. Nur Platz und Zeit gibt man ihnen nicht. Mehr Fokus darauf, wie das alte, verwaiste Schloss wieder zu neuem Leben erweckt werden kann, wäre wünschenswert gewesen. Dafür blieb leider keine Zeit.

Es ist wirklich ein süßes Buch und nett und witzig zu lesen, aber streckenweise leider unstimmig. Das gewisse Etwas fehlt.

Alles in allem war die Story ganz okay, leider nicht mehr. Schade, es wäre viel Potential da gewesen mit dem tollen Thema und der unterhaltsamen Sprache - wäre da nicht dieses unausgereifte Storytelling.

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Veröffentlicht am 27.07.2022

Plötzlich Prinzessin mit modernem Twist

Tokyo ever after – Prinzessin auf Probe
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Mit Tokyo Ever After gelingt Emiko Jean eine witzige, moderne Neuinterpretation a la Plötzlich Prinzessin.

Kein Hindernis ist so hoch, dass man es nicht überwinden könnte. S.347

Izumi „Izzy“ Tanaka ist ...

Mit Tokyo Ever After gelingt Emiko Jean eine witzige, moderne Neuinterpretation a la Plötzlich Prinzessin.

Kein Hindernis ist so hoch, dass man es nicht überwinden könnte. S.347

Izumi „Izzy“ Tanaka ist ein typisches amerikanisches Mädchen. Hier und da Schwierigkeiten in der Schule, eine Mädelsclique, mit der sie allen möglichen Quatsch anstellen kann und eine Beziehung zu ihrer Mutter, die scheinbar alles andere als perfekt ist. Das Problem: ihre Mutter hat ihr ein Leben lang verschwiegen, wer ihr Vater ist – japanischer Thronfolger. Für Izzy die Gelegenheit auch diese Seite ihrer Herkunft kennenzulernen. Was für ein Zufall, dass sie als neu entdeckte Tochter des zukünftigen Kaisers einen Bodyguard braucht – noch dazu einen sehr süßen…

Die Story ist natürlich allseits bekannt und schon hunderte Male da gewesen. Trotzdem ist der Twist die japanische Kultur mit einfließen zu lassen sehr gut gelungen und wirklich amüsant. Auch die lässige, moderne Sprache hat mir gut gefallen, dadurch flogen die Seiten wie im Sturm dahin und ich war ruckzuck durch. Die Charaktere sind sehr schön ausgebaut und ihre Hintergründe gut erklärt ohne langatmig zu werden. Die Art wie Izzy langsam Japan und ihre Wurzeln entdeckt, so dass auch nicht immer alles glatt läuft, war sehr atmosphärisch. Man spürt die Charakterentwicklung vom unbedarften Mädchen zur jungen Frau im Laufe des Buches. Das moderne, frische Cover hat also nicht zu viel versprochen. Sehr gelungen.

Wer das Licht im Rücken hat, sieht immer den rechten Weg. S. 220

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Veröffentlicht am 17.08.2021

Außen hui, innen fade

Frau Merian und die Wunder der Welt
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Künstlerin. Forscherin. Reisende. Feministin.
Ruth Kornberger verspricht in ihrem Roman „Frau Merian und die Wunder der Welt“ eine imposante Reise an der Seite einer historischen Figur, die all diese Eigenschaften ...

Künstlerin. Forscherin. Reisende. Feministin.
Ruth Kornberger verspricht in ihrem Roman „Frau Merian und die Wunder der Welt“ eine imposante Reise an der Seite einer historischen Figur, die all diese Eigenschaften in sich zu vereinen suchte.

Niederlande, Ende des 17. Jahrhunderts: Um der Enge ihrer unglücklichen Ehe zu entfliehen, versucht die Malerin und Naturforscherin Maria Sibylla Merian in Amsterdam den Neuanfang. Ihr großer Traum ist es, von dort eine Überfahrt ins ferne Surinam zu ergattern, um im tropischen Regenwald die faszinierende Vielfalt der Schmetterlinge zu studieren. Der Start in der großen Stadt allerdings ist holprig. Die erwarteten Malschülerinnen bleiben aus, und Financiers für eine Forschungsreise nach Übersee finden sich auch keine. Aber Maria gibt nicht auf. Hartnäckig rennt sie Türen ein, knüpft Kontakte und bringt ihre ältere Tochter unter die Haube. Doch als es endlich so weit ist, zögert sie – denn mit dem geheimnisvollen Jan de Jong, der immer wieder ihren Weg kreuzt, gibt es nun jemanden, der sie in der Heimat hält …Atmosphärisch und sinnlich, mit viel Gespür für Details, zeichnet Ruth Kornberger ein Portrait der Künstlerin und Forscherin Maria Sibylla Merian – einer faszinierenden Frau, deren Wagemut keine Grenzen kannte und die ihrer Zeit weit voraus war.Das Buch wird klimaneutral produziert.

Leider versprach der Roman mehr als er letztendlich liefern konnte.
1) Maria Merian und die Figuren der Handlung
Als Hauptprotagonistin wird Maria eindeutig allen anderen Figuren vorangestellt, wodurch der Leser zwar ihren Standpunkt vermittelt bekommt, die Geschichte insgesamt jedoch leidet, da alle anderen Figuren in der Farb- und Bedeutungslosigkeit ihrer Randerscheinung ertrinken.
2) Liebesgeschichte
Die Romanze zwischen der gebildeten Feministin und ihrem geheimnisvollen Verehrer zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Durch viele Zeitsprünge und das Auslassen sämtlicher Informationen über Herrn de Jong kann auch dieser keine Verbindung zum Leser erzeugen. Ich bin ein großer Fan einer guten Liebesgeschichte, gerade wenn die Frauen darin nicht als naive, kleine Dummchen dargestellt werden, allerdings ist diese hier einfach nicht ausreichend aufgebaut um überhaupt als solche zählen zu können. Zeitverschwendung auf zu vielen Seiten.
3) Emanzipation
Grundsätzlich ist es interessant zu lesen, wie Maria Merian für sich selbst ein selbstständiges Leben abseits des Ehemarktes und der Männerwelt schafft, schade ist allerdings, dass diese Eigenschaften von ihr nicht weitergegeben werden. In der Hoffnung zu lesen, wie sie ihr Erbe weiterträgt und auch ihren Töchtern entsprechende Werte beibringt finden diese sich schließlich in klassischen Rollenmustern der Ehe oder als beständiges Schoßhündchen der Mutter. Keine der Frauen des Romans kann hier so ganz überzeugen.
4) Reise
Bis es überhaupt zum eigentlichen Punkt der Reise kommt ist der Roman bereits halb zu Ende. Zugunsten seitenweisen Geplänkels, das doch einen sehr faden Beigeschmack hinterlässt.
5) Die Kunst
Vermutlich das Thema, auf das ich mich am meisten gefreut habe als Gleichgesinnte. Die Leidenschaft, die Maria Merian zu ihrer Kunst hegt und mit welcher Inbrunst sie ihr Schaffen verteidigt sind beeindruckend. Insgesamt reicht dies jedoch leider nicht für einen gelungenen Roman.

Zusammenfassend war das wunderschön anzusehende Buch am Ende leider nicht mehr als das. Ein Buch, das schön aussieht und daher im Bücherregal bleiben darf. Lesen muss man es jedoch nicht. Ich habe mich sehr lange nicht derart durch Seiten quälen müssen und das bei einem Roman, der 100 Prozent meine Interessen abbildet. Alles in allem nur ein Wort:
Schade.

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Veröffentlicht am 29.06.2021

Wunderschönes Flair - luftig leichte Lektüre!

Wie Träume im Sommerwind
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Usedom, England, Rosen, Familie und ein tragischer Unfall. Katharina Herzog nimmt den Leser in „Wie Träume im Sommerwind“ mit auf eine Reise, die den zarten Duft von Rosen in der Luft an einem herrlichen ...

Usedom, England, Rosen, Familie und ein tragischer Unfall. Katharina Herzog nimmt den Leser in „Wie Träume im Sommerwind“ mit auf eine Reise, die den zarten Duft von Rosen in der Luft an einem herrlichen Sommertag heraufbeschwört, doch liegt in dessen Duft nicht auch stets eine Melancholie nach vergangenen Zeiten?

Familie Jung lebt seit jeher auf der beschaulichen, kleinen Insel Usedom und betreiben dort seit Generationen den hiesigen Rosenhof. Nichts kann dem familiären Erbe einen Abbruch tun, nichts außer ihrer rebellischen Tochter Emilia, die sich überall sieht, nur nicht im kleinen Usedom, das voller unangenehmer Erinnerungen steckt. Als ihre Schwester Clara jedoch nach einem schweren Autounfall im Koma liegt, hängt alles an Emilia. Die Gärtnerei, Claras Kinder und jede Menge unentdeckter Geheimnisse. Gemeinsam mit Claras bestem Freund alias Emilias Jugendschwarm begibt diese sich auf die Reise nach England um den Geheimnissen ihrer Schwester auf die Spur zu gehen und entdeckt eine ungeahnte, zutiefst bewegende Liebesgeschichte.

Katharina Herzog beweist, wie bereits in früheren Romanen, ein Händchen für interessante, liebenswerte Charaktere. Auch wenn diese gewisse Klischees, die man als Lovestory-Fan, zwangsläufig hat nahezu alle befeuert tut dies dem Roman keinen Abbruch und es ist dennoch unterhaltsam und emotional die Figuren bei ihrer Entwicklung zu begleiten.
Humor und eine luftig leichte Schreibweise verleihen der Geschichte Schwung. Gerade die quirlige Emilia steuert neben einigen emotionalen Momenten eine gehörige Portion Witz bei. Als Hauptfigur ist sie nicht nur nachvollziehbar und nahbar sondern derart sympathisch, dass man sie sich direkt als beste Freundin wünscht.
Die Lovestorys sind leider für mich recht vorhersehbar gewesen, wie die Handlung insgesamt, jedoch meiner Meinung nach in diesem Genre sehr gut vertretbar (mal ehrlich, wir kommen doch alle für eine sommerlich, frische Liebesgeschichte, da wollen wir doch eigentlich gar keine großen Überraschungen).
Das sommerliche Klima und das enorm schöne Flair der Handlungsorte runden den Roman perfekt ab.

Definitiv wert gelesen zu werden.

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Veröffentlicht am 25.05.2021

Witzig und nett, aber ohne Tiefgang

Das Leben ist zu kurz für irgendwann
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Schwere Kost oder sanfte Unterhaltungslektüre? Ciara Geraghty wagt mit „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“ einen Drahtseilakt zwischen gleich zwei schweren Krankheiten, einer allesentscheidenden Veränderung ...

Schwere Kost oder sanfte Unterhaltungslektüre? Ciara Geraghty wagt mit „Das Leben ist zu kurz für irgendwann“ einen Drahtseilakt zwischen gleich zwei schweren Krankheiten, einer allesentscheidenden Veränderung und amüsanter Unterhaltungslektüre für zwischendurch.
Terry und Iris sind beste Freundinnen und würden durchs Feuer füreinander gehen. Aber Iris ist krank. So krank, dass sie sich heimlich entschließt, ihr Leben in der Schweiz zu beenden, solange sie es noch kann. Als Terry feststellt, dass Iris auf dem Weg dorthin ist, zögert sie keine Sekunde. Mit ihrem betagten Dad im Auto holt sie Iris gerade noch am Hafen von Dublin ein. Die drei begeben sich auf eine abenteuerliche Reise durch England und Frankreich, und was die schlimmsten Tage in Terrys Leben hätten werden können, werden ihre besten. Denn durch Iris entdeckt sie ungeahnte Seiten an sich – und dass es ein Geschenk ist, unser Leben zu leben, jeden Tag und bis zum letzten Tag.
Die Kombination der Themen Multiple Sklerose, Demenz und Sterbehilfe scheint zunächst nahezu erschlagend, doch wurde hier der Fokus auf eine unterhaltsame, witzige Darstellung der sehr sympathischen Charaktere gelegt. Iris, MS-Patientin mit folgenschwerem Plan ist ein echtes Unikum und bringt eine gehörige Portion Lebendigkeit und Freude in die Geschichte. Auch unfreiwillig witzige Moment aufgrund der Demenz von Terrys Dad kommen nicht zu kurz. Terrys persönliche Entwicklung zwischen Ereignissen, denen sie schutzlos ausgeliefert ist bis hin zu Momenten der Erkenntnis, dass ihr Leben in ihrer Hand liegt und nur darauf wartet gestaltet zu werden wirken aufrichtig und geben dem Leser das Gefühl sie an die Hand zu nehmen und auf ihrem Weg zu begleiten.
Leider kamen mir die Aspekte der Krankheiten und auch die letztendlichen Entwicklungen in der Schweiz zu kurz. Diese sehr schweren Erkrankungen wurden hier so extrem romantisiert, dass kaum etwas von ihnen übrig blieb. Gerade die Demenz von Terrys Vater wäre besser in einem separaten Roman aufgehoben gewesen, als hier an den Rand gedrängt und zur Bedeutungslosigkeit verdammt. Auch wenn es natürlich unterhaltsam bleiben soll ist es bei einer derartigen Themenwahl doch wichtig diese auch gebührend rüberzubringen. Jemand, der nicht bereit ist dies zu lesen würde ohnehin nicht zu einem derartigen Roman greifen.
Alles in allem witzig und leicht zu lesen, keine schlechte Lektüre, allerdings fehlte mir der Tiefgang.

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