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Veröffentlicht am 13.01.2017

Fulminanter Abschluss einer meiner Lieblingsreihen

Red Rising - Tag der Entscheidung
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Es tut mir leid, aber diesmal muss ich mal eine Rezension der etwas anderen Art schreiben. Ihr werdet heute kein einzig negatives Wort von mir lesen, denn so sehr ich mich auch bemühe, ich finde keine ...

Es tut mir leid, aber diesmal muss ich mal eine Rezension der etwas anderen Art schreiben. Ihr werdet heute kein einzig negatives Wort von mir lesen, denn so sehr ich mich auch bemühe, ich finde keine Schwächen. Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, möchte ich heute ein kleines Loblied verfassen. Denn dieses Buch - nein, diese ganze Reihe - ist eine Sensation!

Noch nie habe ich ein Buch mit so einem perfekten Hauptprotagonisten wie Darrow gelesen. Nicht im Sinne von perfekt, ohne Fehler, sondern perfekt, eben weil er Fehler macht. Er bereut sie, lernt aus ihnen und versucht alles, um sie nicht zu wiederholen. Mittlerweile ist er erwachsen und es sind sechs Jahre vergangen, seit er sich in einen Goldenen verwandelt hat. Er denkt nun anders über seine Zeit am Institut, denkt anders über seine damaligen Freunde und Feinde. Er versteht, dass er auch Menschen töten muss, dass es irgendwer tun muss, um diese Rebellion zu führen. Und trotzdem verlernt er nicht Menschen jedes Standes Mitleid entgegen zu bringen. Er weiß nun, wer er ist, was er kann und was er will. Er ist stolz darauf, was er schon geschaffen hat. Er ein einzelner kleiner Mann, der sich gegen so eine große und unfaire Gesellschaft erhoben hat. Es fällt mir schwer zu beschreiben, wie viel Bewunderung und Respekt ich Darrow entgegen bringe, aber glaubt mir, man muss ihn lieben.

Und in diesem Band macht er endlich nicht mehr alles allein. Sein größtes Ziel ist die Veränderung der Gesellschaft, aber direkt danach kommen Liebe und Familie. Er gibt Menschen eine zweite Chance und behält keine Rückversicherung in der Hand. Er sieht zu, wie sie ihn verraten oder ihm treu ergeben sind und gerade deswegen sterben müssen, und lässt sich trotzdem nicht unterkriegen. Gerade zu Beginn, nach der Gefangennahme vom Schakal, muss er sich im Hintergrund halten. Seine Heldenmomente verwandelt sich in die Momente seiner Freunde. Er verliert die Maske des unerreichbaren Schnitters und zeigt dem Leser nochmals einen anderen Darrow.

Unbestreitbar ist Pierce Brown ein grandioser Autor! Meine Meinung zu seinem Schreibstil hat seit dem ersten Band eine 180-Grad-Drehung vollführt. Ich bin sicher, niemand anderes würde es schaffen, Charaktere mit so wenigen Worten so eindrucksvoll und authentisch darzustellen. Sein Schreibstil ist unglaublich poetisch und bildhaft. Pierce Brown schafft es außerdem, dass ich sämtliche Qualen eines Lesers durchleiden musste. Die Momente, in denen ich dachte, jetzt ist endlich alles gut und er doch noch eine Pointe oben drauf setzte. Oder andersrum, wenn ich dachte, jetzt ist alles verloren und Darrow doch noch ein Ass aus dem Ärmel zieht. "Red Rising" ist seine Debütreihe und ich hoffe sehr, dass er in Zukunft noch mehr Bücher schreibt. Ich werde sie kaufen, ohne mir überhaupt den Klappentext durchzulesen!

Aber nicht nur die emotionalen Szenen sind beispiellos, sondern auch an Dramatik und Action geht gar nicht noch mehr. Und jetzt wiederhole ich mich wirklich, aber der Leser kommt durch die unzähligen Höhepunkte nie zur Ruhe! Ob halsbrecherische Aktionen oder epische Weltraumschlachten, man muss einfach weiterlesen! Es gibt so viele Überraschungsmomente, denn skrupellose Intrigen sind in anderen Intrigen versteckt und kluge Pläne durch andere Pläne getarnt. Geheimnisse werden erst auf der allerletzten Seite gelüftet und bis zum Epilog hatte ich wirklich keine Ahnung, wie diese Geschichte ausgehen soll. Politische Angelegenheiten werden strategisch unfassbar gut ausgearbeitet und geben noch einmal den letzten Kick.

Und kennt Ihr das, wenn euch ein Buch einfach nur am Boden zerstört zurück lässt? Nicht weil das Ende so schlecht war, sondern weil es ein Ende gab. Wenn ihr so versunken wart, dass Ihr euch nicht bewusst wart, jetzt die letzte Seite aufzuschlagen. Wenn Ihr nach dem Zuschlagen an nichts mehr anderes denken könnt. Wenn es unmöglich erscheint, Euch je wieder auf ein anderes Buch einzulassen und wenn Ihr es dann doch tut, dass neue Buch nur mit dem alten vergleicht. So ging es mir hier ...

Fazit:
Abschließend kann ich sagen, dass mich diese Trilogie nach den ersten Kapiteln umgeworfen und nicht wieder hat aufstehen lassen. Ein Sturm aus Action, Dramatik, Überraschungen und Emotionen von der ersten bis zur letzten Seite. Drecksverdammt gut! ;D 
Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wieso sie im deutschsprachigen Bereich noch so unbekannt ist, denn für mich gehört sie in jedes Bücherregal. Es gibt Bücher, die möchte man am liebsten der ganzen Welt in die Hand drücken und diese gehören dazu. 
An Band 3 hatte ich so hohe Erwartungen und wurde trotzdem noch einmal geflasht. Wenn ich könnte, würde ich viel mehr als fünf Sterne vergeben. In den Bestenlisten meiner liebsten Fantasy- und Dystopie-Bücher stehen jetzt nicht mehr "Die Farbe des Blutes" oder "Die Tribute von Panem" ganz oben, sondern die "Red Rising"-Bücher.

Veröffentlicht am 13.01.2017

Einziartiges und emotionales Buch mit einem einzigen großen ABER

Hier musst du glücklich sein
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Schon vor einiger Zeit habe ich dieses Buch in einer Verlagsvorschau entdeckt und sofort war klar: Ich muss es haben! Es geht es um das wirklich interessante und jederzeit aktuelle Thema Sekten. Bisher ...

Schon vor einiger Zeit habe ich dieses Buch in einer Verlagsvorschau entdeckt und sofort war klar: Ich muss es haben! Es geht es um das wirklich interessante und jederzeit aktuelle Thema Sekten. Bisher kannte ich dazu nur Filme und daher freute ich mich auf ein schriftliches Projekt. Zu Recht, wie sich im Nachhinein herausstellte, denn endlich konnte ich mal ein wenig besser verstehen, wie solche Sekten Mitglieder an sich binden, und wie schwer es ist, davon los zu kommen.

Zu meiner Überraschung konnte ich feststellen, dass die Geschichte keinesfalls langweilig beginnt und es gleich zu Beginn einen großen Knall gibt, der das Leben unsere Protagonisten auf den Kopf stellt. Beachtlich ist, dass ich danach zu keinem Zeitpunkt mehr eine Idee hatte, wo die Geschichte hinführen soll und ich mich so unglaublich gut fallenlassen und auf die Handlung einlassen konnte. Der Schreibstil ist rasant und eher undetailliert, es gibt große Zeitsprünge und einige Gänsehaut-Momente, was bei mir zu einer Art Sogwirkung führen konnte. Besonders ist auch die unterschwellige Atmosphäre, die jeden Moment Gefahr erwarten lässt.

Die hierarchische Glaubensgemeinschaft besteht aus ungefähr 15 Mitgliedern, die gemeinsam in einem idyllischen Haus umgeben von fantastischer Natur leben. Es gibt seltsame Rituale und Papa S. verbreitet mit seinen Paten abwegige Theorien über die "Außenwelt" unter ihnen. Das Verlassen des Geländes und das Reden mit nicht involvierten Menschen ist unerwünscht, ärztliche Behandlung nicht erlaubt und so etwas wie Technik oder Schulbesuche gibt es nicht. Außerdem nimmt sich Papa S. regelmäßig eine neue Gefährtin, die mit ihm das Bett teilen "darf", und bestraft seine Angehörigen beim kleinsten Verstoß gegen eine seiner vielen Regeln.

Wie im Titel schon anklingt, erwartet Papa S., dass alle Mitglieder glücklich und zufrieden sind. Sie leben als große Familie zusammen, schlechte Gedanken oder negative Gefühle wie Scham oder Eifersucht hat angeblich keiner von ihnen. Bisher hat Pearl diese Vorstellung geliebt und auch nach ihr gelebt, nur eines störte sie: Sie weiß nicht, wer ihre Mutter und ihre Geschwister sind. Sie ist wie viele Mitglieder in Saat geboren und als Kind der Natur aufgewachsen. Die Frauen haben kein Recht auf ihre Babys, sie werden ihnen genommen und gehören dann allen Angehörigen der Gemeinschaft. Obwohl Pearl ein unheimliche Bedürfnis hat, herauszufinden, wer ihre leibliche Familie ist, bringt sie Ellis anfangs nur Unglauben entgegen. Ihre Entwicklung ist realistisch dargestellt, denn sie beginnt nur zögerlich an ihren Grundwerten zu zweifeln und steht immer wieder im Konflikt mit sich selbst. Sie ist nicht die typische Rebellin sondern überdenkt jede Entscheidung zwei Mal.

Wie Ihr sicher schon aus dem Klappentext - der meiner Meinung nach, viel zu viel verrät - herauslesen konntet, gibt es auch eine Liebesgeschichte. Die Beziehung zwischen Pearl und Ellis entwickelt sich langsam und gefühlsbetont, nimmt daher also viel Platz ein. Ich persönlich habe das nicht als störend empfunden, aber vielleicht ist das nicht unbedingt das, was hier jeder erwartet.

Und nach all diesen positiven Dingen jetzt das große Aber: Die letzten zwei Kapitel. Ich gebe ehrlich zu, dass ich bis 20 Seiten vor dem Ende gedacht habe, dass ich fünf Sterne vergeben werde, und mich erst dann der große Schlag getroffen hat. Nicht nur das alles viel zu schnell geschieht und ich nur noch verwirrt war, war dann mittendrin Schluss! Es gibt keine logische Erklärung für das Verhalten aller Personen auf den letzten Seiten und einfach alles wird offen gelassen. Und wisst ihr was? Zu meinem Entsetzen ist keine Fortsetzung in Aussicht. Was hat man sich dabei nur gedacht?

Fazit:
Ich weiß einfach nicht, was sich Lisa Heathfieldt beim Schreiben gedacht hat: Erst denkt sie sich eine so realistische und erschreckende Geschichte mit unglaublich viel Tiefgang und Emotion aus, die wirklich einzigartig ist und sich zügig lesen lässt - und dann? Ich weiß nicht, ob sie einfach keine Ideen mehr hatte oder unter Zeitdruck stand, aber vom Ende war ich maßlos enttäuscht. Trotzdem hat mich diese erschütternde Geschichte zum Denken angeregt und verdient somit 4 von 5 Sternen.