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Veröffentlicht am 06.06.2017

Wie ist das Leben wohl in der Zukunft?

H.G. Wells: Die Zeitmaschine
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"Kann ein Würfel, der keine zeitliche Dauer besitzt, wirklich existieren?"

Meinung:
Science-Fiction und Dystopien sind normalerweise nichts für mich. Daher stellte dieses Buch für mich eine kleine Herausforderung ...

"Kann ein Würfel, der keine zeitliche Dauer besitzt, wirklich existieren?"

Meinung:
Science-Fiction und Dystopien sind normalerweise nichts für mich. Daher stellte dieses Buch für mich eine kleine Herausforderung dar. Warum also sollte ich es trotzdem lesen? Ganz einfach, in meiner Klassiker-Leserunde wurde darüber gesprochen und wir wollten es gemeinsam lesen.
Das Genre hat es mir nicht gerade leicht gemacht, aber da das Buch nur 125 Seiten hat, wollte ich mich durchbeißen.
Die Welt, wie wir sie kennen, verschwindet und H.G. Wells' Zeitreisender versucht uns Lesern zu zeigen, wie es in der Zukunft aussehen kann. Er vergleicht die Hierarchien mit denen der uns bekannten Welt und versucht sich und uns zu erklären, wie es so weit kommen kann.


Schreibstil:
Da ich das Original nicht kenne, kann ich nur von der im Nikol Verlag erschienenen Version sprechen, die sprachlich sehr modern gehalten und daher gut verständlich ist.
Es wird aus der Sicht eines namenlosen Besuchers einer im Laboratorium des Zeitreisenden berichtet. Der Erzählstil ist die ICH-Perspektive. Im späteren Verlauf allerdings, wird der Bericht des Zeitreisenden aus seiner Sicht geschildert, was am Ende der namenlose Besucher wieder abschließt.
Der Schreibstil ist wirklich gut, man kann sehr gut folgen und es wirkt nicht künstlich aufgebauscht.
Mit dem Aufbau des Textes (dem sogenannten Satz), bin ich nicht wirklich zufrieden. Es werden zu jedem neuen Absatz bei den Berichten des Zeitreisenden neue geöffnete Anführungszeichen gesetzt, doch am Ende fehlen die schließenden. Da der Nikol Verlag leider keinerlei Angaben zur Ausgabe macht, die als Grundlage des gedruckten Buchs benutzt wurde, weiß man natürlich nicht, ob es Eigenwilligkeit des Autors/früheren Setzers war oder schlichtweg Druckfehler. Auch das Ersterscheinungsdatum des Originaltextes fehlt, was eine tolle Zusatzinfo gewesen wäre. Außerdem sind mittendrin einige Bleiwüsten ohne jegliche Absätze zu finden, was das Lesen auf Dauer etwas anstrengend macht.


Charaktere:
Bis auf Filby und Richardson wird keiner der Anwesenden bei der Herrenrunde mit Namen angesprochen. Selbst der Zeitreisende nicht, denn Namen spielen hier überhaupt keine Rolle. Alleine die Erzählungen des Zeitreisenden sind hier wichtig. Er berichtet von der Reise zu den Eloi und der Freundlichkeit, die ihm entgegenkam. Außerdem erzählt er von der Rohheit und Grausamkeit der Morlocks. Und vom Ende der uns bekannten Welt.
Leider werden die Morlocks nur grob beschrieben, während das Augenmerk auf den gutmütigen Eloi liegt. Das nimmt dem Text etwas die Spannung.


Fazit:
Das erste Drittel kommt nur langsam in Schwung. Die Begegnungen mit den Eloi werden sehr ausführlich behandelt. Von den Morlocks hätte ich gerne mehr erfahren. Der Zeitreisende ist schließlich Forscher und hätte sie besser beobachten sollen.
Besonders gut hat mir das letzte Drittel gefallen. Die Beschreibungen, wie die Erde der Sonne immer näher kommt und das Ende somit näher rückt, hat mich beeindruckt. Wenn man bedenkt, wie nahe seine Ausführungen dem Stand und Wissen der heutigen Forschung kommt ist dieses Buch wirklich eine Glanzleistung.
Zum Ende hin habe ich mich so auf das Thema eingelesen, dass ich gerne noch etwas weitergelesen hätte. H.G. Wells ist definitiv seiner Zeit voraus gewesen und somit ein echter "Zeitreisender".
Da es zu Beginn aber doch etwas träge war, gibt es von mir 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 06.06.2017

Tom Kummer setzt seiner Frau ein Denkmal.

Nina & Tom
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"Manchmal fühlt es sich an, als würden wir uns das stille Spektakel 'Sterben' wie eine Reality-Show reinziehen."

Meinung:
Wie schreibt man am besten über ein Buch, dass man in keine bekannten Schubladen ...

"Manchmal fühlt es sich an, als würden wir uns das stille Spektakel 'Sterben' wie eine Reality-Show reinziehen."

Meinung:
Wie schreibt man am besten über ein Buch, dass man in keine bekannten Schubladen stecken kann? Und wie fällt die Bewertung aus, wenn man 3/4 des Buches nur schwer ertragen kann?
Dieses Buch war eine echte Herausforderung für mich. Doch am Ende hat sich alle Mühe gelohnt.
Tom Kummer, ein Journalist der besonderen Art, hat seiner Frau Nina ein Denkmal gesetzt.
Wenn man beachtet, dass besagter Tom Kummer wegen fiktiver Star-Interviews in der Kritik stand, hat es der Aufbau Verlag mit seinem Label "Blumenbar" wohl ganz richtig gemacht, dem Buch den Stempel "Roman" zu verpassen.
Tom erzählt in einer schonungslosen Art und Weise von Ninas Leben und Sterben. Details, die man vom Sterbeprozess vielleicht nicht gewohnt ist. Befremdlich wie stark er sich zu Nina selbst mit Windel sexuell hingezogen fühlt, wie gerne er sie spüren würde. Für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar.
Auch das Sterben zum Familienalltag zu machen und die beiden Jungs im Teenageralter im Eltern-/Familienschlafzimmer zu haben, ist eher merkwürdig.
Das Kennenlernen und die Beziehung der beiden ist streckenweise von Provokationen nur so gespickt.
Es ist oft nicht klar, was beide aneinander finden. Ob es nur der Sex ist, was beide verbindet? Der Sex und die Gier nach Grenzerfahrungen.
Es fällt schwer sich auf die Geschichte einzulassen.

Schreibstil:
Es wirkt fast wie Tagebucheinträge mit Zeitsprüngen. Tom Kummer lässt "seinen Tom" in der ICH-Perspektive erzählen, was die Story nahbarer macht. Der Leser fühlt mehr mit. Allerdings sind manche Momente so seltsam und durch diverse Provokationen seitens Nina wird die zarte Nähe zum Leser zerstört.
Ich bin oft an einem Punkt angelangt, wo es mir zu viel wurde und ich das Buch am liebsten weggelegt hätte. Doch die Neugier hat gesiegt.

Charaktere:
Nina und Tom, um sie dreht sich das Buch. Lange sind beide auf ihre eigene Art extrem unsympathisch. Sie provozieren mit Taten und Aussagen und ecken in der Gesellschaft gerne an. Sie brauchen wohl dieses Aufreiben, auch aneinander.
Nina verändert sich, als sie schwanger wird, lässt mehr Gefühle zu und zeigt mehr Menschlichkeit. Bei Tom dauert es etwas länger. Ihn kann man erst im letzten Viertel des Buches so richtig verstehen. Und am Ende hat er mich als Leser tatsächlich überzeugt.

Fazit:
Was eine Berg-und-Tal-Fahrt. Dieses Buch hat lange gebraucht, um mich zu überzeugen. Ich habe mich oft gefragt, was das alles soll, warum ich so etwas lese, wo es doch bloß um den Ego-Trip zweier Menschen geht.
Doch nach und nach hat sich eines zum anderen gefügt und mir ist Tom unglaublich sympathisch geworden.
Das letzte Kapitel ist das "echteste" im ganzen Buch und hat mich einfach mitgenommen.
Der Tod ist immer da, auch wenn wir ihn nicht sehen wollen. Er begleitet uns ein Leben lang.
Ich gebe diesem sehr speziellen Buch 3,5 von 5 Sternen, da es mich am Ende überzeugen konnte.
Und wer weiß, vielleicht hat Tom ja auch dieses Mal eine Portion Fiktion mit in die Story gebracht.
"Wir sind wie erfunden."

Veröffentlicht am 06.06.2017

Hartes Thema für einen Regiokrimi

Niemandsmädchen
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Meinung:
Die Autorin Eva-Maria Silber bat mich bereits Anfang Januar, ihr neuestes Buch "Niemandsmädchen", erschienen bei Midnight by Ullstein, zu rezensieren. Da mich das Genre ansprach und der Klappentext ...

Meinung:
Die Autorin Eva-Maria Silber bat mich bereits Anfang Januar, ihr neuestes Buch "Niemandsmädchen", erschienen bei Midnight by Ullstein, zu rezensieren. Da mich das Genre ansprach und der Klappentext jede Menge Spannung versprach, sagte ich damals zu, mit dem Hinweis, dass es wohl April werden würde, bis ich es lesen könnte.
Nun, der April ist schon bald wieder um und ich habe es endlich geschafft, das E-Book zu lesen. Und ich muss gleich sagen, ich konnte es kaum noch aus der Hand legen. Auch wenn ich nur schwer nachvollziehen kann, wie es soweit kommen kann, dass eine Mutter ihr Neugeborenes nicht liebt, sondern es loswerden will, war der Krimi doch fesselnd bis zum Schluss.
Allerdings fand ich es schade, dass die Story über das Gasleck in einer Gasbetriebsanlage nicht wirklich mit der Geschichte des Babys verwoben wurde. Es lief beides parallel, aber dadurch hätte man die Gasleck-Story auch einfach weglassen können.

Schreibstil:
Aus wechselnden Perspektiven wird von den verschiedenen weiblichen Figuren berichtet. Der Leser erhält dadurch einen Rundumblick und ist den Figuren immer eine Schritt voraus.

Charaktere:
Leyla Zapatka, die junge Staatsanwältin, ist eine tolle Figur. Sie zeigt Menschlichkeit, Schwäche, aber auch extreme Stärke, wenn es drauf ankommt. Adams ist der weibliche Rambo und grober Klotz. Sie ist lange eher unsympathisch, wird am Ende aber dann doch noch etwas weicher.
Die Antagonistin ist ein fast unmenschlich gezeichnetes Wesen und für normal denkende Menschen ist es unbegreiflich, wie eine Mutter so handeln kann.
Die Männer im Krimi haben durchweg negative Charaktere. Sie sind allerdings zumeist Nebenfiguren.


Fazit:
Dieser Krimi widmet sich einem sehr schwierigen Thema und ich muss zugeben, dass mir diese Rezension schwer gefallen ist, weil mir die richtigen Worte fehlen. Dieses Buch wirkt bei mir (die selbst noch keine Kinder hat) bereits nach, aber für frisch gebackene Muttis muss es doch sehr verstörend sein. Daher kann ich jede Mutter verstehen, die diesen Krimi besser nicht lesen will.
Es ist ein sehr Charakter bezogener Kriminalroman, der von den Abgründen und Geheimnissen seiner Figuren lebt.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen, da mir die beiden Handlungstränge nicht gut genug verwoben waren. Außerdem sollte unbedingt noch mal ein Korrektorat durchgeführt werden. Es gab einige Rechtschreib- bzw. Grammatikfehler, die mich beim Lesen zum Stolpern brachten.
Alles in allem ein toller Krimi, den ich allen weiterempfehlen kann, die starke Nerven haben. Er hat wirklich Potential zur Fortsetzung.

Veröffentlicht am 06.06.2017

Albert Einsteins Leben

Das Einstein-Mädchen
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"Ein Buch entsteht im Geist des Lesers, so wie die Melodie im Geist des Zuhörers entsteht."

Meinung:
Nach längerer Zeit habe ich mich mal wieder an einen Roman herangetraut, der in der NS-Zeit spielt. ...

"Ein Buch entsteht im Geist des Lesers, so wie die Melodie im Geist des Zuhörers entsteht."

Meinung:
Nach längerer Zeit habe ich mich mal wieder an einen Roman herangetraut, der in der NS-Zeit spielt. Leider konnte er mich nicht so recht überzeugen.
Das Thema ist bestürzend. Die Atmosphäre, die damals geherrscht haben musste, spürt der Leser förmlich. Die Bücherverbrennung, die Gewalt gegenüber Minderheiten.
In dieser Zeit ist Dr. Martin Kirsch, ein ehemaliger Chirurg, Arzt an der Berliner Charité auf der psychatrischen Station. Der Leser wird Zeuge von Experimenten an Patienten und dem Erlass des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses".
Die Idee hinter dem Roman ist wirklich gut, doch leider hat er immer wieder Längen und plätschert ab ca. S. 250 nur noch so dahin.

Schreibstil:
Die Atmosphäre zu Beginn ist grandios. Der Leser ist gleich mittendrin und die Angst und Fassungslosigkeit ist spürbar. Doch leider hält diese Stimmung nicht an. Sie tritt ab der Mitte des Buchs sehr in den Hintergrund und die Spannung kommt leider auch nicht wieder.

Charaktere:
Kirsch ist die einzige wirklich glaubhafte Figur. Der Protagonist hat Tiefgang und man fühlt mit ihm. Leider sind die anderen eher oberflächlich und der Leser wird nicht warm mit ihnen. Gerade über Einstein erfährt man eher wenig (wenn von ihm gesprochen wird, dann zumeist über seine Forschungen). Die eigentlichen Zusammenhänge von Einstein und seiner Familie habe ich mir bei Wikipedia erschlossen. Danach war vieles verständlicher.

Fazit:
Die Idee ist wirklich toll, die Umsetzung hat leider nicht geklappt. Teilweise zu viele Infos über die Forschungsgebiete Einsteins, die das Buch langatmig machen und die Spannung nehmen.
Und dann muss ich sagen, gab es im Buch extrem viele Rechtschreibfehler. Über die stolpert man beim Lesen leider oft.
Der Autor hätte aus der Story einfach mehr machen können. Von mir gibt es 2 von 5 Sternen, weil mir die Spannung komplett gefehlt hat.

Veröffentlicht am 06.06.2017

Die Clifton-Saga während des Kalten Krieges

Die Wege der Macht
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Ich sollte wohl auch darauf hinweisen, dass es sich um eine Fortsetzung handelt und die Rezension Spoiler enthalten kann, auch wenn ich mich bemühe sie außen vor zu lassen.


Meine Meinung:
Jeffrey Archer, ...

Ich sollte wohl auch darauf hinweisen, dass es sich um eine Fortsetzung handelt und die Rezension Spoiler enthalten kann, auch wenn ich mich bemühe sie außen vor zu lassen.


Meine Meinung:
Jeffrey Archer, der Meister des Cliffhangers. Mittlerweile, nach fünf Bänden, ist man es von Jeffrey Archer ja schon gewohnt. Und so hat er auch Band 5 mit einem spannenden und offenen Ende versehen, sodass man gar nicht anders kann, als ungeduldig auf Band sechs zu warten.
Auch dieser Band beginnt wieder mit der Auflösung des letzten Cliffhangers und das ist wirklich spannend. Allerdings ist die Auflösung teilweise etwas zu fantastisch, denn Harry rettet durch seine "Intuition" vielen das Leben, was nicht gerade glaubwürdig daherkommt.
Der Mittelteil ist dieses Mal leider sehr schwach, da sich viele Geschehnisse wiederholen, die man bereits aus den ersten vier Bänden kennt. Da ich die Reihe als Hörbücher höre, wirken diese Stellen wie Flashbacks und ich höre nur noch mit halbem Ohr hin, da ich glaube die Story bereits zu kennen. Erst zum Ende hin schafft es Archer wieder einen Spannungsbogen aufzubauen.


Schreibstil/Vortragsweise:
Im gewohnten Stil, nach Personen und chronologisch aufgebaut, erzählt Archer von den Jahren 1964-1970. Allerdings nicht ganz so deutlich differenziert, als in den Vorgängerbänden.

Zu Erich Räuker sei bloß zu sagen: er macht seine Sache top.


Charaktere:
Die Hauptcharaktere werden wieder in den Fokus gesetzt. Allerdings mit wenig neuen Ideen. Vieles wiederholt sich und selbst die Gegenspieler sind nicht neu. Wo mir Lady Virginia in Band vier noch als Bösewicht gefallen hat, finde ich sie mittlerweile nur noch flach und langweilig, weil ihrer Figur die Würze fehlt.


Fazit:
Da sich viele Situationen und Ereignisse so oder so ähnlich wiederholen, fehlt mir die rechte Spannung dahinter. Ich hatte das Gefühl, Jeffrey Archer wollte damit bloß Seiten schinden, um auf seine sieben Bände Gesamtumfang zu kommen.
Erst das Ende hat wieder etwas Spannung gebracht und Lust auf Band sechs gemacht.
Aus dem Grund gebe ich 3 von 5 Sternen, sonst hätte ich nur 2 gegeben.