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Veröffentlicht am 11.05.2020

Sie dachten, es wäre für die Ewigkeit…

Wer, wenn nicht wir
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Sie dachten, es wäre für die Ewigkeit…

„Ich weiß nicht, ob ich dich noch liebe. Ich glaube eigentlich nicht.“ (Viola)
„Geht mir genauso.“ (Florian)

„Was war mit ihnen passiert? Wann waren sie in diese ...

Sie dachten, es wäre für die Ewigkeit…

„Ich weiß nicht, ob ich dich noch liebe. Ich glaube eigentlich nicht.“ (Viola)
„Geht mir genauso.“ (Florian)

„Was war mit ihnen passiert? Wann waren sie in diese Mühle geraten, die ihre Liebe zu Staub zermahlen hatte?“


Bei einem gemeinsamen Abendessen sollen die Einzelheiten der Beendigung einer fünfundzwanzigjährigen Beziehung zwischen Viola Janicki und Dr. Florian Quandt besprochen werden. In die Ehe der virtuosen Klarinettistin und Lehrerin an einer Musikhochschule und des leitenden Oberarztes schlich sich eine zunehmende Entfremdung ein, sie fühlen sich unverstanden, ihre Beziehung ist von Gleichgültigkeit erfüllt, ihre Liebe scheinbar erkaltet. „Sie liebten einander nicht mehr genug, um all ihre größeren und kleineren Unzulänglichkeiten mitzulieben.“

Neben der schwierigen Aufgabe, ihre Kinder Josephine und Jonathan mit der neuen Situation zu konfrontieren müssen Viola und Florian sich nun auch noch mit dem Problem einer nicht mehr stornierbaren Urlaubsreise nach Rhodos befassen. Letztendlich entschließen die beiden sich, diese Reise getrennt anzutreten.

Die Autorin präsentiert mit ihrer aktuellen Neuerscheinung einen Roman, der zwar das Scheitern einer Beziehung als tiefgründiges und gewichtiges Thema in den Mittelpunkt stellt, dabei aber durchaus auch mit locker-leichten Passagen punktet. Während der erste Teil des Buches von den Eheproblemen zwischen Viola und Florian, kleineren und größeren Verletzungen und den Reaktionen ihres Umfelds auf ihre Trennung handelt, wechselt der Schauplatz kurz darauf zur malerischen Insel Rhodos. Die Aufarbeitung der Beziehungsprobleme der beiden Protagonisten ist der Autorin sehr gut gelungen. In vielen verschiedenen Rückblicken werden die Ereignisse, die nach und nach zu dieser Entfremdung führten, näher beleuchtet. Während des Aufenthalts auf Rhodos und fern von der eintönigen Routine des Alltags dürfen die Hauptfiguren dieses Romans sich selber, aber auch den Partner, neu entdecken und mit anderen Augen betrachten. Barbara Leciejewski weckt durch ihre bildhaften Beschreibungen dieser schönen griechischen Insel und durch das tiefe Eintauchen in diesen ungewöhnlichen Sommerurlaub die Lust, selber zu verreisen und für kurze Zeit dem Alltag zu entfliehen.

Die Charakterzeichnung der handelnden Figuren – insbesondere der beiden Protagonisten – hat mir sehr gut gefallen, ich empfand sie authentisch und konnte mich in ihre Gefühls- und Gedankenwelt gut hineinversetzen. Violas weiche, sensible und ernste Art und ihre aufgegebenen Träume haben mich sehr bewegt. Der kurze Einblick in einen Arbeitstag des Spitzenchirurgen Florian lässt dessen Zweifel und Versagensängste erahnen, er kann warmherzig, aber durchaus auch bissig und abschreckend in seinen Anstrengungen sein, mit den beruflichen Belastungen fertigzuwerden. Mit dem griechischen Hotelbesitzer Socrates Koronaios und seinen liebenswerten Verwandten sowie einigen Hotelgästen bringt die Autorin interessante und zum Teil amüsante Nebenfiguren in die Handlung ein. Während Hera Spät mit ihrer schüchternen und unsicheren Art sofort Beschützerinstinkte weckt, entpuppt sich ein junger blonder Britney-Spears-Verschnitt mit aufgesetztem Kleinmädchencharme als nervtötende Klette, die man nur sehr schwer wieder los wird. Äußerst sympathisch und überzeugend dargestellt fand ich die beiden Kinder der Protagonisten, das mürrische alte Original Tante Ludovica brachte mich mit ihren Schrullen zum Schmunzeln.

Fazit: „Wer wenn nicht wir“ war eine Lektüre, die einerseits gewichtige Beziehungsprobleme thematisierte, mich als Leser jedoch andererseits an den malerischen Schauplatz einer der größten griechischen Inseln versetzte und pures Urlaubsfeeling vermittelte. Die Charakterzeichnung der handelnden Figuren sowie die Entwicklungen zwischen den Protagonisten und einigen Nebenfiguren haben mir gefallen und mich sehr gut unterhalten. Dennoch musste ich feststellen, dass mir der Vorgängerroman „So lange sie tanzen“ sowohl in sprachlicher Hinsicht, als auch inhaltlich, weit besser gefallen hat. Doch angesichts dieses ganz großen Lesehighlights war meine Erwartungshaltung auch unverhältnismäßig hoch. Nichtsdestotrotz kann ich dieses Buch wärmstens weiterempfehlen - von mir gibt es für diesen schönen Roman 4 Sterne.

Veröffentlicht am 31.03.2020

Die Wendungen des Schicksals

Gut Greifenau - Goldsturm
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Die Wendungen des Schicksals

Im vierten Band der Buchreihe um das Pommersche Gut Greifenau stehen im Jahre 1919 politische und wirtschaftliche Probleme im Mittelpunkt des Geschehens. Durch die Entstehung ...

Die Wendungen des Schicksals

Im vierten Band der Buchreihe um das Pommersche Gut Greifenau stehen im Jahre 1919 politische und wirtschaftliche Probleme im Mittelpunkt des Geschehens. Durch die Entstehung der ersten deutschen Republik werden die Vorrechte des Adels nach und nach aufgelöst, eine Tatsache, mit der die arrogante und selbstherrliche Gräfin Feodora von Auwitz-Aarhayn sich weder arrangieren kann, noch möchte. Im Streit um die Auflösung des Familienfideikommisses entzweien sich Konstantin, Nikolaus und Alexander von Auwitz-Aarhayn. Konstantin obliegt es als Erbe und neuer Gutsherr von Gut Greifenau, die drohende Insolvenz abzuwenden und den Schuldenberg, den sein verstorbener Vater hinterlassen hat, abzutragen. Das ganze Land stürzt ins Chaos, ein wirtschaftliches Inferno bricht über die Menschen herein und die Geldentwertung führt zu Hunger, Elend, bitterster Armut und millionenfachem Elend. Hannah Caspian entführt ihre Leser nach Pommern, wo sie gespannt das Schicksal der Adelsfamilie von Auwitz-Aarhayn sowie deren Bediensteten mitverfolgen dürfen.

Der einnehmende Schreibstil der Autorin und der starke Fokus auf die Geschicke der einzelnen handelnden Figuren gestalteten diesen Roman für mich zu einem wahren Pageturner. Liebevoll gezeichnete Charaktere und tiefe Emotionen zogen mich rasch in den Bann. Nikolaus von Auwitz-Aarhayn und seine Ehefrau Rebecca fungieren als Protagonisten dieses vierten Bandes, sie müssen sich als neue Gutsherren auf Greifenau bewähren. Konstantins Bruder Nikolaus engagiert sich als Putschist, sein abgrundtiefer Egoismus und seine gnadenlose Rücksichtslosigkeit sorgen für Aufruhr und schlimme persönliche Tragödien. Während der selbstherrliche und unverschämte junge Adelige Unfrieden stiftet, entzieht sich sein Bruder Alexander durch ein Musikstudium dem Einfluss seiner Familie. Doch auch in seinem Privatleben gibt es ein brisantes Geheimnis, das um keinen Preis an die Öffentlichkeit gelangen darf. Anastasia von Auwitz-Aarhayn, verheiratete Gräfin von Sawatzki, spielt eine relativ kleine Nebenrolle im Buch. Ihrer Schwester Katharina jedoch wird sehr große Aufmerksamkeit zuteil. Konstantins kleine Schwester „Katja“, wie dieser sie liebevoll nennt, scheint mit dem Bürgerlichen Julius Urban das große Los gezogen zu haben. Sie lebt im Luxus, wird von ihrem Ehemann vergöttert, und nach Strich und Faden verwöhnt. Doch ihre Leidenschaft für die Medizin und ihren großen Traum, Kinderärztin zu werden, konnte sie bis dato nicht umsetzen. Gräfin Feodora von Auwitz-Aarhayn, die Witwe und ehemalige Gutsherrin von Greifenau, wird ihrer Rolle als Antagonistin dieses Buches mehr als gerecht. Ich lernte im Verlauf der Seiten, ihre Niedertracht, ihre gehässige und herablassende Art und die permanenten Demütigungen, mit denen sie ihre Kinder überschüttet, zutiefst zu verabscheuen. Zu meiner Freude schenkte die Autorin jedoch den Bediensteten des Gutshofes sehr große Aufmerksamkeit. Die Geschicke von Albert und Ida Sonntag, Mamsell Ottilie Schott, Eugen Lignau, Wiebke Plümecke, Kilian Hübner, Bertha Polzin und natürlich allen voran des obersten Hausdieners und Butlers Theodor Caspers waren eng mit jenen ihrer adeligen Arbeitgeber verwoben. Einige Figuren aus den Vorgängerbüchern wie beispielsweise Pastor Wittekind oder die Hindemith-Schwestern erhielten ebenfalls kleine Nebenrollen.

Ich fühlte mich durch diese imposante Familiengeschichte nicht nur hervorragend unterhalten, mir wurde nebenbei auch die Situation in der ersten Weimarer Republik eindringlich vor Augen geführt. Anhand dieses Buches erhielt ich nicht nur Einblick in die drastischen Veränderungen für den Adel, ich erlebte auch hautnah das Elend und die Not der armen Bevölkerungsschichten mit.

„Goldsturm“ war ein sehr eindrucksvolles Buch, das mir ausgezeichnet gefallen hat. Begeisterte fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 25.03.2020

Zeit der Tränen, Zeit der Umarmungen, Zeit der Hoffnung.

Stärke des Herzens
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Zeit der Tränen, Zeit der Umarmungen, Zeit der Hoffnung.

„Ich hoffe, du wirst immer Mitleid mit denen empfinden, die einen Verlust erleiden, Amos. Das ist das Kennzeichen eines wirklichen Mannes. Jeder ...

Zeit der Tränen, Zeit der Umarmungen, Zeit der Hoffnung.

„Ich hoffe, du wirst immer Mitleid mit denen empfinden, die einen Verlust erleiden, Amos. Das ist das Kennzeichen eines wirklichen Mannes. Jeder Mann mit einem starken Arm kann einen anderen, schwächeren, ist Stücke hauen, aber Mitleid mit den Leidenden ist das Kennzeichen, das Gott sucht.“ (Christopher Wakefield)

Sir Christopher Wakefield, Patriarch der Wakefield-Dynastie, bringt seinen Söhnen Amos und Gavin bei, mutig und gottesfürchtig zu sein. Der liebenswerte und gütige Mann führt mit seiner zweiten Ehefrau Angharad eine glückliche Ehe, die von einer kleinen Nachzüglerin namens Hope gekrönt wurde. Angharad ist eine Frau von tiefem Glauben und großer geistlicher Einsicht, die ihre Familie über alles liebt. Ihrer grenzenlosen Güte ist es zu verdanken, dass ihr auf Abwege geratener walisischer Neffe Evan Morgan in Wakefield die Chance auf einen Neubeginn findet. Unterwegs zu seiner neuen Heimat begegnet Evan der verängstigten und halb verhungerten Waise Jenny Clairmont, die er kurzerhand mitnimmt. Evan und Jenny werden von den Wakefields auf das Herzlichste aufgenommen und erfahren liebevolle Zuwendung. Als Gavins enger Freund und Lebensretter John Bunyan in Bedrängnis gerät, stehen die Wakefields dem Mann zur Seite und versuchen, ihm und seiner Familie zu helfen. Denn in England werden nach Cromwells Tod die Nonkonformisten mit aller Gewalt unterdrückt. Besonders der allseits beliebte unabhängige Wanderprediger John Bunyan ist bestimmten Leuten ein Dorn im Auge…

Im vierten Band dieser beeindruckenden Saga um die Dynastie der Wakefields ist die Zeit der Puritaner mit Cromwells Tod zu Ende, mit dem neuen König Karl II kehrt Unmoral ins Land ein. Kriegerische Auseinandersetzungen mit Holland, der Ausbruch der Pest und das große Feuer in London bilden den geschichtlichen Hintergrund dieser grandiosen Fortsetzung aus der Feder von Gilbert Morris. Der Autor konzentriert sich im vorliegenden Buch auf Christopher und Angharad Wakefield und die Entwicklungen ihrer Kinder Gavin, Amos und Hope. Mit Angharads Neffen Evan betritt eine facettenreiche Persönlichkeit den Schauplatz Wakefield – aus einem gottlosen, stets in Schwierigkeiten steckenden und ruchlosen Herzensbrecher wird durch den positiven Einfluss der Wakefields im Laufe der Zeit ein gottesfürchtiger Mann und eine Bereicherung für die Familie. Eine weitere Hauptfigur ist das zerlumpte Waisenkind Jenny, die in Wakefield ebenfalls liebevolle Annahme und ein neues Zuhause findet. Der eigentliche Protagonist ist aus meiner Sicht jedoch Gavins Lebensretter John Bunyan, der im gesamten Buch eine Schlüsselposition einnimmt. John verdient als Kesselflicker sein tägliches Brot, sein Herz hängt jedoch an seiner Berufung, den Menschen das Evangelium nahezubringen. Als schlichter Redner von bescheidenem Auftreten, begnadet mit einer starken und machtvollen Stimme, benutzt er einfache Beispiele, mit denen die schlichten Leute etwas anfangen können. Als großartiger und feuriger Prediger erweckt er die Bibel zum Leben. Sein Familienleben, sein hartes Dasein in der Zeit der Restauration, seine mit unerschütterlichem Glauben ertragene jahrelange Kerkerhaft und seine unbeirrbare Leidenschaft für Gott bilden das beeindruckende Zentrum dieses Buches. „Wir müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen. Ich werde das Evangelium predigen, und wenn ich dafür hängen muss.“
In Will Morgan erhält auch eine wichtige Nebenfigur aus dem Vorgängerband einen kleinen Gastauftritt, während sich ein Handlungsstrang mit Christophers und Angharads Tochter Hope und dem charmanten Rechtsanwalt Darcy Wingate befasst.

Der vorliegende vierte Band thematisiert den Zeitraum zwischen 1645 und 1672, eine Auflistung der für diesen Band relevanten Mitglieder der Wakefield-Dynastie liefert gleich zu Beginn einen kurzen Überblick über die wichtigsten handelnden Personen dieses Buches.

Der einnehmende Schreibstil des Autors, die starke Gewichtung auf den christlichen Glauben sowie die Einbindung hervorragend recherchierter historischer Fakten sorgten für ein faszinierendes Leseerlebnis, bei dem ich Geschichte hautnah erleben und tief in die Zeit der Regentschaft des englischen Königs Karl II. eintauchen durfte. Die kriegerischen Auseinandersetzungen und der Kampf gegen die freien Prediger mit John Bunyan als prominenten Betroffenen sorgen für Aufregung und bringen einen gewissen Spannungsbogen im Buch.

Fazit: Mit dem vierten Band der neu aufgelegten Wakefield-Sage „Stärke des Herzens“ hat der SCM-Verlag mir erneut ein ganz besonderes Lesevergnügen bereitet. Jeder, der historischen Romanen zugetan ist und sich für das Leben in England zur Zeit des Commonwealth, der englischen Restauration sowie die Geschichte des englischen Baptistenpredigers und Schriftstellers John Bunyan interessiert, wird von diesem Buch fasziniert sein. Ich persönlich würde die Einhaltung der Reihenfolge beim Lesen dieser Buchreihe für das bessere Verständnis empfehlen. Die starke Gewichtung auf den christlichen Glauben und die Tatsache, dass Gilbert Morris sich hervorragend gezeichneter Charaktere bedient, machen diesen Roman zu einem absoluten Lesehighlight.

Völlig begeisterte fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung für dieses beeindruckende Buch!

Veröffentlicht am 18.03.2020

Eine neue Hoffnung, ein neues Leben

Die Farben der Schönheit - Sophias Hoffnung
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Eine neue Hoffnung, ein neues Leben

„Ich liebe meinen Beruf. Ich kann mir kaum etwas Besseres vorstellen, als Schönheit in die Welt zu bringen.“ (Sophia Krohn)

Sophia Krohn studiert im fünften Semester ...

Eine neue Hoffnung, ein neues Leben

„Ich liebe meinen Beruf. Ich kann mir kaum etwas Besseres vorstellen, als Schönheit in die Welt zu bringen.“ (Sophia Krohn)

Sophia Krohn studiert im fünften Semester Chemie an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin und träumt seit frühester Kindheit davon, eines Tages selbst Kosmetik herzustellen. Das Leben meint es gut mit der hoffnungsvollen jungen Erbin des Krohn-Drogerie-Imperiums, doch dann wird der strebsamen Studentin die verbotene Liebe zu ihrem Dozenten zum Verhängnis. Als ein Arzt ihre Schwangerschaft feststellt, lässt sie nicht nur ihr Liebhaber, sondern auch der gnadenlose und unnachgiebige Vater fallen. Sophia muss ihr Elternhaus auf der Stelle verlassen, steht völlig mittellos auf der Straße und findet bei ihrer Freundin Henny Wegstein Unterschlupf. Über Umwege gelangt sie nach New York, wo sie dank ihrer hervorragenden Ausbildung eine Anstellung bei der erfolgreichen Geschäftsfrau Helena Rubinstein findet. Die reiche Kunstfreundin hat großen Einfluss in New York und ermöglicht es Sophia, bei ihr zu lernen…

Corina Bomanns Neuerscheinung weckte durch das ansprechende Cover und den Klappentext mein Interesse, die Geschichte der erfolgreichen jüdischen Polin Helena Rubinstein und ihr sogenannter „Puderkrieg“ mit ihrer schärfsten Konkurrentin Elizabeth Arden werden dem Leser in diesem Roman nahegebracht. Die Autorin besitzt einen einnehmenden Schreibstil, die handelnden Figuren sind sehr gut ausgearbeitet. Sophia Krohn wird die größte Aufmerksamkeit zuteil, die Autorin vermittelt anschaulich deren Kindheit und Leben in Berlin, die Konflikte mit ihren Eltern und ihre schier ausweglose Situation. Sophia begeht einen einzigen schlimmen Fehler, und ihr gesamtes Leben liegt in Scherben. Ohne Auffangnetz und ohne jegliche familiäre Unterstützung wagt sie beherzt den Schritt in eine neue, selbstbestimmte Zukunft, doch es gibt viele Hindernisse zu bewältigen. Ihr zur Seite steht die freiheitsliebende Henny Wegstein, die Sophie seit Kindheitstagen als allerbeste Freundin bezeichnet. Helena Rubinstein würde ich ebenfalls als Protagonistin dieses Romans bezeichnen, auf ihr Leben und ihre Karriere wird detailliert eingegangen. Man liest von Helenas Anfängen in Melbourne und ihren beruflichen Erfolgen, erfährt aber auch einiges über ihr Privatleben. Helena Rubinstein überträgt Sophie Krohn schließlich große Verantwortung und führt sie in die High Society New Yorks ein, in einer schwachen Stunde offenbart sie ihrer Angestellten sogar ihre tiefsten Emotionen hinter der Maske einer taffen Karrierefrau. Die grimmige Pensionswirtin Madame Roussel, deren Untermieterin Madame Genevieve Fouquet, ein attraktiver Verpackungsdesigner namens Darren O’Connor, Sophias Freundin Henny Wegstein sowie ihre Arbeitskollegin Ray Bellows bereichern als interessante Nebenfiguren die Handlung.

Corina Bomann erzählt die Geschichte ihrer Protagonisten in gemächlichem Tempo, lässt hierbei jedoch tiefe Emotionen einfließen. Ich vermochte mich sehr gut in Sophias Situation hineinversetzen, die nach jedem neuerlichen Schicksalsschlag tapfer aufsteht und weiterkämpft. Die unerwartete Wendung am Ende des Buches bringt noch auf den allerletzten Seiten einen großen Spannungsfaktor ein, der die Neugier auf den zweiten Band dieser Buchreihe schürt.

Fazit: Mit „Sophias Hoffnung“ präsentiert Corina Bomann einen überzeugenden Auftakt der Trilogie „Die Farben der Schönheit“. Der Roman hat mir sehr gut gefallen, mich ausgezeichnet unterhalten und weckt bereits jetzt die Vorfreude auf die Fortsetzung dieser Geschichte. Ich bin schon gespannt auf die Ereignisse der beiden Nachfolger „Sophias Träume“ und „Sophias Triumph“, die noch im heurigen Jahr erscheinen werden.

Ich empfehle dieses Buch sehr gerne weiter.

Veröffentlicht am 15.03.2020

Was sagt dein Herz?

Celia – Sehnsucht im Herzen
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Was sagt dein Herz?

„Die hübsche Tochter des Schuhmachers liebte den Statthalter Titus Pectore, und er liebte sie. Aber dennoch waren sie nicht füreinander bestimmt.“

Das Christenmädchen Celia wuchs ...

Was sagt dein Herz?

„Die hübsche Tochter des Schuhmachers liebte den Statthalter Titus Pectore, und er liebte sie. Aber dennoch waren sie nicht füreinander bestimmt.“

Das Christenmädchen Celia wuchs in einem behüteten Elternhaus auf, über ihre Kindheit in Rom und ihre leiblichen Eltern weiß sie jedoch nichts. Schon im zarten Alter von vier Jahren kam sie in die Obhut von Servius Contente und seiner Ehefrau Daphne, die sie über alles lieben. Als die Provinz Larisa im Jahre 109 einen neuen Statthalter bekommt, ändern sich die Zeiten für das Volk. Denn Titus Pectore hält nichts von dem Regime des Schreckens und der Gewalt seines Vorgängers, er setzt vielmehr auf Gerechtigkeit und Güte. Als geschickte und zuverlässige Näherin erhält Celia eine Anstellung im Hause des Statthalters. Dieser hat aber nicht allein die Nähkünste der attraktiven jungen Frau ins Auge gefasst. Doch eine Beziehung zwischen einer Christin aus einer Handwerkerfamilie und einem Mann aus reichem und angesehenem Elternhaus scheint völlig ausgeschlossen…

Renate Ziegler schildert in ihrem zweiten Band der Reihe „Liebe in Rom“ das Alltagsleben der römischen Oberklasse, die Geschicke ihrer Sklaven und jene der Christen. Die Christen im römischen Reich arbeiten, zahlen ihre Steuern und leben friedlich ihr Leben, gelten aber dennoch als Gefahr. Sie sind den Römern ein Dorn im Auge, werden oftmals mit aller Härte verfolgt und allein aufgrund ihres Glaubens verhaftet, was im Grunde einen völligen Widerspruch zu der römischen Politik, der Gepflogenheiten und Traditionen der Römer darstellt. Im ersten Teil dieses Buches liegt das Augenmerk auf der Herkunftsfamilie der Protagonistin – ihr Zuhause in Rom, die Ehe ihrer Eltern, die Willkür des Kaisers Titus Flavius Domitianus und die Konflikte mit ihren Geschwistern werden dem Leser nahegebracht. Nach einem Zeitsprung von vierzehn Jahren schildert die Autorin anschließend im zweiten Buchteil das Leben ihrer Hauptfigur Celia im Jahre 109.

Die handelnden Personen waren sehr gut ausgearbeitet, sowohl die Protagonistin, als auch die Nebenfiguren vermochten es, mich vollends zu überzeugen. Das größte Augenmerk wird auf Titus Pectore und Celia gelegt, besonders hervorheben möchte ich sowohl die tiefsinnigen Gespräche zwischen den beiden, als auch die Unterhaltungen des Statthalters mit seinem besten Freund und Weggefährten Silvus Hilarius. Celia wird als freundliche und hilfsbereite junge Frau beschrieben, die mit ihrem sonnigen und fröhlichen Gemüt die Menschen für sich einnimmt. Ihr starker, unerschütterlicher Glaube beeindruckt letztendlich sogar den Statthalter, der im Grunde bereits Zweifel an der Göttervielfalt Roms hegt und dem Christengott nicht ablehnend gegenübersteht. Titus Pectore wird als freundlicher und großzügiger Mann dargestellt, der keine Ungerechtigkeit duldet. Sein gütiger Umgang mit seinen Sklaven und Untergebenen ließ mir den männlichen Protagonisten rasch ans Herz wachsen. Celias Einfluss und ein bestimmtes Ereignis sorgen dafür, Titus‘ Lebenseinstellung, seine Pläne und Vorstellungen zu hinterfragen.

„Du bist ein Werkzeug meines Gottes. Mein Gott ist ein eifersüchtiger Gott, er duldet keine anderen Götter neben sich.“ - „War es Gebetserhörung, oder Zufall? Hat der Gott der Christen gehandelt, oder das Schicksal?“

In Darius, dem Verwalter des Statthalterhaushalts und in Celias Pflegeeltern Servius und Daphne stellte die Autorin ihren Hauptfiguren drei ganz große Sympathieträger zur Seite. Die herrische und ungerechte Haushälterin Rabea sorgt mit ihrer Eifersucht und ihrem Hass für Unfrieden. Als besonders liebenswert entpuppte sich der stattliche Zenturio Silvus Hilarius, der als treuer und verständnisvoller Freund kein Blatt vor den Mund nimmt und Titus in schonungsloser Offenheit gnadenlos einen Spiegel vorhält. Priscillas Freundin Berenike und ihr Ehemann Marcus Dequinius, der Älteste der christlichen Gemeinde namens Manassos, seine Ehefrau Sofia, aber auch der abscheuliche Gaius Dexter aus dem Vorgängerband erhielten ebenfalls Nebenrollen in diesem Buch. Abgesehen vom christlichen Glauben, der einen hohen Stellenwert innehat, konzentriert Renate Ziegler sich vor allem auf die Themen Vergebung und Vertrauen.

Fazit: „Celia. Sehnsucht im Herzen“ war ein wunderschönes und bereicherndes Leseerlebnis. Die Autorin entführt ihre Leser ins alte Rom und lässt sie tief in die Geschicke ihrer Protagonisten eintauchen. Ich bin begeistert von der Buchreihe „Liebe im alten Rom“, dem einnehmenden Schreibstil der Autorin, den hervorragend ausgearbeiteten Charakteren und den interessanten historischen Fakten. Ich möchte potenziellen Lesern jedoch vorab die Lektüre des ersten Bandes „Berenike. Liebe schenkt Freiheit“ ans Herz legen.

Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen - fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung dafür!