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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.05.2021

Ein außergewöhnlich gutes Sachbuch

Gefallene Ritter
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Es war im Jahr 2017 als ein lange schwelender Streit seinen Höhepunkt erreichte. Papst Franziskus ordnete an, dass der Großmeister des Ritterordens der Malteser dem Amt enthoben wurde. Es war ein außergewöhnlicher ...

Es war im Jahr 2017 als ein lange schwelender Streit seinen Höhepunkt erreichte. Papst Franziskus ordnete an, dass der Großmeister des Ritterordens der Malteser dem Amt enthoben wurde. Es war ein außergewöhnlicher Schritt und es gab viele kleine und große Episoden, bis es dazu kam. Fakt ist, dass es zum größten Zerwürfnis zwischen Maltesern und dem Vatikan kam. Der Autor des Buches #GefalleneRitter, Constantin Magnus, ist wie kein anderer dazu berufen, hinter die Kulissen des Ordens zu schauen. Ist doch seine Familie seit Generationen innerhalb der Malteser vertreten. Er weiß von den Herrenclubs, den großen Landsitzen und dem Reichtum, der im Zusammenhang mit dem Orden der Malteser steht.

Der Autor begann im Jahr 2018 mit seiner Recherche. Aus dem Grund traf er sich mit dem abgesetzten und ins Exil geschickten Großmeister Matthew Festing in Nordengland. Zudem sprach er mit etlichen Beteiligten und heraus kam ein Sachbuch, das spannend ist und mit feinem Humor das Lesen zu einem außergewöhnlichen Genuss macht. Viele Adjektive bringen die Lebendigkeit der Sprache zum Ausdruck. Oder kennen Sie ein Sachbuch, wo „die genderbewegte Yogalehrerin aus Berlin Mitte“ erwähnt wird?

Zugleich lernte ich auch, worum es sich bei der Enzyklika „Humanae Vitae“ handelt. Hier steht zum Beispiel, dass jede Handlung verwerflich ist, die beim Vollzug des ehelichen Aktes darauf abstellt, die Fortpflanzung zu verhindern. Sprich: Verhütung ist Sünde. Auch das war beim Streit der „Großen“ ein Thema und kaum nachvollziehbar. Egal, ob Zwangsprostitution oder die Liebe von Jugendlichen. Das Aushändigen von Kondomen ist strengstens untersagt. Nein, es ist kein Buch, welches ich schnell durchlesen konnte. Dafür ist es zu faktenreich und mit vielen Namen bestückt. Ich werde es mit Sicherheit noch mehrmals lesen und empfehle es ausdrücklich weiter. Das Lesen bringt einen ganz anderen Blick auf die Malteser und den Papst Franziskus.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Auch dieses Buch brachte mir Rumänien wieder ein Stück näher

Haus ohne Volk
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Was sind eigentlich Donauschwaben und welches Abkommen schloss Ceaușescu mit der Bundesrepublik Deutschland? Diese und noch mehr Fragen werden in dem Buch von Silvia Hildebrandt beantwortet. Sie beschreibt ...

Was sind eigentlich Donauschwaben und welches Abkommen schloss Ceaușescu mit der Bundesrepublik Deutschland? Diese und noch mehr Fragen werden in dem Buch von Silvia Hildebrandt beantwortet. Sie beschreibt Rumänien im Jahr 1969, wo es in voller Blüte stand. Die jungen Leute Corneliu und Magdalena lieben sich und kämpfen gegen Vorurteile ihrer Familie und von Freunden. Ihre Tochter wird als „Mischling“ betrachtet. Magdalena ist nämlich eine Donauschwäbin und dass sie einen „reinrassigen“ Rumänen heiratet, das stößt bei vielen Leuten auf Unverständnis.

Mit Herzblut und Sachkenntnis schrieb Frau Hildebrandt auch dieses Buch. Es ist Teil einer Saga, kann aber auch gut ohne Vorkenntnis gelesen werden. Die Autorin schildert nicht nur das Leben in Rumänien. Sie beschreibt auch, wie die „Mächtigen“ dafür sorgten, dass die Menschen ausgebeutet wurden. Das macht sie, indem sie Figuren schuf, die zwar fiktiv aber dennoch dem typischen Alltag der Rumänen entsprechen. Ich lesen diese Bücher gerne, da sie so ganz anders sind als das, was mir Journalisten über Rumänien einreden wollen. Der Roman lässt sich gut lesen, da er in einer angenehmen und sehr lebendigen Sprache verfasst wurde.

  • Cover
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Veröffentlicht am 01.05.2021

Grandios

Betrachtungen einer Barbarin
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Das Buch „Betrachtungen einer Barbarin“ ist für den #DSP21 nominiert. Doch, was bedeutet dies genau? Mit meiner Rezension möchte ich dazu beitragen, dass diese Frage beantwortet wird. Die Eltern der Autorin ...

Das Buch „Betrachtungen einer Barbarin“ ist für den #DSP21 nominiert. Doch, was bedeutet dies genau? Mit meiner Rezension möchte ich dazu beitragen, dass diese Frage beantwortet wird. Die Eltern der Autorin Asal Dardan flohen aus ihrer Heimat und Asal, gerade mal ein Jahr auf dieser Welt, wuchs in Deutschland auf. Einem Land, dessen Einwohner ihr kein Verständnis für die Flucht der Eltern entgegenbrachte und die sich immer wieder negativ über ihr Aussehen äußerten. So geschehen bei Bewerbungsgesprächen und beim Konflikt mit einem Mitschüler, der sie als „zu dunkel“ ansah. Dann gab es auch noch den eifrigen Lehrer, der sie an den Haaren zog, weil er sie als „aufsässiges Ausländermädchen“ ansah.

Asal Dardan schaut kritisch in die ach so „gemütlichen“ deutschen Wohnzimmer. Sie beschreibt zum Beispiel, wie die Gerichtsverhandlungen gegen das Trio Bönhardt, Mundlos und Zschäpe aus ihrer Sicht verlief. Was sie dabei empfand, dass Staatsdiener jahrelang der Meinung waren, die Ermordeten hätten ihre Tötung selbst verschuldet. Wie Polizisten sowohl Opfer als auch Familienmitglieder diskriminierten und dabei nie die Fakten des Tötens aus Rassismus erkannten.

„Betrachtungen einer Barbarin“ ist keineswegs ein Sachbuch, wie ich es kenne. Hier gibt es viele Passagen, die eher an eine Autobiographie erinnern. Das ist auch gut, weil Frau Dardan die Probleme von Emigranten kennt und ihre Erfahrungen beim Schreiben des Buches einfließen ließ. Sie beschreibt unter anderem, wie sehr gedankenlos dahingesagte Aussagen verletzen. Dabei geht es keineswegs nur um Begegnungen mit Nachbarn oder flüchtigen Bekannten. Nein, hier werden Gespräche geschildert, die bei Behörden und deren Mitarbeitern stattfanden. Hier sollten die Verantwortlichen darauf achten, dass sie Schulungen anbieten, die sich dem Thema „Gesprächsführung“ widmen. Auch wenn niemand nachvollziehen kann, was Menschen empfinden, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. So ist es umso wichtiger, dass sie ihre Erfahrungen mitteilen.

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Veröffentlicht am 01.05.2021

Man sieht nur mit dem Herzen gut

Der Klavierspieler vom Gare du Nord
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"Der Klavierspieler vom Gare du Nord" wurde bereits verfilmt und ist nun auch als Taschenbuch erschienen. Ein Junge aus der Pariser Vorstadt spielt leidenschaftlich gerne Klavier. Das passt auf den ersten ...

"Der Klavierspieler vom Gare du Nord" wurde bereits verfilmt und ist nun auch als Taschenbuch erschienen. Ein Junge aus der Pariser Vorstadt spielt leidenschaftlich gerne Klavier. Das passt auf den ersten Blick so gar nicht zu seinem Leben. Er ist mit Freunden zusammen, die ihn immer wieder zu Handlungen überreden, die nicht mit den Gesetzen vereinbar sind. Bei einem Einbruch wird er erwischt und einzige Konsequenz ist der Aufenthalt im Gefängnis. Aber nein, er hat einen hochgestellten Fürsprecher, der ihn davor bewahrt. In dem Roman gibt es zwei Hauptfiguren. Den 20 jährigen Mathieu, der eigentlich keine rosige Zukunft vor sich hat und Pierre, den Direktor eines Konservatoriums. Wie die beiden ungleichen Individuen zueinander finden, das beschreibt der Autor Gabriel Katz in "Der Klavierspieler vom Gare du Nord".

Es sind viele Gesichtspunkte, die mir an diesem Roman gefielen. Er zeigt sehr deutlich, dass Jugendliche aus „schwierigen Verhältnissen“ in der heutigen Zeit kaum eine Chance haben, ihre Neigungen und Begabungen zu zeigen. Das gilt nicht nur für Paris, sondern auch für Berlin oder Köln. Fehlt den Eltern das nötige Kleingeld oder sind es alleinerziehende Mütter, dann haben die Kinder kaum eine Chance. Und wenn sie diese auch bekommen, so spielt ihre Herkunft leider immer wieder eine Rolle. Mit Herkunft meine ich auch die finanziellen Möglichkeiten der Eltern.

In diesem Buch kämpft Mathieu um Anerkennung. Er trägt Klamotten, die im Konservatorium belächelt werden und hat weder Smoking noch Blazer, den er für den Auftritt beim Klavierwettbewerb tragen könnte. Seine Mutter arbeitet nachts und säubert die Räume einer Klinik. Kaum zu glauben, dass er sich alleine durch sein außergewöhnliches Talent hervorheben kann. Er merkt aber auch, dass Reichtum kein Garant für Zufriedenheit ist. Sonst wäre ja sein Unterstützer Pierre immer fröhlich und im Einklang mit seinem Dasein.

Lebendig geschrieben, mit vielen Dialogen, so stelle ich mir gute Bücher vor. Das hat der Autor für meinen Geschmack auch bestens umgesetzt. Einzig das Ende gefällt mir so gar nicht. Es kommt zu abrupt und viele Fragen bleiben unbeantwortet.

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Veröffentlicht am 30.04.2021

Der Kanzlerkandidat der Herzen?!

Söder
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Er wird von Paparazzi verfolgt und auf Facebook massiv beschimpft: Markus Söder. Die Journalistin Anna Clauß schrieb nun eine Biographie über den ersten Mann der CSU. Was macht ihn so populär und wie gibt ...

Er wird von Paparazzi verfolgt und auf Facebook massiv beschimpft: Markus Söder. Die Journalistin Anna Clauß schrieb nun eine Biographie über den ersten Mann der CSU. Was macht ihn so populär und wie gibt er sich privat? Diese Fragen stellen sich viele und das nicht erst seitdem er von Laschet aus dem Rennen ums Kanzleramt geworfen wurde.

Söder ist eine kurze Biographie und ich konnte sie schnell durchlesen. Viel Neues gab es nicht zu vermerken. Dass er stets präsent ist und sich nicht immer gut mit Herrn Seehofer verstand, wurde ja von den Medien breit ausgeschlachtet. Er hat es selbst in Bayern nicht leicht aber dort stehen die Grünen ja momentan hoch im Kurs. Was er als Kanzler anders machen würde als sein Kontrahent Laschet? Herr #Söder hat die wichtige Gabe, seine Zuhörer mitzureißen und sich als starker Mann zu zeigen.

Es war im Jahr 1980 als der Franz-Josef antrat, das Kanzleramt für sich zu entscheiden. Er scheiterte kläglich obwohl er energisch und laut eine Umkehr der bisherigen Politik forderte. Nicht anders ging es dem Herrn Stoiber. Auch er scheiterte. Wie es mit Herr Söder gegangen wäre? Niemand weiß es. Dass er viel verspricht und nicht alles hält, ist kein Mangel, der nur ihn betrifft. Das ist allen Politikern gemein. Und sind wir mal ehrlich, kennt Ihr einen Politiker, der kein Wendehals ist, wenn es um seine Macht geht? Das Buch lässt sich auf jeden Fall gut lesen auch wenn es mich jetzt nicht vom Hocker gerissen hat.

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