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Veröffentlicht am 23.04.2021

Keine Zeit für Verschwörungstheorien

Geschichte im Brennpunkt Clara Zetkin: Eine rote Feministin
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Für Clara Zetkin begann alles mit dem Besuch einer Schusterwerkstatt. Eingeladen wurde sie von einem guten Freund und beide schlichen in der Dunkelheit zum Haus des Schustern. Gemeinsam mit acht weiteren ...

Für Clara Zetkin begann alles mit dem Besuch einer Schusterwerkstatt. Eingeladen wurde sie von einem guten Freund und beide schlichen in der Dunkelheit zum Haus des Schustern. Gemeinsam mit acht weiteren Interessierten lauschte sie dem Vortrag zur Emanzipation der Frau. Das war in Leipzig und zwar im Jahr 1878. Die Frauenbewegung steckte noch in den Kinderschuhen und Frau Zetkin sowie ihre Mitstreiter hatten es schwer. Sie ließ sich nicht beirren und eröffnete im Jahr 1932 sogar den Reichstag als Alterspräsidentin. Ja, die Nazis drohten ihr und wollten den Auftritt mit aller Macht verhindert. Sie kümmerte sich nicht darum. Der erste Frauentag wurde von ihr initiiert und das bereits am 19.03.1911. Das heutige Datum, der 08.03. geht auf die Februarrevolution zurück und das nach dem gregorianischen Kalender.

Welch ein beeindruckendes Buch und wie bemerkenswert die Biographie von Clara Zetkin. Sie wandte sich gegen die Ausbeutung jeglicher Art und der Faschismus war ihr ein Gräuel. Weitere Persönlichkeiten, die hier erwähnt werden sind unter anderem: Wilhelm Liebknecht, August Bebel und auch die Pariser Kommune. Alle wollten beispielsweise das Leben der einfachen Arbeiter erleichtern und den Frauen mehr Rechte einräumen. Robert Bosch war übrigens einer der ersten Arbeitgeber, die den 8-Stunden-Tag einführten. Er wollte als sozialer Chef in die Annalen eingehen.

Sehr gut gefielen mir die vielen originalen Fotos, die das Leben damals noch einmal so klar und wahr werden lassen. Zum Schluss gibt es auch noch ein Interview mit Frau Zetkin sowie ihre Rede im Reichstag in Berlin nachzulesen. Ein kurzer Lebenslauf sowie die Angabe von Quellen fehlten ebenfalls nicht. Das Buch werde ich mit Sicherheit noch häufig zur Hand nehmen. Ja, ich empfehle es ausdrücklich.

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Veröffentlicht am 22.04.2021

Der große Meister ganz privat

Rembrandts Geliebte
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Geertje Dircx war viele Jahre lang die Lebensgefährtin Rembrandts. Die Liebe zerbrach als eine jüngere in das Leben des Malers trat. Leider gingen die beiden nicht friedlich auseinander. Das Gegenteil ...

Geertje Dircx war viele Jahre lang die Lebensgefährtin Rembrandts. Die Liebe zerbrach als eine jüngere in das Leben des Malers trat. Leider gingen die beiden nicht friedlich auseinander. Das Gegenteil war der Fall. Rembrandt sorgte dafür, dass Geertje verhaftet und verurteilt wurde. Dass hier nicht alles mit Gerechtigkeit zu tun hatte, konnten selbst Außenstehende sehen.

Das Titelbild des Buches „Rembrandts Geliebte“ zeigt ein Gemälde des Meisters. Es trägt den Namen „Junge Frau mit roter Halskette“ und stammt etwa aus dem Jahr 1645. Die meisten der hier erwähnten Figuren lebten und auch viele Ereignisse fanden tatsächlich statt. Leider konnte Geertje während ihres Lebens nicht öffentlich rehabilitiert werden. Dass das nach etlichen Jahren dann doch noch stattfand, hilft ihr auch nicht mehr.

Der Roman ist wie eine Romanbiographie aufgebaut. Es wird nicht nur das Leben Geertjes beschrieben, das sie mit Rembrandt teilte. Auch ihre Jugend sowie die Zeit nach der Trennung wird erwähnt. Es ist in lebendiger Sprache geschrieben und soweit ich das beurteilen kann, hat die Autorin viel Zeit mit dem Recherchieren verbracht. Für mich war durchaus interessant, dass ich den großen Künstler auch einmal privat kennenlernen durfte.

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Veröffentlicht am 20.04.2021

Goethe und seine Einstellung zur Natur

Der Atem der Welt
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In „Der Atem der Welt“ zeigt Stefan Bollmann eine Seite des „Dichterfürsten“ Johann Wolfgang von Goethe, die so wohl nur wenigen Menschen bekannt ist. Goethe war sehr mit der Natur verbunden und brachte ...

In „Der Atem der Welt“ zeigt Stefan Bollmann eine Seite des „Dichterfürsten“ Johann Wolfgang von Goethe, die so wohl nur wenigen Menschen bekannt ist. Goethe war sehr mit der Natur verbunden und brachte sogar eigene Forschungen auf den Weg. Seine Freundschaft zu Schiller und dem Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt gehören ebenfalls zum Thema dieser Biographie. Er reiste nach Italien, in die Schweiz und besuchte in Deutschland etliche Orte, wo er sich ganz dem Wirken und dem Beobachten der Natur hingibt.

Erst als ich eine Biographie von Friedrich von Schiller las und dabei erfuhr, dass auch Goethe ein guter Bekannter von ihm war, interessierte ich mich vermehrt für den bekannten Dichter. So kam mir die Veröffentlichung von „Der Atem der Welt“ genau zum passenden Augenblick. Seine Sicht auf die Schöpfung mit all ihren kleinen und großen Wunder beeindruckt. Aber auch die Tatsache, wie er bereits vor so vielen Jahren erkannte, dass wir Menschen sorgsam mit der Natur umgehen sollten.

Stefan Bollmann hat nicht nur umfassend recherchiert und lockert die Biographie zudem immer wieder mit Versen auf. Nein, sein Stil ist niemals trocken und es fällt leicht, dem spannenden Buch zu folgen. Wer Goethe einmal ganz anders vor Augen haben und dabei auch einige seiner damaligen Weggefährten erleben möchte, der sollte sich diese Biographie gönnen.

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Veröffentlicht am 16.04.2021

"Und die Welt schlief"

Jaffa Road
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„Piccola Sicilia“, das Buch gefiel mir sehr gut und ich freute mich auf die Fortsetzung. Auch die „Jaffa Road“ beeindruckte mich. Schon auf den ersten Seiten begegnete ich alten Bekannte. Nina und ihre ...

„Piccola Sicilia“, das Buch gefiel mir sehr gut und ich freute mich auf die Fortsetzung. Auch die „Jaffa Road“ beeindruckte mich. Schon auf den ersten Seiten begegnete ich alten Bekannte. Nina und ihre Tante Joelle reisen nach Palermo. Sie bekamen Post von einem Notar, der den Nachlass von Moritz regelt. Sie begegnen einem jungen Mann namens Elias. Er behauptet, dass er der Sohn von Moritz sei. Das ist die Gegenwart, die nur hin und wieder erwähnt wird. Viel häufiger schreibt der Autor über die „Jaffa Road“. Wie es war als die Juden kamen und sich in den Häusern der Palästinenser breit machten.

Welch ein Roman. Eigentlich war für mich stets klar, dass ich mich nie beeinflussen lasse und immer die Meinung beider Seiten berücksichtige, wenn es Streitereien gibt. Nicht so bei dem sogenannten „Nahostkonflikt“. Ich sah nur die Situation der Juden und hinterfragte nicht, wie es den Palästinensern dabei ging. Beim Lesen von "Jaffa Road" wurde mir endlich bewusst, welches Leid über die Menschen dieses Landes hereinbrach als der Staat Israel ausgerufen wurde. Die #JaffaRoad steht dabei als Beispiel für viele Straßen, in denen vorher Juden und Muslime friedlich nebeneinander lebten. Der Hass und die Gewalt kamen erst später.

"Jaffa Road" zeigt etliche Ereignisse, die dokumentiert und also wahr sind. Menschen wurden getötet oder aus ihren Häusern vertrieben. Ihnen wurde glaubhaft versichert, dass sie nach wenigen Wochen in ihr Heim zurückkehren dürfen. Dass diese Versicherung eine Lüge war, das erkannten viele erst sehr spät. Bis heute gibt es Flüchtlingscamps und keine Lösung für den Konflikt. Was dachten sich die Briten damals eigentlich als sie die Menschen alleine ließen? Und mit welcher Berechtigung verteilte die UNO ein Gebiet, das niemand dieser Herren kannte? Ich bin froh, dass Daniel Speck mir die Augen öffnete und ich eine andere Sicht der Situation erhielt. Und diese aufrührende Geschichte, verpackt in einem Roman zu lesen, das war bewegend und lehrreich zugleich.

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Veröffentlicht am 16.04.2021

Der Duft alter Rosen und eine große Liebe

Die Roseninsel
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Liv, so heißt eine der Hauptpersonen im Roman „Die Roseninsel“. Sie ist Ärztin in Berlin und flüchtet vor der Last ihrer Erinnerungen. Sie ist vom Leben und den Menschen enttäuscht und möchte nur noch ...

Liv, so heißt eine der Hauptpersonen im Roman „Die Roseninsel“. Sie ist Ärztin in Berlin und flüchtet vor der Last ihrer Erinnerungen. Sie ist vom Leben und den Menschen enttäuscht und möchte nur noch ihre Ruhe haben. Wie passend, dass aktuell eine Stelle auf der Roseninsel im Starnberger See frei ist. Und, wie es der Zufall will, ihre Bewerbung positiv beschieden wird. Liv begibt sich also auf Reisen und wird die nächsten Wochen in dem Haus eines Gärtners, und das mitten in einem Rosengarten verbringen. Zum Glück gibt es noch Johannes, den Sohn eines Wirtes, der sie mit Lebensmitteln versorgt. Und dann findet Liv in der königlichen Villa ein Tagebuch, welches sie in die Vergangenheit führt. Geschrieben wurde es von Magdalena, einer jungen Frau, die gegen ihren Willen auf der Roseninsel leben musste. Sie war nicht irgendeine Frau, nein, sie war mit den Königen Bayerns verwandt und ihre Geschichte beginnt im Jahr1889.

„Die Roseninsel“ ist ein Roman für warme Sommerabende auf der Terrasse oder dem Balkon. Die Beschreibung der alten Rosensorten gefiel mir ausgesprochen gut. Ich konnte den Duft der „Souvenir de la Malmaison“ förmlich riechen. Ja, die Autorin kennt sich mit dieser „Königin“ der Blumen bestens aus. In dem Buch zeigt sich ebenfalls, dass die Liebe zeitlos und nicht modern oder antik ist. Egal, ob vor 100 Jahren oder gegenwärtig. Es gibt mit Sicherheit Leser die bemängeln, dass die Story vorhersehbar ist. Und trotzdem empfehle ich das Buch. Der Grund dafür: Fakten, die ich vorher so nicht kannte und die betreffen unter anderem den Prinzregenten Leopold und König Otto I. von Bayern. Auf die Tatsachen weist die Autorin im Anhang hin und erwähnt gleichzeitig, dass etliche Figuren Produkte ihrer Fantasie sind.

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