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Veröffentlicht am 03.01.2023

Ein großartiges Stück Zeitgeschichte

Ginsterhöhe
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Anna-Maria Caspari nimmt uns in ihrem Roman, der allerdings auf wahren Begebenheiten beruht, mit in ein kleines Dorf in der Eifel. Im Mittelpunkt steht der Jungbauer Albert, der mit einer grauenhaften ...

Anna-Maria Caspari nimmt uns in ihrem Roman, der allerdings auf wahren Begebenheiten beruht, mit in ein kleines Dorf in der Eifel. Im Mittelpunkt steht der Jungbauer Albert, der mit einer grauenhaften Verletzung aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrt, die sein Gesicht zu einer schrecklichen Fratze entstellt hat. Sogar seine eigene Frau Bertha wendet sich von ihm ab. Albert leidet verständlicherweise sehr darunter. Einer der wenigen Strohhalme, die ihn am Leben erhalten, sind neben seinem kleinen Sohn Karl, die nicht zu leugnende Nähe zu der Witwe seines besten Freundes, der im Krieg gefallen ist. Leni hat offenbar mit Alberts Verletzung überhaupt keine Probleme, was für mich von Anfang an einen eindeutigen Liebesbeweis darstellt. Doch den Konventionen entsprechend bleibt Albert bei seiner Frau Bertha, und so wendet sich Leni einem anderen Mann zu, einzig und allein um materiell versorgt zu sein. Ihr neuer Ehegatte, Johann Meller, ist allerdings ein überzeugter Nationalsozialist, und da wir uns mittlerweile im Roman in den Dreißigerjahren befinden, leiden im Dorf alle, die vermeintlich anders sind, ob es nun Juden, Behinderte oder andere Angehörige einer Minderheit sind. Leider traut sich auch offiziell keiner der Dorfbewohner gegen die neuen Machthaber Stellung zu beziehen, und so passiert das eine oder andere menschliche Drama, auf das ich hier nicht weiter eingehen möchte, um die Spannung nicht kaputt zu machen. Anna-Maria Casparis Schreibstil ist extrem flüssig und angenehm, und ich war sofort in der Geschichte drin. Ihre Charaktere sind sehr authentisch gezeichnet, ich fühlte mich den Protagonisten durchweg nahe und konnte alles gut nachvollziehen. Zwar hatte ich, was den Spannungsfaktor betrifft, ein paar Startschwierigkeiten, doch spätestens nach dem ersten Drittel nimmt die Geschichte so an Fahrt auf, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und in einem Rutsch durchgelesen habe. Der Autorin ist hier aufgrund großartiger Recherche ein hochinteressantes Stück Zeitgeschichte eingebettet in einen extrem abwechslungsreichen Roman gelungen. Danke für perfekte Leseunterhaltung, dafür gibt es von mir selbstverständlich die volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 31.12.2022

Mehr als gelungene Fortsetzung

Die Stewardessen. Bis zum Horizont
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Da ich schon mit großer Begeisterung den ersten Teil rund um die Lufthansa Stewardess Margot Frei gelesen hatte, war ich natürlich sehr gespannt auf die Fortsetzung! Schon das Cover stellt einen großen ...

Da ich schon mit großer Begeisterung den ersten Teil rund um die Lufthansa Stewardess Margot Frei gelesen hatte, war ich natürlich sehr gespannt auf die Fortsetzung! Schon das Cover stellt einen großen Wiedererkennungswert dar, man weiß sofort; dass es sich um die gleiche Reihe handelt, das hat mir sehr gut gefallen! Aufgrund ihrer Schummelei im Lebenslauf, die Margot seinerzeit bei ihrer Bewerbung als Stewardess bei der Lufthansa eingebaut hatte, ist sie sehr besorgt, dass diese irgendwann ans Licht kommen und gegebenenfalls zu einer Entlassung führen könnte. Aus diesem Grunde nutzt sie die Beziehungen zu einem Manager der Pan Am und bewirbt sich bei der amerikanischen Fluggesellschaft. Als sie dort angenommen wird, verlegt sie sogar ihren Wohnsitz und Lebensmittelpunkt nach New York. Auch wenn ihre Eltern, vor allem ihr Vater, diesen Schritt nicht unbedingt gut heißen, geht Margot selbstbewusst ihren Weg und verwirklicht ihre Träume. Wir befinden uns diesmal bereits im Jahr 1957 und erfahren wieder aufgrund der perfekten Recherche von Svea Lenz eine Menge über Lebensgefühl und Stil der 50ger Jahre. Immer wieder hat es mich entsetzt, auch wenn man es eigentlich wusste, wie unterschiedlich und rückständig das,damalige Frauenbild war. Der Schreibstil der Autorin ist auch diesmal wieder extrem flüssig und angenehm. Die Handlung war spannend, und auch diesmal konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen! Danke an die Autorin für ein Stück großartige Leseunterhaltung. Selbstverständlich gibt es hierfür die volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 29.11.2022

Dieses Buch hat mich wirklich bewegt

Brunnenstraße
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Natürlich gibt bereits der Klappentext einen kleinen ersten Einblick, dass es sich bei der hier vorliegenden Autobiographie der bekannten Schauspielerin Andrea Sawatzki um harten Tobak handelt. Dass mich ...

Natürlich gibt bereits der Klappentext einen kleinen ersten Einblick, dass es sich bei der hier vorliegenden Autobiographie der bekannten Schauspielerin Andrea Sawatzki um harten Tobak handelt. Dass mich die Schilderungen der Kindheit der Autorin dann allerdings tatsächlich derart bewegen und mitnehmen würden, hatte ich zugegebenermaßen nicht unbedingt erwartet! Die ersten Jahre ihres Lebens verbringt Andrea Sawatzki einigermaßen harmonisch, und das trotzdem ihre Mutter alleinerziehend und erwerbstätig war, was damals gegen Mitte und Ende der 60ger Jahre des letzten Jahrhunderts nicht unbedingt zu den üblichen Lebensmodellen zählte. Hervorgegangen aus einer langjährigen Affäre, die ihre Mutter mit einem verheirateten Mann hatte, bekennt sich dieser erst dann zu Frau und Tochter als seine erste Gattin stirbt. So bekommt unsere Protagonistin also erst einen Vater als sie bereits acht Jahre alt ist. Doch soll sich dieses traditionelle Familienleben nun alles andere als idyllisch gestalten, denn bei Günther Sawatzki, einem freiberuflichen Journalisten, wird schnell eine frühe Form von Alzheimer diagnostiziert. Nicht mehr arbeitsfähig muss er gezwungenermaßen das Haus hüten, Andreas Mutter kommt die Rolle der Familienernährerin zu, und die bald zehnjährige Tochter muss sich gezwungenermaßen um den kranken Vater kümmern. Dass sie dabei schnell an ihre Grenzen stößt, liegt wohl in der Natur der Sache. Günther Sawatzki wird aggressiv, schlägt seine Tochter, hat seine einfachste Körperhygiene nicht mehr im Griff, die Tochter versucht, dies alles mit ihm zu meistern, während die Mutter ihren Job Tag und Nacht als Krankenschwester erledigt. Andrea fällt in der Schule ab, da ihr der Vater nachts den Schlaf raubt, sie hat alles andere als eine normale Kindheit und Jugend, das halbwüchsige Kind ist mit dieser Aufgabe NATÜRLICH hoffnungslos überfordert. Aus heutiger Sicht denkt man, "und das ist niemandem aufgefallen? Wo waren Nachbarn, Lehrer und andere Wegbegleiter der Familie?" Aber die Mutter und Tochter sind Meister im Vertuschen, Andrea wohl eher gezwungenermaßen, um den Ansprüchen und Erwartungen ihrer Mutter gerecht werden will, die um nichts in der Welt den schwerkranken geliebten Ehemann in ein Heim geben möchte. Die spätere Schauspielerin lässt uns in dieser Autobiographie auf extrem offene und bewundernswerte Art und Weise daran teilhaben, wie sie um ihre Kindheit und Jugend betrogen wurde, ja wie sie verständlicherweise sogar den Tod des Vaters herbei sehnte, um endlich ein normales Leben in Freiheit nur mit ihrer Mutter führen zu können. In kurzen gut strukturierten Kapiteln, die einen das Buch nur schwer aus der Hand legen lassen, schildert Andrea Sawatzki, die eben nicht nur über schauspielerische, sondern auch schriftstellerische Fähigkeiten verfügt, die Jahre ihrer Kindheit und Jugend, die so massiv und leider vor allem negativ durch ihren Vater beeinflusst waren. Danke an die Autorin für diese Offenheit und ein großartiges Buch, das ich hiermit unbedingt empfehlen möchte!

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Veröffentlicht am 27.11.2022

Gelungene Fortsetzung - wieder ein Lesehighlight

Kinder des Aufbruchs
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Zwei Jahre ist es tatsächlich her, dass mir Claire Winter mit ihrem Roman "Kinder ihrer Zeit" ein Lesehighlight beschert hat. Nun knüpft sie mit der Fortsetzung "Kinder des Aufbruchs" unmittelbar daran ...

Zwei Jahre ist es tatsächlich her, dass mir Claire Winter mit ihrem Roman "Kinder ihrer Zeit" ein Lesehighlight beschert hat. Nun knüpft sie mit der Fortsetzung "Kinder des Aufbruchs" unmittelbar daran an, und sofort war ich wieder mitten in der Geschichte. Wieder stehen die Zwillinge Alice und Emma im Mittelpunkt, mittlerweile 33 Jahre alt. Nach Alices gelungener Flucht aus der DDR leben nun beide im Westteil Berlins, Alice als Journalistin tägig, verheiratet mit Rechtsanwalt Max und der gemeinsamen Tochter Lisa, Emma ist Dolmetscherin, verheiratet mit Julius, beide bisher leider kinderlos, bis Julius erwachsene Tochter Sonja auftaucht, von deren Existenz Julius bis dato nichts wusste. Währenddessen kümmert sich Emma um Waisenkind Luca, der in einem Heim ein trauriges Dasein fristet, und den sie bei einem Einsatz als Dolmetscherin kennenlernt. Was verbirgt sich hinter dem Schicksal des verängstigten kleinen Jungen? In knappen kurzen Kapiteln, jeweils wechselnd aus der Perspektive der beiden Frauen und deren Ehemännern, erzählt die Autorin in flüssigem sogartigem und rasant spannenden Schreibstil die Geschichte der jungen Frauen im Deutschland Ende der 60ger Jahre. Es passierte damals so viel an politischen Umbrüchen, dass die Autorin nur wenig Fiktives dazu konstruieren muss. Es war eine rasante, teils dramatische Zeit, Studentenunruhen, der Schah-Besuch, der Tod von Benno Ohnesorg, und Emma und Alice mit ihren Familien immer mittendrin. Fluchtversuche aus der DDR spitzen sich zu, die beiden Schwestern erleben alles hautnah mit in ihren Freundeskreisen, der Roman mit seinem realen Hintergrund wird so atemlos und spannend erzählt, dass ich das Buch nur schwer aus der Hand legen konnte. Die Charaktere sind derart authentisch skizziert wie man es als Leser von Claire Winter gewohnt ist, ich war wieder einmal komplett begeistert und bedanke mich für absolut perfekte Leseunterhaltung. Dafür gibt es selbstverständlich die volle fünf Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 24.11.2022

Packende Biographie einer Top-Agentin

Agent Sonja
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Wow, dieses Buch entsprach genau meinem Beuteschema, ich bin nur so durch die Seiten geflogen! Eine mehr als gelungene Mischung aus packendem Thriller und Biographie, dazu viel viel politische Hintergründe ...

Wow, dieses Buch entsprach genau meinem Beuteschema, ich bin nur so durch die Seiten geflogen! Eine mehr als gelungene Mischung aus packendem Thriller und Biographie, dazu viel viel politische Hintergründe aus dem letzten Jahrhundert, alles jüngste Geschichte unseres Landes bzw. auch weltweites Geschehen und im Mittelpunkt eine starke Frauenfigur, da hat der Autor mich komplett abgeholt, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Protagonistin Ursula Kuczynski, Deckname Agent Sonja, geboren 1907 in Berlin (meiner geliebten Heimatstadt), Kind einer wohlhabenden gutbürgerlichen jüdischen Familie. Und doch trotzdem oder gerade deshalb ganz ganz früh ist sie überzeugte Kommunistin, engagiert, dabei aber nicht laut und auffällig, sondern im Hintergrund, so dass sie offensichtlich wie gemacht war für eine Tätigkeit als Top-Agentin des sowjetischen Geheimdienstes. Ihr Leben führte sie durch die halbe Welt, gemeinsam mit ihrem Ehemann, nach China, die Sowjetunion, Polen, die Schweiz, um nur einige Länder zu nennen. Wie Agentin Sonja all das unter einen Hut bekommt, immerhin war sie auch mehrfache Mutter, hat mich mehr als fasziniert, auch wenn ich ihre politische Einstellung in keiner Weise teile. Außerdem musste ich mir immer wieder vor Augen führen, dass es sich nicht um einen spannenden fiktiven Roman, sondern um Realität handelt, ein Stück tatsächlich passierte Geschichte! In meinen Augen ganz ganz großes Kino, ein Dankeschön an den Autor für perfekte Leseunterhaltung, großartige Recherchearbeit, deshalb selbstverständlich die volle Punktzahl und eine absolute Empfehlung!

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