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Veröffentlicht am 01.07.2021

Dramatisches Familienschicksal

Von hier bis zum Anfang
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Der Klappentext und die Leseprobe hatten mich sehr neugierig gemacht, und mir wurde hier von Chris Whitaker durchaus spannende Leseunterhaltung geboten. Zwar hat mich das Cover in seiner Farbwahl nicht ...

Der Klappentext und die Leseprobe hatten mich sehr neugierig gemacht, und mir wurde hier von Chris Whitaker durchaus spannende Leseunterhaltung geboten. Zwar hat mich das Cover in seiner Farbwahl nicht unbedingt 100%ig angesprochen, doch passt es tatsächlich sehr gut zur Geschichte, die den Leser mit nach Cape Haven, einen beschaulichen Ort in Kalifornien nimmt. Wir lernen das Mädchen Duchess kennen, das sich eigentlich mitten in der Pubertät befindet, doch für altersadäquate Themen und Beschäftigungen bleiben ihr leider keine Zeit! Sie wirkt für ihr Alter ungeheuer erwachsen, denn hat sie schon früh die Mutterrolle bei ihrem jüngeren Bruder Robin übernehmen müssen. Star, die Mutter der beiden, ist alkoholabhängig und extem depressiv und dämmert größtenteils im Bett vor sich hin. Duchess ist nach außen hin rotzig und ruppig und lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen, doch hat sie einen weichen Kern und ein liebevolles Wesen, sonst könnte sie sich nicht so aufopfernd um ihren Bruder kümmern, dessen Bedürfnisse sie exakt kennt und alles für ihn tut. Fast nie ist genug zu essen da für die beiden Kinder, Duchess spart sich selbst alles vom Munde ab, damit ihr kleiner Bruder zumindest annähernd ausreichend satt wird. Der Autor schildert uns seine Protagonisten unglaublich intensiv, ich konnte mit dem jungen Mädchen mitleiden und ihre Handlungen sehr sehr gut nachvollziehen. Star, die Mutter der beiden, scheint an einem Ereignis, das 30 Jahre zurück liegt, verzweifelt zu sein, ihre Schwester kam als Kind ums Leben, der Mörder kommt am Anfang unserer Geschichte aus dem Gefängnis frei, wirkt aber auf den Leser nicht wirklich gewalttätig. Der Constable des Ortes, namens Walker, die gute Seele der Gemeinde, kümmert sich sowohl um Duchess und ihre Familie als auch um Vincent, den vermeintlichen freigelassenen Mörder. Der Hüter des Gesetzes scheint hier alles ein wenig zusammen zu halten und ist einer der weiteren zentralen Charaktere. Chris Whitaker erzählt sehr atmosphärisch in einem fast poetischen Schreibstil, und auch wenn es einige Längen gibt, schreibt er flüssig und sehr angenehm. Ich fühlte mich an die Stimmung bei "Herr der Gezeiten" von Pat Conroy erinnert, auch wenn wir uns hier an einem gänzlich anderen Ort der USA befinden. Von mir vier Sterne und eine Leseempfehlung!

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.06.2021

Der Schöne und das Biest

Blütenschatten
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Annalena McAfee nimmt uns in ihrem Roman „Blütenschatten“ mit ins Künstlermilieu, wo wir ihre Protagonistin Eve kennenlernen, eine extrem exzentrische Malerin in den 60igern, die quasi ihre besten Jahre ...

Annalena McAfee nimmt uns in ihrem Roman „Blütenschatten“ mit ins Künstlermilieu, wo wir ihre Protagonistin Eve kennenlernen, eine extrem exzentrische Malerin in den 60igern, die quasi ihre besten Jahre überschritten hat (was sind heutzutage schon die besten Jahre???). Eve, die in London lebt, und deren Ehe ein Scherbenhaufen ist, lebt für die Bilder, mit denen sie sich verwirklicht, alle Arten von Blumen und Pflanzen, im aktuellen Fall Giftpflanzen, ein schönes Bild der Autorin, da Eve selbst die Giftigste von allen ist. Die Künstlerin hat nebenbei auch noch einen Hang zu jugendlichen Liebhabern, der neuste ist nicht einmal halb so alt wie sie. Als Leser ist man hin und her gerissen, eigentlich das gesamte Buch über, erliegt man nun der Faszination dieser irgendwie charismatischen Frau, die Menschen durchaus an sich zu binden weiß, oder soll man sie hassen, weil sie ein echtes Luder ist, boshaft fast bis zur Abartigkeit. Dieser Zwiespalt, in dem ich mich befand, lässt mich auch nun, wo ich das Buch längst beendet habe, nicht wirklich los, ein Werk, das mit Sicherheit noch länger nachwirkt. Wie weit darf Egoismus gehen, wie weit der eigene Hang zur Selbstverwirklichung? Die Kreise, eben das Künstlermilieu, in dem die Geschichte spielt, hat Annalena McAfee großartig eingefangen, so oder ähnlich kann man sich die durchweg skurrilen und exzentrischen Charaktere gut vorstellen. Ihr Schreibstil ist nicht immer ganz einfach, und dabei wortgewaltig, ja stellenweise geradezu poetisch. Anfangs hatte ich ein paar kleine Startschwierigkeiten, doch das gibt sich schnell, finde ich. Alles in allem lohnt es sich, dieses Buch zu lesen, einfach mal etwas Anderes, von mir vier Sterne für eine Geschichte der ganz besonderen Art!

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Veröffentlicht am 03.05.2021

Eine Frau zwischen Liebe und Kunst

Die Bildhauerin
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Bereits die Leseprobe des Romans "Die Bildhauerin" aus der Reihe "Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe" erschienen im Aufbau Verlag hatte mir ausgesprochen gut gefallen! Im Buch geht es ...

Bereits die Leseprobe des Romans "Die Bildhauerin" aus der Reihe "Außergewöhnliche Frauen zwischen Aufbruch und Liebe" erschienen im Aufbau Verlag hatte mir ausgesprochen gut gefallen! Im Buch geht es um Teile des Lebens der Bildhauerin Camille Claudel, die Ende des 19. Jahrhunderts lebte und als Bildhauerin Großes leistete, was in der damaligen Zeit für eine junge Frau alles andere als selbstverständlich war. Die Autorin nimmt uns von Anfang an direkt mit in die Geschichte, der Schreibstil ist ungeheuer flüssig und angenehm, die einzelnen Figuren sehr anschaulich geschildert. Es hat mich entsetzt, auch wenn man es natürlich vorher bereitis wusste, wie viele Steine jungen Frauen in den Weg ihrer Selbstverwirklichung gelegt wurden. Das Selbstbesusstein Camilles, die tatsächlich bereits von Kindesbeinen an wusste, dass sie einen Weg in die Künstlerlaufbahn einschlagen will, u. vor allem, was sie nicht wollte, nämlich lediglich als Anhängsel einen für sie auserwählten Ehemanns fungieren, hat mich fasziniert. Zwar hat mich auch ihre Rücksichtslosigkeit teilweise ein bisschen geschockt, als sie beispielsweise das Dienstmädchen der Familie aus deren Kammer verweist, da sie diese als Atelier nutzen möchte, aber vermutlich war es anders nicht möglich, um sich auch nur ansatzweise durchzusetzen. Die Exentrik und Schwierigkeit Camille Claudels, mit anderen Menschen wirklich erfüllend umzugehen, zog sich offenbar durch ihr gesamtes Leben. Allerdings wurden ihr auch durch Gesellschaft sowie die eigene Mutter immer wieder Repressalien auferlegt. Einzig ihr Vater hielt dauerhaft zu ihr. Camille schafft es trotzdem, ihren Weg zu gehen, mietet mit anderen Studentinnen eine Wohnung an, wo sie ihre Kunst gestalten können. Die junge Frau lernt Auguste Rodin kennen und lieben, der sie in der Bildhauerei unterrrichtet. Die beiden verbindet eine tiefe Beziehung, u. doch bleibt Claudel in seinem Schatten.
Die Geschichte insgesamt hat mich überzeugt, ich wusste vorher so gut wie nichts über die beiden Künstler u. konnte hier einige Lücken füllen. Allerdings war das Ende nicht 100%ig befriedigend, mir hat ein Nachwort gefehlt mit näheren Angaben, oder wird es eine Fortsetzung geben? Auch hätte das allgemeine Leben der Boheme in Paris einen noch größeren Teil einnehmen könen für meinen Geschmack, das Buch hätte gut und gerne noch etwas länger sein dürfen. Trotz der kleinen Kritikpunkte gibt es von mir eine Leseempfehlung, ich fühlte mich gut und kurzweilig unterhalten und konnte ebenfalls auf eine spannende Art und Weise ganz nebenbei einige Wissenslücken füllen!

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Veröffentlicht am 25.04.2021

Ehebruch - ein Tabu???

Roman d’amour
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"Warum ist die Leidenschaft so lebenswichtig, wo sie doch das Leiden zwangsläufig bereithält?" Eigentlich fast ein Nebensatz, eher unwichtig erscheinend aus dem "Roman d'amour" von Sylvie Schenk, der für ...

"Warum ist die Leidenschaft so lebenswichtig, wo sie doch das Leiden zwangsläufig bereithält?" Eigentlich fast ein Nebensatz, eher unwichtig erscheinend aus dem "Roman d'amour" von Sylvie Schenk, der für mich aber eine der zentralen Botschaften dieses Buches transportiert!

Eine Schriftstellerin hat eine eigens erlebte Affäre in einem Roman verarbeitet, für den sie nun einen Preis erhalten soll. Am Tag der Verleihung führt eine Journalistin mit ihr ein Gespräch rund um dieses Buch. Um dieses Interview rankt sich die gesamte Geschichte. Was darf Liebe, was darf sie nicht? Ist Ehebruch gar erlaubt, wenn die Verbindung doch für die Partner unbefriedigend ist? Wie steht es in unserer Gesellschaft mit der Akzeptanz einer Liason einer älteren Frau mit einem jüngeren Mann? Hier werden Tabuthemen beleuchtet, philosophische Betrachtungen ganz nebenbei mit eingestreut. Eine nicht mehr ganz junge Schuldirektorin hat eine Affäre mit einem jüngeren Kollegen, verbringt mit ihm sogar einen Kurzurlaub in Irland, aber es ist kein oberflächlicher Liebesroman, den uns Sylvie Schenk hier vorlegt. Obwohl es sich um ein recht dünnes Büchlein handelt, habe ich es nicht in einem Rutsch durchlesen könnnen, dafür ist es thematisch zu kompakt, die einzelnen Passagen mussten zwischendurch immer wieder verdaut werden. Und zugegebenermaßen hatte ich zeitweise auch meine Probleme, die Geschichte in der Geschichte, also die einzelnen Protagonisten voneinander zu trennen. Das ist wohl Autofiktion, die verwendet wird, momentan sehr en vogue, habe ich den Eindruck. Ist es also sogar von der Autorin beabsichtigt, dass ich als Leser nicht mehr unterscheiden kann? Für mich war es dadurch nicht ganz leichte Kost, aber ich habe sehr interessante Denkansätze bekommen. Ich mochte den geradezu poetischen Schreibstil von Sylvie Schenk! Hierfür gibt es von mir vier Sterne und eine Leseempfehlung für eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art!

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Veröffentlicht am 12.04.2021

Aus dem Leben eines Mönchs

Aus der Mitte des Sees
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Auf das Buch aufmerksam geworden war ich zum einen durch seinen Titel als auch die Erwähnung im Klappentext, dass sich der Protagonist Entscheidungen beim Schwimmen stellt. Etwas, was mir in den letzten ...

Auf das Buch aufmerksam geworden war ich zum einen durch seinen Titel als auch die Erwähnung im Klappentext, dass sich der Protagonist Entscheidungen beim Schwimmen stellt. Etwas, was mir in den letzten Jahren auch schon mal so ging.

Wir lernen in diesem Roman von Moritz Heger den jungen Mönch Lukas kennen und begleiten ihn 14 Tage in seinem Leben in einem Kloster. Durch den sogenannten Gastflügel, der Externe für einen gewissen Zeitraum beherbergt, kommen die Klosterbrüder mit anderen Menschen, selbstverständlich auch Frauen, in Berührung. Alles, was in dieser Geschichte erzählt wird, erfahren wir ausschließlich durch Lukas' Gedanken, es ist, als wären wir in seinem Kopf. Mich hat dies anfangs etwas verwirrt, weil es ein ungewohnter Stil war, und doch hat es eine gewisse Faszination ausgeübt. Es erinnerte mich an die eigenen Denkprozesse, bei denen man hin und her springt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Lukas und mit ihm auch der Leser nähert sich so existenziellen allgemeinen philosophischen Fragen, aber wir erleben auch alltägliche Details aus seinem Leben im Kloster. Wie geht er mit Versuchungen um, wie verarbeitet er den Verlust eines Freundes und Mitbruders, der zum weltlichen Leben zurück gekehrt ist.

Aufgrund der Kürze des Buches werden leider für mich nicht alle auftauchenden Fragen zufriedenstellend beantwortet. Einiges wird nur gestreift, ich hätte über einige Charaktere und Lukas' Vorgeschichte gerne noch mehr erfahren. Deshalb nicht die volle Punktzahl. Aber alles in allem eine ruhige Geschichte, für die ich an diejenigen, die sich darauf einzulassen bereit sind, eine Leseempfehlung aussprechen möchte! Der ruhige Erzählstil und die wunderbaren philosophischen Denkanstöße waren einmal erwas ganz Anderes!

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