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Veröffentlicht am 15.05.2021

Eine wunderbare Geschichte

Ein Garten für zwei
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In der Geschichte begleiten wir Luise Thome auf einer Reise zu sich selbst. Als Anwältin weiß sie wie der Hase läuft und zusammen mit ihrem Kollegen Felix packen sie die besten Fälle beim Schopf und gehen ...

In der Geschichte begleiten wir Luise Thome auf einer Reise zu sich selbst. Als Anwältin weiß sie wie der Hase läuft und zusammen mit ihrem Kollegen Felix packen sie die besten Fälle beim Schopf und gehen meist immer als Gewinner aus dem Fall. Ganz zu Gunsten von ihrem Chef Carl Steinkopf, der Lu zur Partnerin haben will. Doch dann geschieht etwas Trauriges: Pip, Luises Bruder stirbt bei einem tragischen Unfall und von dem Zeitpunkt an ist in ihrem Leben nichts mehr wie es einmal war. Panik steigt in ihr auf, wenn sie an ihre Arbeit denkt. Sie will nicht mehr in ihr altes Leben zurück. Sie kann nicht. Nicht jetzt. Vielleicht zu keiner Zeit?

Von dem Zeitpunkt an macht sich Luise das erste Mal auf den Weg, um den Garten von ihrem verstorbenen Bruder zu sehen. Ein kleines Haus, ein Garten der mittlerweile verwildert aussieht und eine Kletterhortensie, die, so wie es aussieht, mit Pip gestorben ist. Luise merkt, dass sie nichts damit anfangen kann und schon gar nicht mit dem launigen und lausigen Gartennachbarn Niko. Es ist einfach nicht ihr Leben, aber sie spürt, dass sie jetzt noch nicht zurück kann in ihr altes Leben. In die Kanzlei, nach Berlin.

Dann nimmt alles seinen Lauf. Wir sehen Luise bei ihrer Entwicklung zu, wie sie von der starren Anwältin zur fröhlichen Gärtnerin wird, wie sich ihr Leben verändert, während sie sich eine Auszeit nimmt und es zeigt uns auf, wie schnell man wieder in alte Muster verfallen kann, die einem nicht gut tun und man Dinge tut, die nur anderen zugute kommen und nicht einem selbst. Dabei ist es so wichtig, etwas für sich selbst zutun. Sich eine Auszeit zu gönnen.

Ein wunderschöner Roman, der einem das Herz zerreißt, zusammensetzt, einen schmunzeln lässt und manchmal erkennt man auch in manchen Zeilen sich selbst. Ich habe mich definitiv erkannt, denn ich konnte alles was in der Geschichte passiert nachempfinden und vieles, empfinde ich genauso, wenn ich in den Garten gehe und in der Erde wühle und den Vögel lausche, die fröhlich ihr Lied trällern.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.05.2021

Für laue Sommerabende

Nachrichten von Männern
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Wer denkt, dass dieses Buch der ultimative Ratgeber ist, liegt falsch und wird enttäuscht sein. Viel mehr zeichnet sich das Buch durch seinen Humor aus und man muss schon ein bisschen sarkastisch sein, ...

Wer denkt, dass dieses Buch der ultimative Ratgeber ist, liegt falsch und wird enttäuscht sein. Viel mehr zeichnet sich das Buch durch seinen Humor aus und man muss schon ein bisschen sarkastisch sein, um den Witz hinter den verschiedenen Männertypusen zu verstehen. Nicht, dass es nicht nur auf Männer zutreffen würde - nein, denn auf Frauen passt es auch und in ein paar Zeilen habe ich mich sogar wiedererkannt. Es ist mit soviel Witz geschrieben, dass ich teilweise echt lachen musste und in mancher Kategorie einen meiner Ex-Freunde vor Augen hatte. Ein Klammeräffchen der Sorte, wo ich immerzu die Augen verdrehen musste und die man einfach nicht loswird.

Dennoch finden wir hier und da (An-)Sätze, die wichtige Themen benennen. Grooming, Ghosting oder Love Bombing. Diese habe ich mir markiert, weil mir die Themen wirklich wichtig sind und es gab darüber hinaus noch mehr von ihnen, die ihr aber gerne selbst nachlesen dürft. Diese wichtigen Themen plätschern aber dennoch nur an der Oberfläche und auf sie wird nicht eingegangen, was verständlich ist. Es geht in dem Buch eben nicht um diese Themen, sondern um Charme, Witz und Charaktere von Männern, die die beiden Autorinnen nicht hätte besser beschreiben können.

Im Großen und Ganzen, ist das Buch für laue Sommertage, an denen man nicht mehr nachdenken und einfach eine leichte, humoristische Lektüre will, gedacht. Einfach einen leckeren KiBa, das Buch und einfach mal abschalten vom Alltag und sich schmunzelnd an vergangene Lieben und an das letzte Tinderdate erinnern. Herrlich!

  • Cover
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Veröffentlicht am 11.05.2021

Ein wunderbarer Essay

Wenn Männer mir die Welt erklären
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Das Buch habe ich in drei Tagen ausgelesen und fand den Essay einfach ganz wunderbar. Es regt zum Nachdenken an, lässt einen aber auch erschüttert zurück. Die Autorin zeigt auf, in was für einer Welt wir ...

Das Buch habe ich in drei Tagen ausgelesen und fand den Essay einfach ganz wunderbar. Es regt zum Nachdenken an, lässt einen aber auch erschüttert zurück. Die Autorin zeigt auf, in was für einer Welt wir (leider noch immer) leben und das noch immer eine Ungleichheit zwischen Männern und Frauen existiert, obgleich schon soviel bewegt und geschaffen wurde. Wir haben durch den Feminismus viel erreicht, aber wir sind noch lange nicht am Ziel. Rebecca Solnit berichtet von eigenen Erlebnissen, schreibt darüber was Bevormundung mit ihr macht und bringt an, weshalb es von äußerster Wichtigkeit ist, über das Thema zu schreiben und zu sprechen. Denn: Es gibt noch jede Menge zutun.

Sie erzählt, dass Frauen damals überhaupt keine Rechte besaßen, quasi eine Art Besitz von Männern waren wie eine Vase im Schrank und nicht einmal ein Mitspracherecht besaßen. Vom Wählen ganz zu schweigen. Frauen waren unmündig, und noch weniger, als sie heirateten. Der Mann war der Oberhaupt, die Frau das kleine Küken in Samt, so würde ich es beschreiben. Alleine die Vorstellung hat etwas von der Steinzeit, wobei es gar nicht mal so lange her ist. Aber nicht nur das erfahren wir, sondern auch, dass alle sechs Sekunden eine Frau geschlagen wird. Etliche von ihnen werden ermordet, weil sie sich trennen wollen, anderer Meinung sind oder endlich ausbrechen wollen und doch, bleiben viele bei den gewalttätigen Männern, da sie Angst haben. Angst ist Macht. Und die Männer haben gegenüber ihren Frauen diese Macht, die es zu brechen gilt.

Der Essay macht nach dem Lesen etwas mit einem. Es bringt einen während des Lesens zum Nachdenken. Während wir auf der Couch mit einer Tasse Kaffee lümmeln und den Vögeln lauschen, stirbt irgendwo eine Frau, weil sie den Mund aufgemacht hat. Oder weil sie sich trennen wollte - befreien. Oder Schläge erntet, dafür das sie nur eines sein will: ein freier Mensch. Es ist erschreckend, was in der Welt geschieht und noch erschreckender ist, dass viele die Augen verschließen. Denn Gewalt und Mord ist, laut der Autorin, ganz und gar geschlechterspezifisch.

Ladys, es gibt viel zutun! Lasst uns kämpfen!💛

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  • Handlung
  • Charaktere