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magische_farbwelt

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.02.2020

Außergewöhnlich und einfallsreich

Milchmann
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Außergewöhnlich. Dieses Wort fällt mir als erstes ein, wenn ich an den Roman „Milchmann“ von der Autorin Anna Burns denke. Wortgewandt, lange, teilweise verschachtelte Sätze, spannend und doch in die Länge ...

Außergewöhnlich. Dieses Wort fällt mir als erstes ein, wenn ich an den Roman „Milchmann“ von der Autorin Anna Burns denke. Wortgewandt, lange, teilweise verschachtelte Sätze, spannend und doch in die Länge ziehend. Wiederholend und dennoch in jedem Wort das gewisse Etwas zu finden. So wirkte der Schreibstil in „Milchmann“ auf mich. Stets war ich auf der Suche nach dem, was mir die Autorin Anna Burns mit ihrem Buch wohl sagen will. Und dennoch – oder gerade deshalb – hat mich ihr Roman so sehr gefesselt und gefangen gehalten. In einer Welt nach dem Zweiten Weltkrieg, in der sich die Gesellschaft noch zu ordnen versucht, lebt die namenlose Ich-Erzählerin in einer Beziehung zu ihrem namenlosen Vielleicht-Freund und in einer Familie mit Mutter, Bruder 1 bis 4 – wobei einige der Brüder eben nicht mehr leben – Schwester 1 bis 3 – wenn ich mich nicht verzählt habe – sowie daugehörigen Schwägern 1 bis 3 und Kleinen Schwestern – 3 an der Zahl. Die Erzählerin selbst ist die Mittelschwester. Und schon allein an diesem Beziehungskonstrukt kann der Leser erkennen, in was für eine Welt er sich begibt. Sie ist eben außergewöhnlich. Ach ja. Und dann ist da noch der Milchmann. Er stalkt scheinbar die Protagonistin, die Ich-Erzählerin ohne Namen. Und schnell wird ihr eine Affäre angedichtet, und sie ist die einzige, die weiß, dass es nicht so ist. Niemand glaubt ihr. Im Übrigen ist dies der falsche Milchmann, denn es gibt ja noch den Echten Milchmann. Alles ziemlich verwirrend. Aber irgendwie auch total abgefahren zu lesen. Und wer zwischen den Zeilen lesen kann, merkt schnell, dass es keiner Namen bedarf. Es kann jedem Individuum so ergehen. Der Leser lernt, wie schnell sich Gerüchte verbreiten und potenzieren. Wie schnell es vorbei sein kann, wie oft der Schein einfach trügt. Auch wenn man sich ins Lesen hineinfinden muss und wenn man dies letztendlich geschafft hat, gewinnt man den Roman „Milchmann“ und den Schreib- und Erzählstil von Anna Burns echt lieb. Ich kann mich nur wiederholen: „Milchmann“ ist außergewöhnlich aber dafür umso lesenswerter. Einfach mal etwas Anderes, was mich als Leserin überrascht hat und dafür für mich umso wertvoller ist.

Veröffentlicht am 08.02.2020

Bedingungsloses Vertrauen in einer Beziehung

Dir zu Füßen | Erotischer Fetisch-Roman
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Die Welt der Fetische ist für mich eine neue Welt, lediglich beim Lesen bin ich mit ihr bisher in Berührung gekommen. Und ich muss zugeben, wenn man sich in dieses Genre begibt, muss man sich auch darauf ...

Die Welt der Fetische ist für mich eine neue Welt, lediglich beim Lesen bin ich mit ihr bisher in Berührung gekommen. Und ich muss zugeben, wenn man sich in dieses Genre begibt, muss man sich auch darauf einlassen wollen. Und für mich war das nicht immer ganz einfach. Katy Kerry begibt sich in ihrem erotischen Fetisch-Roman „Dir zu Füßen“ gemeinsam mit dem Leser bzw. der Leserin in eine BDSM-Welt, und ja, dass muss man mögen. Hier und da wird es etwas härter zwischen den Liebenden, aber auch die romantische Seite einer Liebesbeziehung tritt zutage. Ein paar Schwierigkeiten hatte ich leider – aufgrund persönlicher Umstände – mit dem Rahmen der Geschichte. Denn ich fühlte mich wegen der Krankheitsgeschichte von Jon doch irgendwie sehr an meine eigene erinnert. Doch für die Rahmenhandlung der Geschichte zwischen Sally und Jon musste genau dieses Konstrukt her. Die Erotikszenen fand ich sehr ansprechend, um nicht zu sagen heiß, auch wenn diese Welt neu für mich ist. Katy Kerry zeigt in „Dir zu Füßen“, was es heißt, bedingungsloses Vertrauen in den Partner zu legen, um sich diesem auch völlig ausliefern zu können. Und was sich dann zwischen den Partnern alles entwickeln kann. Und ich denke, genau hier kann man sich auch viel für die eigene Beziehung abschauen. Man kann ja selbst entscheiden, was einem gefällt.

Veröffentlicht am 03.02.2020

Wegweiser für das Leben auf dem Blauen Planeten

Weltretten für Anfänger
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Passend zur Klimadiskussion rund um den Erdball haben sich die Autorinnen Susanne Fröhlich und Constanze Kleis an ihr Buch„Weltretten für Anfänger – Von guten Vorsätzen, miesen CO2-Bilanzen und dem Versuch, ...

Passend zur Klimadiskussion rund um den Erdball haben sich die Autorinnen Susanne Fröhlich und Constanze Kleis an ihr Buch„Weltretten für Anfänger – Von guten Vorsätzen, miesen CO2-Bilanzen und dem Versuch, ein besserer Mensch zu werden“ gesetzt. In diesem Buch geht es um jede Menge Tipps, was ein Einzelner für die Verbesserung des Klimas tun kann, aber auch um Selbsterfahrung und Rückschläge hinsichtlich eigener Anstrengungen. Als Leserin habe ich mich persönlich natürlich wieder erkannt. Zum Einen, weil ich einige Handlungen natürlich bereits in meinem Alltag umsetze, aber auch, weil ich mich sprichwörtlich auf der anderen Seite in meinen Handlungsweisen wiederentdeckt habe. Dabei soll das Buch, so zumindest habe ich es verstanden, ein An-die-Hand-nehmen sein, ein kleiner Wegweiser, wie man etwas Alltägliches durchführen kann und dabei nicht zwangsweise den eigenen ökologischen Fußabdruck immens vergrößert. So bin ich zum Beispiel keine Vegetarierin, aber ich verwende kaum noch käufliche Kosmetik sondern rühre diese überwiegend selbst – und nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern weil ich mit gekaufter Kosmetik kaum noch klar komme. Das Autorinnenduo macht es umgekehrt. Und doch, so finde ich, ist es ein kleiner Schritt für uns jeden. Und es ist noch so viel Platz nach oben. Ich persönlich würde mich daher bisher nur als Teilzeit-Weltretterin bezeichnen. Denn irgendwo muss ich ja auch leben. Und mit Verlaub, ich habe ein Hobby, was man nicht als klimaneutral ansehen kann. Im Buch „Weltretten für Anfänger – Von guten Vorsätzen, miesen CO2-Bilanzen und dem Versuch, ein besserer Mensch zu werden“ werden schonungslose Fakten dargelegt, die mich zum Grübeln bringen. Aber es ist kein Anprangern seitens der Autorinnen, es ist ein kleines Wachrütteln und eine Liebeserklärung an unseren Blauen Planeten.

Veröffentlicht am 27.01.2020

Die schottischen Eigenheiten

Stürmische Nacht
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Ein Segeltörn. Und er wird zum Alptraum. Zumindest für die Protagonistin Cass Lynch. Denn zusammen mit ihrem (Bald-) Freund Gavin entdeckt sie eine Leiche. Wo scheinbar keine Zusammenhänge auf den ersten ...

Ein Segeltörn. Und er wird zum Alptraum. Zumindest für die Protagonistin Cass Lynch. Denn zusammen mit ihrem (Bald-) Freund Gavin entdeckt sie eine Leiche. Wo scheinbar keine Zusammenhänge auf den ersten Blick bestehen, gerät Cass ins Kreuzfeuer – sowohl der Ermittlungen als auch des Täters. „Stürmische Nacht – Ein Shetland-Krimi“ von Marsali Taylor hat seinen Schauplatz an der schottischen, rauen Küste. Die Eigenheiten der dort lebenden Menschen sind liebevoll im Krimi mit eingewoben. Hier und da hatte ich leider ein paar Schwierigkeiten mit dem Segel- und Bootslatein. Am Ende des Buches befindet sich ein Anhang mit der Erläuterung der wichtigsten Begriffe und Aussprüche. Aber vor allen Dingen beim Lesen eines eBooks gestaltet sich das Nachschlagen etwas schwierig. Dennoch kann man über diese Sätze hinweglesen, was für die Spannung und den Verlauf der Geschichte kein Hindernis darstellt. Mit „Stürmische Nacht – Ein Shetland-Krimi“ darf der Leser in Traditionen, Sagen und Geschichten und in das Leben auf der Insel eintauchen, was mir viel Freude bereitet. Bin ich doch sowieso ein Mensch, der gern etwas über andere Kulturen und Gewohnheiten erfahren möchte. Und durch diese Eigenarten wird im Übrigen auch der Fall gelöst.

Veröffentlicht am 21.01.2020

Starke Frauen in einer erschütterten Welt

Jahre der Veränderung
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Als 2. Teil der großen Hebammen-Saga von Linda Winterberg ist „Jahre der Veränderung – Die Hebammen-Saga“ für mich der Einstieg in die Welt nach dem Ersten Weltkrieg und in die 1930er Jahre. Den 1. Band ...

Als 2. Teil der großen Hebammen-Saga von Linda Winterberg ist „Jahre der Veränderung – Die Hebammen-Saga“ für mich der Einstieg in die Welt nach dem Ersten Weltkrieg und in die 1930er Jahre. Den 1. Band der Saga habe ich bisher nicht gelesen. Und doch fiel mir der Einstieg in diesen 2. Teil ganz leicht. Es ist entsprechend meines Erachtens nicht notwendig, dass man Band 1 gelesen haben muss, um Teil 2 zu verstehen. Doch ich bin mir sicher, dass der Leser dies dann unbedingt nachholen möchte. „Jahre der Veränderung – Die Hebammen-Saga“ von Linda Winterberg handelt von 3 starken – und eigentlich noch viel mehr – Frauen, die in einer Zeit, in der es Frauen nicht ganz so leicht hatten, ihren Weg gehen. Doch dieser Weg ist steinig und teilweise arg traurig. Die Autorin stellt die Einzelschicksale sehr real dar, man merkt, wie gründlich für den Lesestoff recherchiert wurde. Die 3 Frauen Edith, Luise und Margot wachsen dem Leser schnell ans Herz. Die sozialen Missstände der Weltwirtschaftskrise bringen die Gesellschaft ins Wanken. Und auch dieser Umstand wird passend und sehr realitätstreu in die Geschichte mit eingewebt. Wer als Leser den Weg von starken, helfenden Frauen in einer schwierigen Welt von Misshandlungen und Machtmissbrauch mitverfolgen möchte und wer historische Romane liebt, ist mit „Jahre der Veränderung – Die Hebammen-Saga“ bestens aufgehoben. Nicht zu kitschig und doch wunderbar fürs Herz.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere