Profilbild von mapefue

mapefue

aktives Lesejury-Mitglied
offline

mapefue ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mapefue über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2019

Mörderischer Rachefeldzug

Todesmal
0

Bereits die halbe Seite 2 des Einführungstextes lässt dem Leser das Blut in den Adern gefrieren und alle feinen Härchen am Körper stellen sich auf (Gänsehaut genannt). Andreas Gruber stimmt den Leser ein ...

Bereits die halbe Seite 2 des Einführungstextes lässt dem Leser das Blut in den Adern gefrieren und alle feinen Härchen am Körper stellen sich auf (Gänsehaut genannt). Andreas Gruber stimmt den Leser ein auf den nächsten Superthriller der Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder Reihe, Nummer 5. Maarten S. Sneijder, Profilier mit unerreichter Aufklärungsquote. Wie eh und je: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“, „wer meine Arbeitsweise nicht schätzt, behindert mich.“ Sein Problem ist, dass er sich oft selbst im Weg steht und sich selbst behindert.
Der Plot beginnt mörderisch. Eine Frau in Nonnentracht „verkündet“ im BKA Wiesbaden, dass „an jedem einzelnen der nächsten sieben Tage ein Verbrechen geschehen werde! Es würden sieben Menschen sterben.“
Maarten S. Sneijders erstes Verhör/Gespräch/Gebet mit der „Nonne“ bietet Gänsehaut pur. Mörderjagd ist seine oberste Prämisse, seine Passion. Mit Schneider und Nemez wird ein Team mit Sondervollmachten zusammengestellt, ganz nach dem Muster von „Mission: Impossible.“ In den folgenden Tagen führen die Ermittlungen das Team von Deutschland nach Österreich, in die Schweiz und in die Niederlande. Die „Nonne“ hat sich mit ihren Komplizen einem Rachefeldzug verschrieben. Sie möchte die Verantwortlichen für die Verbrechen, die in dem, ihrem Kloster angeschlossenen Internat vor 37 Jahren geschehen sind, zur Rechenschaft ziehen, besser der gerechten Strafe zuführen, das heißt mit einer perfiden Methode zu Tode bringen. Tipp, keine Bambussprossen unter Ihrem Bett züchten, könnte tödlich enden. Die für den massenhaften Kleinkindmord verantwortlichen, in Röntgenmedizin und Pharmaindustrie sollen der Öffentlichkeit bekannt und der Prozess gemacht werden. Langsam wechselt die Sympathie vom arroganten Kotzbrocken Sneijder zu den Rächern und es tut gut, wenn er bei seinen „Freunden“ in NL mit am Rücken gefesselten Handschellen im Verhörraum sitzt.
Für den Leser stellt sich die zentrale Frage, ob es gerechtfertigt sei, ein Verbrechen durch einen Mord zu sühnen.
Dieser Thriller TODESMAL, Teil 5 der Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder Reihe ist ein absoluter Pageturner, professionell verfasst von Andreas Gruber. Wir hoffen, die Anspielung am Ende weist auf den sechsten Teil der Reihe hin.

Veröffentlicht am 12.09.2019

Faszinierendes Marschmädchen KYA

Der Gesang der Flusskrebse
0

„DER GESANG DER FLUSSKREBSE“ von Delia Owens ist eine Ode an das Marschland von North Carolina. Owens kann die Zoologin nicht verheimlichen; mit ungeheurer Detailtreue beschreibt sie Flora und Fauna. Diese ...

„DER GESANG DER FLUSSKREBSE“ von Delia Owens ist eine Ode an das Marschland von North Carolina. Owens kann die Zoologin nicht verheimlichen; mit ungeheurer Detailtreue beschreibt sie Flora und Fauna. Diese Liebe zur Natur ist einzigartig gepaart mit der Schilderung der dramatischen Lebensgeschichte eines kleinen Mädchens: Dem Marschmädchen KYA.
Über 60 Jahre verfolgt Owens die Geschichte von Kya, deren Familie mit Vater, Mutter und vier Geschwistern, die sich sukzessive dezimiert, bis Kya mit 6 Jahren auf sich alleine gestellt ist. Nur die Liebe zu „ihrer“ Marsch hält sie am Leben. Sie fühlt sich von allen verlassen und vertraut niemandem. Mit fast autistischen Zügen zelebriert sie nun ihr selbstgewähltes Alleinsein. Zwei Liebesabenteuer bestimmen ihr Erwachsenwerden und hätten sie beinahe ins Verderben gestürzt. Der Tod/Mord von/an Chase macht aus einem genüsslichen Roman einen spannenden Krimi: Eine Stadt such eine Mörderin und hat sie in der Außenseiterin Kya gefunden. Kya wird der Prozess gemacht. Freispruch.
Kya wird eine anerkannte Expertin des Marschlandes und arbeitet mit ihrer ersten Liebe Tate, jetzt Ökologe zusammen.
Wer hat aber Chase wirklich ermordet? Das ist eine Überraschung, oder auch nicht.

Veröffentlicht am 11.09.2019

Viel Lärm um nichts

Die einzige Zeugin
1

Der Plot ist so realistisch wie eine Landung der Marsianer auf der Erde. Für einen Krimi kümmerliche Ermittlungsarbeit der schwedischen Polizei; klar- Ressourcen-, Personal- und Mittelknappheit; das habe ...

Der Plot ist so realistisch wie eine Landung der Marsianer auf der Erde. Für einen Krimi kümmerliche Ermittlungsarbeit der schwedischen Polizei; klar- Ressourcen-, Personal- und Mittelknappheit; das habe ich doch bereits irgendwo gehört. Völlig irrelevante Auseinandersetzung mit gesellschaftlich brisanten Themen. Fantasy-Krimi vom Feinsten.
Ich kann mir vorstellen, wie der Roman entstanden ist. Tove Alsterdal (Autorin): „Ulla, als ehemalige Insassin, entschuldige als Krankenschwester und Stationsleiterin in Beckomberga hast du eine Idee für meinen neuen Krimi?“ Ulla Andersson: Tove, ja das habe ich und was für eine, eine unglaubliche. Insassen wurden nach der Schließung vermisst und ich weiß wo sie in den letzten 20 Jahren gehaust haben - in den unterirdischen Kellergewölben der Anstalt. Aber die sind alle plemplem. Tove. „Das macht nichts, ein irrer Mörder, das ist perfekt. Unsere schwedische Polizei ist auch nicht die hellste, das passt zusammen. Ulla: „Tove, du brauchst doch Stoff für 500 Seiten.“ Tove: „Weißt du Ulla, ich lass eine rumänische Bettlerin mitspielen, das ist der Aufhänger, um in der Bettlerszene in Stockholm zu investigieren. Das ist meine große Passion. Die Recherche im Stockholmer Untergrund dehne ich dann bis RO aus. Dort kenne ich mich aus, ich habe am Stand Badeurlaub gemacht. Eine Bettlerin als ‚einzige Zeugin‘, das ist der Titel meines neuen Romans. Ulla, bin ich genial?“ Ulla: „Ja Tove, das bist du (beißt sich dabei auf die Zunge). Rund um das Gelände von Beckomberga werden schicke Häuser gebaut, dort siedelst du deine Hauptprotagonisten an.“ Tove: „Danke Ulla für deinen Input, du bekommst eine Rolle im Krimi und ich werde dich in meiner Danksagung erwähnen.“
Im Zentrum des Romans steht Eva, geschieden von Svante, mit Sohn Filip. Zum Zeitpunkt der Ermordung von Svante ist Eva am falschen Ort zur falschen Zeit. Sie wird - wird niedergeschlagen und alarmiert später die Polizei - von dieser völlig absurd des Mordes an Svante beschuldigt, verbringt ein paar Tagen im Arrest, um nach ihrer Entlassung die lange Suche zu beginnen nach der Zeugin, einer rumänischen Bettlerin, die ihr knapp vor der Ermordung Svantes ein Foto ihrer beiden Kinder gezeigt hat, dieses weggeschmissen und von Eva wieder gefunden wurde. Zufälle gibt’s. Eva forscht in der Stockholmer Unterwelt, spürt ihren Sohn Filip in Berlin auf - inzwischen vom Studenten zum autonomen Aktivist in der Hausbesetzerszene mutiert -, fährt mit ihm durch Tschechien, durch die Slowakei, nach Ungarn – zufällig besetzen dort Flüchtlinge den Budapester Bahnhof, nach RO, um endlich am Küstenort Eforie anzukommen. Hanebüchen die Kontaktaufnahme mir Dunya, der vermeintlichen Zeugin. Alle bekannten Klischees die Roma in RO betreffend werden breitgetreten.
Wieder zurück in S hat Ulla ihren großen Auftritt. Sie hilft der Polizei bei der Suche nach dem irren Mörder im Untergrund von Beckomberga. Haarsträubend das Ermittlungsergebnis: Irrer als Mörder, echter Mörder mit Sturmhaube, aus dem darknet von Svante bestellter IRA Auftragskiller mit Sturmhaube wird „fallengelassen“. Der Irre und die Polizei, verwandte Seelen.
Niklas, dem ehemaligen Nachbar von Svante&Eva, bleibt Jannike erhalten. Diese hat jedoch, wie es scheint, einen neuen Lover. Mit Jannike und Britt-Louise hat der potente Niklas Sex. Jannike hatte ihren Kimono leicht geöffnet; ob das gemäß dem Einwilligungsgesetz zur Zustimmung beim Sex, bei dem beide Partner ausdrücklich und klar erkennbar dem Geschlechtsverkehr zustimmen müssen ausreicht? Tove thematisiert stattdessen lieber die schwedische Bettlerszene und Kindesmissbrauch in der Familie. Entsetzlich schade.
Die Schweden, w/m und viele Leser, w/m mögen ihre Tove dafür hoch loben, ich kann es nicht.

Veröffentlicht am 08.09.2019

Thrillerhighlight des Jahres

Der Kastanienmann
0

Der Vorspann hat es bereits in sich und alle Zutaten eines skandinavischen Thrillers: Ein erschossenes Schwein, zwei abgeschlachtete Teenager, eine zerhackte Frau und ein mit einem Beil erschlagener Polizist, ...

Der Vorspann hat es bereits in sich und alle Zutaten eines skandinavischen Thrillers: Ein erschossenes Schwein, zwei abgeschlachtete Teenager, eine zerhackte Frau und ein mit einem Beil erschlagener Polizist, eine Woche vor seiner Pensionierung. Ein Junge, der mit der Axt gut umgehen kann und ein verstörtes Mädchen, seine Zwillingsschwester; beide werden wir wiedertreffen.
Søren Sveistrup gewährt uns einen allgemeinen Einblick das politische System Dänemarks und einen speziellen in die politische Arbeit der Sozialministerin Rosa Hartung. Rosa hatte sich nach dem spurlosen Verschwinden ihrer Tochter Kristina eine Auszeit von einem Jahr genommen. Drei tote Mädchen, zum Teil verstümmelt, mit abgehackten Händen oder Füßen und immer als Markenzeichen ein Kastanienmännchen am Tatort und dieses mit Kristinas!! Fingerabdruck, dem verschwunden Mädchen. Wie Rosa auf ihrer Laufrunde den Verlust ihrer Tochter zu verarbeiten versucht zeugt von großer Empathie des Autors und berührt den Leser in tiefsten Maßen.
Naia Thulin, Kriminalkommissarin der Kopenhagener Mordkommission, Alleinerzieherin, liiert mit Sebastian möchte weg von der (langweiligen) Mordkommission zum NC3 (National Cyber Crime Center). Thulin erhält einen neuen Partner, Mark Hess von Europol aus Haag dort kurzzeitig ausgemustert. Hess hat Anzeichen eines Soziopathen, die taffe Thulin kommt mit ihm einfach nicht zurecht und hat keine Ahnung wie sie seine extraordinären Fähigkeiten als Profiler nutzen soll. Der private Hintergrund dieser beiden Ermittler wird von Sveistrup sehr eingehend und in einem wohltuenden Ausmaß beschrieben. Die Ermittlungen ergeben, dass alle Morde mit „Inobhutnahme von Kindern“ durch die dänischen Behörden zusammenhängen.
Perfekt austarierte Abstimmung zwischen der Polizeiarbeit von Thulin und Hess. Kriminaltechniker Genz, kein angenehmer Charakter, aber ein absoluter Fachmann.
Ein junges Pärchen, scheinbar in den Mordfall verwickelt wird tot im Wald gefunden. Mord und Selbstmord. Für die Mordkommission und deren selbstsüchtigen Chef Nylander reichen die Indizien aus, um den Fall abzuschließen. Doch lebt Kristina noch? Hess wird zurück nach Haag gelobt und Thulin beginnt beim NC3. Doch beide können sich nicht mit diesem Ergebnis zufriedengeben. Sie recherchieren unabhängig von einander und es kommt zur dramatischen, entscheidenden Konfrontation mit dem - vor allem für den Leser - völlig überraschenden Erkenntnis, dass der Mörder, der „Kastanienmann“ von Beginn an mit ihnen allen „gespielt“ hat. Hess kann in letzter Sekunde die vom „Kastanienmann“ gefolterte Rosa Hartung befreien und findet die lebende Kristina.
Hess und Thulin verabschieden sich scheinbar emotionslos.
Die Beschreibungen der Mordtaten des „Kastanienmannes“ sind von bedrückender Intensität. Der kompromisslose Schreib- und Erzählstil fördert zudem die literarische Einzigartigkeit.
Ein wahrer und völlig berechtigter Beststeller in DK. Ein Thriller-Jahres-Highlight.

Veröffentlicht am 08.09.2019

Achten Sie auf Ihre Smoothies

Neun Fremde
0

Was für neun Personen ein Wellnessurlaub im Tranquillum House werden sollte, mit den herkömmlichen Wunschvorstellungen, wie abnehmen, relaxen, Sport betreiben (gemäß Cover im Pool schwimmen) und fitter ...

Was für neun Personen ein Wellnessurlaub im Tranquillum House werden sollte, mit den herkömmlichen Wunschvorstellungen, wie abnehmen, relaxen, Sport betreiben (gemäß Cover im Pool schwimmen) und fitter werden, entpuppt sich zunehmend als wahrer Alptraum.
Die neun werden von der Hotelmanagerin Masha, dem medizinischen Assistenten Yao und der Masseuse Delilah begrüßt. Nach anfänglichen unverdächtigen Aktivitäten und scheinbar auf jeden abgestimmte Essenzubereitung wird ihnen eine 5tägige „erhabene Stille“ verordnet. Diese sollte jeden verbalen und nonverbalen Kontakt zwischen den Teilnehmern verhindern. Masha durch eine Nahtoderfahrung „erleuchtet“ möchte ihren Gästen zu einer psychedelischen Therapie mit transzendenten Erfahrungen verhelfen. Ihren unwissenden Gästen wird dafür ein Smoothie mit LSD-Microdosing serviert. Diese Therapie beginnt im Yoga-Raum, der vorerst von den Gästen unbemerkt, verschlossen wird. Die menschliche Wahrnehmung wird dabei auf eine andere Ebene geführt und jeder von ihnen hat Sinnestäuschungen, die an Halluzinationen grenzen. Das faszinierende an dem Roman sind die Beschreibung der Erlebnisse jedes Einzelnen und die Interaktionen. Unausweichlich entsteht eine Gruppendynamik mit der klaustrophobischen Erkenntnis, eingeschlossen zu sein. Die Dynamik der Handlung steigert sich enorm: Delilah verschwindet, Yao wird von Masha betäubt, Masha, selbst auf einem LSD-Trip wird - von den inzwischen freien Gästen - niedergeschlagen und der Polizei übergeben. Die neun Gäste kehren in ihr altes Leben zurück. Und Masha? Nach ihrer transformativen Erfahrung im Gefängnis ist sie längst wieder im Geschäft zurück.
Der Leser muss sich auf diesen Plot einlassen. Erzähl- und Schreibstil fördern das Lesevergnügen und tragen zur permanenten Spannung bei