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Veröffentlicht am 19.07.2017

Hitverdächtiges Figurenrepertoire

Stormheart
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Nachdem ich gerade erst den ersten Band der „Chronik der Verbliebenen“ verschlungen hatte und vollends begeistert von der starken weiblichen Protagonistin war, hatte ich daran wirklich einen Narren gefunden. ...

Nachdem ich gerade erst den ersten Band der „Chronik der Verbliebenen“ verschlungen hatte und vollends begeistert von der starken weiblichen Protagonistin war, hatte ich daran wirklich einen Narren gefunden. „Stormheart – Die Rebellin“ versprach ja alleine schon vom Titel ebenfalls eine starke Protagonistin. Zudem hat sich Cora Carmack ja auch in Deutschland bereits einen Namen gemacht und das durchaus mit Erfolg. Es sprach also vieles für diesen Trilogie-Auftaktband.
Eine neue Welt, neue Regeln, ein neues Verständnis von Natur. Man kann mich wahrlich nicht als Fantasy-Fan bezeichnen und dennoch tauche ich immer gerne in neue Welten ein. Knackpunkt bei der Sache ist, dass ich als ungeübter Leser dieses Genres immer recht lange brauche, um mich in neue Weltordnungen und –vorstellungen einzudenken. Das ist dann durchaus bitter, dass der erste Band dieser Reihe mir nicht unbedingt hilft. Vom Prinzip her verstehe ich die Idee hinter den Sturmgewalten, aber dennoch bleibt für mich bis zur letzten Seite vieles offen und ungeklärt. An dieser Stelle muss ich einschränken, dass es also entweder ein tatsächlicher Mangel der Autorin ist oder dass es vielleicht einfach an mir selbst liegt. Die Frage kann ich nicht beantworten, dessen muss sich jeder Leser individuell versichern. Dennoch lasse ich es mal als meinen größten Kritikpunkt im Raum stehen, da ich solche Kritik bei andern Fantasy-Welten nicht äußern musste.
Kommen wir zur durch den Titel groß angekündigten Protagonistin: Aurora. Ich nenne sie aber viel lieber Roar, denn genau die Persönlichkeit, die Aurora mit ihrer Flucht aus ihrer Heimatstadt antritt, die ist es, die es problemlos mit Lia aus „Chronik der Verbliebenen“ aufnehmen kann. Schon Aurora, die zu kämpfen und mit dem Messer umzugehen weiß, fasziniert mich, aber der Schritt aus der eigenen Heimat hinaus, sich auf wilde Abenteuer einzulassen und an sich selbst zu wachsen, das überzeugt mich restlos. Neben dieser abenteuerlustigen Seite, überzeugt Roar aber auch mit Empathie und Pflichtgefühl. Ich habe mich von Seite 1 in sie hineinversetzen können, mit ihr mitleiden und –freuen können und ich bin wirklich froh, dass sie durchweg in ihrer Persönlichkeit bleibt und mich dadurch für sie gewinnt.
Aber nicht nur die Protagonistin weiß zu überzeugen, sondern auch die vielen anderen eingeführten Figuren, die jede für sich eine spannende Geschichte zu erzählen haben. Ganz vorneweg natürlich Lock, der im Gegensatz zu meiner anfänglich Vermutung Cassius als eigentlichen Held ablöst. Ein mutiger Kämpfer mit einer traurigen Vergangenheit, der Roar als verängstigtes Mädchen aufnimmt und sie dabei begleitet, wie sie langsam zur Frau wird. Aber auch an ihm selbst gibt es noch unheimlich viel zu entdecken und daher freue ich mich bereits jetzt auf ein Wiedersehen mit den beiden.
Zurück zu den anderen Figuren, vor allem den Sturmkämpfern rund um Lock, Nova, die anscheinend eine lange verborgene Fähigkeit besitzt, deren Ausbruch ich gerne beiwohnen werde und natürlich Cassius. Cassius ist nicht leicht zu greifen: ist er Antagonist oder doch ein potenzieller Protagonist für die restlichen Bände? Viele Fragen, auch rund um den Sturmlord, der ebenfalls eine faszinierende Persönlichkeit zu sein scheint. Ich habe es wirklich selten, dass ich viel lieber wegen der Figuren weiterlesen möchte, als der Auflösung all der offenen Fragen entgegenzustreben.
Davon abgeleitet will ich natürlich noch etwas zur Handlung sagen. Diese leidet wie gesagt etwas unter der unverständlichen Welt für mich. Dennoch überzeugt mich der klug gewählte Erzählrhythmus. Es gibt viele ruhige Momente, in denen die Figuren brillieren können und es gibt viele spannungsgeladene Momente, die das Lesetempo anheizen und die Fähigkeiten der Helden erproben lassen. Ebenfalls positiv fällt mir der Perspektivenwechsel auf. Auf der einen Seite der Wechsel zwischen Lock und Roar und auf der anderen Seite immer wieder hin zu Nova und Cassius, so dass ein größeres Gesamtbild stehen bleibt.
Fazit: „Stormheart – Die Rebellin“ muss sich wirklich nicht hinter der „Chronik der Verbliebenen“ verstecken. Die Idee hinter der Fantasy-Welt ist ähnlich undurchsichtig, vielleicht sogar einen Ticken schwächer, aber dafür wird eine ebenso starke Protagonistin geboten und dazu eine wirklich großen Haufen an tollen Nebenfiguren, die ich bereits alle liebgewonnen habe. Die Reihe bietet noch so viel Potenzial, von dem ich hoffe, dass es in den Folgebänden genutzt wird, denn dann haben wir eine wieder eine wahre Hitreihe auf dem Buchmarkt.

Veröffentlicht am 31.03.2020

Qualitativ extrem unterschiedlich

Wir sind das Feuer
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Neuen AutorInnen muss immer eine Bühne bereitet werden, denn wie sonst sollen sie überhaupt in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken? Dennoch ist es auch stets schwierig, nach dem ersten veröffentlichten ...

Neuen AutorInnen muss immer eine Bühne bereitet werden, denn wie sonst sollen sie überhaupt in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken? Dennoch ist es auch stets schwierig, nach dem ersten veröffentlichten Titel eine abschließende Bewertung über die Fähigkeiten des Schreibers abzugeben, denn je mehr man schreibt, umso mehr stellt sich eine Routine ein, desto mehr kann man Feedback berücksichtigen und verarbeiten. Demnach ist aller Anfang schwer und so würde ich es auch für Neuling Sophie Bichon zusammenfassen. Ihre Dilogie ist bei Heyne erschienen und nachfolgend kommt die Bewertung des Auftakts „Wir sind das Feuer“.

Da ich im NA-Genre so belesen bin, ist natürlich nicht zu leugnen, dass hier ein Schema F oft nicht zu leugnen ist. Daher sind eher ungewöhnliche Stilelemente sicherlich keine schlechte Idee. Bichon arbeitet hier mit schnellen Perspektivwechseln innerhalb eines Kapitels. Sowas habe ich gerne in Krimis oder Thrillern, da so ein schnelles Lesetempo gefördert wird und auch die Spannung ins Unermessliche gesteigert wird. Diese Anforderungen stelle ich an einen Liebesroman nun mal nicht, deswegen hat sich mir auch schnell gezeigt, dass mir diese Stilistik für die Geschichte nicht gefällt. Die Wechsel kamen oft auch zur völligen Unzeit und haben Gedankengänge unterbrochen. Wechsel sogar mitten im Satz sollten wohl raffiniert wirken, mir haben sie aber den Lesefluss behindert.

Insgesamt wurde im gesamten Buch auf Schnelligkeit gesetzt: schnelle Wechsel, schnelles Vorantreiben von Handlung und schnelle Charakterentwicklungen. Auch wenn Schnelligkeit nicht generell falsch ist, so gibt es in diesem Genre gewisse Kernpunkte, in denen Schnelligkeit völlig fehl am Platz ist. Das ist zum einen in den Momenten, wo es intensiv und gefühlvoll zugehen muss. Dort lässt man einfach etwas liegen, wenn man zehn Zwischenschritte überspringt. Und auch die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren muss dem Leser so transportiert werden, dass er die Anziehung zwischen ihnen nachvollziehen kann. Das gelingt aber nicht, wenn jetzt auf gleich von Liebe die Rede ist und sich nach diesem Liebesgeständnis noch nicht mal sicher ist, ob man ein Paar ist. Für mich hat es demzufolge zwischen Paul und Louisa nicht gefunkt. Das ist für eine Liebesgeschichte aber der entscheidende Punkt und der wurde eben nicht erfüllt.

Das ist besonders schade, weil man eben zwischendurch immer wieder merkt, dass die Autorin erzählen kann. Gerade gegen Ende des Buchs hin gibt es viele tolle Momente und die vor allem auf der Ebene der Freundschaft. Gerade die Szenen auf der Hütte waren gesellig, spaßig, rund und berührend. Auch die Fokussierung auf die Sprache zeugt von einer Sprachaffinität, die immer für sich spricht. Hier blitzte eben durch, was sein kann. Aber wie erwähnt darf man bei einem Debüt die Schwächen nicht zu hochhängen und sich stattdessen auf die Stärken konzentrieren. Die gibt es und das muss man am Ende mitnehmen.

Fazit: „Wir sind das Feuer“ kann mich leider in den zentralen Aspekten nicht überzeugen, da der Erzählstil in weiten Teilen und die Schnelligkeit und damit verbundene Oberflächlichkeit der Erzählung nicht für eine gefühlvolle Erzählung passen. Dennoch sind Aspekte zu erkennen, die Bichon als eine vielversprechende Autorin einordnen lassen. Hier macht Übung sicherlich den Meister.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2020

Was für eine Anziehung!

Dream Again
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Die „Again“-Reihe war wohl für viele LeserInnen der Startschuss, um sich im Genre New Adult so richtig wohl zu fühlen. Selbst wenn es aber andere Autorinnen waren, gerade für den deutschen Sprachraum hat ...

Die „Again“-Reihe war wohl für viele LeserInnen der Startschuss, um sich im Genre New Adult so richtig wohl zu fühlen. Selbst wenn es aber andere Autorinnen waren, gerade für den deutschen Sprachraum hat Mona Kasten ohne Frage einen Weg für ihre weiteren Kolleginnen eröffnet. Nach „Feel Again“ schien damals Schluss zu sein, doch sie schenkte uns noch „Hope Again“ und nun „Dream Again“. Gerade dieser erneut erstmal letzte Band hat mir nun mal wieder bewiesen, warum es mit dieser Reihe ewig weitergehen könnte.

Blake war ohne Frage der heimliche Star von „Hope Again“. Dort war für das eigentliche Liebespärchen Everly und Nolan zwar eine nette Geschichte geschrieben worden, aber trotzdem war es keine Wow-Geschichte und vielleicht haben sogar manche hinter vorgehaltener Hand geraunt, dass sie mit Blake in wenigen Szenen mehr Chemie hatte als das eigentliche Paar. Aber spätestens nach diesem Senkrechtstarter für den Basketballer war klar, dass auch er noch sein Happy End bekommen muss und das bekommt er durch eine neue Figur, Jude. Grundsätzlich ist es immer etwas schwierig, wenn dir die männliche Hauptfigur so ans Herz gewachsen ist, erzählt wird aber nur aus der Sicht der neuen Figur. Die also, die man erst noch kennenlernen muss und wo man gar nicht die Gewissheit hat, ob es wohl Klick macht. Das hat für mich noch einmal unterstrichen, dass die männliche Perspektive in NA viel Mehrwert bietet.

Dennoch hat die fehlende männliche Perspektive hier nicht geschadet, auch wenn ich sie trotzdem gerne gesehen hätte. Zwar ist mir Jude vom Wesen her nicht gerade ähnlich gewesen und trotzdem war sie als Figur wunderbar greifbar. Dadurch, dass sie auch so weltgewandt und sozial ist, hatte die Geschichte auch von Anfang an Pepp und drohte nicht einzuschlafen. Das wahre Highlight dieser Liebesgeschichte war aber die unfassbar tolle Chemie zwischen Jude und Blake. Es mag an Blake liegen, der einfach eine Persönlichkeit hat, die zieht, aber ich glaube, es ist wirklich die Verbindung dieser beiden Figuren, die selbst am absoluten Tiefpunkt noch das gewisse Etwas haben, das selbst Paare ohne verletzte Gefühle nicht haben. Ihre gemeinsame Chemie hat mich so in einen Sog gezogen, dass ich dieses Buch in einer für meine Verhältnisse sehr schnellen Zeit durch hatte. Das spricht schon ganz deutlich für die Qualität und Magie von „Dream Again“.

Ich fand es auch gut, dass die Rückblicke in die Vergangenheit nur so kurz ausgefallen sind. Mit wenigen Szenen wurde unterstrichen, wie hier zwei Figuren aneinander gekommen sind. Das war wichtig, aber mehr hätte es wirklich nicht sein dürfen, denn im Hier und Jetzt gab es so viel zu erzählen, dass ich erleichtert war, dass der Handlung auch der nötige Raum gegeben wurde. Am Ende ist es vielleicht einen Ticken zu lange geworden und auch die Dramatik war etwas zu überspitzt, aber die Kunst einer Erzählung ist es, genau das durch andere Stärken so auszugleichen, dass man sich gar nicht mehr daran erinnert, dass es noch perfekter hätte sein können. Und es war so perfekt, denn Jude und Blake zusammen waren perfekt.

Fazit: In solchen Reihen, die alle höchst unterschiedliche Einzelbände haben, ist es immer schwierig, eindeutige Favoriten zu benennen. Dennoch haben Blake und Jude nun einen besonderen Platz in meinem Herzen eingenommen, denn ihre Chemie untereinander war schon extrem mitreißend. Es ist eine dieser Geschichten, die einem lange in Erinnerung bleiben wird.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2020

Leider nur mittelmäßiger Abschluss

True North - Unser Traum von Für immer
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Ich bin ein riesiger bekennender Fan der „True North“-Reihe von Sarina Bowen, da hier romantische Liebesgeschichten mit der richtigen Portion Dramatik erzählt werden. Das Herz der Reihe waren stets die ...

Ich bin ein riesiger bekennender Fan der „True North“-Reihe von Sarina Bowen, da hier romantische Liebesgeschichten mit der richtigen Portion Dramatik erzählt werden. Das Herz der Reihe waren stets die Shipleys, diese große Familie mit ihrer Obstplantage. Daher war ich insgeheim etwas traurig, als sich mit den letzten Bänden der Fokus etwas davon entfernt hat. In Band 4 war zwar noch May die Hauptdarstellerin, trotzdem ging es mehr um Alecs neue Selbstständigkeit. Da die Geschichten aber weiterhin absolut zufriedenstellende Unterhaltung waren, habe ich mich damit abgefunden. Der letzte Band hat mir nun aber leider bewiesen, warum diese Fokusverschiebung wohl doch nicht so gut war.

Benito als Hauptfigur kannten wir natürlich schon aus den vorherigen Bänden und es war nur logisch, ihn als letzten Mann an die Frau zu bringen, denn der Fokus ist nun mal zuletzt zu den Rossi-Geschwistern gegangen. Aber mit ihm hat die ganze Reihe noch eine Wendung bekommen, die mir nicht wirklich gefallen wollte. Während die anderen Geschichten viel Platz für die Liebe ließen und viel die unterschiedlichen Selbstständigkeiten und ihre Möglichkeiten bearbeiteten, ist Benito Polizist in der Drogenfahndung. Weg also von Essen, Alkohol und Geselligkeit, hin zur kriminellen Unterwelt. Gerade für einen letzten Band einer Reihe finde ich das doch eher enttäuschend, denn der Ton der Reihe wird so einfach nicht getroffen. Zudem muss ich betonen, dass diese kriminellen Aspekte, die teilweise auch Thrillerelemente enthalten sollten, nicht überzeugend waren. In die Ermittlungen wurden man regelrecht hineingeschmissen, ohne wirklich eingeführt zu werden. So musste man sich doch vieles zusammendenken, was mit etwas geschicktere Erzählung nicht notwendig gewesen wäre.

Das zweite Problem ist für mich die Liebesgeschichte. Ich mag Benito wirklich und habe es gerne gesehen, dass auch er sein Happy End bekommen hat, aber dennoch konnte er mich in der Verbindung mit Skylar nicht überzeugen. Das liegt größtenteils auch daran, dass sie so widersprüchlich ist. Sie hat durchaus viele sympathische Seiten, aber auf der einen Seite kann sie das Wort Sex nicht aussprechen, um sich im nächsten Moment aber in Enthüllungsjournalismus stürzen muss. Ich bin auch nie richtig schlau aus ihr geworden. Mit dem Blick in die Vergangenheit sollte auch eine epische Liebesgeschichte inszeniert werden, aber dadurch, dass die Sequenzen im personalen Erzählstil geschrieben waren, wirkte er tierisch unpersönlich, fast wie im Märchen, obwohl es das nicht war. Zudem war die Liebesgeschichte in der Gegenwart so flott erzählt. Gerade erst wiedergesehen, schon zusammen im Bett, obwohl sie eigentlich mit einer Freundschaft geendet haben. Das konnte mich leider wirklich nicht vom Hocker reißen.

Zudem war ich sehr enttäuscht, dass sich dieser letzte Band auch nicht wie der Abschluss angefühlt hat. Viele Paare der anderen fünf Bücher sind nochmal aufgetaucht, aber eben auch nicht alle. Erneut waren es eher die Festspiele der Rossis, obwohl doch alles mit den Shipleys begann. Das ist nicht de Hommage an eine großartige Reihe, die ich erhofft habe. Schade.

Fazit: Bowen hat sich mit diesem finalen Band leider keinen Gefallen getan. Von der Atmosphäre her passt die Geschichte leider nicht in die Reihe. Sie will zu erwachsen sein, macht dabei aber viele Fehler. Zudem ist es nicht der Abschluss, denn die „True North“-Reihe verdient hätte. Trotzdem bleiben die Erinnerungen an die anderen tollen Bände.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2020

Für Hoovers Debüt im Bereich Thriller beachtenswert

Verity
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Wenn ich an die letzten Romane von Colleen Hoover denke, muss ich doch schmunzeln. Während wir uns bei den ersten zwei Dritteln wohl alle einig sind, dass diese zwar unterschiedlich, aber doch alle grob ...

Wenn ich an die letzten Romane von Colleen Hoover denke, muss ich doch schmunzeln. Während wir uns bei den ersten zwei Dritteln wohl alle einig sind, dass diese zwar unterschiedlich, aber doch alle grob gleich waren, haben sich bei den letzten Neuerscheinungen doch eher die Leserstimmen gehäuft, dass Hoover mehr und mehr andere Seiten von sich zeigt. Dem konnte ich nur zustimmen und dennoch habe ich sie immer als Autorin wiedererkennen können. Völlig unmöglich ist das aber nun bei ihrem allerneusten Werk „Verity“, das vollkommen richtig bei bold erschienen ist, denn in einer Reihe mit ihren anderen DTV-Büchern wäre die Gefahr zu groß gewesen, die falsche Zielgruppe anzulocken, denn „Verity“ ist wirklich so gar nicht mit ihren anderen Büchern zu vergleichen.

Natürlich war ich schon als Kind Fan von Büchern, aber das Genre, was mich erst so richtig mit diesem Medium vertraut gemacht hat, ist tatsächlich der Krimi, mit leichten Tendenzen zum Thriller. Seitdem hat sich viel getan, denn auch Liebesgeschichten, vor allem NA und nach wie vor Jugendbücher können mein Herz erobern. Aber gute Krimis und Thriller lösen bei mir immer noch ein wohliges Gefühl aus. Da ich mit ihnen so vertraut bin, bin ich natürlich abgehärtet und mich kann in dem Bereich kaum etwas schocken. Dennoch habe ich großen Respekt vor allen Autoren, die sich in diesen Genres versuchen, denn es ist schon eine große Kunst, hier herauszustechen und für die wichtigste Prämisse zu sorgen: Spannung bis zum bitteren Schluss.

Hoover hat es nun versucht mit „Verity“ und auch wenn mich der Inhalt mich nicht schocken oder gruseln konnte, ist es ohne Frage ein guter Thriller, der so auf Anhieb auch erstmal überzeugen muss, daher Hut ab, Frau Hoover! Sie hat sich sogar so überzeugend eine neue Schreibart angelegt, dass ihr das Buch nachher auch nicht mehr eindeutig zuzuordnen ist, denn so klassische Hoover-Merkmale sind für mich nicht eindeutig zu erkennen. So hat sie wirklich mal eine ganz andere Seite an sich gezeigt. Das fängt schon damit an, dass sie Charaktere geschaffen hat, die man nicht lieben kann. Alle drei Hauptfiguren entwickeln nach und nach Gewohnheiten, die so abstoßend machen. Aber für einen solchen Thriller ist das genau richtig, denn da man die Figuren nicht mag, kann man fleißig an ihnen zweifeln und ist gewarnt, dass alles passieren kann. Zudem ist somit von Anfang an klar, dass nach ethischer Moral gar nicht gefragt werden darf, hier geht es menschliche Abgründe, für die keine Entschuldigung gefunden werden sollen.

Ich kann mir jedenfalls bildlich vorstellen, mit was für einer Freude Hoover am Schreibtisch gesessen hat, um diesen Inhalt abzutippen, denn sie durfte alle verrückten Ideen rauslassen und hat dabei dennoch etwas entstehen lassen, was auch noch echt gut unterhalten kann. Es ist vor allem die Spannung, die hier zieht. Was ist die Wahrheit, wer ist böser als der andere und kann man überhaupt etwas von dem glauben, was da passiert? Die Fragen hatte ich ständig im Kopf und sie haben den entscheidenden Reiz ausgemacht.

Dennoch ist es nicht die perfekte Lektüre, denn gerade die derben und ausschweifenden Sexszenen hätte dieses Buch nicht in dieser Fülle gebraucht. „Verity“ ist kein Erotikroman und somit waren die entsprechenden Szenen nur Mittel zum Zweck, aber ich bezweifle, dass es ausgerechnet dieses Mittel gebraucht hätte. Jetzt ist Hoover ja großer E. L. James, vielleicht deswegen. Auch ansonsten muss man sagen, dass gewisse Aspekte an der Oberfläche verharren. Das ist bei diesem Genre zu verkraften, aber dennoch hätte man dieses Buch qualitativ noch mehr auf die Spitze treiben können. Für ein Debüt im Thrillergenre aber herausragend.

Fazit: Mit „Verity“ betritt Colleen Hoover nun auch die Bühne Thriller und meistert dies mit Bravour. Diese Frau ist einfach eine Erzählerin durch und durch und kann somit nichts Schlechtes abliefern. Zudem beweist sie dadurch Wandlungsfähigkeit, die erst recht nicht hoch genug anerkannt werden kann. Es ist vielleicht nicht der perfekte Thriller, aber doch auch nicht weit entfernt.

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