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Veröffentlicht am 11.01.2022

Aschenputtel 2.0 und doch super

Bridgerton - Wie verführt man einen Lord?
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„Wie verführt man einen Lord?“ ist bereits der dritte Streich in der Bridgerton-Reihe von Julia Quinn, die große Bekanntheit erlangt hat, weil das Produktionslabel Shondaland sich der Vorlage für eine ...

„Wie verführt man einen Lord?“ ist bereits der dritte Streich in der Bridgerton-Reihe von Julia Quinn, die große Bekanntheit erlangt hat, weil das Produktionslabel Shondaland sich der Vorlage für eine Adaption bei Streamingdienst Netflix angenommen hat. Während die ersten beiden Bände von der Art her doch sehr ähnlich aufgebaut waren, setzt sich der dritte Band erfreulich deutlich davon ab. Auch wenn gegen das bislang gewählte Muster von früher Heirat und dann erst richtige Liebesgeschichte per se nichts einzuwenden ist, so hätte ich es doch eintönig gefunden, immer nur ein Muster literarisch verarbeitet zu sehen. Dafür wurde sich für das erste Drittel aber bei etwas anderem einiges abgeguckt: Aschenputtel.

Als Protagonistin haben wir Sophie, die unehelich geboren wurde, aber von ihrem Vater nach dem Tod der Mutter wenigstens bei sich aufgenommen wurde, wenn sie auch nicht als leibliches Kind anerkannt worden ist. Das wird zum großen Problem, als Achtung die Stiefmutter mit den zwei Stiefschwester auftauchen. Während die eine Tochter, Posy, noch etwas auszunehmen ist, sich aber nur spärlich gegen den Einfluss von Mutter und Schwester wehren kann, sind die anderen beiden wirklich zwei Figuren, die man aus den Seiten streichen würde, weil sie so unerträglich sind. Als der Vater dann auch noch stirbt, fängt das Schlimmste gerade erst an. Schließlich kommt dann noch das letzte Aschenputtel-Motiv, denn Sophie schleicht sich – unterstützt vom anderen Hauspersonal – auf einen Maskenball der Bridgertons und lernt dort den zweiten Bruder, Benedict, kennen. Es ist eine wirklich schön erzählte erste Begegnung, denn man merkt, dass es wirklich Liebe auf den ersten Blick ist. Von gesellschaftlichen Standards ist da erstmal keine Spur, weswegen diese Begegnung auch so rein ist. Auch wenn gerade Sophie natürlich Geheimnisse ohne Ende hat, so begegnen sie sich dennoch charakterlich ehrlich, was diesen Moment in der Magie noch verstärkt.

Zwar kommt hinterher nicht raus, dass Sophie auf dem Ball war, aber ihre Stiefmutter findet heraus, dass sie ihre Schuhe benutzt hat und setzt sie auf die Straße. Hier beginnt nun das zweite Drittel des Buchs, das sich dann doch endgültig von der Aschenputtel-Nacherzählung löst. Nach einem zweijährigen Zeitsprung treffen Sophie und Benedict wieder aufeinander, er erkennt sie natürlich nicht, aber wo Liebe ist, da ist eben die Liebe, so dass sie sich so oder so zueinander hingezogen fühlen. Während mir bei den anderen beiden Bänden der Auslöser für die dramatische Stolperstelle des Liebesglücks immer etwas zu künstlich aufgebauscht wurde, passt hier alles wunderbar. Denn dass Sophie sich so heftig wehrt, Benedicts Mätresse zu werden, ist aus ihrer Sicht völlig nachzuvollziehen. Sie will sich nicht zu einem Leben verpflichten, das ihre Mutter schon geführt hat und dass sie als ihre Tochter letztlich ins Unglück gestürzt hat. Dadurch ergibt sich zwischen den beiden als Figuren natürlich ein stetiges Spielchen, das auch zu überzeugen weiß, denn die Chemie stimmt nach wie vor überirdisch.

Es ist auch ein toller Schachzug, dass Sophie auf Benedicts Intervention hin bei seiner Mutter Violet angestellt wird. Denn in den ersten beiden Bänden sind die Bridgertons geballt nur sehr rar zusammen aufgetreten, aber hier haben bis auf Gregory alle ihre Auftritte und gerade die Teenachmittage mit den Damen des Hauses hat ein gutes Gefühl für diese gegeben, was wir schon längst durch die Serie vermittelt bekommen haben, aber nun auch endlich in Buchform präsentiert bekommen. Hier haben die einzelnen Bestandteile also diesmal echt gut zusammengepasst. Natürlich wird der Konflikt zwischen Benedict und Sophie am Ende aufgelöst, aber der Weg dahin ist nicht einfach. Ich finde es wirklich überzeugend, wie hier die damalige Ständegesellschaft konsequent übertragen wurde.

Fazit: „Wie verführe ich einen Lord?“ ist tatsächlich bislang mein liebster Band aus der Bridgerton-Reihe. Zwar wird zunächst Aschenputtel nacherzählt, aber dennoch fand ich das charmant und doch individuell gemacht. Individualität ist sowieso ein gutes Stichwort, da Benedict und Sophies Geschichte sich deutlich von denen davor unterscheidet. Alles wirkt natürlicher und vor allem auch die Bridgertons insgesamt werden in ihrem Miteinander sympathisch dargestellt. Hätte ich mich nicht durch die Serie schon längst in sie als Familie verliebt, dann wäre das in der Buchreihe jetzt der Fall gewesen.

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Veröffentlicht am 17.12.2021

Melancholisch und Eintauchen in eine andere Kultur

Like water in your hands
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Auf die Erscheinung von Mehwish Sohails erster NA-Reihe bei Lyx war ich persönlich sehr gespannt und nach einigem Verschieben des Veröffentlichungstermins war es nun endlich so weit. Für mich war der Reiz ...

Auf die Erscheinung von Mehwish Sohails erster NA-Reihe bei Lyx war ich persönlich sehr gespannt und nach einigem Verschieben des Veröffentlichungstermins war es nun endlich so weit. Für mich war der Reiz vor allem, dass die Hauptfiguren Pakistani sind und somit ein ganz anderes kulturelles Umfeld geboten wurde. Wenn man NA liest, dann lebt man als LeserIn damit, dass es eine gewisse inhaltliche Eintönigkeit gibt. Dementsprechend bietet Sohail mit diesem neuen inhaltlichen Korsett ganz neue Möglichkeiten und darauf war ich wirklich gespannt, das zu entdecken.

Das Wichtigste für mich vorweg war definitiv die Erkenntnis, dass Sohail schreiben kann. Da es ihr Debüt ist, war es für mich keine Selbstverständlichkeit, dass ihr Schreibstil mir entgegenkommt, aber da musste ich mir wirklich keine Gedanken machen, da ich von vorne bis hinten mit den Worten eingefangen wurde und kein Stutzen empfunden habe. Insgesamt muss ich auch angesichts vieler Details an den richtigen Stellen unterstreichen, dass der gesamte Aufbau, das Durchdenken des Inhalts wirklich beeindruckend sind. Wenn Sohail schon mit dem Erstling so umzugehen weiß, dann sehe ich wirklich sehr positiv in die Zukunft von ihr. Damit dürfte an dieser Stelle wohl schon klar sein, dass ich bei der weiteren Reihe definitiv am Ball bleiben werde.

Der kulturelle Aspekt ist ebenfalls überzeugend gelungen. Durch die diversen Zusammenkünfte, sei es durch Hochzeiten oder durch private Zusammentreffen, ist immer wieder die Gelegenheit geboten worden, sich mit den Pakistani vertraut zu machen. Mit ihrem Denken, mit ihrem Zusammenhalt, mit ihrem Verständnis von Familie, aber natürlich auch Identitätsfindung in einem fremden Land. Denn das ist ein zentrales Thema dieses Buchs. Arwa ist schon die zweite Generation, die Wurzeln in Österreich schlägt. Sie hat eine sehr helle Hautfarbe, weswegen für sie das Thema nicht ganz so entscheidend ist und dennoch war ihr ganzes Leben davon geprägt und das vor allem durch die Generation ihrer Eltern, die den Schritt von Pakistan nach Wien gewagt haben, die damit trotz neuer Hoffnung auch entwurzelt wurden und schwer zu kämpfen hatten. Aber auch in Tariqs Familie ist dies ein großes Thema, was dann automatisch auch Arwa und Tariq enger zusammengeschweißt hat, weil sie ein Verständnis hatten. Damit werden die kulturellen Aspekte also nicht durch eine rosarote Brille beleuchtet, sondern mit dem Realitätscheck. Und der familiäre Druck, nach den alten Traditionen zu leben, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Dabei war aber stets auffallend, dass die Darstellung nicht von Klischees geprägt war, denn es gab immer zwei Seiten. Das ist vermutlich so einnehmend gelungen, weil Sohail von mittendrin stammt und weil sie gewiss kein Interesse daran hatte, ihre Kultur zu diffamieren, sondern sie darzulegen, wie sie tatsächlich ist. Von dort aus kann sich dann jede oder jeder Außenstehende selbst sein Bild machen.

Was definitiv mehr von mir verlangt hat als Leserin, das war die Tatsache, dass in „Like Wate in Your Hands“ sehr viel mentale Gesundheit dargeboten wird. Das finde ich zunächst einmal respektabel, birgt aber natürlich auch gewisse Risiken, was sich in diesem konkreten Buch darin ausgedrückt hat, dass die Stimmung der Erzählung sehr melancholisch war. Es gab wirklich nur sehr, sehr wenige Szenen, in denen wirklich reines Glück zu spüren war. Über jedem kleinen Fitzel Unbeschwertheit lag immer auch eine Decke, die immer näherkam, so dass die Lockerheit immer genauso schnell verschwunden war, wie sie aufgekommen ist. Ich brauche bei NA keine Zuckerwattenstimmung, es darf gerne dorthin gehen, wo es wehtut und dennoch muss es eine gewisse Balance geben. Denn in NA wird immer noch eine Liebesgeschichte erzählt und da brauche ich dann manchmal auch die gewisse Stimmung, damit die Liebe auch wirklich bei mir ankommt. Insgesamt war mir das Buch also doch etwas zu melancholisch. Andererseits hätte ich es auch scharf kritisiert, wenn es am Ende eine Wunderheilung gegeben hätte, dementsprechend bin ich mit diesem Authentizitätsbemühen dann doch glücklicher.

Zudem war es trotz der Stimmung so, dass ich Arwa so gut nachvollziehen konnte. Eine gewisse Hypersensibilität habe ich auch, deswegen war es oft so, als wären Arwas Gedanken auch meine, weil ich viele Situationen schon genau so empfunden habe und auch wenn es auf der einen Seite beängstigend war, die eigenen Gedanken so in den niedergeschriebenen Worten wiederzuerkennen, so war es auf der anderen Seite auch tröstlich. Bei Tariq ist es etwas schwieriger. Im ersten Teil schauen wir gar nicht hinter seinen Kopf und im zweiten Teil geht es zunächst nur um ihn und da war es schon ein herber Schlag, in seine dunklen Gedanken einzutauchen. Insgesamt fand ich auch, dass seine Gefühle sich mir nicht gänzlich erschlossen habe. Ich hatte immer das Gefühl, dass mir noch eine Ebene fehlt. Das ist für mich besonders deutlich geworden, da auch in Bezug auf seine Geschwister viele Andeutungen gemacht werden. Auch wenn jede und jeder ihr oder sein Päckchen zu tragen hat, so wirkte es zu geballt, als ob alle unbedingt in die Knie gerungen werden musste. Aber Tariqs persönliche Seite hat der Geschichte auch etwas sehr Erwachsenes mitgegeben. Es war hier nur nicht so natürlich für mich wie bei Arwa.

Fazit: „Like Water in Your Hands” hat die Wartezeit definitiv genutzt, den für ein Debüt ist es wirklich sehr überzeugend geworden. Vor allem von handwerklichen her, bei dem auch deutlich wurde, dass die Autorin auch bereit ist, ihre eigene Wege zu gehen und keine klassische Liebesgeschichte zwingend erzählen muss. Das Eintauchen in eine fremde Kultur hat mich am meisten überzeugt. Aber auch die Darstellung von mentaler Gesundheit ist andächtig angegangen worden, gerade in Arwa habe ich mich auf erschreckende Weise wiedererkannt. Insgesamt war mir die Stimmung zu melancholisch, etwas mehr Unbedarftheit hier und dort wäre wirklich noch das gewesen, was eine sehr gute Lektüre zu einer perfekten gemacht hätte. Aber Hut ab!

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Veröffentlicht am 08.11.2021

Liebenswerte Kleinfamiliengeschichte

Forever Right Now
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Emma Scott kann Reihen sowie Einzelbände gleichermaßen und das hat auch niemals etwas mit der Qualität ihrer Bücher zu tun. Dennoch ist es oft so, dass man ein Pärchen bei seinem Happy End begleitet und ...

Emma Scott kann Reihen sowie Einzelbände gleichermaßen und das hat auch niemals etwas mit der Qualität ihrer Bücher zu tun. Dennoch ist es oft so, dass man ein Pärchen bei seinem Happy End begleitet und dabei aber andere Figuren kennenlernt, die direkt eine besondere Ausstrahlung haben, obwohl sie eigentlich nur für den Nebenschauplatz gedacht sind. Bei „Be My Tomorrow“ war es nun eine gewisse Darlene, die in der Geschichte von Zelda und Beck Eindruck hinterlassen hat. Deswegen habe ich es auch aus vollen Herzen unterstützt, dass sie in „Forever Right Now“ nun auch ihr Happy End bekommt. Und wie hat mir dieses gefallen?

Sehr gut! Ich mochte zwar auch Zelda und Beck, keine Frage, aber ich fand, dass Darlene und Sawyer das Ganze nochmal getoppt haben. Bei Darlene fand ich es einfach wunderbar, dass sie so eine Leichtigkeit vermittelt hat, obwohl es das Schicksal bis dato nun wahrlich nicht gut mit ihr gemeint hatte. Und charakterlich bin ich auch Lichtjahre von ihr entfernt und doch war da gleich eine Verbindung da, die mich an sie gebunden hat. Mir hat es auch extrem gefallen, dass die Geschichte darauf verzichtet hat, sie in einen Rückfall zu drängen. Das sieht man eh viel zu viel, aber da war sie in „Be My Tomorrow“ am Boden erlebt haben, war es einfach eine schöne Botschaft, dass Darlene es wirklich geschafft hat und dass sie diesmal Nackenschläge wegsteckt, aufsteht und weitermacht. Das war sehr inspirierend und hat Hoffnung verströmt.

Sawyer ist als Figur deutlich schwermütiger. Er wird zwar als Partyhengst eingeführt, aber davon ist schnell nicht mehr viel übrig, denn in dem Moment, als er die Verantwortung für Baby Olivia übernimmt. Es klingt auf der einen Seiten seltsam zu sagen, dass er sich damit eine Bürde aufgeladen hat, weil er es keinesfalls so empfindet und doch ist von einem auf den anderen Tag in seinem Leben kein Platz für sein altes Ich. Ja, er arbeitet verbissen daran, Kindererziehung und Studiumende unter einen Hut zu bringen, was ihn auszehrt, aber es wird zum Glück kein Zweifel gelassen, dass er in dem Moment, wo er wieder mit Olivia vereint ist, von innen heraus strahlt, weil diese beiden einfach zusammengehören. In der Literatur findet man oft tolle Mutterfiguren, aber gerade als alleinerziehender Vater ist es noch einmal eine Sparte, die nicht oft bedient wird, weswegen ich sie hier gerne willkommen geheißen haben. Zwar ist es wirklich so, dass Sawyer über das gesamte Buch hinweg wirklich nur wenig lächelt und einfach mal lockerlässt, aber trotzdem ist das bei mir als Leserin so nicht angekommen. Das mag vor allem daran liegen, dass Darlene ihn mit ihrer Art ausgeglichen hat, aber es lag auch daran, dass er ein spezieller Kopf ist, dessen Geschichte mit Olivia selten und daher so besonders ist. Als später rund um ihn noch ein paar Wahrheiten ans Licht kommen, da ist es vollkommen um mich geschehen gewesen, weil ich das Bild von ihm als Vater so wunderschön finde.

Darlene und Sawyer haben auch wirklich eine schöne Chemie, die von ihr mit ihrer Art entzündet wird, aber sie holt ihn auch aus einem Schneckenhaus heraus, wo die beiden sich zumindest aufeinander verlassen können. Auch wenn es klar war, dass ihre Drogenvergangenheit noch zu einem Problem werden würde, so war ich letztlich doch erleichtert, dass die Thematik nicht in den Dreck gezogen worden ist, sondern dass es ein Hindernis von vielen war, das nicht zu sehr gewichtet wurde, denn über solche Überdramatisierungen werden schon mal Charaktere mit Füßen getreten. Was aber dennoch sehr auffällig war, dass das Buch sehr eng erzählt wird. Es gibt nahezu kaum Nebenschauplätze, zwar einige Nebenfiguren und dennoch wird alles eng an Darlene und Sawyer erzählt. Da das Buch das aber konsequent durchgezogen hat und somit keine Fragen offen gelassen hat, konnte ich das gut für mich abhaken, aber insgesamt ist es eine eher knappe Lektüre, die extrem schnell zu lesen war. Scott kann sonst auch ausschweifender erzählen, weswegen es mich etwas verwundert, aber es stört zum Glück nicht, weil es im Grunde nur auffällt, wenn man richtig hinguckt.

Fazit: Ich fand „Forever Right Now“ richtig schön, weil mich Darlene und Sawyer als Einzelcharaktere aus unterschiedlichen Gründen und natürlich auch zusammen sehr überzeugen konnten. Zudem hat es mir gefallen, dass Darlene mit ihrer Sucht stabil bleibt, so dass die Kleinfamiliengeschichte in allen Facetten zu begeistern weiß. Vielleicht ist die Geschichte etwas sehr eng erzählt, rund, emotional und mitreißend ist sie aber trotzdem und das ist das Wichtigste!

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Veröffentlicht am 27.09.2021

Erfreuliche Qualitätssteigerung

Keeping Dreams
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Ich habe es gerade im NA-Bereich, wo meine liebsten Reihen üblicherweise bei Lyx erscheinen, schon öfters bemerkt. Wenn ich neue AutorInnen entdecke, dann macht es mir der Auftaktband oftmals nicht leicht, ...

Ich habe es gerade im NA-Bereich, wo meine liebsten Reihen üblicherweise bei Lyx erscheinen, schon öfters bemerkt. Wenn ich neue AutorInnen entdecke, dann macht es mir der Auftaktband oftmals nicht leicht, außer es ist Liebe auf den ersten Blick. Bei „Keeping Secrets“ von Anna Savas war mein Endfazit doch sehr verhalten, weil ich die Ausgangslage mit Hollywoodsternchen Tessa zu klischeehaft fand und insgesamt fand ich auch die Erzählung zu oberflächlich. Aber was mich trotzdem zum zweiten Band greifen lässt, ist dann meine zweite Beobachtung, dass die mich oft viel, viel mehr begeistern und das Fazit kann ich auch für „Keeping Dreams“ ziehen und hier erfahrt ihr, wieso!

Lily ist unser Neuzugang in diesem Band und es war doch eine große Erleichterung, dass sie aus ganz normalen Verhältnissen stammt. Julian, als ihr Gegenpart kannten wir bereits schon und obwohl er der klischeehafte Frauenverschleißer war, so fand ich es extrem großartig, dass damit nur gespielt wurde, dass man durch Julians Perspektive aber gleich seine wahre Persönlichkeit mitbekommen hat. Und ich fand die Privatleben beider Figuren echt genial, denn beide haben es mit mehreren Schwestern zu tun, was definitiv ein verbindendes Element war. Und ich finde die sinnvolle Einbindung der Familie sorgt stets dafür, dass alles sich einfach heimischer anfühlt und es wird effektiver verhindert, dass die Geschichte oberflächlich wirkt. Oft mache ich bei NA auch die Beobachtung, dass die Frauen bei Perspektiventeilung dennoch favorisiert werden. Hier hatte ich sogar das Gefühl, dass das Pendel leicht gen Julian ausschlägt. Das finde ich mal sehr interessant, denn ich mag die Geschichten lieber, wenn ich merke, sie sind gleichberechtigt und wenn ich Julian als sehr präsent in der Geschichte empfunden habe, dann ist das erstmal sehr, sehr positiv.

Zudem muss ich auch sagen, dass Lily und Julian eine ganz hervorragende Chemie miteinander haben und das vom ersten Moment an. Das ist immer viel wert. Von Feinden werden sie schließlich zu Geliebten und die Entwicklung hat mich sehr mitgerissen, weil es eben auch in beiden Fällen wie verrückt geknistert hat. Hier sieht man also schon nach 1,5 Abschnitten, dass Savas diesmal in den entscheidenden Punkten wirklich etwas angeboten hat. Die „perfekte“ Lektüre ist es sicherlich immer noch nicht. Dafür gibt es zwischendurch noch zu viele Längen, die mit eher unwichtigen Dingen gefüllt sind, das galt aber bei Julian und Lily gleichermaßen. Das fällt dann auch besonders auf, wenn hinten raus irgendwie ein wenig die Zeit ausgeht. Gerade bei Julian hatte ich das Gefühl, dass das Buch da endet, wo es teilweise erst richtig für ihn losgeht. Mit Lily hat er den Punkt des Glücks erreicht, aber gerade im Privatleben war für mich noch zu viel offen. Das waren Baustellen, die hier offengelassen werden, die ich aber eigentlich lieber gelöst sehe, soweit es denn überhaupt eine Lösung gibt. Dennoch haben mich die Geschichten von Lily und Julian gleichermaßen berührt, auch wenn mir bei beiden gefehlt hat, wie sie wirklich in ihre Leidenschaft einsteigen. Lilys Tanzsequenzen hat man nie wirklich mit ihr erlebt, sondern immer nur, wenn etwas schief ging oder wenn die Probe schon vorbei war und auch wenn Julian mit seiner Kamera loszog, ich hätte gerne mal eine Sequenz gehabt, wo wir ihn auf der Motivsuche begleiten und verstehen, was er wie empfindet. Die Leidenschaft füreinander, die ist rübergekommen, aber die für die Hobbys ist etwas untergegangen.

Fazit: „Keeping Dreams“ von Anna Savas hat mich definitiv mehr begeistert als der Auftaktband ihrer NA-Reihe bei Lyx. Die Figuren waren mir beide sympathisch, beide Geschichten waren wichtig und zusammen hatten sie eine grandiose Chemie. Damit war für mich das wichtigste in einem solchen Genre schon bedient. Nun fehlt noch ein wenig das Gespür dafür, wo man tief gehen muss und wo man auch einfach auf Lücke schreiben kann und dennoch sind mir die Schwächen beim Leseprozess nicht offensiv ins Auge gesprungen und das sagt auch sehr viel aus.

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Veröffentlicht am 16.08.2021

Perfekt unperfekt

Forever Close - San Teresa University
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Meine gemeinsame Geschichte mit Kara Atkin ähnelt in etwa der, die ich mit Sarah Sprinz teile, denn ihre Romane bei Lyx waren meine ersten Begegnungen mit ihnen als Autorinnen. Während die Auftaktromane ...

Meine gemeinsame Geschichte mit Kara Atkin ähnelt in etwa der, die ich mit Sarah Sprinz teile, denn ihre Romane bei Lyx waren meine ersten Begegnungen mit ihnen als Autorinnen. Während die Auftaktromane zu ihren Reihen noch sehr durchschnittlich waren, habe ich aber das Potenzial in dem Talent als Autorin erkannt und beide zweite Bände waren wahre Herzensbücher, die mich tief berührt haben. Die Reihe von Sprinz habe ich nun letzten Monat beendet, nun endet also mit „Forever Close“ die San Teresa-Reihe von Atkin. Ob es wieder so ein Knaller wird wie bei Band 2?

Ich habe das ganz oft in jeder NA-Reihe, dass es immer ein Paar gibt, auf das ich besonders hinfiebere und das waren bei der San Teresa-Reihe ganz klar April und Tyler. Schon im ersten Roman war es nur eine Begegnung zwischen ihnen und da habe ich schon gespürt, da wartet etwas Großes auf uns. In Band 2 war Tyler dann in seiner kulturellen Heimat unterwegs, was aber okay war, denn es war schließlich immer noch nicht seine und Aprils Geschichte. Doch in Band 3 ist die Vorfreude nun so gesteigert worden, dass die beiden endlich dran sein dürfen. Vorfreude hat immer ein wenig den Nachteil, dass damit auch die Erwartungen steigen, aber zum Glück hat schon der Einstieg in „Forever Close“ gezeigt, dass ich mir keine Sorgen machen muss, denn die Funken haben wie eh und je gesprüht und die Chemie ist einfach jenseits von allem. Deswegen hat auch gleich die erste Wiederbegegnung der beiden gezeigt, dass man sich über die beiden keine Sorgen machen muss. Vielleicht war manchmal minimal die Luft raus, aber das war auch immer mit den Momenten verbunden, wo ich allgemein das Gefühl hatte, dass sich die Geschichte eine Auszeit genommen hat.

Aber die Auszeiten gewichte ich auch nicht stark negativ, denn Atkin beweist in meinen Augen erneut, dass sie eine sehr intelligente Erzählerin ist. Sie verzichtet zwar auf all zu viele Gruppenszenen, was ich etwas schade fand, weil ich wirklich alle Figuren der Reihe wirklich sehr ins Herz geschlossen haben, aber die Geschichten von Tyler und April sind jeweils sehr liebevoll erzählt. Vielleicht hat bei Tyler noch was gefehlt, denn gerade seine Eltern hätten gerne auch auftauchen dürfen, aber man hat schon deutlich gemerkt, dass es vor allem um April ging, die ich wirklich unheimlich gut nachvollziehen konnte. Und das richtig Angenehme war, dass die Geschichte auch all die Schritte durchgenommen hat, die ich mir zwischendurch gewünscht habe. Die Konfrontation mit ihrer Mutter, wann sie mit der Wahrheit herausplatzt und wie es am Ende zur Versöhnung an allen Fronten kommt. Hier finde ich, dass die einzelnen Schritte beweisen, dass Atkin viel Liebe zum Detail hat, denn es ist behutsam erzählt, authentisch und damit wirklich wie ein weiches Kissen, in das man sich schmiegen mag.

Was ich abschließend auch noch absolut lobend hervorheben möchte, ist die Art und Weise, wie die Beziehung von Tyler und April zu einem Knackpunkt geführt wurde. Die Geschichte hat stark damit gearbeitet, dass die beiden nicht viele Gemeinsamkeiten haben. Keine ähnlichen Charaktereigenschaften und keine gemeinsamen Interessen, aber was sie gemeinsam haben, ist ihre Liebe füreinander. Und da war die Frage eben die ganze Zeit, kann das reichen? Aber Atkin hat hier heraus kein übertriebenes Drama geflochten, stattdessen hat sie die Konfrontation der gemeinsamen Zukunft sanft vorangetrieben und als eine Entscheidung erzwungenermaßen im Raum stand, hat sie April und Tyler so erwachsen handeln lassen, dass ich vor Glück hätte weinen können. Die vorläufige Trennung der beiden war eine der schönsten, die ich gelesen haben und das mag noch so verrückt klingen, aber in NA trennen die Paare sich so oft und oft so unsinnig, aber hier ist es wirklich logisch, intensiv und dadurch tatsächlich schön gestaltet. Und genau so etwas wiegt dann für mich qualitativ auch so sehr, dass ich kleinere Schwächen davor nahezu vergessen habe. Zwar bleibt Band 2 doch mein Liebling, vielleicht weil er so überraschend gut war, aber April und Tyler haben doch den besonderen Platz in meinem Herzen.

Fazit: Hut ab vor Kara Atkin, die ihre San Teresa-Reihe sehr überzeugend zu Ende bringt und mich angesichts der tollen Geschichten für Tyler und April strahlen lässt. Es war nicht alles perfekt, aber es war in dem, was da war, so perfekt, dass ich Atkin wirklich nur ganz fest im Auge behalten kann, damit mir kein neues Buch mehr von ihr entgeht.

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