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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2019

Krimisprint

Tödlicher Schnitt
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Zum Inhalt:
Als ein berühmter Filmstar in Berlin ermordet wird, bekommt die dort wirkende Kommissarin Lenz den amerikanischen Kollegen Cassidy zur Seite gestellt. Obwohl sie eine Eigenbrötlerin ist, funktioniert ...

Zum Inhalt:
Als ein berühmter Filmstar in Berlin ermordet wird, bekommt die dort wirkende Kommissarin Lenz den amerikanischen Kollegen Cassidy zur Seite gestellt. Obwohl sie eine Eigenbrötlerin ist, funktioniert die Zusammenarbeit dank des offenen Wesens Cassidys direkt und das ist auch gut so. Denn fast im Minutentakt fallen noch mehr Menschen dem Täter zum Opfer, der sich bei seinen Morden von Filmen inspirieren lässt und seine Inszenierungen ins Internet stellt.

Mein Eindruck:
Oliver Schütte hetzt seine Leser durch die Handlung. 288 Seiten sind nicht viel für einen Krimi, da bedarf es schon eines guten Aufbaus, eines stringenten Schreibstils und einem Fokus auf die Handlung ohne nebensächlichen Schnickschnack wie die gern genommene Problematik „Kollegen, die sich nicht ausstehen können“. All das bietet „Tödlicher Schnitt“ und man ist positiv überrascht, dass auf so kleinem Platz ein nicht nur ordentlicher, sondern sehr guter Kriminalroman präsentiert werden kann. Schütte nimmt sich genügend Zeit für viele seiner Charaktere – Opfer wie Kommissare – und streut ein paar amüsante Culture-Clash-Momente ein, die glücklicherweise nicht durch Reibereien geschmälert werden. Ganz im Gegenteil nähern sich die im Wesen sehr unterschiedlichen Ermittler vorsichtig aneinander an, ohne gleich Brüderschaft zu trinken. Einzig die Beschreibung der Tätersicht könnte als zu dünn empfunden werden und der Abschluss des Falls hätte ein paar mehr Seiten vertragen können. Glücklicherweise (warum sollte der Klappentext den „ersten Fall“ sonst so betonen?) sind Fortsetzungen mit dem sympathischen Ermittler-Team geplant und nach der Berliner Fingerübung könnte das amerikanische Meisterstück folgen. Denn so gelungen wie die Schauplätze in Berlin vor dem geistigen Auge entstehen, träumt man sich auf die „Straßen von San Francisco“ – wenn auch ohne Karl Malden und Michael Douglas.


Mein Fazit:
Für so einen günstigen Preis gibt es nichts zu meckern. Gar nix!

Veröffentlicht am 07.09.2019

Schwierig

Fünf Lieben lang
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Zum Inhalt:
Paul liebt. Und das sein Leben lang. Mit voller Inbrunst, manchmal gleichzeitig, mal Mann, mal Frau, aber nicht immer unbedingt körperlich. Diesem Aspekt seines Seins ordnet er den Rest seiner ...

Zum Inhalt:
Paul liebt. Und das sein Leben lang. Mit voller Inbrunst, manchmal gleichzeitig, mal Mann, mal Frau, aber nicht immer unbedingt körperlich. Diesem Aspekt seines Seins ordnet er den Rest seiner Aktivitäten unter, - bis auf das Tennisspielen, welches eine weitere Konstante in seinem Dasein ist.

Mein Eindruck:
Aciman hat einen wundervollen Schreibstil und so bleiben seine Leser bei der Stange, - egal wie absurd einem selbst die Art des Lebens vorkommt, welches der Autor seinem Protagonisten auf den Leib geschrieben hat. Denn egal wie hoch gebildet, kosmopolitisch, eloquent und charmant sich sämtliche Figuren darstellen, sind sie doch irgendwie nur Opfer ihrer Triebe. Aber da darüber in den Beziehungen Konsens herrscht, scheint es überhaupt nicht tragisch zu sein, der einen das Herz zu Füßen zu legen, während man kurz zuvor mit dem anderen Geschlechtsverkehr hatte. Darüber wird ausführlich mit einem oder einer dritten gesprochen, der/die entweder schon abgelegt oder noch nicht fällig war. Und alle leben weiterhin unglücklich und nicht in Freuden, weil ja irgendetwas fehlt, während man seine Familie zu Hause hat oder mit irgendjemandem liiert ist. Und so fehlen der Rezensentin irgendwann die Worte ob des Treibens, das ihr da zwischen den Buchdeckeln serviert wird und sie fragt sich, ob sie einem wirklichen Poeten lauscht oder nur einem lüsternen, alten Mann, der unter einem furchtbaren „Was wäre gewesen, wenn?“ leidet und dessen Ehefrau man ganz bestimmt nicht sein möchte.
Denn bei aller Schönheit, die den Beschreibungen der Orte und vor allen der Gedanken innewohnt, bleibt zum Schluss nur eine hohle Nuss übrig, die jeder Grundlage einer akzeptablen Gemengelage von Persönlichkeiten und Beziehungen entbehrt.


Mein Fazit:
Ein Geschenk aus dem Ein-Euro-Shop, in einer perfekt geschnürten und wunderbar verzierten Verpackung

Veröffentlicht am 07.09.2019

Fegefeuer

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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Zum Inhalt:
Erwacht in einem ihm fremden Körper und ohne Erinnerung als die an den Namen „Anna“ stolpert der Ich-Erzähler durch den Wald. Nach und nach wird ihm klargemacht, dass sein Bewusstsein verschiedene ...

Zum Inhalt:
Erwacht in einem ihm fremden Körper und ohne Erinnerung als die an den Namen „Anna“ stolpert der Ich-Erzähler durch den Wald. Nach und nach wird ihm klargemacht, dass sein Bewusstsein verschiedene Wirte besetzen wird. Das alles geschieht zu dem Zweck, aus der Umgebung entfliehen zu können, dadurch dass er den korrekten Mörder einer jungen Frau benennen kann. Denn die Tochter des Hauses wird am Abend sterben und der Protagonist setzt sich drei Ziele: Nicht nur einen Namen zu nennen, sondern zusätzlich Anna und Evelyn zu retten.

Mein Eindruck:
„Agatha Christie meets „Und täglich grüßt das Murmeltier““; eine Werbung die genauso richtig wie auch falsch ist. Denn bei beiden hat man eine gewisse Leichtigkeit im Sinn (bei dem Filmtitel sogar Komik), die dem Buch von Steve Turton gänzlich fehlt. In seinem Krimi wird gelitten, gemordet, gemetzelt und an der Situation verzweifelt, Humor sucht man dort vergebens. Die übersinnliche Komponente gibt dem Ganzen zusätzlichen Pep und die 600 Seiten fliegen nur so dahin. Doch bleibt man nicht nur bei der Stange, weil das Buch spannend ist; ohne eine gewisse Ausdauer gerät man in die Gefahr, sich in dem genialen Konstrukt der Geschichte zu verlieren – trotz Personenliste und Lageplan zu Beginn des Buches und Rückverweisen während der Erzählung. Denn Turton lässt seinen Protagonisten nicht nur von Charakter zu Charakter springen; je nachdem, wo sich diese Gastkörper aufhalten und in welchem Zustand sie sich befinden, ändern sich natürlicherweise der Ort, manchmal auch die Zeit und nicht nur einmal sieht er sich gerade selber eine Situation aus anderem Blickwinkel noch einmal erleben. Die Auflösung zum Schluss ist – wie es sich für einen meisterhaften Krimi gehört – das Beste an dem ganzen Fall: Jeder kleine Wink hat plötzlich seine Bedeutung, die Puzzleteile des Rätsels liegen an der richtigen Stelle und selbst die Spielmacher werden von Teilen der Handlung überrumpelt. Einfach perfekt!


Mein Fazit:
Ein Whodunnit, das seinesgleichen sucht

Veröffentlicht am 17.08.2019

Erst stirbt die Katze, dann der Mensch

Blutsbande
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Zum Inhalt:
In Stockholm werden einige ertränkte Katzen gefunden, kurz danach findet ebenfalls eine Psychologin ihr unfreiwilliges Ende unter Wasser. Die Stockholmer Polizei muss feststellen, dass Fingerabdrücke ...

Zum Inhalt:
In Stockholm werden einige ertränkte Katzen gefunden, kurz danach findet ebenfalls eine Psychologin ihr unfreiwilliges Ende unter Wasser. Die Stockholmer Polizei muss feststellen, dass Fingerabdrücke auf einen alten Fall hinweisen, bei dem eine weitere Frau im Wasser gestorben ist. Als klar wird, dass Teile des Teams privat involviert sind, wird der Druck zur Täterfindung nicht nur extern, sondern auch intern erhöht.

Mein Eindruck:
Geschickt zelebriert Carin Gerhardsen die Leserverwirrung auf drei Zeitebenen, ihr Aufbau falscher Fährten ist fast brillant. „Fast“ deshalb, weil die letzte Wendung dann doch ein bisschen sehr überraschend und damit unbefriedigend gerät und das Ende zu abrupt geschildert ist. Sonst gibt es jedoch am „Hauptfall“ wenig zu kritteln: Er ist stringent, die handelnden Personen agieren folgerichtig und werden in einer Tiefe dargestellt, die weit entfernt von Holzschnitten ist. Leider kann sich Gerhardsen nicht vom üblichen Krimiklischee lösen, das immer wieder private Probleme bis zum Exzess in einen eigentlich guten Fall hineinverwursten muss. Dass gleich mehrere Personen des Teams persönliche Verbindungen zu Tätern und/oder Opfern haben, ist absurd und überkonstruiert und die daraus resultierenden Alleingänge nerven. Gefallen kann man jedoch durchaus an der Zusammenarbeit der Polizisten finden, - einer steht für den anderen ein und kümmert sich um die Kolleg/inn/en.
Da es sich bei „Blutsbande“ um einen Teil einer Reihe handelt, kommen Altfälle zu Sprache und nicht jeder Vorgang findet sein Ende; allerdings ist der Weg des Umgangs mit diesem Dilemma ein guter: Auch in Unkenntnis der älteren Bücher ist es möglich, sich zurechtzufinden.
Apropos zurechtfinden: Vielleicht sollte man bei der Übersetzung auf deutsche Leser Rücksicht nehmen und die typisch schwedische Angewohnheit, Personen mit Vor-, Nach- oder Spitznamen zu erwähnen entweder auf den Namen beschränken oder ein Glossar anbieten.


Mein Fazit:
Viele Spuren, noch mehr private Verwicklungen, mittlere Wertung

Veröffentlicht am 16.08.2019

Stereotyp

Blind Date
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Zum Inhalt:
Er sieht wahnsinnig gut aus und sucht sich seine Opfer online: Der Sadist Mister Right Now hat sich als nächstes Objekt seiner tödlichen Begierde Paige ausgewählt, doch diese zeigt sich - durch ...

Zum Inhalt:
Er sieht wahnsinnig gut aus und sucht sich seine Opfer online: Der Sadist Mister Right Now hat sich als nächstes Objekt seiner tödlichen Begierde Paige ausgewählt, doch diese zeigt sich - durch ihr Umfeld immer wieder um das Date gebracht - widerspenstig. Aber ist das schönste am Erfolg nicht die Jagd? Und so zieht er seine Kreise um Paige, die nicht merkt, dass sie schon bald zur Strecke gebracht werden soll.

Mein Eindruck:
Die Sterne erhält einzig und allein die Sprecherin, denn dieser Thriller ist weder spannend, noch hat er tiefgründige Charaktere. Es ist zum Beispiel völlig egal, wie intelligent die Frauen (angeblich) sind. Sie definieren sich nur über Klamotten, Schuhe, ihre Haare (ich weiß jetzt alles über das Wetter und was es einer guten Frisur zufügen kann) und legen die gleichen Maßstäbe bei ihren Männern an. Hauptsache eine Augenweide (wen kümmern schon innere Werte) und Mister Right Now ist so gutaussehend, dass praktisch jedes (und ich meine wirklich jedes) weibliche Wesen zu sabbern anfängt, wenn er in dessen Blickfeld gerät. Noch holzschnittartiger die anderen weiblichen Charaktere: Entweder nur lieb oder nur dumm, keine Zwischentöne. Geht es trivialer? Oh ja, es geht. Denn hauptsächlich wird über Sex geredet und er praktiziert - ebenfalls unabhängig vom Alter - und die Höhe der Absätze der Damen spielt eine größere Rolle, als irgendeine Krimispannung.
Das Allerschlimmste ist jedoch der Schluss (Vorsicht Spoiler, wenn auch nicht inhaltlich):

Wer hat beschlossen, dass es cool ist, ein Ende offen zu lassen, - und das in jeder Beziehung? Der zweite Krimi in der letzten Zeit, der anscheinend das nicht mehr gewogene Publikum auf einen nächsten Band anfüttern will. Vergisst es! Nicht mit mir! Das war es mit Joy Fielding!

Mein Fazit:
Gute Stimme, keine gute Stimmung