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Veröffentlicht am 20.07.2017

Der Tod muss nicht das Ende sein

Die Seelen von London
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Zum Inhalt:
Maria, durch Augenbinde und Blindenhund mit dem Etikett "blind" versehen, bekommt einen Antrag eines Stalkers in Braille-Schrift. Da dieser schon mindestens eine Frau getötet hat, versucht ...

Zum Inhalt:
Maria, durch Augenbinde und Blindenhund mit dem Etikett "blind" versehen, bekommt einen Antrag eines Stalkers in Braille-Schrift. Da dieser schon mindestens eine Frau getötet hat, versucht der eben von seiner Frau verlassene Inspektor Dark die Identität des Stalkers zu entdecken und Maria zu beschützen. Unterstützt wird er dabei nicht nur von seinen lebenden Kollegen, sondern auch von Geistern, die vor allem bei einem Parallelfall um Seilschaften in der Londoner High Society sehr hilfreich tätig werden. Denn wenn man stirbt, ist man nur bedingt tot - starke Persönlichkeiten können sich weiterhin äußerst lebendig verhalten.

Mein Eindruck:
Der Kriminalroman mit übersinnlichem Touch hat sehr viele schöne Einfälle zu bieten wie zum Beispiel eine Taxifahrerin, die so real auf ihre Mitmenschen wirkt, dass sie vom Geld der lebenden Taxigäste ein Geschenk machen kann. So fliegt man förmlich durch die Seiten voller liebenswerter Figuren und auch gruseliger Gespenster. Leider wird der Fliegende jedoch öfter einmal von Turbulenzen geschüttelt, wenn die Autorin von einer Zeile auf die andere einen Perspektivwechsel (und von diesen gibt es viele) durchführt. Einige Male kontrollierte ich tatsächlich die Seitenzahlen, um zu sehen, ob Blätter zusammenklebten, so abrupt änderte sich der Schauplatz oder die betrachtete Personengruppe. Diese Sprunghaftigkeit der Autorin zieht sich leider auch inhaltlich durch das Buch. Sie reißt sehr Vieles an, ohne in die Tiefe zu gehen. Das Privatleben Darks (er kann Geister sehen, hat eine wankelmütige Noch-Ehefrau, die jetzt ausgerechnet mit einem Kollegen verbandelt ist, er ist Transvestit, - ein Aspekt hätte gereicht), die Fälle (der Stalker mit sehr guten technischen Möglichkeiten, ein Verbrecherbund in den höchsten Kreisen Londons, böse Geister, die sich von Gefühlen nähren) und dazu ein blindes Opfer, das nicht mehr blind ist, jedoch auch nicht sehen möchte und deshalb lieber Augenbinde trägt, - irgendwann schwirrt der Kopf eines nur normal und nicht paranormal begabten Lesers.
Insgesamt kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass mit den „Seelen von London“ eine Reihe begonnen wird, da sehr viele substanzielle Fragen nicht beantwortet werden und zu viele Figuren eingeführt, aber nicht mit Hintergrund unterfüttert sind.

Fazit:
Als erster Band einer Reihe gut (dann sollte aber schnell eine Fortsetzung kommen), als alleinstehender Krimi mit zu vielen losen Enden

Veröffentlicht am 29.04.2022

Wunderschöne Umgebung, grausamer Mord

Mord in Montagnola
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Zum Inhalt:
Da ihr Vater einen Schlaganfall gehabt hat und Moira nach ihrer Scheidung sowieso einen Tapetenwechsel braucht, zieht sie kurzerhand ins schöne Tessin. Dort trifft sie nicht nur auf ihre Jugendliebe ...

Zum Inhalt:
Da ihr Vater einen Schlaganfall gehabt hat und Moira nach ihrer Scheidung sowieso einen Tapetenwechsel braucht, zieht sie kurzerhand ins schöne Tessin. Dort trifft sie nicht nur auf ihre Jugendliebe Luca (inzwischen verheiratet und Vater), sondern hilft durch ihre Fremdsprachenkünste beim Vernehmen deutschsprachiger Zeugen.

Mein Eindruck:
Als Urlaubsroman ist dieses Buch wirklich gelungen! Die Autorin verleiht ihrer Umgebung genau den Glanz, der zu Fernweh bei den Lesern führt. Bei den Figuren lässt sich jedoch oft eine gewisse Stringenz vermissen, so dass die Eindrücke , die man eben noch gehabt hat, auf der nächsten Seite wieder ad Absurdum geführt werden - rüstige Rentnerinnen werden auf einmal gebrechlich, etwa 40jährige Staatsanwältinnen stehen kurz vor der Rente. Dazu mixt Mascha Vanessa sehr viele Beziehungsprobleme unterschiedlichster Couleur in ihre Geschichte, bei denen die suggerierten (möglichen) Lösungen nicht wirklich gefallen müssen.
Für die wirkliche Mordermittlung (und nein, ich gehe jetzt nicht auf die Glaubwürdigkeit ein, schließlich handelt es sich um Cosy Crime - da wirft man diese gern über Bord) bleibt dadurch viel zu wenig Platz. Das ist insbesondere deshalb schade, weil Tatmotiv und verantwortliche Person schon stimmig und vor allen Dingen überraschend sind. Das Ende schließt zwar mit dem Mordfall jedoch nicht mit den romantischen Verwicklungen ab, - für eine Fortsetzung bleibt also noch einiger Raum.

Mein Fazit:
Ein wenig schwach auf der Krimibrust, - das Tessin weiß zu gefallen

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 10.04.2022

Auf ein Neues

Papier & Blut
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Dieses Buch ist das zweite einer Reihe. Es bietet zwar eine in sich geschlossene Geschichte, zum besseren Verständnis sei aber das vorherige Lesen von "Tinte und Siegel" empfohlen.

Zum Inhalt:
Al MacBharais, ...

Dieses Buch ist das zweite einer Reihe. Es bietet zwar eine in sich geschlossene Geschichte, zum besseren Verständnis sei aber das vorherige Lesen von "Tinte und Siegel" empfohlen.

Zum Inhalt:
Al MacBharais, schottischer Siegelagent, erhält einen Hilferuf aus Australien: Die dortige Siegelagentin ist verschwunden - und einige andere Menschen mit ihr. Gemeinsam mit Buck - einem Hobgoblin - und der Auszubildenden der Agentin sucht er den eisernen Druiden auf, um mit dessen Hilfe die Vermissten aufzuspüren. Doch im australischen Busch lauern große Gefahren. Und zwar wirklich große!

Mein Eindruck:
Auch im zweiten Teil darf man sich über viel Action und Wortwitz freuen. Insbesondere Buck mit seinen politisch absolut nicht korrekten Sprüchen und illegalen Aktivitäten - gerne in Verbindung mit Rauschmitteln - macht dabei richtig Spaß. Leider sieht sich auch Kevin Hearne dazu berufen, den Pfad zu verlassen und an einigen Stellen vor der Diktatur der Wokeness einzuknicken. Schade, denn von dieser Art der Literatur gibt es inzwischen genauso viel wie depressive Polizisten in Skandinavien. Hearnes starke Heldinnen gefallen und einige davon kennt man schon aus "Tinte und Siegel" - sie dürfen allerdings zum Teil neue Facetten ihrer Persönlichkeit zeigen. Aber legte der erste Teil noch viel Wert auf Erklärungen zur Welt der Fabelwesen, wird hier doch mehr gekämpft, gelitten und gestorben. Dafür braucht man nicht die wunderbar erdachte Parallelwelt, - das schafft die Menschheit schon ganz alleine.
Hearne führt einige neue Charaktere ein, die in Folgebänden noch viel Durcheinander erzeugen dürften und hält seinen Inhaltscliffhanger - die Flüche, die auf Al MacBharais lasten - am Kochen. So füttert er geschickt auf Band 3 an. Der hoffentlich wieder ein bisschen fantastischer und dafür weniger blutrünstig wird. Ja, auch wenn Feen im Grunde ihres Herzens keine netten Wesen sind.

Mein Fazit:
Mehr Blut nicht nur im Titel

Veröffentlicht am 10.04.2022

Alter schützt vor Morden nicht

Tod im Trödelladen
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Zum Inhalt:
Anne-Maj, leidenschaftliche Köchin mit Tochter und Enkelin, arbeitet seit ihrer Rente mit mehreren Senior/inn/en in einem Trödelladen. Als der erste ältere Herr stirbt glauben alle an einen ...

Zum Inhalt:
Anne-Maj, leidenschaftliche Köchin mit Tochter und Enkelin, arbeitet seit ihrer Rente mit mehreren Senior/inn/en in einem Trödelladen. Als der erste ältere Herr stirbt glauben alle an einen natürlichen Tod, doch der zweite Todesfall schreckt Anne-Maj auf: Sie findet die Leiche und macht dabei einige Entdeckungen, die sie auf einen Mord schließen lassen. Natürlich gibt die Ordnungsmacht nicht viel auf die Eindrücke einer vermeintlich spleenigen alten Schachtel und Anne-Maj nimmt die Ermittlungen in die eigenen, faltigen Hände.

Mein Eindruck:
Cosy-Crime funktioniert auch in Dänemark, jedoch hat die Protagonistin mit Miss Marple nur das Alter und die Spürnase gemein. Anne-Maj besitzt Familie, Dackel und eine Zunge, die oft schneller als das Hirn ist. Damit weckt sie bei den Leser/innen das Gefühl, sie zuweilen ordentlich schütteln zu wollen. Doch diese Macken und kleinen Fehler machen die Geschichte der älteren Dame glaubwürdig. Und hat man anfangs noch ein bisschen Angst, den Überblick über die Vielzahl der Charaktere zu verlieren, erhalten sie genügend eigene Schrullen, um die Ehrenamtlerinnen auseinander zu halten. Allerdings hätte an der einen oder anderen Stelle eine Straffung gut getan – die Diätbemühungen und Exkurse in Nachbarschaftshilfe bringen die Geschichte nicht weiter (weder den Kriminalteil, noch die private).
Die mordende Person lässt sich mit eigenem Hirnschmalz ermitteln (fast ein bisschen zu früh) und für einen gewissen Schmunzelfaktor ist ebenfalls gesorgt.

Die Sprecherin macht ihre Sache gut. Dass es insbesondere bei den vielen Damen der Trödelgruppe schwierig ist, jeder eine eigene Stimme zu verleihen, ist dabei eine Herausforderung, welche Sabine Fischer zu meistern hat.

Mein Fazit:
Betulich und sympathisch. Passt zum Genre

Veröffentlicht am 03.04.2022

Schöne neue Gefängniswelt

Four Walls - Nur ein einziger Ausweg
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Zum Inhalt:
Cara wird Schlächterin genannt, weil sie zwei kleine Kinder getötet hat. So sagt man, Cara selbst hat die Morde nie zugegeben. Sie wird in eine neue Art von Gefängnis überführt und freundet ...

Zum Inhalt:
Cara wird Schlächterin genannt, weil sie zwei kleine Kinder getötet hat. So sagt man, Cara selbst hat die Morde nie zugegeben. Sie wird in eine neue Art von Gefängnis überführt und freundet sich mit ihrer Zellengenossin an. Diese wird erschossen und Cara verhaftet. Denn sie war neben der Toten die einzige in der kameraüberwachten Zelle.

Mein Eindruck:
Chris McGeorge ist Brite, was überrascht, da „Four Walls“ eher an amerikanische Thriller-Autoren im Stile eines Harlan Coben denken lässt. Ähnlich wie dessen Figuren wachsen auch hier die Guten wie die Bösen über sich hinaus, wobei es nicht nur um körperliche Fähigkeiten geht. Charakterliche Schwächen werden potenziert, Wahrnehmungen eingetrübt und irgendwie guckt das ganze Umfeld weg oder ist geblendet von dem schönen Schein, Geld, Macht und Einfluss.
Ja, „Four Walls“ ist durchaus spannend und macht deshalb einen gewissen Spaß zu lesen, - seinen gesunden Menschenverstand muss man in dieser Zeit jedoch in die letzte Zelle sperren. Zu unglaubwürdig sind die Figuren gezeichnet: So viele Psychopathen und Naivlinge gibt es eher nicht pro Quadratmeter und auch wenn manchmal Skandale fast ungeahnten Ausmaßes ans Licht kommen – die Vorgänge im Hochsicherheitsgefängnis „High Fern“ würden alles toppen. Die Entwicklungen der Charaktere (sofern sie eine durchmachen) sind zudem wenig glaubwürdig und die baulichen Umstände, die das große Finale verursachen, sind in einem solchen Gebäude wenig vorstellbar.

Mein Fazit:
Popcorn – lecker, aber wenig Nährwert