Profilbild von missmesmerized

missmesmerized

Lesejury Star
online

missmesmerized ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit missmesmerized über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2020

Taylor Jenkins Reid - Daisy Jones & The Six

Daisy Jones and The Six
0

Eine Stil-Ikone und eine famose Band. Sie haben die Musik Ende der 70er geprägt. Jeder wollte sie live sehen, alle haben sie bewundert. Doch wer war Daisy Jones und wie kam sie zu der Band, mit der sie ...

Eine Stil-Ikone und eine famose Band. Sie haben die Musik Ende der 70er geprägt. Jeder wollte sie live sehen, alle haben sie bewundert. Doch wer war Daisy Jones und wie kam sie zu der Band, mit der sie die beste Platte des Jahrzehnts, vielleicht des Rock’n’Roll überhaupt aufgenommen hat? Eine Tochter geht auf Spurensuche nach dem Mythos, der das Leben ihrer Eltern bestimmte. In Interviews zeichnet Julia Dunne, Tochter von Frontman Billy und seiner Frau Camila, auf, woran sich Daisy, die Bandmitglieder von The Six sowie Produzenten und enge Vertraute erinnern. Daisys Jugend als reiches aber vernachlässigtes Mädchen, das schon mit 14 auf dem Sunset Strip allerlei Drogen ausprobierte und gleichermaßen Männerbekanntschaften pflegte. Dank ihres Aussehens und Charismas hatte sie es leicht, überall eingelassen zu werden. Ihr eigentlicher Traum war es jedoch immer Musik zu machen, ihre einzigartige Stimme war prädestiniert für die Bühne, doch ihre Texte waren noch nicht so weit. Das Potenzial erkannte man bei Runner Records, wo man zuvor schon The Six unter Vertrag genommen hatte, denen auch das gewisse etwas noch fehlte: Daisy Jones. Erst gemeinsam konnte eine Legende entstehen.

Fängt man an, Taylor Jenkins Reids Buch zu lesen, ist man sogleich gefesselt von der Welt der Rockstars und dem ausschweifenden Leben der 70er Jahre. Auch Daisy Jones kann man sich bildlich vorstellen, wie sie mit ihrer Mähne und dem wegen des exzessiven Tabletten- und Drogenkonsums immer leicht abwesend wirkenden Blick fasziniert. Dass es diese Person gar nicht gegeben haben soll, ist schier unvorstellbar, so lebendig wie sie beschrieben wird. Der Aufstieg der Band, die zunächst ganz klassisch als Schülerkombo von zwei Brüdern und Freunden gegründet wurde und sich dann langsam einen Namen machte, ist ebenfalls reine Fiktion. Hätte es sie gegeben, wäre es aber vielleicht genau so gelaufen, wie die Autorin es schildert.

Man kennt die ganzen Geschichten der Rockstars und ihrer Groupies: der Rausch der Musik und der Bewunderung, wenn sie auf der Bühne rocken; die Aftershow Partys mit Alkohol, Drogen und Mädchen; die Tour – heute hier, morgen dort und manchmal weiß man auch noch wo man gerade ist – und die Fernsehauftritte, die sie zu Legenden werden lassen. All das kann man geradezu hautnah miterleben. Aber es gibt auch eine andere Seite. Billy, Sänger, Songschreiber und Kopf der Band ist verletzlich und verliebt in Camila, die er schon jung heiratet und mit der er drei Töchter hat. Das ausschweifende Leben hat er nach einem harten Entzug ihr zuliebe aufgegeben, denn sie ist es auch, die ihm die Inspiration zu seinen Liedern liefert. Das Doppelleben zerreißt ihn fast, Rockstar und fürsorglicher Vater sind zwei Welten, die sich kaum kombinieren lassen.

Daisy Jones hingegen nimmt alles, was das Leben ihr bietet, oftmals ohne lange über die Folgen nachzudenken. Doch sie ist clever und lässt sich nicht ausnutzen, ganz im Gegenteil, ihr Selbstbewusstsein wird von manchen bewundert, anderen macht es geradezu Angst. Nur sie ist es auch, die Billy etwas entgegensetzen kann, was ihre Zusammenarbeit nicht leichter macht. Beide wollen nur eines: Musik machen, aber wenn zwei starke Egos aufeinanderprallen, noch dazu, wenn die Menschen dahinter gänzlich verschieden sind, wird dies zum Parceforceritt, der von allen so einiges abverlangt.

Auch wenn die anderen Bandmitglieder nur in der zweiten Reihe stehen, bekommen sie hier das Wort, zeigen die Schattenseiten des Ruhms und Erfolgs und das, was dieser kostet. Sie sind es jedoch vor allem auch, die die Menschen zeigen, die hinter den bejubelten Ikonen stehen, mit all ihren Sorgen, Ängsten und manchmal ganz banalen Gedanken.

Ein berauschendes Buch, das einem geradezu wie unter Drogen mitreißt und hineinkatapultiert in die Welt der Rockmusik. Reids Beschreibungen der Songs – ja, man hört sie geradezu vor dem inneren Ohr und kann dabei die Figuren visualisieren, wie sie vor einer Kamera sitzen und im lockeren Interview plaudern. Es hat ein bisschen was von Musikfernsehen als es dieses noch in der Form gab, die auch diesen Namen verdient hat. Stars, die sich entspannt aufs Sofa fläzen und in Erinnerungen schwelgen, einem daran teilhaben lassen und so einen Blick in diese schillernde Welt erlauben.

Veröffentlicht am 31.05.2020

Jason Starr – Seitensprung

Seitensprung
0

Schon länger kriselt es in der Ehe des Immobilienmaklers Jack Harper und seiner Frau Maria. Als ihm ein alter Kumpel die Dating App Discreet Hookups empfiehlt, kann er schließlich nicht widerstehen und ...

Schon länger kriselt es in der Ehe des Immobilienmaklers Jack Harper und seiner Frau Maria. Als ihm ein alter Kumpel die Dating App Discreet Hookups empfiehlt, kann er schließlich nicht widerstehen und meldet sich an. Schnell lernt er dort eine Frau kennen, die ihn offenbar versteht und sich in einer ähnlich verfahrenen Ehe zu befinden scheint. Sie vereinbaren ein Treffen, doch als Jack am Townhouse der mysteriösen Unbekannten ankommt, macht er eine böse Entdeckung: Sophie Ward wurde ermordet. Er versucht noch, sie wiederzubeleben und wählt dann erst den Notruf, nicht ahnend, dass er selbst nun als Hauptverdächtiger bei der Polizei gilt. Während Jack noch darüber grübelt, wie er seine Frau den nicht erfolgten Seitensprung beibringen kann, zieht sich die Schlinge um seinen Hals langsam zu und die Illusion, dass er Maria die Situation erklären könnte, muss er schon bald begraben, als er nämlich vor verschlossener Wohnungstür steht, zu der seine Schlüssel nicht mehr passen. Er beginnt zu verzweifeln, denn er kann nur noch mit ansehen, wie sein komplettes Leben – Ehe, Beruf, einfach alles auseinanderbricht und ihm zugleich die Polizei seine Version nicht glauben will. Doch dies ist nur der Anfang einer unheilvollen Serie von Ereignissen.

Jason Starrs Romane sind vielfach ausgezeichnet worden, neben seinen Krimis ist er in den vergangenen Jahren vor allem in der Zusammenarbeit mit Marvel und deren Comic-Universum erfolgreich gewesen. „Seitensprung“ ist die Rückkehr zum Spannungsgenre. Neben der clever konstruierten Handlung hat mich vor allem die Figur des Protagonisten überzeugt. Jack Harper ist sicher kein Held, Starr verpasst ihm mit dem Beruf des „Immobilienmaklers“ auch ein besonders zweideutiges Profil, dass er darin zudem nicht erfolgreich ist, komplettiert das Bild nur noch. Als trockener und geläuterter Alkoholiker und gescheiterter Rockstar, hat er jedoch eine interessante Vergangenheit, die maßgeblich zu seinem Abstieg beiträgt. Schritt für Schritt entgleitet ihm das Leben, mit jedem neuerlichen Rückschlag verliert er mehr die Kontrolle und seine ansonsten unterdrückten Aggressionen übernehmen. In seiner Verzweiflung weiß er sich nicht zu helfen und verschlimmert seine Lage, egal was er tut, bis er schließlich den Tiefpunkt erreicht und nur noch der Suizid als Lösung im Raum steht.

Die Spannung entsteht nicht nur aus der Frage, wer den Mord begangen hat, sondern vor allem daraus, welche falsche Entscheidung Jack als nächstes treffen und wie diese ihn weiter in die Tiefe ziehen wird. Seine Angst, sich nicht mehr aus dem Chaos befreien zu können, nimmt zunehmend mehr Raum ein und schließlich muss er sich fragen, ob er nicht derjenige ist, der sich etwas vormacht, vielleicht ist er ja doch schuldig und hat die Tat nur verdrängt. Obwohl er nur wenig offenkundig Sympathisches an sich hat, ist man doch irgendwie auf seiner Seite, allein schon, weil man wie er die große Ungerechtigkeit der falschen Beschuldigung empfindet. Am Ende ist doch als ganz anders als man dachte und auch wenn man irgendwann vorhersehen kann, wie sich die Ereignisse tatsächlich zugetragen haben, tut dies der Spannung keinen Abbruch, denn nur, weil man weiß, wer die Fäden zieht, ist das noch lange nicht das Ende der Geschichte.

Veröffentlicht am 28.05.2020

Guillermo Martínez - Die Oxford-Morde

Die Oxford-Morde
0

Ein junger argentinischer Mathematiker kommt für seine Promotion nach Oxford, wo er hofft, sich mit den Größen seines Faches intensiv über Formeln und Logik austauschen zu können. Schnell jedoch muss er ...

Ein junger argentinischer Mathematiker kommt für seine Promotion nach Oxford, wo er hofft, sich mit den Größen seines Faches intensiv über Formeln und Logik austauschen zu können. Schnell jedoch muss er sich mit etwas ganz anderem befassen, denn seine Vermieterin Mrs Eagleton wird ermordet. Arthur Seldom, Mathematik-Professor am College und Freund von Mrs Eagletons Familie, berichtet sowohl dem Erzähler wie auch der Polizei, dass er eine kryptische Nachricht erhalten habe, die ihn just am Mordtag zu dem Opfer führte. Einen wirklichen Reim kann er sich jedoch nicht auf die Zeichen machen. Erst als eine zweite Nachricht zu einem zweiten Mord führt, scheint er ein Muster zu erkennen und befürchtet, dass Oxford von einem höchst cleveren Serientäter heimgesucht wird, der die quasi perfekten Morde begeht. Doch dies ist nur der Anfang einer Serie, die schon bald ihr drittes Opfer fordern wird.

Guillermo Martínez Roman ist die Neuausgabe eines Krimis, der bereits unter dem Titel „Die Pythagoras-Morde“ erschienen ist. Der Atmosphäre nach ist die Geschichte für mich ein typischer Vertreter des cosy crime, die Welt der Oxford-Mathematiker ist überschaubar und wird durchaus mit einer gewissen ironischen Note beschrieben. Die Polizeiarbeit findet nur am Rande statt, stattdessen ermitteln der etwas mysteriöse ältere Professor und sein noch jugendlicher Zögling, der als Neuankömmling in der Universitätsstadt natürlich mit einer gewissen neugierigen Naivität ausgestattet ist und sich gerne von einem erfahrenen Experten an die Hand nehmen lässt. Angereichert wird das ganze durch Exkurse in die Welt der Mathematik, denn immerhin sind die Nachrichten durch mathematische Zeichen kodiert und können nur durch diese auch entschlüsselt werden.

Vieles passt in dem Roman sehr gut zusammen: der Erzähler, der unbedarft an die neue Wirkungsstätte kommt; seine ältliche Vermieterin, Witwe eines Mathematikers und Ersatzmutter für das verwaiste Enkelkind; der Professor, der sich sogleich in die Suche nach logischen Strukturen bei den Nachrichten des Täters stürzt; die Figuren umgeben von den ehrwürdigen Mauern der traditionsreichen Universität, die auch gar nicht an einen profanen Alltag jenseits der geistigen Sphären denken lässt. Die mathematischen Höhen indes sind so wohldosiert, dass sie auch rechnerische Tiefflieger problemlos nachvollziehen und gemeinsam mit den Hobbydetektiven die Spur verfolgen und die Zeichen entschlüsseln können.

Obwohl ein Serienmörder im Zentrum steht und immer mehr Opfer zu beklagen sind, bleibt jedoch die große Spannung aus. Dies liegt vermutlich an den mathematischen Abhandlungen, die notwendig sind, um gewissen Zusammenhänge zu verstehen, aber letztlich auch von der Geschichte wegführen. Die Begeisterung für sein Fach, ebenso für Logik und Magie, bringt der Mathematiker Martínez hervorragend in seinem Roman unter und kann damit auch mich als Leserin überzeugen. Leider nimmt dies jedoch der Krimihandlung etwas den Raum, so dass daraus eine solide, gut konstruierte Erzählung wird, die jedoch in der Darstellung der Charaktere und des Handlungsrahmens etwas blass bleibt.

Veröffentlicht am 27.05.2020

Elizabeth Gilbert - City of Girls

City of Girls
0

Mit den langweiligen Kommilitoninnen in Vassar konnte Vivian nicht viel anfangen, mit dem Studium ebenso, weshalb sie nach nur einem Jahr hochkant rausfliegt. Ende der 1930er Jahre wissen die bürgerlich-konservativen ...

Mit den langweiligen Kommilitoninnen in Vassar konnte Vivian nicht viel anfangen, mit dem Studium ebenso, weshalb sie nach nur einem Jahr hochkant rausfliegt. Ende der 1930er Jahre wissen die bürgerlich-konservativen Eltern nicht viel mit ihr anzufangen, weshalb sie das Landei zur Tante nach New York schicken. Peg unterhält dort ein Theater und schnell schon taucht Vivian in die Welt der Revue-Mädchen und vor allem das Nachtleben der Großstadt ein. Sie lernt einen ganz anderen Lebensstil kennen, von dem ihre Eltern entsetzt wären, hätten sie auch nur den geringsten Schimmer. Mit ihrem ausgesprochenen Nähtalent kann sie sich auch schnell einen wichtigen Platz erobern und als sich die berühmte britische Bühnenschauspielerin und Freundin Pegs, Edna Watson, wegen des Kriegs ankündigt, verspricht nochmals eine neue Zeit anzubrechen – mit allen schönen und nicht so schönen Seiten.

Elizabeth Gilbert hat keinen Roman verfasst, sondern eine Hommage an das wilde Manhattan der 1940er Jahre, wo man das Kriegstreiben in Europa noch ignorieren konnte und das Leben in vollen Zügen genoss. Das zwielichtige Schauspielhaus, das statt großer Tragödien leichte Revuen mit noch leichter bekleideten Mädchen bot, die regelmäßig den Tag zur Nacht machten und die nach Prohibition und Weltwirtschaftskrise Anfang des Jahrzehnts scheinbar alles nachholen mussten, ist eine ganz eigene kleine Welt innerhalb des Großstadttrubels. Was außerhalb dieser kleinen Familien geschieht, spielt keine Rolle, denn innerhalb der Wände des Theaters findet sich schon das pralle Leben mit all seinen komischen und tragischen Momenten.

Genaugenommen erzählt Gilbert eine klassische coming-of-age Geschichte eines Landeis, das völlig naiv und unbedarft in die Großstadt gerät und dort auch prompt noch in ein Milieu, wo man es mit bürgerlichen Konventionen besonders locker nahm. In Pegs Theater findet sich noch der letzte Rest der längst vergangenen schillernden 20er Jahre, die Zeit scheint fast stehengeblieben. Erwartungsgemäß tappt Vivian in so manche Großstadtfalle, bevor schließlich der unweigerliche Skandal kommt, der sie zurück zur Familie treibt, wenn auch nur kurz. Dann wird aus der Geschichte des Erwachsenwerdens jene einer unabhängigen Frau, deren Denken wie auch Kleidung nicht den gängigen Erwartungen entspricht und die ihren eigenen Weg wählt und so lebt, wie sie es sich wünscht, egal, was die Menschen um sie herum darüber denken. Sie brauchte die Erfahrungen aus den jungen Jahren, um zu jener Grande Dame zu werden, die sie am Ende ihres Lebens ist.

Ohne Frage ist Elizabeth Gilbert eine wundervolle Erzählerin, die einem sogleich in die Glitzerwelt des Lily Playhouse eintauchen lässt. Man begleitet Vivian auf dem bisweilen steinigen Weg vom Mädchen zur Frau und verzeiht ihre Naivität gerne, denn letztlich hat sie ein gutes Herz. Viele herrlich komische Situationen und wundervoll pointierte Formulierungen lassen einem immer wieder schmunzeln. Einzig die Rahmenhandlung wirkt doch etwas bemüht und ist eigentlich völlig überflüssig. Darauf hätte ich gut verzichten können, denn diese hat kaum mehr zur Figur von Vivian beigetragen und für mich das Ende auch unnötig hinausgeschoben.

So wild das Treiben im Theater, so lebendig wird auch der Roma erzählt. Die Begeisterung des jungen Mädchens für diese schillernde Welt kann einem auch als Leser direkt packen und fesseln.

Veröffentlicht am 25.05.2020

Ragnar Jónasson – DUNKEL

DUNKEL
0

Sie hat nicht mehr lange bis zu ihrer Pensionierung, aber die letzten Monate wollte die Kommissarin Hulda Hermannsdóttir noch mit gewohntem Elan ihrer Arbeit nachgehen, doch dann eröffnet ihr Chef ihr, ...

Sie hat nicht mehr lange bis zu ihrer Pensionierung, aber die letzten Monate wollte die Kommissarin Hulda Hermannsdóttir noch mit gewohntem Elan ihrer Arbeit nachgehen, doch dann eröffnet ihr Chef ihr, dass ein jüngerer Kollege sie schon in zwei Wochen ersetzten wird. Sie erbittet sich so lange noch einen Fall und greift zu einer scheinbar erledigten Sache, die ihr komisch vorkommt. Die russische Asylbewerberin Elena wurde tot am Strand aufgefunden, die Verletzungen waren nicht eindeutig einer Straftat zuzuordnen und so wurde der Fall als Suizid abgelegt. Doch weshalb sollte sich die junge Frau das Leben nehmen, gerade nachdem ihrem Asylantrag stattgegeben wurde? Hulda beginnt nachzuforschen und stößt schon bald auf weitere Details, offenbar wurde in dem Fall sehr schlampig ermittelt und ihre These von einem Mordfall nimmt immer konkretere Formen an. Je tiefer Hulda sich in die Sache vergräbt, desto weniger merkt sie jedoch, was um sie herum geschieht und dass sie selbst gerade ins Fadenkreuz gleich mehrere Menschen gerät.

„Dunkel“ ist der Auftakt zu einer offenbar eher düsteren Trilogie. Isländische Krimis leben häufig von einer melancholisch-dunklen Atmosphäre, die zu der monatelangen Dunkelheit im Land passt. Der Thriller überzeugt jedoch vor allem durch eine interessante Protagonistin, die einerseits als clevere Kommissarin punktet, jedoch auch eine zweite, verletzliche Seite hat, die bisweilen ihr Urteils- und Rechtsvermögen herausfordert. Nach und nach wird ihre Lebensgeschichte enthüllt, die wenig Erquickliches zu bieten hat und schließlich mit einem großen und vor allem unerwarteten Knall aufwartet.

Der Kriminalfall um die tote Elena bietet einige vielversprechende Spuren ohne zu schnell gelöst zu werden. Parallel erzählt werden die scheinbar letzten und verhängnisvollen Stunden der jungen Frau, so dass man sich der Auflösung von zwei Seiten annähert, bis man feststellt, dass man geschickt in die Falle gelenkt wurde und so manches scheinbar klare Faktum doch ganz anders zu deuten ist. Die größte Überraschung indes gelingt dem Autor mit dem Ende, von dem ich noch nicht weiß, wie ich es einordnen soll, unerwartet war es auf jeden Fall.

Ein gelungener Auftakt, der große Erwartungen an die Folgebände weckt. Passende Stimmung für eine außergewöhnliche Protagonistin.