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Veröffentlicht am 28.01.2020

Unbeschreiblich - gut!

Der Korndämon
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Dieses Buch hat mich völlig überrumpelt - ich bin echt sprachlos! Erwartet hatte ich einen gemütlichen, routinierten Krimi mit einer ordentlichen Portion Lokalkolorit, den man idealerweise im Urlaub lesen ...

Dieses Buch hat mich völlig überrumpelt - ich bin echt sprachlos! Erwartet hatte ich einen gemütlichen, routinierten Krimi mit einer ordentlichen Portion Lokalkolorit, den man idealerweise im Urlaub lesen würde, am Strand vielleicht, dabei immer wieder weg dösen, Sonne und Meer genießen... Und teilweise stimmt das vielleicht auch. Aber aus mir immer noch unbekannten Gründen hat mich die abenteuerliche Geschichte des versoffenen Richard Dreifürst dermaßen gepackt, dass ich mit dem Lesen gar nicht schnell genug nach kam und das Buch wirklich nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Richard Dreifürst fristet sein Rentnerdasein mit jeder Menge Bier und Schnaps, doch als er eines Tages in einem vorbeifahrenden Auto einen zu Tode verängstigten Jungen sieht, muss er handeln. Natürlich glaubt ihm, dem Trunkenbold des Ortes, niemand, und zwischendurch hegt er sogar selbst Zweifel an seiner Wahrnehmung. Doch Richard gibt so leicht nicht auf und ermittelt auf eigene Faust, was ihn mehr als einmal in haarsträubende und gefährliche Situationen bringt - nicht zuletzt weil er es einfach nicht schafft dem Dämon Alkohol abzuschwören (in diesem Sinne ein sehr passender doppeldeutiger Titel übrigens!). Unterstützt wird Richard auf seiner Mission von seiner ihm entfremdeten Tochter, die er jahrelang nicht gesehen hat, die aber als einzige wirklich an ihn glaubt.

Dass die Handlung dabei immer wieder völlig abstruse Züge annimmt, über die man eigentlich nur ungläubig den Kopf schütteln kann, trägt einmal mehr zum verdrehten Charme dieser wahnwitzigen Geschichte bei. 'Der Korndämon' ist sicherlich extreme Geschmackssache und wird die Leserschaft spalten. Mich jedenfalls hat er vollauf in seinen Bann gezogen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.01.2020

Zwiespältig

Hochland
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Eigentlich hatte das Buch viele fesselnde Kapitel und eine vielversprechende zugrundeliegende Idee. Aber leider wurde die Spannung immer wieder durch zu viele psychologische Rückblenden in das Leben der ...

Eigentlich hatte das Buch viele fesselnde Kapitel und eine vielversprechende zugrundeliegende Idee. Aber leider wurde die Spannung immer wieder durch zu viele psychologische Rückblenden in das Leben der Protagonisten zunichte gemacht. Episoden, die mich ehrlich gesagt nicht die Bohne interessiert haben, abgesehen davon dass die Charaktere allesamt nicht sonderlich liebenswert waren, und die dementsprechend auch nur mäßig zur Handlung beitrugen. Natürlich ergaben sie am Ende mehr Sinn, und im Nachhinein waren sie womöglich relevanter als die mysteriösen Erlebnisse, aber interessanter waren sie deshalb nicht. Mir war das alles zu viel, und ich hätte mich über eine geradlinigere Geschichte gefreut, die sich nicht am Ende in Schall und Rauch auflöst. Fazit: Spannung und Langeweile im Wechsel, und ein Ende in der Art, das es einem leicht macht sich allen ansonsten offenen Fragen zu entziehen, und der ich noch nie viel abgewinnen konnte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2020

Nimmt nur langsam Fahrt auf - dann aber richtig

Die Ungeheuerlichen - Das Böse ist auf deiner Seite
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Vielversprechender Auftakt zu einer neuen Fantasy-Reihe für junge Leser, allerdings braucht die Geschichte recht lange um in Fahrt zu kommen. Lange habe ich auf den erhofften Wow-Effekt warten müssen, ...

Vielversprechender Auftakt zu einer neuen Fantasy-Reihe für junge Leser, allerdings braucht die Geschichte recht lange um in Fahrt zu kommen. Lange habe ich auf den erhofften Wow-Effekt warten müssen, auf das überraschend neue und andere an dieser Geschichte, das sich letztlich vor allem in Details zeigte. Am Ende war ich aber doch froh, dass ich durchgehalten habe, denn das letzte Drittel konnte mich dann zum Glück endlich so richtig fesseln. Ich war sogar ein klein wenig enttäuscht, als die Geschichte plötzlich schon zu Ende war. Aber zum Glück steht ja schon fest: Fortsetzung folgt!

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2020

Dunkle Abgründe tun sich auf

1794
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Die Fortsetzung des herausragenden ersten Teils '1793' steht seinem Vorgänger in nichts nach und die Geschichte geht genauso düster und beklemmend weiter. Der Tod von Cecil Winge setzt Jean Michael Cardell ...

Die Fortsetzung des herausragenden ersten Teils '1793' steht seinem Vorgänger in nichts nach und die Geschichte geht genauso düster und beklemmend weiter. Der Tod von Cecil Winge setzt Jean Michael Cardell schwer zu, und er scheint all seinen Lebensmut verloren zu haben. Doch zwei Ereignisse rütteln ihn auf: es gibt einen neuen Fall, und Emil Winge, der Bruder Cecils, taucht bei ihm auf. Im ersten Moment glaubt Cardell aufgrund der Ähnlichkeit der Brüder einen Geist zu sehen, doch Emil entpuppt sich schnell als Taugenichts, der von schrecklichen Visionen geplagt wird und diese im Suff zu ertränken sucht. Nachdem Cardell Emil ausgenüchtert hat, raufen sich die beiden jedoch zusammen, um den Fall eines Mädchens zu untersuchen, das in der Hochzeitsnacht brutal ermordet wurde. Dabei stoßen sie erneut in die finstersten Abgründe Stockholms vor, die hinter der Fassade der feinen Gesellschaft lauern. Dort decken sie eine Intrige ungeahnten Ausmaßes auf, die sie am Ende vor eine Gewissensfrage stellt. Auch Anna Stina, die im ersten Band aus dem Spinnhaus entkommen konnte, kreuzt erneut den Weg von Cardell.

Wieder halten sich fesselnder Thriller und historischer Roman die Waage, und die unglaublich plastische Darstellung der damals herrschenden Verhältnisse hat mich wieder besonders beeindruckt und erschüttert. Wieder schafft es der Autor, eine komplexe Handlung zu entwerfen, die einen ein ums andere Mal in die Irre führt und mit völlig unerwarteten Wendungen überrascht. Von der ersten bis zur letzten Seite hofft und bangt man mit, doch auch dieses Mal bleibt man nicht verschont und die Geschichte verlangt nicht nur ihren Charakteren alles ab, sondern auch den Lesern. Nichts für schwache Nerven, aber dieses Buch muss man gelesen haben.

  • Cover
  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2020

Wie ein Videspiel im Comicformat

Böse Brummer - Die verbotene Zone
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Das kunterbunte Cover mit dem knalligen pinkfarbenen Schnitt schreit einen förmlich an "lies mich!", und das Bild selbst verspricht auch viel Action. Innen ist die Gestaltung etwas aufgeräumter, die Seiten ...

Das kunterbunte Cover mit dem knalligen pinkfarbenen Schnitt schreit einen förmlich an "lies mich!", und das Bild selbst verspricht auch viel Action. Innen ist die Gestaltung etwas aufgeräumter, die Seiten im Comicstil sind schwarz/weiß gehalten, aber mit kleinen türkisfarbenen Details, die den Blick auf sich ziehen. Gut gefallen hat uns auch, dass jede Stimme ihre eigene Schrift bekommen hat - man erkennt sofort wer gerade spricht. Und es erspart die sonst üblichen Sprechblasen, so dass der Text in den Bildern nicht so dominant wirkt und diese besser zur Geltung kommen.

Auf den ersten Seiten waren wir noch etwas ratlos, was hier eigentlich los ist: zwei Jungs, die vor einem Schwarm Insekten flüchten. Woher kommen diese und was sind das für komische Gadgets, die die Jungen dabei haben? Auch die Landschaft sieht irgendwie anders aus.

Nach und nach erfährt man, dass Steven und Piet mittels einer Maschine in eine Welt unter der Erde gelangt sind, die sogenannte 'Verbotene Zone'. Dort wimmelt es nur so von insektenartigen Viechern, die durchaus gefährlich sein können und deshalb von Spezialisten - den sogenannten Bugjägern - eingefangen werden. Steven und Piet träumen davon, selbst Bugs zu jagen oder besser noch neue bisher unbekannte Bugs zu finden, denn das finden sie megacool. Daher begeben sie sich heimlich und verbotenerweise selbst in die Zone - wenn das mal gutgeht.

Steven hat eine staubsaugerähnliche Pistole dabei, mit der er die Bugs einsaugen und in einem Tank sammeln kann. Piet dagegen hat eine Brille, die ihm zu jedem Bug den er betrachtet sofort die Detailinformationen aus einer Bug-Datenbank einblenden kann. Diese Angaben werden im Buch auf einer türkis unterlegten Seite angezeigt, gleichzeitig ist das Display von Piets Brille türkis eingefärbt - solche kleinen gestalterischen Mittel gibt es immer wieder im Buch und machen es einerseits übersichtlich, man weiß bestens was gerade los ist, andererseits sieht es auch einfach gut aus.

Auf ihrer Reise begegnen die beiden Jungs auch einem Roboter, der jahrhundertelang deaktiviert vor sich hin rostete. Nachdem sie ihn einschalten, erfahren sie dass es sich um einen Bewässerungsroboter handelt, und dieser schließt sich ihnen an - nicht unbedingt freiwillig, aber er muß seiner Programmierung gehorchen.

Natürlich fangen Steven und Piet bald schon die ersten Bugs und natürlich bringen sie sich dabei in Gefahr. Nachdem sie ein paar niedliche, der Brille bisher unbekannte Bugs einfangen, werden sie kurz darauf von einem ziemlich großen und ziemlich wütenden Bug gejagt... Das Buch erinnert teilweise an ein Videospiel (Bugs fangen, verschiedene 'Level'), entpuppt sich aber als witzige und actionreiche Geschichte, bei der man durchaus auch aufpassen muss um kein Detail zu verpassen.

Steven sieht sich als coolen Draufgänger und großen Bugjäger, verliert im entscheidenden Moment aber schon mal die Nerven. Piet unterstützt das Zwei-Mann-Team mit seinem großen Wissen über die Bugs, aber seine verrückten Ideen bringen die beiden auch manches Mal in Schwierigkeiten. So unterschiedlich die Freunde auch sind, so gut ergänzen sie sich als Team, und der witzige Roboter mit seinen brummigen Kommentaren erweist sich bald als sehr hilfreiche Ergänzung.

Sprachlich ist das Buch modern und teilweise etwas flapsig, wirkt aber dadurch auch authentisch für Jungs in dem Alter. Ob das in einem Buch gut oder schlecht ankommt muß jeder selbst entscheiden, uns hat es jedenfalls erstmal nicht gestört, meistens war es auch eher lustig als nervig. Insgesamt konnte uns das ungewöhnliche Format mit seinen durchdachten Details und der turbulenten und originellen Geschichte durchaus überzeugen, und wir hoffen dass es schon bald eine Fortsetzung (oder besser noch ganz viele) geben wird.

P.S.: Am Ende des Buches erfährt man, dass der Autor auch unter dem Pseudonym 'Zapf' bekannt ist. Dessen Roboland-Trilogie, die einige kleine Ähnlichkeiten aufweist, kam vor einigen Jahren sehr gut an und wurde damals mehrfach gelesen. Aber dies nur als interessante Fußnote für uns selbst.

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