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Veröffentlicht am 09.07.2019

solide

Die Frau aus Oslo
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„Die Frau aus Oslo“ ist zum einen Ester, die im von den Nazis besetzen Norwegen für den Widerstand Flugblätter verteilt und im Untergrund gegen die Besatzer agiert. Als ihre jüdische Familie deportiert ...

„Die Frau aus Oslo“ ist zum einen Ester, die im von den Nazis besetzen Norwegen für den Widerstand Flugblätter verteilt und im Untergrund gegen die Besatzer agiert. Als ihre jüdische Familie deportiert wird, flieht sie nach Schweden. U.a. lässt sie ihre gute Freundin Ase zurück, die kurz darauf unter mysteriösen Umständen getötet wird. Noch 20 Jahre später rätseln alle, wer der Täter gewesen und was wirklich in jener Nacht in Oslo vorgefallen ist.

Es war mein erster Roman von Kjell Ola Dahl. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, auch wie er sich auf seine Figuren einlässt und sich die Zeit nimmt, ihre Charaktere für den Leser zu zeichnen. Aber gerade dadurch verliert die Story zeitweise sehr an Tempo und es handelt sich definitiv nicht um einen Pageturner und auch die Krimielemente sind am Schluss nicht das, was das Buch ausmacht. Die damalige Zeit aber vor allem die Jahre nach dem Krieg werden eindringlich geschildert und man spürt die Bedrohung und die Dramatik. Ich hätte mir dennoch ein wenig mehr Spannung und Action gewünscht.

Am Ende gibt es keine wirklichen Überraschungen und die Entlarvung des Täters ist logisch aber nicht spektakulär.

Solide und von mir 4 Sterne dafür.

  • Cover
  • Spannung
  • Geschichte
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 24.04.2019

eine schwierige Kindheit

Der Honigbus
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Wer zu „Der Honigbus“ greift sollte wissen, dass es sich um die autobiographisch aufbereitete Kindheit der Autorin Meredith May handelt. Diese wuchs als Scheidungskind an der Küste Kaliforniens auf und ...

Wer zu „Der Honigbus“ greift sollte wissen, dass es sich um die autobiographisch aufbereitete Kindheit der Autorin Meredith May handelt. Diese wuchs als Scheidungskind an der Küste Kaliforniens auf und musste sich mit einer depressiven Mutter und einer lieblosen Großmutter rumschlagen. Nur der Großvater und seine Bienen halfen dem Mädchen, ihre Probleme und Ängste zu überwinden und trotz aller Widrigkeiten eine starke und selbstbewusste Frau zu werden.

Meredith May beschreibt auf sehr anrührende und kluge Weise ihre Familienverhältnisse. Obwohl rüberkommt, dass sie oft unglücklich oder hilflos vor den Eskapaden der Mutter und den dogmatischen Regeln der Großmutter stand, ist es ein Buch voller Hoffnung und Zuversicht. Der Opa versucht mit Hilfe der Bienen und der Arbeit mit ihnen, Meredith und ihrem kleineren Bruder den nötigen Rückhalt und die Liebe zu geben, die sie dringend brauchen. Auch der Vater ist als positive, wenn auch selten präsente Person ein Anker, durch den die Kinder den Glauben an die Erwachsenen nicht ganz verlieren. Für mich sind zwei wichtige Erkenntnisse solcher Bücher, dass man sich seine Eltern nicht aussuchen kann. Und Eltern werden nicht als solche geboren, machen genauso Fehler und haben genauso viele Schwächen und psychische Probleme, wie jeder andere Mensch. Man hätte Meredith und ihrer Familie die dringend nötige Hilfe gewünscht, die es damals und dort wohl aber nicht gab. Und man hofft, dass heute die Menschen hellhöriger und aufmerksamer bei solchen schwierigen Familienverhältnissen geworden sind - und durch solche Bücher vielleicht noch mehr werden – so dass es nicht mehr so oft solch schwere Kindheiten wie die hier erzählte gibt.

Auch wenn es eine Familiengeschichte ist, so spielen doch die Bienen durchaus eine wichtige Rolle und man erfährt sehr viel über das soziale Leben der Tiere. Das gibt dem Leben von Meredith May aber auch der Geschichte trotz allem einen positiven Ton, der gut zum Titel und zum Cover passt.

Veröffentlicht am 14.04.2019

Krimihighlight

1793
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Dieser historische Krimi ist eine wilde Achterbahnfahrt. Der Vergleich von „1793“ mit „Der Einkreisung“ von Caleb Carr ist naheliegend. Ähnlich düster und wenn auch nicht in Amerika, sondern mitten im ...

Dieser historische Krimi ist eine wilde Achterbahnfahrt. Der Vergleich von „1793“ mit „Der Einkreisung“ von Caleb Carr ist naheliegend. Ähnlich düster und wenn auch nicht in Amerika, sondern mitten im schwedischen Stockholm wird ein dreckiger, stinkender Stündenpfuhl offenbart in welchem die Menschen jede nur erdenkliche gotteslästerliche Todsünde begehen und Armut und Hunger ebenso wie Völlerei und Hurerei den Alltag bestimmen. Ein verstümmelter Torso wird angespült und sorgt dafür, dass zwei ungleiche Männer sich zusammentun, um einen Mörder zu fangen. Hervorragend und wahnsinnig intensiv werden hier die Charaktere beschrieben und das Herz geht dem Krimileser auf, während er dem einarmigen Stadtknecht und dem todkranken Juristen durch die dunklen, schlammigen Straßen des alten Stockholms folgt auf der Suche nach der Wahrheit.

Ein süffiges und ungemein spannendes Buch. Voller historischer Details, voller Blut und Gestank, nichts für zarte Gemüter aber für mich ein Krimihighlight der ganz besonderen Art.

Veröffentlicht am 14.04.2019

spannender Abschlussband

Nemesis
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CJ Townsend ist wieder - zum letzten Mal - auf der Jagd nach den Mördern der Snuff-Videos, die gegen Bezahlung angesehen und gekauft werden und verkommenen Männern mit viel Geld und perversen Neigungen.

Das ...

CJ Townsend ist wieder - zum letzten Mal - auf der Jagd nach den Mördern der Snuff-Videos, die gegen Bezahlung angesehen und gekauft werden und verkommenen Männern mit viel Geld und perversen Neigungen.

Das Cover ist genial. Es hat nicht unbedingt mit dem Titel und der Geschichte zu tun - außer mal sieht die Ermittlerin als den jagenden Panther - aber es ist einfach nur schön und ausgesprochen Krimitauglich.

Nachdem ich denvorhergehenden Teil nicht gelesen habe bin ich sehr zufrieden, dass ich trotzdem ohne große Probleme reingefunden habe. Frau Hoffmann passt in die Riege der Autorinnen, die kein Blatt vor den Mund nehmen und ähnlich wie Slaughter u.a. blutig und brutal ihre Morde beschreiben. Das ist schwer Kost. Und das ganze Thema Snuff ist widerlich und schwer zu verdauen. Aber wer das abkann, der kriegt einen spannenden und aktionreichen Thriller, in dem die Guten nicht vor Gewalt zurückschrecken, um die Bösen dingfest zu machen. Es ist eine Art Krieg der hier entbrennt, ein Kampf auf Leben und Tod und man kann das Buch nur schwer zur Seite legen.

Die Autorin macht durch ihr Ende ziemlich deutlich, dass die Reihe mit diesem Band für sie abgeschlossen ist. Das ist einerseits schade aber andererseit finde ich es schön, dass nicht jede Serie bis zum Abwinken fortgesetzt wird. Für mich nach dem ersten Band der gelungene Abschlussband und für Fans aber auch für Quereinsteiger durchaus geeignet.

Veröffentlicht am 07.03.2019

mittelmäßig

Abgeschlagen
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Abgeschlagen ist das Prequel zu Michael Tzokos Roman Abgeschnitten, der auch bereits verfilmt wurde. Ich habe das Buch nicht gelesen aber den Film gesehen. Da die Geschichte ja ca. 10 Jahre früher spielt, ...

Abgeschlagen ist das Prequel zu Michael Tzokos Roman Abgeschnitten, der auch bereits verfilmt wurde. Ich habe das Buch nicht gelesen aber den Film gesehen. Da die Geschichte ja ca. 10 Jahre früher spielt, muss man kein Vorwissen mitbringen und versäumt auch keine Entwicklung beim Hauptdarsteller Paul Herzfeld.

Der Plot des Romans beruht auf tatsächlichen Morden, die Tzokos für diese fiktive Geschichte aufgearbeitet hat. Er ist im realen Leben ja zuallererst Rechtsmediziner in der Charité Berlin. Das merkt man vor allem den Textstellen an, die direkt mit seinem Beruf zu tun haben. Hier geht er ins Detail, beschreibt sehr genau und professionell. Das ist sicherlich nichts für schwache Mägen aber für Thirllerfans wie mich durchaus interessant.

Ich weiß nicht, wie Tzokos gemeinsam mit Fitzek geschrieben hat, kann also nicht über die Unterschiede fachsimpeln. Ich hatte das Gefühl, dass die Story noch mehr unterfüttert werden hätten können. Die Figuren bleiben für meinen Geschmack etwas blass. Es gab auch keine überraschenden Wendungen sondern der Täter ist relativ früh schon im Visier des Lesers. Ein Thriller für zwischendurch. Aber nichts, was man unbedingt gelesen haben muss.