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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.08.2021

ruhiger Psychothriller

Bonuskind
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Lies lebt im wöchentlichen Wechsel bei ihren geschiedenen Eltern, die nicht besonders gut miteinander können. Als die Mutter ohne Nachricht verschwindet, vermutet die Tochter ein Verbrechen, der Exehemann ...

Lies lebt im wöchentlichen Wechsel bei ihren geschiedenen Eltern, die nicht besonders gut miteinander können. Als die Mutter ohne Nachricht verschwindet, vermutet die Tochter ein Verbrechen, der Exehemann wiegelt ab und glaubt, seine Verflossene wäre labil genug, sich einfach mal eine Weile abzusetzen.

Das Buch wird aus Lies Sicht erzählt, weshalb der Leser von Anfang an mehr zu deren Vermutungen tendiert. Tagebucheinträge der Mutter erhellen Stück für Stück das Wesen der Verschwundenen und Lies gibt nicht auf mit ihrer Suche, obwohl sie erkennen muss, dass die Mutter Geheimnisse hatte und tatsächlich komplizierter war, als sie dachte.

Die Hauptdarstellerin und alle anderen Charaktere werden sehr gründlich beleuchtet. Es ist ein Psychothriller, der weitgehend ohne großen Thrill daherkommt. Das liest sich angenehm aber ich hätte es mir ein wenig spannender und actionreicher gewünscht.

Solider Erstling mit Luft nach oben. Ich würde 3,5 Sterne vergeben - hier aufgerundet auf 4.

Veröffentlicht am 20.06.2021

schönes Jugendbuch

Jeder Tag ist eine Schlacht, mein Herz
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Zelda und Gert sind mein Geschwisterpaar des Jahres. Endlich mal kein Liebespaar.
Dass Zelda eine Störung durch den hohen Alkoholkonsum ihrer werdenden Mutter hat, ist fatal aber auch hochinteressant, ...

Zelda und Gert sind mein Geschwisterpaar des Jahres. Endlich mal kein Liebespaar.
Dass Zelda eine Störung durch den hohen Alkoholkonsum ihrer werdenden Mutter hat, ist fatal aber auch hochinteressant, denn ich hatte noch nichts über dieses Thema gelesen. Das Mädel meistert ihr Leben, obwohl sie in vielen Situationen kindlich und weit hinter ihrem realen Alter zurück agiert. Sie spinnt sich ihre eigene Wikingerwelt. Da die Mutter tot und der Vater verschwunden sind, muss der ältere Bruder sich kümmern und ist damit eigentlich ziemlich allein gelassen und überfordert. Er versucht auf nicht immer legale Art und Weise mit seiner Schwester durchs leben zu kommen.

Zelda ist einem sofort sympathisch. Sie bringt einen zum Lachen und Schmunzeln. Schön fand ich, dass man sie trotz allem ernst nehmen kann, denn in ihrem Innern ist eine tiefe Ernsthaftigkeit, vor allem, wenn es um die Liebe zu ihrem Bruder geht. Als dieser in Schwierigkeiten gerät, meint sie, nur eine Wikingerheldin könnte die Probleme lösen.

Der Erzählstil ist sehr klar und einfach gehalten. Das passt zur Heldin und dadurch wird das Buch auch für Teenager sicher ein schöne Lektüre sein. Manches war deshalb auch für diese Zielgruppe gedacht und man sollte keinen Erwachsenenroman erwarten und Spaß an Jugendliteratur haben.

Veröffentlicht am 24.05.2021

etwas langatmig

Die Glasperlenmädchen
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„Die Glasperlenmächen“ ist das zweite Buch von Lisa Wingate, welches ins Deutsche übersetzt wird. Der Verlag versuchte mit Titel und Cover an den Erfolg des ersten „Die Libellenschwestern“ anzuknüpfen, ...

„Die Glasperlenmächen“ ist das zweite Buch von Lisa Wingate, welches ins Deutsche übersetzt wird. Der Verlag versuchte mit Titel und Cover an den Erfolg des ersten „Die Libellenschwestern“ anzuknüpfen, wodurch aber leider der Inhalt des neuen Buches nicht so richtig getroffen wurde.

Die Geschichte spielt in Louisanna, einmal im Jahr 1875 und einmal 100 Jahre später. Im Zentrum stehen drei junge Frauen. Vor allem die Vergangenheitsstory hatte großes Dramapotenial, da es um eine junge Farbige ging, die auf der Suche nach ihren Familienangehörigen war, die alle vom Plantagenbesitzer verkauft wurden. In der Gegenwart ist es eine Lehrerin, die benachteiligten Kindern helfen möchte und dabei auf alte Bücher trifft, die in die Vergangenheit weisen.

Leider konnte das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen. Über weite Strecken fehlte es mir an Spannung und am Ende an einer richtigen Aussage. Die zwei Handlungsstränge hatten wirklich nur sehr bedingt miteinander zu tun. Eigentlich waren es zwei Plots, die nebeneinander herliefen. Ich habe ich etwas gequält mit dem Roman. Mein hohen Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.

Veröffentlicht am 23.02.2021

Gedankenspiele

Die Mitternachtsbibliothek
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Nora ist des Lebens müde. Private und berufliche Tiefschläge bringen sie dazu, mit Mitte 30 die Reißleine zu ziehen. Das liest sich genau so wie es gemeint ist. Sehr traurig und depressiv und zutiefst ...

Nora ist des Lebens müde. Private und berufliche Tiefschläge bringen sie dazu, mit Mitte 30 die Reißleine zu ziehen. Das liest sich genau so wie es gemeint ist. Sehr traurig und depressiv und zutiefst pessimistisch. Diese Grundstimmung gilt es zu akzeptieren, wenn man mit Nora schließlich im Zwischenreich landet. In der Mitternachtsbibliothek, in der verschiedene Bücher von anderen Nora-Leben zu finden sind. Und sie erhält die Möglichkeit einen Blick auf diese Lebensvarianten zu werfen und dadurch zu reflektieren, ob ihr reales Leben wirklich so schlecht gewesen ist.

Matt Haig, der selber an Depressionen gelitten hat, beschreibt eindringlich die Gefühlswelt seiner Hauptdarstellerin. Dennoch konnte ich nicht ganz nachvollziehen, warum sie sich umbringen möchte. Und sie weiß auch lange nicht, was ihr wirklich gefehlt hat, was des Pudels Kern sozusagen ist. Sie hat auch nur die Möglichkeit auf den ein oder anderen Blick aber es ist nicht so, dass sie ein neues anderes womöglich besseres Leben bekäme.

Die Idee, den Gedanken weiterzuspinnen, was wäre gewesen wenn, finde ich sehr schön und man kann ihn gut an sich selber anwenden. Nora blieb mir als Protagonisten zwar etwas fern und ich wäre auch gerne im ein oder anderen Leben einfach hängen geblieben, aber das Buch liest sich schnell und unterhaltsam und ich kann es empfehlen.

Veröffentlicht am 23.02.2021

er kann es besser

Der Solist
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Der Seitenumfang eines Buches sagt sicherlich wenig über die Qulität aus. Nicht Quantität ist es, die ich erwarte. Aber ich erhoffe mir von einem versierten Krimiautoren wie Jan Seghers schon einiges, ...

Der Seitenumfang eines Buches sagt sicherlich wenig über die Qulität aus. Nicht Quantität ist es, die ich erwarte. Aber ich erhoffe mir von einem versierten Krimiautoren wie Jan Seghers schon einiges, wenn ich nach einem seiner Bücher greife. Und das Thema ist brisant und könnte sehr komplex sein.

Der Solist heißt Neuhaus – Vorname unbekannt. Eigentlich arbeitet er schon lange allein, ermittelt fürs BKA und ist ein Mann mit wenig Privatleben. Sonst erfährt man sehr wenig in diesem scheinbar ersten Band einer neuen Reihe. Ich denke, dies war natürlich durchaus beabsichtigt vom Autor aber es ist weniger geheimnisvoll als vielmehr eine große Leerstelle, die dieser Ermittler für mich bis jetzt ist. Weder weiß ich ihn richtig einzuschätzen noch bleibt sein Charakter besonders im Gedächtnis. Das ist schade, ich hätte gerne mehr gewusst. Und wenn es dazu ein paar Seiten mehr gebraucht hätte, hätte ich nichts dagegen gehabt.

Ähnlich ist es mit diesem Fall, der von Rechtsextremismus und diversen Morden handelt. Auch hier erschien es mir, als würden Puzzleteile fehlen oder nur notdürftig zurecht geklopft sein. Auch hier moniere ich, dass ein bisschen mehr Länge und Beschreibung dem Plot gut getan hätte.

Seghers kann natürlich schreiben. Warum er diesmal so eine spröde und karge Form gewählt hat, bleibt mir verschlossen. Aufgerundet wohlwollend wegen des schönen Covers auf 4 Sterne. Er kann es besser.