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Veröffentlicht am 05.02.2023

Der erste historische Krimi, der mir richtig gut gefallen hat

Die Totenärztin: Wiener Blut
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„Die Totenärztin - Wiener Blut“ von René Anour ist der erste Fall für Fanny Goldmann, einer junger Ärztin, die als Prosekturgehilfin in der Gerichtsmedizin Anfang des 20. Jahrhunderts arbeitet. Erschienen ...

„Die Totenärztin - Wiener Blut“ von René Anour ist der erste Fall für Fanny Goldmann, einer junger Ärztin, die als Prosekturgehilfin in der Gerichtsmedizin Anfang des 20. Jahrhunderts arbeitet. Erschienen ist der Roman im Juli 2021 bei Rowohlt.

Wien, 1908: Der Fall scheint zunächst klar zu sein, als ein obdachloser Toter in die Gerichtsmedizin eingeliefert wird. Auf den ersten Blick deutet nichts auf einen Mord hin. Doch die junge Ärztin Fanny Goldmann hat einen Blick für die Details und so fällt ihr einiges auf, dass nicht ins Bild passen will. Sie entschließt sich die Leiche heimlich in der Nacht zu obduzieren und gerät so in eine Verschwörung, in der Diebe, windige Grafen und ein verschwundener Diamantstern Kaiserin Sisis eine große Rolle spielen. Ihre Ermittlungen führen Fanny an die unterschiedlichsten Schauplätze Wiens und bringen sie nicht nur einmal in Gefahr.

Ich kann freudig verkünden: Ich habe einen Krimi gelesen, in diesem Fall sogar historisch, und dieser hat mir richtig gut gefallen. Es gab schon den ein oder anderen Krimi, den ich ok fand, aber so richtig begeistern konnte mich dieses Genre bisher nicht. Mein Experiment mit den Krimi-Kurzgeschichten und der richtigen Erwartungshaltung finden, ist also geglückt.
Das Buch lässt sich nicht lange bitten und startet direkt mit der Obduktion einer Leiche. Mir hat es den Einstieg erleichtert, da es gleich zu Beginn viele interessante Informationen gibt und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. Das hier Medizinhistorie mit einem Kriminalfall verbunden wird, war eine der Dinge, die mich schon vor dem Lesen angesprochen haben. Darüber hinaus schafft es René Anour das Wien des 20. Jahrhunderts einzufangen und alles durch Humor aufzulockern. Mir hat diese Mischung wahnsinnig gut gefallen.
Fanny war mir sehr sympathisch und ich habe sie gerne begleitet. Anfang des 20. Jahrhunderts war es nicht selbstverständlich für eine Frau zu studieren und zu arbeiten. Sie hat sich dennoch für den Weg entschieden, der ihrem Wesen entspricht, auch wenn dies nicht den Konventionen der Zeit entsprach. Die Freundschaft von ihr und Tilde hat mir sehr gut gefallen. Tilde hat den Fokus so manches Mal etwas anders gelegt, aber sie war immer an Fannys Seite und sie hatte so manche hilfreiche Idee. Vielleicht tue ich den anderen Büchern in dieser Hinsicht unrecht, aber so eine Freundschaft zwischen zwei Frauen so wirklich frei von Missgunst und Konkurrenzdenken ist mir selten in Büchern begegnet.
Die gesamte Mischung an Charakteren war super. Fanny hat einen tollen Vater. Franz arbeitet mit ihr gemeinsam in der Gerichtsmedizin und begegnet ihr dort auf Augenhöhe. Schlomo war sein ganz eigenes Kaliber und konnte Fanny mit seinen besonderen Talenten bei den Ermittlungen helfen. Fannys Tante war altmodisch, manchmal etwas nervig, aber dennoch irgendwie liebenswert. Und natürlich gab es auch einige wenige Charaktere, die mir eher unsympathisch waren. Der Institutsleiter, der Fanny nicht ernst nimmt und sie nur als Gefallen an seine Ehefrau eingestellt hat, sei hier stellvertretend als Beispiel genannt.
Alte Hasen des Krimi-Genres konnten wahrscheinlich sehr schnell sagen, wer der Täter ist. Für mich war es sehr gut gemacht. Ich hatte Spaß daran als am Ende das gesamte Puzzle zusammengesetzt wurde und man sich dann an die Hinweise darauf erinnert hat. Es kam nicht ganz überraschend, aber es war immer noch interessant genug die Hintergründe dazu zu erfahren. Wäre es anders gewesen, dann hätte mich das Buch denke ich gelangweilt. Ich finde das immer schade, wenn ich die Auflösung einer Geschichte schon sehr früh ahnen kann.
Das Ende des Romanes hat mich dann nochmal kalt erwischt. Ihr werdet ziemlich sicher direkt weiterlesen wollen. Ich wollte es zumindest, habe mich allerdings zusammengerissen, da ich mein Glück in Bezug auf Krimis nicht überstrapazieren wollte. Ich bin sehr froh endlich einen Zugang zu diesem Genre gefunden zu haben, bin mir aber ziemlich sicher, dass ich jetzt nicht gleich unzählige Krimis hintereinander lesen möchte.
Bezüglich des Zusatzmaterials hat mich dieses Buch vollkommen zufrieden gestellt. Es gibt eine Karte von Wien im Buch, ein Glossar zu medizinischen und österreichischen Begriffen, ein Nachwort, das Fiktion und Wahrheit voneinander trennt sowie eine Danksagung. Die Anzahl der Personen ist übersichtlich, so dass es keines Personenverzeichnisses bedarf.

Fazit: Ein historischer Krimi, der mir von Anfang bis Ende gefallen hat und den ich in zwei Tagen durchgesuchtet habe. Die Mischung aus Medizinhistorie, Humor und Krimi im Wien des 20. Jahrhunderts hat mir wahnsinnig gut gefallen und ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzungen. Wer einen Krimi mit einer tollen Freundschaft zwischen zwei Frauen lesen möchte, ist bei René Anour an der richtigen Adresse.

Veröffentlicht am 05.11.2022

Highlight Anwärter 2022. Ich habe es auf Englisch gelesen.

Last night at the Telegraph Club
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„Last Night at the Telegraph Club“ von Malinda Lo erzählt die Geschichte der 17jährigen Lily Hu, die sich in ihrem letzten Highschool-Jahr auf eine Reise zu sich selbst begibt und für ihre Liebe kämpfen ...

„Last Night at the Telegraph Club“ von Malinda Lo erzählt die Geschichte der 17jährigen Lily Hu, die sich in ihrem letzten Highschool-Jahr auf eine Reise zu sich selbst begibt und für ihre Liebe kämpfen muss. Erschienen ist der Roman bei Dutton Books im Januar 2021. Auf deutsch wird dieser Roman bei dtv im April 2023 erscheinen.

San Francisco, 1954: Für die 17jährige Lily Hu beginnt ihr letztes Schuljahr. Eine Reise zu sich selbst wurde ihr von Miss Weiland versprochen und auf sie trifft das in besonderem Maße zu. Als sie Kath Miller näher kennenlernt, entsteht eine enge Freundschaft und Lily versucht sich aus der Enge Chinatowns zu lösen. Gemeinsam besuchen die beiden Mädchen heimlich den Telegraph Club, eine Bar in der sich Lesben treffen, und tauchen in eine vollkommen neue Welt ein. Fasziniert von den Darbietungen und Gästen stellt Lily fest, dass es mehr als Freundschaft sein könnte, was sie für Kath empfindet. Doch das Amerika der 50er Jahre hat keinen Platz für zwei sich liebende Mädchen, erst recht nicht, wenn eines davon aus Chinatown stammt, in dem noch mal andere Regeln gelten und Fehlverhalten sogar zur Abschiebung aus Amerika führen könnte.

Coming of Age-Geschichten sind eigentlich nicht meins und dennoch hat mich der Klappentext irgendwie angesprochen. Eine lesbische Liebesgeschichte im Jahr 1954, wo doch die 50er Jahre in unseren Köpfen mit konservativen Rollenbildern verknüpft sind: Der Mann verdient das Geld, die Frau ist brav zu Hause, macht den Haushalt und kümmert sich um die Kinder. In diesem Kontext wirkt eine Bar, in der sich Lesben treffen, geradezu skandalös. Histolicious hat auf Twitter von diesem Buch geschwärmt und da war für mich klar, ich muss dem Buch eine Chance geben und was soll ich sagen, es hat sich in diesem Fall gelohnt.
Das Buch ist gut geschrieben. Ich konnte mir alle Orte wunderbar vorstellen und die junge Lily und ihre Beobachtungen der Welt haben mir sehr gefallen. Sie beobachtet sehr genau und versucht auch die subtilen Botschaften einer Szene in sich aufzunehmen.
Die Geschichte wird größtenteils aus Lilys Sicht erzählt und spielt im Jahr 1954. Allerdings gibt es auch Zeitsprünge in die Vergangenheit und kurze Kapitel aus der Sicht ihrer Eltern sowie ihrer Tante, die deren Geschichte ein wenig beleuchten. Zeittafeln vor jedem Abschnitt beleuchten die historischen Gegebenheiten und runden das Bild ab. Mir hat diese Kombination wahnsinnig gut gefallen. Vordergründig ist es die Geschichte von Lily und Kath, durch die Hintergründe lernen wir zusätzlich etwas darüber, warum die Menschen in Lilys Umfeld so reagieren, wie sie reagieren und es gibt einen historischen Einblick in jene Zeit und die damit verbunden Herausforderungen, was im Falle der Familie Hu bedeutet, dass ihnen die Abschiebung droht.
Gleichzeitig gibt dieses Buch einen Einblick in die lesbische Szene jener Zeit. Lily sticht hier nochmal mehr heraus, weil sie chinesisch-amerikanisch ist. Ich mochte die subtile Art, wie sie ihr Umfeld beobachtet und daraus Erkenntnisse für sich selbst zieht. Ich habe mit ihr mitgefühlt, ich war selber wieder ein wenig 17Jahre alt und in einer Zeit, in der man viele neue Dinge ausprobiert und auch mal etwas Verbotenes macht. Eine Zeit, in der alles irgendwie neu und spannend ist. Mir war durchaus auch vorher klar, dass Repräsentation wichtig ist, aber dieses Buch hat mir das nochmal in einer besonderen Deutlichkeit vor Augen geführt. Das betrifft nicht nur ihr lesbisch sein, sondern auch Rassismus und Mikroagressionen im Alltag.
Lily und Kath zusammen habe ich geliebt. Ihre Art miteinander umzugehen und sich an ihre Gefühle ranzutasten. Die Freundschaft, die bei den beiden entsteht. Die beiden haben wirklich sehr schöne Szenen miteinander und ich liebe es, dass dieses Buch den beiden, diesen Raum gegeben hat. Ich bin an sich kein Fan von Liebesgeschichten. Ab und zu kann ich das haben, aber danach habe ich meist für längere Zeit wieder genug, weil es mir oftmals zu viel Drama ist. Diese Liebesgeschichte hier empfand ich komplett anders. Es gibt auch Drama, aber eben erst zum Schluss und ich hatte viel Zeit einfach nur die Interaktionen der beiden zu genießen.
In Sachen Repräsentation habe ich das Gefühl, dass dies hier ein wirklich sehr schönes Buch ist. Es ist ein Own Voice-Roman. Die Autorin ist lesbisch und chinesisch amerikanisch. In einem ausführlichen Nachwort, legt sie nochmal die historischen Gegebenheiten dar und warum sie sich für bestimmte Dinge entschieden hat, was mir sehr gut gefallen hat und was einiges für mich nachvollziehbarer gemacht hat. Dieser Roman ist wirklich sehr gut recherchiert und hat die Themen dieser Zeit wunderbar eingefangen. Es geht um die lesbische Szene, die chinesisch-amerikanische Gesellschaft und die Angst vorm Kommunismus in Amerika in jener Zeit. Ich würde gerne noch viel mehr schreiben, weil mir dieses Buch einfach so viel gegeben hat, aber ich denke, dass würde dann zu viel von der Geschichte vorweg nehmen.

Fazit: Ein absolutes Highlight für mich und eine ganz große Empfehlung von mir, dieses Buch zu lesen. Ich habe diese Geschichte von Anfang bis Ende genossen, ich habe Lily und Kath geliebt und ich mochte die besondere Mischung aus Coming of Age-Geschichte und Historie, die mir das Amerika der 50er Jahre und seine lesbische Szene sowie die historischen Herausforderungen näher gebracht haben.

Veröffentlicht am 19.06.2022

Eine gelungene Fantasygeschichte mit progressiven Elementen

Das Erbe der Elfenmagierin
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„Das Erbe der Elfenmagierin“ von James A. Sullivan ist der erste Band der „Chroniken von Beskadur“-Dilogie, in der es um die Suche der Elfen nach der verlorenen Seelenmagie geht. Erschienen ist der Roman ...

„Das Erbe der Elfenmagierin“ von James A. Sullivan ist der erste Band der „Chroniken von Beskadur“-Dilogie, in der es um die Suche der Elfen nach der verlorenen Seelenmagie geht. Erschienen ist der Roman bei Piper im Oktober 2021.

Die Elfen haben vor langer Zeit ihre Seelenmagie verloren, doch es gibt eine Prophezeiung, die besagt, dass die Inkarnationen der berühmten Magierin Naromee diese zurückbringen können. Ardoas ist eine der Inkarnationen. Er trägt ihre Seele und ihre Erinnerungen in sich, doch den Zugriff auf diese Erinnerungen muss er erst noch erlangen. Kurz nach seinem 32. Geburtstag begibt er sich daher auf eine Reise. Diese ist von Gefahren gespickt und bringt ihn auf die Spur eines Orakels, über das sich nur schwer etwas herausfinden lässt.

Ich wollte schon längere Zeit etwas von James A. Sullivan lesen und darüber hinaus wurde es auch mal wieder Zeit für ein bisschen Fantasy auf meinem Blog. Ich folge dem Autor schon seit Längerem auf Twitter und das was ich bisher mitbekommen habe, hat mich angesprochen. Es wurde daher endlich Zeit zu diesem Buch zu greifen.
Ich bin wunderbar in die Geschichte reingekommen. Es ist auf den ersten Blick wirklich sehr typische High Fantasy. Etwas ist verloren gegangen, jemand muss sich auf die Suche begeben und natürlich müssen dabei Herausforderungen gemeistert werden. Das hat mir den Einstieg sehr leicht gemacht. Ich habe mich direkt wohl gefühlt und war neugierig darauf, mehr über die Elfen und die anderen Wesen in dieser Welt zu erfahren.
Die Beschreibungen zur Lebensweise der Elfen haben mir sehr gut gefallen. Die Idee mit den Inkarnationen finde ich spannend. Schnell wird klar, dass es eben nicht nur typische High Fantasy ist, sondern das auch Progressivität in dieser Reihe groß geschrieben wird. Der Autor hat dies nicht nur in seiner Twitterbio stehen, sondern er liefert auch ab. Polyamorie, trans, non-binär, POC, etc. sind alles Dinge, die in dieser Reihe vorkommen. Mir hat die Umsetzung sehr gut gefallen, ob es gute Repräsentation ist, kann ich nicht beurteilen, da ich selber weiß und cis bin. Ich sehe nur, dass es ein selbstverständlicher Teil des großen Ganzen sind. Es wird kein großes Brimborium drum gemacht und es fügt sich harmonisch in die Gesamtgeschichte ein.
Sehr erfrischend in diesem Buch fand ich den Umgang vieler miteinander. Respekt, Empathie, Verständnis für die Situation anderer wurde hier sehr groß geschrieben. In diesem Buch gab es niemals den Moment, dass ich mir gedacht habe, dann redet doch miteinander und das Problem ist gelöst. Es gab in diesem Buch so tolle Gemeinschaften, wo ich mir dachte, so ähnlich hätte ich das gerne auch im echten Leben. Es wurde sich gegenseitig unterstützt, geschätzt, Raum gegeben, es wurde miteinander geredet, es wurden Bedürfnisse zum Ausdruck gebracht und noch vieles mehr. In dieser Hinsicht könnte ich wirklich kaum begeisterter sein und hoffe, dass dies auch im zweiten Teil weiterhin so ist. So etwas würde ich gerne viel häufiger lesen.
Der Aufbau der Geschichte hat mir gut gefallen. Zuerst wird einem Raum gegeben, um die Welt kennenzulernen, bevor dann Fahrt aufgenommen wird und Ardoas Abenteuer beginnt. Viele neue Eindrücke prasseln auf ihn ein und ich bin gerne Teil dieser Reise gewesen. Gerade im letzten Drittel nimmt der Roman nochmal an Intensität zu und hat mich extrem in seinen Bann gezogen. Das Ende hat mir gut gefallen. Es ist kein Cliffhanger, sondern ein Teil der Geschichte ist beendet, aber es gibt genügend Fragen, so dass man gerne recht schnell weiterlesen möchte, aber eine Pause um das Gelesene zu verarbeiten auch nicht schlecht ist. Ich mag diese Art von Geschichten. Wenn ich den übermäßigen Drang habe, direkt weiterzulesen, ist das auch irgendwie toll, aber manchmal habe ich dann das Gefühl, dass ich einige Nuancen einer Geschichte gar nicht so recht mitbekomme.
Ardoas ist der Protagonist in diesem Buch und ich bin seiner Geschichte gerne gefolgt. Er genießt eine Sonderstellung im Gefüge dieses Romanes, da er die Inkarnation Naromees ist. Für mich hat allerdings die Gemeinschaft, die sich im Laufe der Geschichte bildet, für das gewisse Etwas gesorgt und ich habe eher hier richtig mitgefiebert als mit Ardoas alleine. Die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen spielen eine Rolle und in der Gemeinschaft schaffen sie es über sich hinauszuwachsen.
Die Fantasy-Elemente, die in diesem Roman genutzt wurden, sind recht typisch. Es gibt unterschiedliche Völker und Magie und diese bedürfen nur kurzer Erklärungen. Für mich hat sich alles recht natürlich und selbsterklärend angefühlt. Die Welt ist vom Mittelalter angehaucht. Es gibt Burgen und Barone, es wird auf Pferden geritten, etc. Das kann mich nicht unbedingt in Begeisterungsstürme versetzen, aber auch Altbewährtes hat seinen Reiz, erleichtert es einem doch den Zugang zu dieser Welt.
Als Zusatzmaterial findet ihr ein Glossar und ein Personenverzeichnis sowie Triggerwarnungen, die bereits am Anfang des Buches angekündigt werden, aber erst im Anhang weiter ausgeführt werden. Ein Nachwort gibt es nicht. Mich hätte tatsächlich interessiert, ob es Sensitivity-Reader gab, aber vielleicht werde ich in dieser Hinsicht noch woanders fündig.

Fazit: Eine gelungene Fantasy-Geschichte, die einen mit ihren typischen Elementen den Einstieg erleichtert, die zusätzlich aber mit ihren progressiven Elementen zu überzeugen weiß. Ich habe selten eine Geschichte gelesen, wo mich der Umgang der Einzelnen miteinander so sehr begeistern konnte. Ich bin gespannt, wie es im zweiten Band weitergeht und kann diesen Roman jedem Fantasy-Fan wärmstens ans Herz legen.

Veröffentlicht am 12.02.2022

Eine äußerst spannender Roman, der an Aktualität kau zu übertreffen ist

Never - Die letzte Entscheidung
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Mit „Never“ verlässt Ken Follett die Gefilde des historischen Romanes und legt nach längerer Zeit mal wieder einen Thriller vor. Inspiriert von seiner Jahrhunderttrilogie entwirft er ein Szenario, dass ...

Mit „Never“ verlässt Ken Follett die Gefilde des historischen Romanes und legt nach längerer Zeit mal wieder einen Thriller vor. Inspiriert von seiner Jahrhunderttrilogie entwirft er ein Szenario, dass zum Ausbruch des dritten Weltkrieges führen könnte. Erschienen ist der Roman im November 2021 bei Pan Macmillan auf Englisch bzw. Bastei Lübbe auf Deutsch.

In der Sahara verfolgen zwei Geheimagenten mit der Hilfe eines Spions einen Drogenschmuggelring, der auch Menschenhandel betreibt. Kiah, eine junge Witwe, sieht keine Zukunft mehr in der Nähe des Chad-Sees und so begibt sie sich auf eine ungewisse Reise in der Hoffnung Europa zu erreichen.
In China kämpft ein junger Regierungsmitarbeiter gegen Kräfte, die eine militärische Konfrontation zwischen Amerika und China heraufbeschwören wollen. Die ältere Kommunisten-Garde sieht ihr Vermächtnis in Gefahr und tut alles dafür den Kommunismus stark aussehen zu lassen.
In Amerika ist Präsidentin Green die erste Frau an der Spitze des mächtigsten Landes der Welt. Die Vorbereitungen zur Wiederwahl laufen, als die größte Krise, die die Welt sich vorstellen kann, ihren Lauf nimmt. Jeder Akt der Aggression führt zu weiteren Maßnahmen und die Welt ist in einem komplexen Geflecht aus Allianzen gefangen. Kann Präsidentin Green den Ausbruch des dritten Weltkrieges und den Einsatz von Nuklearwaffen verhindern?

Ich gebe zu, ich war etwas enttäuscht als ich gesehen habe, dass Ken Folletts nächster Roman kein historischer Roman ist, gleichzeitig war ich froh, dass schon ein Jahr nach der letzten Erscheinung ein weiteres Buch erscheint. So schnell habe ich nicht damit gerechnet. Der Klappentext klang dann auch interessant und so habe ich mich doch an dieses Buch gewagt.
Ich liebe Ken Folletts Schreibstil. Ich kann mir alles gut vorstellen und alles ist klar erzählt. Auch diesmal habe ich wieder auf englisch gelesen. Ich brauchte diesmal öfter das Wörterbuch, habe dann allerdings meist feststellen müssen, dass ich ein gutes Gefühl für seine Sprache habe und die Richtung, in die die Bedeutung der Wörter geht.
Der Spannungsbogen baut sich in diesem Roman eher langsam auf und es hat tatsächlich etwas gedauert bis ich richtig gefangen von der Geschichte war, aber ab 25% ahnt man, wie aktuell dieses Buch ist und die Arbeit, die er in den Aufbau dieses Szenarios gesteckt hat, zahlt sich aus. Ken Follett möchte ein Situation hervorrufen, die der Situation vor Ausbruch des ersten Weltkrieges ähnlich ist und ich muss sagen, ich kann mir das genauso vorstellen. Wenn man aktuelle Nachrichten verfolgt, finden sich viele Ereignisse, die ein ähnliches Szenario auslösen könnten.
Der Autor hat ein spannendes Ensemble aus Personen für diesen Roman erschaffen und ich habe an allen Enden mitgefiebert. Eine große Stärke des Romanes ist es, dass er vielen Personen eine Stimme abseits der politischen sowie diplomatischen Bühne gegeben hat und wir diese so auch als normale Menschen erleben. Manchmal mag es fast ein bisschen zu viel Nebengeplänkel sein, aber für mich persönlich war es wichtig, weil es mich noch mehr in die Geschichte gezogen hat. Eine Lieblingsperson kann ich nicht nennen, denn alle Erzählstränge waren spannend und haben ihre Berechtigung.
Präsidentin Green in Amerika ist entschlossen einen weltweiten Krieg und den Einsatz von Atomwaffen zu verhindern. Als erste Frau an der Spitze der mächtigsten Nation steht sie ständig unter Druck. Sie muss weltweite diplomatische Krisen lösen, Amerika führen und darf ihre Popularität dabei nicht aus dem Blick lassen. Gleichzeitig hat sie aber auch ein normales Leben, ist Ehefrau und Mutter einer 14jährigen Tochter.
Chang Kai, eine hoher Regierungsbeamter, hat hohe Ambitionen, ist mit einer berühmten Schauspielerin verheiratet und gehört zur fortschrittlichen Fraktion innerhalb der kommunistischen Partei. Er hat einen schweren Stand, muss sich gegen Angriffe auf seine Person wehren und die alte Garde innerhalb der Partei besänftigen. Gleichzeitig weiß er aber auch mit Menschen umzugehen und kommt so immer wieder an wichtige geheime Informationen.
Der Erzählstrang rund um die Geheimdienstagenten Tamara und Tab sowie den Spion Abdul hat mich sehr eingenommen. Das Leben in der Wüste Afrikas wird hier beschrieben und ein möglicher Weg, wie Menschen sowie Drogen nach Europa geschmuggelt werden. Wir erleben wie sich Terroristen verhalten, aber auch wie fragil insgesamt die politische Lage in Afrika ist und wie das alles weltweit verbunden ist. Denn sowohl Amerika als auch China verfolgen ihre eigenen Interessen auf diesem Kontinent.
Mit Abdul habe ich mitgefiebert als er sich undercover auf einem Flüchtlingstreck, organisiert von einer Schlepperbande, eingeschleust hat. Manchmal hatte er für meinen Geschmack etwas zu viel Glück auf seiner Reise und anderseits habe ich es ihm vom Herzen gegönnt.
Es war aber auch spannend die Arbeit von Tamara und Tab mitzuverfolgen. Wie lebt es sich als Geheimdienstagent in einem fremden Land, wie kommen sie an ihre Informationen, welche Entscheidungen müssen sie treffen.
Ein Nachwort gibt es im Roman selber nicht. Zu Beginn beschreibt Ken Follett wie die Idee zu diesem Buch entstand. Im Internet finden sich allerdings einige Interviews zum Buch, die Aufschluss zur Recherche geben. Man merkt, dass er sich viele Gedanken dazu gemacht hat, was für eine Geschichte er erzählen möchte, woher die Spannung kommen soll und welche Personen in ihr eine Rolle spielen sollen. Bei mir ist seine Strategie zu 100% aufgegangen.

Fazit: Ein äußerst spannender Roman über eine internationale Krise, die immer weiter zu eskalieren droht und die ein erschreckendes Szenario zeichnet. Ich wurde immer mehr in die Geschichte hineingezogen und habe mit allen Personen im Buch mitgefiebert. Wer es genauso wie ich liebt, wie Ken Follett seine Geschichten aufbaut und erzählt, wird auch diesmal wieder begeistert sein. Interesse für Geheimdienstarbeit, Diplomatie und Politik kann nicht schaden, denn das sind Dinge, die in diesem Roman eine wichtige Rolle spielen.

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Veröffentlicht am 23.10.2021

Ich habe dieses Gedankenexperiment geliebt

Universum
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„Universum“ ist das neueste Science-Fiction Werk von Phillip P. Peterson. In diesem geht es um ein Raumschiff, dass im Hyperraum verschwindet und einen Weg dort raus finden muss. Erschienenen ist der Roman ...

„Universum“ ist das neueste Science-Fiction Werk von Phillip P. Peterson. In diesem geht es um ein Raumschiff, dass im Hyperraum verschwindet und einen Weg dort raus finden muss. Erschienenen ist der Roman Ende September bei Fischer Tor.

Die Raumfahrt hat sich enorm weiter entwickelt. Im 22. Jahrhundert ist das Reisen zwischen unterschiedlichen Sternen kein Problem mehr und auch die Sicherheit der neuen Antriebe ist sehr hoch.
Christine Dillinger begibt sich mit der Challenger auf ihre letzte Reise. Das Ziel ist der entlegene Planet Omicron 3. Mit an Bord hat sie weitere Siedler, Geschäftsleute und Soldaten. Alles sieht nach einem ruhigen Flug aus, doch dann versagt der Antrieb im Überlichtflug und die Challenger samt ihrer Passagiere ist im Hyperraum gefangen. Gibt es einen Weg aus dem Hyperraum raus? Und wenn ja, wo ist die Challenger dann gelandet?

Ich habe schon lange kein Buch mehr innerhalb von 24 Stunden gelesen, aber „Universum“ von Phillip P. Peterson hat es geschafft und das obwohl ich mir anfangs gar nicht sicher war, ob mir das Thema des Buches mit dem verschollenen Raumschiff im Hyperraum liegt.
Am Schreibstil kann ich kaum etwas auszusetzen haben, wenn ich innerhalb von 24 Stunden durch eine 450 Seiten starkes Buch rase. Der Autor versteht es wissenschaftliche Zusammenhänge so zu erklären, dass man sich das auch als Laie gut vorstellen kann und wir bekommen hier einige Theorien geboten. Es ist alles wirklich sehr hypothetisch, aber das hat mir nicht den Spaß am Vorstellen des Ganzen genommen.
Es hat mich persönlich ein bisschen an meine Kindheit erinnert. Habt ihr euch auch mal Gedanken dazu gemacht, wie unser Universum beschaffen sein könnte und was nach unserem Universum kommt? So ungefähr ist dieses Buch. Es bietet genau dafür ein Gedankenspiel an und das mit echten wissenschaftlichen Theorien, wie es sein könnte. Es gibt natürlich unterschiedliche Theorien und einige widersprechen sich, doch in diesem Buch hat der Autor ein rundum stimmiges Bild geschaffen und ich liebe es.
Dabei fängt die Geschichte recht unspektakulär an. Wir lernen erstmal die Crew, das Schiff und die Passagiere kennen und erfahren etwas über die Beweggründe diese Reise anzutreten. Doch spätestens beim Überlichtsprung ist es mit der Langeweile vorbei. Ab da hat sich für mich ein WTF-Moment an den nächsten gereiht und das obwohl ich die ein oder andere Konsequenz schon geahnt habe. Durch die sehr heterogene Gruppe wurde es teilweise etwas komplizierter als es hätte sein müssen, aber im Endeffekt ist das wahrscheinlich wieder realistisch. Besonders das Ende dieser Geschichte hat mir sehr gefallen. Ich werde hierzu natürlich keine Details verraten, aber für mich war das einfach nur wow und ich habe mir den Ausgang von allem gerne so vorgestellt.
Ich habe mit allen Menschen an Bord mitgefiebert. Am Rande wurden gesellschaftliche Themen gestreift. Alle müssen hier zusammenwachsen, wenn eine Chance auf Überleben bestehen soll. Jeder muss sein Talente einbringen ungeachtet seines Hintergrundes oder man muss über sich und sein Können hinauswachsen. Christine Dillinger zum Beispiel ist der Captain des Schiffes, dennoch versteht sie nicht wirklich was von Menschen, was nicht unbedingt die besten Voraussetzungen sind so eine Ausnahmesituation zu meistern. Mike Warnock ist zusammen mit seiner Familie an Bord. Er flieht vor der Ausgrenzung, die ihm überall aufgrund seines Einsatzes als Bomberpilot in einem Krieg, begegnet. Doch Ausgrenzung kann man sich nicht leisten, wenn diese Person wichtiges Wissen zum Meistern dieser Ausnahmesituation hat.
Zusatzmaterial wird hier keines geboten, was ich fast schon etwas schade finde. Ein Nachwort hätte mir durchaus gut gefallen. Im Endeffekt wurde alles während der Geschichte ausreichend erläutert und jedem sollte klar sein, dass es sich hier nur um Theorien handelt, wie es sein könnte. Zwar durchaus berechtigte Theorien, nichtsdestotrotz lässt das natürlich gewisse Freiheiten in der Ausgestaltung. Wer bereits den ein oder anderen Roman des Autors gelesen hat, wird unter Umständen das ein oder andere aus anderen Büchern wiedererkennen.

Fazit: Spätestens jetzt zählt Phillip P. Peterson zu meinen Lieblingsautoren im Science-Fiction Genre. Trotz des ruhigen Startes habe ich alles an diesem Buch geliebt. Dieses Gedankenexperiment war für mich persönlich einfach grandios. Wer WTF-Momente liebt und gerne wissenschaftliche Theorien schriftstellerisch umgesetzt erleben möchte, der ist hier genau richtig.

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