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Veröffentlicht am 17.10.2016

Netter englischer Krimi aus den Cotswolds..

Tiefer Grund
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Das Buch „Tiefer Grund“ von Matthew Costello und Neil Richards ist ein spannender Krimi aus der Cherringham Reihe mit Jack und Sarah als privaten Ermittlern. In den idyllischen Cotswolds kommt ein Lehrer ...

Das Buch „Tiefer Grund“ von Matthew Costello und Neil Richards ist ein spannender Krimi aus der Cherringham Reihe mit Jack und Sarah als privaten Ermittlern. In den idyllischen Cotswolds kommt ein Lehrer um. Zunächst ist unklar, ob es ein Suizid, ein Unfall oder ein Mord ist. Die Rektorin möchte eine private Ermittlung, weswegen sie auf Sarah zugeht. Sarah, Mutter von zwei Kindern an der Schule, ist sich zunächst nicht sicher, ob sie allein, ihr ehemaliger Partner Jack ist bei seiner kranken Tochter in den USA, diesen Fall übernehmen soll. Vor allem, als herauskommt, dass der tote Lehrer Josh mit Drogen vollgepumpt war bei seinem Tod, ist sie sehr unsicher. Aber gerade weil sie die Drogenprobleme an der Schule sehr beunruhigen, nimmt sie sich des Falles an. Als dann Jack, ihr alter Kollege, zufällig aus den USA zurückkommt, um seine Zelte in England endgültig abzubrechen, überredet sie ihn, ihr zu helfen. Gemeinsam graben sie Drogen und Hintergründe aus. Nicht nur Drogen, auch Neid und Eifersucht spielen dabei eine große Rolle.

Der Krimi beginnt recht schnell mit dem Tod des Lehrers. Zunächst legen sich einige Spuren offen. Nach etwa einem Drittel steigt die Spannung stetig an ohne Gemetzel. Es ist also auch ein für Frauen geeigneter Krimi. Die Sprache trägt zum leichten Lesen bei, ich hatte keinerlei Probleme mit dem Hineinkommen. Auch dass ich keine Vorgängerbücher kannte, machte nur wenig aus. Man ist zwar neugierig und manche Andeutungen kann man nicht einordnen, dem Verständnis des Buches steht das aber nicht im Weg. Die Charaktere sind gut zum Identifizieren geeignet, höchstens Jack erscheint etwas überirdisch. Alles in allem ein solider Krimi, der Lust macht auf mehr!

  • Cover
  • Spannung
  • Setting
  • Figuren
Veröffentlicht am 26.09.2016

Mal was anderes als das übliche Hollywoodgewäsch...

Großer Bruder Zorn
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Der sozialkritische Roman „Großer Bruder Zorn“ von Johannes Ehrmann, erschienen 2016 im eichborn Verlag, spielt im Berliner Stadtteil Wedding. Dort wird ein 5-Tage-Zeitraum beschrieben, in dem die Hauptdarsteller ...

Der sozialkritische Roman „Großer Bruder Zorn“ von Johannes Ehrmann, erschienen 2016 im eichborn Verlag, spielt im Berliner Stadtteil Wedding. Dort wird ein 5-Tage-Zeitraum beschrieben, in dem die Hauptdarsteller auf einen Boxkampf hinfiebern, wenn auch aus ganz unterschiedlicher Motivation. Da ist zum einen Aris, einstmals ein großer Boxer, der aufgrund drohender Insolvenz diesen großen Boxkampf ausrichtet. Serdar, der den großen Coup beim Boxkampf landen möchte. Jessi, die im Supermarkt arbeitet und mit Aris anbandelt. Der Flaschenfascho und Heinz Hönow, die ihre eigenen wirren Pläne haben. Außerdem gibt es noch eine Rockerbande, die eine nicht unwesentliche Rolle spielt...

Das Buch arbeitet mit stetig wachsender Spannung auf den Höhepunkt – die sogenannte „Fightnight“ - hin, welche in einem großen Knall endet. Anfangs ungewohnt sind die fehlenden Redezeichen bei der wörtlichen Rede. Aber nach kurzer Zeit ist dies kein Problem mehr. Die recht kurzen Kapitel, die jeweils aus der Sicht des Charakters, um den es gerade geht, geschrieben sind, ergeben mit der Zeit ein umfassendes Bild der Situation. Erst fand ich es recht schwierig, mich in die verschiedenen Personen hineinzudenken, da diese Abschnitte immer recht kurz sind. Jessi – die meiner Meinung nach normalste Figur – stellte sich für mich sehr schnell sehr klar dar, vielleicht liegt das aber auch daran, dass es der einzige weibliche Charakter ist. Durch die jeweiligen Sichtweisen bekommt man ein schönes Bild verschiedener Situationen aus verschiedenen Perspektiven, was einen auch selbst wieder darüber nachdenken lässt, wie Missverständnisse entstehen können. Die Charaktere, die in dem schwierigen sozialen Milieu in Wedding leben, scheinen aussichtslos in ihrem Umfeld gefangen, ein Ausbruch schier unmöglich. Sind wir nicht alle gefangen in unserer Welt? Können und wollen wir wirklich da raus, wo wir uns auskennen? In einem bürgerlichen Umfeld kein großes Problem, im Wedding ist es eins. Belastet mit ihrer Vergangenheit und zum Teil in Träumen verhaftet, bleibt das Ende für die Charaktere ziemlich offen. Aber wie könnte es auch sein, dass für so viele Personen ausgerechnet eine Nacht die Lösung aller Probleme sein sollte? Was mir irgendwie fehlt, ist der Bezug zum Titel, denn „Zorn“ ist nur durch die Blume spürbar, Resignation wäre treffender.

Zunächst hatte ich den Eindruck, dass das Buch sicher anstrengend zu lesen ist, aber dies war nur die ersten etwa 50 Seiten der Fall, danach fesselt es einen, auch herzhaft lachen konnte ich einige Male. Wer gerne „Eitel, Keitel, Sonnenschein“ mag, der sollte diesen Roman nicht lesen, denn ein Happy-End gibt es nicht wirklich, alles bleibt offen. Wer dagegen auch mal etwas anderes, vielleicht auch sozialkritisches, lesen möchte, ist hier eindeutig richtig. Es rüttelt einen wieder mal etwas wach, man merkt, wie gut es einem selbst geht und dass man mit Vorurteilen vorsichtig umgehen sollte. Es gibt keine gleichen Chancen im Leben. Das zeigt dieses Buch. Für mich ein interessantes literarisches Werk von einem vielversprechenden neuen deutschen Autor.

  • Anspruch
  • Charaktere
  • Originalität
  • Stil
  • Cover