Profilbild von nosysimi

nosysimi

Lesejury Star
online

nosysimi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit nosysimi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.09.2016

Mal was anderes als das übliche Hollywoodgewäsch...

Großer Bruder Zorn
0

Der sozialkritische Roman „Großer Bruder Zorn“ von Johannes Ehrmann, erschienen 2016 im eichborn Verlag, spielt im Berliner Stadtteil Wedding. Dort wird ein 5-Tage-Zeitraum beschrieben, in dem die Hauptdarsteller ...

Der sozialkritische Roman „Großer Bruder Zorn“ von Johannes Ehrmann, erschienen 2016 im eichborn Verlag, spielt im Berliner Stadtteil Wedding. Dort wird ein 5-Tage-Zeitraum beschrieben, in dem die Hauptdarsteller auf einen Boxkampf hinfiebern, wenn auch aus ganz unterschiedlicher Motivation. Da ist zum einen Aris, einstmals ein großer Boxer, der aufgrund drohender Insolvenz diesen großen Boxkampf ausrichtet. Serdar, der den großen Coup beim Boxkampf landen möchte. Jessi, die im Supermarkt arbeitet und mit Aris anbandelt. Der Flaschenfascho und Heinz Hönow, die ihre eigenen wirren Pläne haben. Außerdem gibt es noch eine Rockerbande, die eine nicht unwesentliche Rolle spielt...

Das Buch arbeitet mit stetig wachsender Spannung auf den Höhepunkt – die sogenannte „Fightnight“ - hin, welche in einem großen Knall endet. Anfangs ungewohnt sind die fehlenden Redezeichen bei der wörtlichen Rede. Aber nach kurzer Zeit ist dies kein Problem mehr. Die recht kurzen Kapitel, die jeweils aus der Sicht des Charakters, um den es gerade geht, geschrieben sind, ergeben mit der Zeit ein umfassendes Bild der Situation. Erst fand ich es recht schwierig, mich in die verschiedenen Personen hineinzudenken, da diese Abschnitte immer recht kurz sind. Jessi – die meiner Meinung nach normalste Figur – stellte sich für mich sehr schnell sehr klar dar, vielleicht liegt das aber auch daran, dass es der einzige weibliche Charakter ist. Durch die jeweiligen Sichtweisen bekommt man ein schönes Bild verschiedener Situationen aus verschiedenen Perspektiven, was einen auch selbst wieder darüber nachdenken lässt, wie Missverständnisse entstehen können. Die Charaktere, die in dem schwierigen sozialen Milieu in Wedding leben, scheinen aussichtslos in ihrem Umfeld gefangen, ein Ausbruch schier unmöglich. Sind wir nicht alle gefangen in unserer Welt? Können und wollen wir wirklich da raus, wo wir uns auskennen? In einem bürgerlichen Umfeld kein großes Problem, im Wedding ist es eins. Belastet mit ihrer Vergangenheit und zum Teil in Träumen verhaftet, bleibt das Ende für die Charaktere ziemlich offen. Aber wie könnte es auch sein, dass für so viele Personen ausgerechnet eine Nacht die Lösung aller Probleme sein sollte? Was mir irgendwie fehlt, ist der Bezug zum Titel, denn „Zorn“ ist nur durch die Blume spürbar, Resignation wäre treffender.

Zunächst hatte ich den Eindruck, dass das Buch sicher anstrengend zu lesen ist, aber dies war nur die ersten etwa 50 Seiten der Fall, danach fesselt es einen, auch herzhaft lachen konnte ich einige Male. Wer gerne „Eitel, Keitel, Sonnenschein“ mag, der sollte diesen Roman nicht lesen, denn ein Happy-End gibt es nicht wirklich, alles bleibt offen. Wer dagegen auch mal etwas anderes, vielleicht auch sozialkritisches, lesen möchte, ist hier eindeutig richtig. Es rüttelt einen wieder mal etwas wach, man merkt, wie gut es einem selbst geht und dass man mit Vorurteilen vorsichtig umgehen sollte. Es gibt keine gleichen Chancen im Leben. Das zeigt dieses Buch. Für mich ein interessantes literarisches Werk von einem vielversprechenden neuen deutschen Autor.

  • Anspruch
  • Charaktere
  • Originalität
  • Stil
  • Cover
Veröffentlicht am 17.11.2018

Anklage einer Mutter gegen Mobbing

Marion, für immer 13
0

Das Buch „Marion – für immer 13“ ist kein Roman sondern ein Erfahrungsbericht. Eine Mutter schreibt das Buch in Form eines Briefes an ihre 13jährige verstorbene Tochter. Diese hat sich aufgrund von Mobbing ...

Das Buch „Marion – für immer 13“ ist kein Roman sondern ein Erfahrungsbericht. Eine Mutter schreibt das Buch in Form eines Briefes an ihre 13jährige verstorbene Tochter. Diese hat sich aufgrund von Mobbing in der Schule und in den sozialen Netzwerken selbst umgebracht. Nora Fraisse versucht, im Nachhinein herauszufinden, was alles passiert ist, was ihre Tochter Marion dazu brachte, sich umzubringen.
Es war schockierend zu lesen, was dort in der Schule vorgeht, ohne dass die Lehrer oder der Rektor etwas dagegen zu unternehmen versuchten. Auch die Hinweise der Eltern verliefen im Nichts. Im Nachhinein wird die Familie zu Geächteten gemacht, jeder versucht nur, die Verantwortung von sich zu schieben. Natürlich hat man nicht alles in der Hand, aber dass eine Schule davon nichts mitkriegt, das ist nicht vorstellbar für mich. In diesem Buch bekommt man natürlich nur die Sicht der Mutter mit, aber wenn diese dies veröffentlicht, dann wird das schon eher stimmen, sonst würden sicher einige Stellen dagegen vorgehen.
Der Schreibstil war eindeutig erkennbar als ein Nicht-Autor. Es ist eher in Brief-/Gesprächsform geschrieben und es kommen viele Wiederholungen vor, was das Kreisen der Mutter um das Problem sehr deutlich zeigt. Mich persönlich hat das nicht so sehr gestört, auch wenn oft nichts Neues dazu kommt.
Ich muss sagen, ich fand es sehr schockierend zu lesen, was da alles passiert ist, aber vor allem, was alles nicht passiert ist. Irgendwie habe ich mir von dem Buch aber ein paar Strategien erhofft, wie man gegen Mobbing vorgehen kann, was man dagegen tun kann. Das kommt nicht vor, aber im Nachhinein schon nachvollziehbar, es ist ja die Mutter, die das ganze aufklären will. Ich persönlich fand das Buch zum Aufrütteln gut, ein Leitfaden gegen Mobbing wäre für mich allerdings hilfreicher. Wer so etwas sucht, braucht dieses Buch nicht lesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Thema
  • Klappentext
Veröffentlicht am 14.10.2018

Ein Mittelband - aber macht Lust auf mehr!

Die Frauen der Kamelien-Insel
0

Tabea Bach führt mit „Die Frauen der Kamelieninsel“ das Vorgängerbuch „Die Kamelieninsel“ weiter. Sylvia heiratet Mael. Beide sind anfangs sehr glücklich und entscheiden sich dafür, ein Kind zu bekommen, ...

Tabea Bach führt mit „Die Frauen der Kamelieninsel“ das Vorgängerbuch „Die Kamelieninsel“ weiter. Sylvia heiratet Mael. Beide sind anfangs sehr glücklich und entscheiden sich dafür, ein Kind zu bekommen, was allerdings nicht so klappen mag. Um das Besucherzentrum für die Kamelieninsel voranzutreiben und zu finanzieren, verkauft Sylvia ihre geerbte Kamelie nach Madeira. Dort trifft sie einen alten eher weniger geliebten Bekannten wieder. Als sie und Mael wieder zurück auf der Insel sind, kommt der nächste Knüller: Maels Urlaubsbekanntschaft Chloe von vor vielen Jahren kommt zurück und hat einen Sohn dabei….ist es Maels Sohn? Was beabsichtigt Chloe wirklich? Und sind erneut die Insel und die Gärtnerei in Gefahr? Viele Irrungen und Wirrungen enden in einer netten Auflösung fürs Herz.
Tabea Bachs Schreibstil ist manchmal etwas distanziert, ich konnte nicht immer eintauchen in die Figuren, wenn sie auch schon Gefühle beschreibt. Im zweiten Buch ist nicht mehr ganz so viel Zauber der Bretagne beschrieben, das war im ersten Band viel traumhafter. Nichtsdestotrotz kann man gut in den Roman eintauchen und mitfiebern. Durchaus empfehlenswert! Ich freue mich auch sehr auf den dritten Teil der Trilogie!

  • Cover
  • Atmosphäre
  • Erzählstil
  • Gefühl
  • Geschichte
Veröffentlicht am 18.10.2020

Ein etwas anderer Reisebericht

Nalas Welt
1

Das Buch „Nalas Welt“ von Dean Nicholson ist ein Lebensbericht von einem jungen Mann, der mit dem Fahrrad um die Welt reisen wollte. Dabei lief ihm eine Katze zu – Nala – die mit ihm ab dem Zeitpunkt weiterreiste. ...

Das Buch „Nalas Welt“ von Dean Nicholson ist ein Lebensbericht von einem jungen Mann, der mit dem Fahrrad um die Welt reisen wollte. Dabei lief ihm eine Katze zu – Nala – die mit ihm ab dem Zeitpunkt weiterreiste. Manchmal kommt man unverhofft zu etwas, was einem gut tut bzw. was einen selbst weiterbringt. Dean war eigentlich mit einem Freund unterwegs, allerdings nach kurzer Zeit trennen sich die Wege der beiden wieder. Eigentlich nicht mehr wirklich mit Elan fährt er alleine weiter und trifft mitten am Balkan eine verwahrloste kleine Katze, die er zu einer Tierklinik bringt und dort hilft, sie aufzupäppeln. Er nimmt Nala weiter mit auf seine Reise, zunächst illegal, dann auch legal über die Grenzen und beschreibt zunehmend, wie die beiden sich auf ihrer Reise unzertrennlich miteinander verbinden. Welche Abenteuer die beiden erleben und wie Corona die beiden beeinflusst, wird in dem Buch beschrieben. Der Schreibstil ist in Ordnung, gut lesbar und nachvollziehbar. Mir gefällt die Art des Berichts, wenn ich auch nicht superbegeistert von dem Buch bin. Den Instagramaccount finde ich spannender und auch die Videos bei youtube. In meinen Augen ist die Geschichte im Netz besser nachvollziehbar als buchtauglich. Drei Punkte gibt es dennoch von mir!

  • Cover
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Thema
Veröffentlicht am 04.04.2019

poetische Sprache

Dein fremdes Herz
0

„Dein fremdes Herz“ von Kati Seck ist ein leicht zu lesender Roman. Nela und Maximilian sind die beiden Hauptprotagonisten in dem Buch. Nela ist in ihrem Alltagsleben in Nürnberg gefangen. Ihr Vater hat ...

„Dein fremdes Herz“ von Kati Seck ist ein leicht zu lesender Roman. Nela und Maximilian sind die beiden Hauptprotagonisten in dem Buch. Nela ist in ihrem Alltagsleben in Nürnberg gefangen. Ihr Vater hat die Familie früh verlassen, ihre Mutter ist dement in einem Heim. Sie bekommt ein Paket vom Nachlassverwalter ihres Vaters, der viele Jahre zuvor bereits gestorben ist. In diesem sind Briefe der neuen Partnerin ihres Vaters. Außerdem ein Zeitungsartikel über einen Herzspenderempfänger. Sie erfährt, dass dies wohl das Herz ihres Vaters ist. Spontan fährt sie an die Küste, um den Herzempfänger, Maximilian, zu treffen. Sie lernen sich kennen, ohne dass sich Nela zu erkennen gibt. Welche Irrungen und Wirrungen die beiden erleben, ist in dem Buch beschrieben.

Der Roman ist in einer poetischen Sprache geschrieben, man kann ganz viele tolle Sätze bzw. Zitate aus dem Buch entnehmen, das gefällt mir sehr gut. Allerdings ist die Dramatik manchmal zu plötzlich oder auch zu hoch gewählt. Mir wäre es nicht ganz so dramatisch lieber, da ich dies nicht als realistisch empfinde. Im Großen und Ganzen war das Buch aber gut lesbar, man macht keinen Fehler mit dem Kauf.

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Thema
  • Charaktere