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Veröffentlicht am 10.04.2021

Kreativität und Liebe zum Detail, die leider zu oft untergehen.

Madness
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Vorwort

Alice im Wunderland übte schon immer eine gewisse Anziehungskraft auf mich aus. Beginnend mit dem Disney-Film - wie ich geweint habe, als die VHS kaputt ging - über das Original von Lewis Carroll ...

Vorwort

Alice im Wunderland übte schon immer eine gewisse Anziehungskraft auf mich aus. Beginnend mit dem Disney-Film - wie ich geweint habe, als die VHS kaputt ging - über das Original von Lewis Carroll bis hin zu sämtlichen Adaptionen, die ich finden konnte. Alles, das nur im Ansatz nach Alice roch oder wie Alice aussah, wurde von mir gehortet, wie der Arkenstein von Smaug. So ist es kaum verwunderlich, dass auch Madness zusammen mit der passenden Buchkerze bei mir einzog. Auch wenn ich gestehen muss, dass Steampunk ein völlig neues Genre für mich ist.



Inhalt

Nach einer Party-Nacht mit ihren Freundinnen in einem angesagten Undergroundclub Londons folgt Alice einem weißen Kaninchen. Schnell entwickelt sich die Verfolgung zu einer Hetzjagd durch halb London, welche Alice ihre Schuhe kostet. Sie endet abrupt im Abney Park, als die junge Frau dem Kaninchen in seinem Bau folgt. Nach einem scheinbar endlosen Sturz findet sich Alice in einer Welt wieder, welche so anders ist als die ihre. Der Himmel ist rot und wird von Zahnrädern bedeckt, der Boden ein riesiges Schachbrett und die Bäume aus purem Kupfer. Als wäre das nicht genug Irrsinn, lassen auch die Bewohner Wunderlands Alice an ihrem Verstand zweifeln. Von Glüh(-birnen)-würmchen über mechanische Aufziehkatzen bis zu riesigen Metallraupen mit Menschengesicht trifft Alice auf ihrer Reise zurück nach Hause so einige skurrile Gestalten. Besonders der Hutmacher mit seinem - wundervollen - zweifarbigen Augen scheint Alice die Heimkehr zu erschweren. Wird sie es nach Hause schaffen?



Positives

Maja Köllinger führt uns anhand von 19 Kapiteln durch die Geschichte um Alice und ihre Heimreise. Im Durchschnitt schwankt die Kapitelgröße zwischen 16 und 22 Seiten. Hin und wieder begegnen dem Leser, aber auch deutlich kürzere Kapitel. Leser, die gerne vor dem Schlafen gehen, ein Kapitel lesen wollen, kommen wohl weniger auf ihre Kosten. Machbar wäre es aber trotzdem.

Die Autorin versteht es den Leser durch das ausgewählte Einstreuen detaillierter Beschreibungen an das Wunderland zu fesseln. Knapp ein gutes Drittel des Buches fokussiert sich Maja Köllinger darauf uns Lesern die Welt und ihrer Wunder näher zu bringen. Sie glänzt dabei durch Kreativität und Liebe zum Detail. Dabei erzeugt die Autorin beim Leser das Bedürfnis, tiefer ins Wunderland einzudringen und mehr über das Fremde zu erfahren.

Nach einem kurzen Einblick in Alices Alltag, ihre Wünsche und Ängste, entwickelt sich die Geschichte zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Folgt man der Protagonistin zunächst auf ihrer Reise zurück nach Hause, stellt sich schnell heraus, dass Alice dafür erst Wunderland retten muss. Dabei erfährt man als Leser nicht nur etwas über die Eigenarten des Landes, sondern auch darüber, dass Alice mehr ist, als sie zu sein scheint. Maya Köllinger konnte mich dabei besonders durch den einen oder anderen Plottwist überzeugen.

Madness besticht vor allem durch das Set an kuriosen, herrlich verrückten Wunderländern. Grinser und Elric schloss ich dabei besonders ins Herz. Weniger durch ihren Charme, sondern eher durch ihre Ehrlichkeit und Integrität. Während sich Grinser durch seine katzenhafte Verspieltheit und sein launisches Gemüt in mein Herz geschlichen hat, konnte mich Elric durch seinen - verständlicherweise - distanzierten Charakter überzeugen.



Negatives

Aus der Perspektive von Alice verfolgen wir die Geschehnisse. Eine meiner Meinung nach sehr eintönige Sicht der Dinge, die nur wenig Abwechslung bietet. An manchen kritischen Wendepunkten der Geschichte hätte ich gerne einen Blick in den Kopf des ein oder anderen Wunderländers geworfen.

Alice Reise wiederum gleicht einem flüchtigen Abarbeiten von Quests, gepaart mit rapide auf einander folgenden Bedrohungen. Diese waren repetitiv und monoton und ließen es nicht zu, dass man als Leser mitgerissen wurde. Auch hatten sie wenig körperliche Auswirkungen auf Alice. In der einen Minute noch schwer verletzt, war es in der nächsten Sekunde bereits vergessen. Für mich verlor die Handlung dadurch leider an Glaubwürdigkeit. Die kurzen Pausen zwischen den Aktionszenen eben so wie die Beziehungsentwicklung wirkten forciert und dienten scheinbar nur dazu eine Einleitung für das nächste Unheil zu schaffen. Das Ende wirkt ebenfalls konstruiert und ist an fehlender Logik nicht mehr zu überbieten. Zwar reden wir hier von einer Alice im Wunderland Adaption, aber das Unmögliche ohne jede Erklärung möglich zu machen nur um ein Happy End herbeizuführen, war dann selbst für Wunderland-Standards ziemlich absurd.

Ehrlich gesagt verstehe ich die Idee hinter Alice. Die Autorin wollte uns eine taffe, rebellische, sture und entschlossene Protagonistin geben, welche sich nicht mehr wünscht als Zugehörigkeit zu fühlen. Leider kommt sie durch ihre "kurze Zündschnur" und eine gewisse Wankelmütigkeit keineswegs so rüber. Weder taff noch rebellisch. Während sie mich zunächst noch an ein Porzellanpüppchen mit Vater-Komplex erinnerte, revidierte ich diesen Eindruck bald. Alice wirkte eher wie eine verzogene Teenagerin, die in ihrem Versuch cool zu sein alles und jeden beleidigt. Absurderweise ist sie dann noch verwundert, weil sie auf Ablehnung trifft. Das folgende Zitat trifft meiner Meinung nach ziemlich gut Alices Charakter:

"... bemühte ich mich tatsächlich ihn zu mögen"



Fazit

Insgesamt konnte mich Madness leider nicht überzeugen. Mir gefiel die Grundidee der Welt. Leider zeigte uns die Autorin zu wenig von dieser und nutzte das volle Potenzial eines (grandiosen) Worldbuildings nicht aus. Hätte man den familiären Konflikt stärker heraus gearbeitet, hätte mir das Ganz vermutlich besser gefallen.

Danke Maja Köllinger für Elric und Grinser, welche mich, wie zuvor Alice, durch das Land der tickenden Herzen geführt haben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2021

Ein Sonntagsnachmittagsausflug in die Welt der Geister und Dämonen.

Harrowmore Souls (Band 1): Zimmer 111
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Vorwort

Wenn ich mich recht erinnere (und manchmal kann mein Gedächtnis ein einziges Sieb sein) begegneten wir Harrowmore Souls das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse 2019. An dem kleinen Stand des ...

Vorwort

Wenn ich mich recht erinnere (und manchmal kann mein Gedächtnis ein einziges Sieb sein) begegneten wir Harrowmore Souls das erste Mal auf der Frankfurter Buchmesse 2019. An dem kleinen Stand des Verlags (von dem ich zuvor leider noch keine Notiz genommen hatte), verzauberte uns Harrowmore Souls sofort. Einziehen sollte es erst dieses Jahr bei mir. Eine Entscheidung, die ich im Nachhinein ein wenig bedauere. Warum? Nun... das könnt ihr in der Rezension erfahren. Wie immer in den Kommentaren einfach weiterlesen.



Inhalt

Die Anwälte für Geister, Allison Harrowmore und Conrad Bligh werden beauftragt Ermittlungen anzustellen, nachdem im Thornway Sanatorium über Jahre hinweg mehrere Patienten eingeliefert wurden. Allen gemeinsam ist dieselbe Symptomatik: Sie hören unsichtbare Stimmen und nicht wenige von ihnen begehen später Selbstmord. Allison und Conny machen sich auf den Weg das Rätsel um die Todesschreie von Cumbria zu lösen. Die beiden Anwälte stoßen auf ihrer Suche auf das Mayflower Hotel und den zwielichtig wirkenden Mister Paperman. Portier und Pagen. Schnell stellt sich heraus, dass die seltsamen Vorkommnisse etwas mit dem Zimmer 111 zu tun haben.

Was trieb die Patienten des Sanatoriums in den Wahnsinn? Was verbirgt Paperman? Und werden es Allison und Conrad schaffen den verlorenen Seelen zu helfen?



Positives

Mittels handlicher Kapitel, führt uns Miriam Rademacher durch die rätselhafte Jagd nach dem Ursprung von Cumbrias Todesschreien. Die Kapitelgröße schwankt meist zwischen 12 und 15 Seiten. Jene vereinzelte Kapitel, welche in ihrer Länge eine Ausnahme bilden, sind kaum länger als 20 Seiten. Dies ermöglicht es dem Leser nach jedem Kapitel Lesepausen einzulegen oder vor dem zu Bett gehen ein einzelnes Kapitel zu verschlingen.

Zumeist verfolgen wir das Geschehen aus der Sicht von Conny. An ausgewählten Stellen führt uns die Autorin fort von der gewohnten Perspektive. Es kommt dann zu einem Perspektivwechsel bei dem wir erfahren was mit Miranda geschieht oder was Paula erlebt. Ein geschickter Schachzug, der meiner Meinung nach dazu beiträgt den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten.

Die Beschreibungen wirken anfänglich marginal. Wer nun enttäuscht ist, dem kann ich sagen: Eine gute Wahl der Autorin! Es fällt nämlich schnell auf, dass die detaillierte Umschreibungen eher im Bereich der Architektur und Landschaft liegen. Wirkt dies zunächst seltsam, ist dieses Vorgehen im Hinblick darauf, dass wir die Geschehnisse fast nur aus Conny's Perspektive miterleben, vorzüglich. Der junge Anwalt für Geister interessiert sich augenscheinlich für Architektur und scheint dem ländlichen Ambiente zu getan zu sein. Wie sollte man sich besser an einen Charakter binden, als seine Leidenschaften zu "teilen"?

Harrowmore Souls glänzt durch einen grandiosen Einstieg, der kaum schockierender sein könnte. Die Handlung wird beherrschst von eher leicht anmutender Detektivarbeit, welche zuweilen von spannungsgeladenen Momenten abgelöst wird. Die Autorin wählt dazu Zeitpunkte an denen der Leser gerade Gefahr laufen könnte in einen Zustand der Monotonie abzurutschen.

Dieser eher sparsame Umgang mit Schockmomenten hält nicht nur die Spannung hoch, sondern befeuert auch den Lesegenuss.

Neben dem Portier und der "Kräuterhexe" Paula, welche beide einen erfrischenden Humor einbringen, konnte mich besonders Nigel Goodfellow überzeugen. Ein Geist in den ich mich sofort verliebte. Wo sonst liest man über einen Onlineshopping-Süchtigen Geist, der sich über seinen eigenen Schreibtisch freut?



Negatives

Wie Conny wird man auch als Leser unvorbereitet in eine Welt der Magie, Geister und Zeitreisen geworfen. Ohne ausschweifende Erklärungen, wird man gezwungen die Gegebenheiten, zu akzeptieren, welche zunächst zugegebenermaßen einfach nur als verwirrend zu bezeichnen sind. Zwar bessert sich, dies im Laufe der Geschichte, verursachte jedoch einen eher holprigen Start.

Des Weiteren konnten mich leider die Nebenfiguren mehr überzeugen als die Protagonisten. Conny Bligh kommt nicht nur daher, wie ein auf den ersten Blick heruntergekommen wirkender Gutmensch, sondern auch ein naiv wirkender Mann, der sich von seiner Partnerin völlig unterbuttern, lässt weil das Schicksal es ja so gesagt hat.

Allison Harrowmore hingegen bildet so ziemlich das Gegenteil: Sie ist vorlaut, scheint gerne herumzukommandieren, zeigt keinerlei Schamgefühl und zeigt sich häufig als unempfänglich für die Empfindungen und Meinungen ihrer Mitmenschen. Alles zusammen betrachtet wirkt Allison leider über einen großen Teil der Geschichte hinweg unsympathisch.



Fazit

Miriam Rademacher entführt uns in eine Welt der Geister und Dämonen. Eine Welt aus Liebe, Verantwortung und Seelenfrieden. Einer Welt die uns beibringt, dass es sich trotz aller Widerstände lohnt, anderen Menschen beizustehen, selbst oder gerade wenn der Lohn dafür (nur) ein Lächeln ist.

Empfehlen kann ich das Buch jedem der Horror gepaart mit einem Hauch Detektivarbeit sucht und einer Spur Humor gegenüber nicht abgeneigt ist.

Danke Miriam Rademacher und Harrowmore Souls für das Rätsel um Zimmer 111 und die Todesschreien von Cumbria. Ich freue mich schon in Harrowmore Souls 2 ein weiteres Mal auf die beiden Anwälte treffen zu dürfen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2021

Nur im Bademantel gegen das Böse! Und natürlich mit einem Golfschläger!

Ada (Band 1): Die vergessenen Kreaturen
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Vorwort

Ada zog bereits im Mai bei mir ein. Warum ich es jetzt erst gelesen habe weiß ich ehrlich gesagt nicht. Damals wie heute fasziniert mich die Aufmachung des kleinen Schmuckstücks. Und hätte mich ...

Vorwort

Ada zog bereits im Mai bei mir ein. Warum ich es jetzt erst gelesen habe weiß ich ehrlich gesagt nicht. Damals wie heute fasziniert mich die Aufmachung des kleinen Schmuckstücks. Und hätte mich das Buchcover nicht ausreichend überzeugt? Tja... der Klappentext, hätte mich spätestens zum Kauf verleitet. Nachdem es nun also einige Monate auf dem SuB lag, dachte ich mir, dass es keine Bessere Zeit als den Herbst gibt, um einen Grusel-Schmöker zu lesen. Denn das sollte Ada doch schließlich sein?!



Inhalt

Nach der Entführung des jungen Pauls, wird das um die 60 Jahre alte Kindermädchen Ada Lippnik in eine Nervenheilanstalt gebracht. In der Obhut des Klinikleiters Dr. Warning, soll die Dame, welche nur im Bademantel aufgefunden wurde, befragt werden. Zwar gibt man ihr nicht die direkte Schuld an dem Verschwinden des Kindes, doch ihr seltsames Verhalten und die Tatsache, das bereits vor 40 Jahren ein Kind aus Adas Obhut verschwunden ist, geben Arzt und Ermittlern Rätsel auf.

Zufälliger Weise handelt es sich bei dem verschwundenen Paul, um das Kind von Valerie Dreyer, ehemalige Holt, welche vor 40 Jahren in demselben Haus lebte. Die fünfjährige Valerie war Adas erster Schützling und zeigte Ada, dass in den Wänden etwas Böses lauerte.

Aber warum kann sich Valerie Kann kaum erinnern? Kommt Ada wieder aus der Nervenheilanstalt raus? Wer ist der mysteriöse Teddy den Valerie auf Anraten von Ada kontaktieren soll?

Und was genau hat es mit den Golfschlägern auf sich?



Positives

Miriam Rademacher führt uns meistens anhand von überschaubaren Kapiteln durch die Geschehnisse von heute und damals. Die Kapitelgröße variiert dabei meist zwischen 12 und 15 Seiten. Die wenigen Kapitel, welche in ihrer Länge aus der Reihe tanzen, sind durch ein oder mehrere Perspektivwechsel unterbrochen. Dies ermöglicht es auch innerhalb jener Kapitel Lesepausen einzulegen. Eine gute Lösung für jeden Leser, der sich allabendlich ein Kapitel zum Einschlafen vornehmen möchte.

Die Perspektivwechsel zwischen Ada, Valerie, Doktor Warning und Teddy bieten nicht nur Möglichkeiten einer Lesepause, sondern gestalten das Lesevergnügen abwechslungsreich. Zusammen mit den Zeitwechseln zwischen Heute und vor 40 Jahren, halten diese Erzählperspektive die Spannung konstant hoch.

Die Erzählweise zeichnet sich außerdem durch einen locker-leichten Plauderton aus, der beinahe mütterlich wirkt und perfekt in das Bild eines betagten Kindermädchens passt.

Wahrlich überrascht hat mich das gelegentliche Aufblitzen von trockenem Humor und sanften Sarkasmus. Mehr als ein Mal musste ich grinsend den Kopf schütteln. Wirklich grandios!

All diese Punkte führen zu einem wirklich angenehmen Lesefluss, der mich nur so durch die Zeiten fliegen ließ.

Die Autorin springt mit dem Leser direkt ins Geschehen und wirft gleich zu Beginn diverse offene Fragen in den Raum. Fragen auf die man als Leser unbedingt eine Antwort haben möchte. Man wird in eine Welt aus Rätsel geführt.

Bruchstückhaft setzt die Autorin nicht nur Valerie's Erinnerungen wieder zusammen, sondern fügt auch die zahlreichen Hinweise zusammen, das Verschwinden der Kinder, aufklären sollen.

Dabei überzeugt Miriam Rademacher nur mit einer Welt des Unglaublichen, sondern auch mit tiefgreifenden Themen. Welchem Kind wurde denn schon geglaubt, wenn es von den Monstern unter dem Bett sprach? Wer hat keine Angst davor, dass es Dinge gibt, die der Verstand nicht akzeptiere möchte?

Ada überzeugt auch durch die Auswahl der Charaktere:

Die kindliche Naivität von Valerie ist nicht nur zuckersüß, sondern bildet einen harten Kontrast zu der Erwachsenen Valerie. Unterdrückt von ihrem impulsiven, aggressiven und verfressenen Ehemann, wirkt sie auf der Suche nach ihrem Sohn zunächst verloren.

Begleitet wird sie dabei unteranderem von Teddy. Einem von Ada's ehemaligen Schützlingen, der hinter seinem Auftreten eines englischen Gutsherrn aus dem Bilderbuch, ein erstaunliches Repertoire von Qualitäten aufzeigt. Ein gemütlich und gutherzig wirkender Mann auf der Suche nach seinem vermissten Vater.

Allein Doktor Warning wirkte, trotz seiner Rolle als Antagonist, von Anfang an sympathisch auf mich. Als einzig wirklich "normaler" Mensch " überzeugt jener durch einen derben Tonfall, der mehr als nur einmal zum Schmunzeln verleitet.

Und Ada selbst? Mit Abstand die sympathischste, nicht-fehlerlose Protagonistin, die ich seit langem kennenlernen durfte. Nur im Bademantel gegen das Böse! Und natürlich mit einem Golfschläger!



Negatives

So sehr mich Ada überzeugte, gab es doch zwei Punkte, die mich etwas enttäuschten:

Zum einen konnte mich der Plottwist am Ende nicht wirklich überzeugen. Die zu Grunde liegende Idee fand ich wirklich nett, doch leider zu vorhersehbar.

Auch der Gruselfaktor konnte nicht Punkten. Der locker-leichte Plauderton gepaart mit dem oben erwähnten trockenen Humor, welchen ich geliebt habe, war auch die größte Schwäche des Buchs, da einfach kein Grusel aufkommen konnte. Die Schauer die mir über den Rücken laufen sollten, habe ich leider schmerzlich vermisst, obwohl es ja genau diese Erwartungshaltung war, die mich Ada kaufen ließ.



Fazit

Miriam Rademacher verzaubert uns mit ihrer Geschichte um Freundschaft, dem Mut an Außergewöhnliches zu glauben und die Willenskraft das richtige zu tun, auch wenn es für andere als Falsch erscheint.

Empfehlen kann ich das Buch jedem der eher seichten Horror sucht und so wie ich eine Spur Sarkasmus liebt.

Danke Miriam Rademacher und Ada für dieses Abenteuer zwischen den Wänden. Ich kann es kaum erwarten in Ada 2 ein weiteres Mal in diese bezaubernde Welt vergessener Wesen eintauchen zu dürfen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2021

Eine eisige Welt, die dennoch das Herz erwärmt

Die Legende von Frostherz 2
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Vorwort

Als ich vergangenes Jahr in London war und mit meinem Novelsquids Buddy Romina, durch die Buchhandlungen der Stadt stöberte, stolperte ich über Frostheart. Das Design fesselte mich. So ein unglaublich ...

Vorwort

Als ich vergangenes Jahr in London war und mit meinem Novelsquids Buddy Romina, durch die Buchhandlungen der Stadt stöberte, stolperte ich über Frostheart. Das Design fesselte mich. So ein unglaublich schönes Buch hatte ich seit langem nicht gesehen. Trotzdem war ich mir unsicher und verließ die Buchläden der Metropole diverse Male ohne Frostheart. Letztlich siegte mein kleines in Bücher vernarrtes Herz über meinen Verstand und was soll ich sagen? Ich habe es nie bereut.

Frostheart war ein so unglaublich schönes und liebevoll illustriertes Buch, dass mein Herz einen Freudensprung machte als ich am Ende las "Frostheart 2 coming soon…"

Wie sehr ich mich gefreut habe, als ich es nach einem Jahr! endlich in den Händen halten durfte und wieder dahinschmolz, weil es so unglaublich wunderschön ist.

Wer Teil 1 noch nicht gelesen hat, sollte jetzt besser nicht weiterlesen.



Inhalt

Wie bereits im ersten Buch treffen wir auf Ash, einen jungen Liedweber. Nach ihrer Flucht vor den Isolai und dem Verrat Shaard's verschlägt es die Crew nach Aurora. Dem Zentrum des Schneemeeres und dessen größter Festung. Ein Ort des Staunens und Hoffens.

Nach ihrer Ankunft in Aurora machen sich Ash, Lunah und Tobu, erneut den Hinweisen aus Ash's Schlaflied folgend, auf die Suche nach Ash's Eltern. Doch schnell merken sie, dass Aurora nicht ein Ort der Akzeptanz ist, wie es Ash gehofft hat. Selbst an diesem Ort, der Menschen aller Festungen des Schneemeeres vereint, werden Liedweber und Leviathans gefürchtet.

Eine Furcht, welche schließlich dazu führt, dass sämtliche Liedweber zwangsrekrutiert werden. Unter der Führung von Kommandantin Stormbreaker sollen sie Waffen bedienen, welche Überreste einer älteren Zivilisation sind. Ein Aufstand entfacht und plötzlich muss sich Ash entscheiden. Hilft er den Liedwebern oder versteckt er sich weiter vor der Welt?



Positives

Anhand von überschaubaren Kapiteln führt uns Jamie Littler durch die Geschichte um Ash und seine Suche. Die Kapitelgröße variiert im Durchschnitt zwischen 10 und 12 Seiten. Eine angenehme Länge für junge Leser und jeden der vor dem Schlafen gehen schnell ein Kapitel lesen möchte. Gepaart mit den liebevollen Illustrationen, welche mal ganze Seiten füllen und wann anders den Fließtext zieren, sorgt der Aufbau von Frostheart dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Detaillierte Darstellungen findet man bei Frostheart nur an ausgewählten Stellen, welche das Worldbuilding vorantreiben. Was zunächst negativ klingt, macht für mich einen der positiven Aspekte in Jamie Littler's Erzählweise aus. Dadurch schafft es der Autor dem Leser zu helfen tiefer in die Geschichte zu versinken. Man wünscht sich selber diese Orte erkunden zu dürfen und durch die Straßen Aurora's zu schlendern. Immer in einem Wechsel mit Aktion reichen Passagen und Einblicken in Ash's Innerstes. Eine emotionalen Achterbahnfahrt, die der Geschichte eine eher bittere Note verleiht.

Jamie Littler entführt uns erneut in eine Welt aus Monstern und Schnee. Nach einem Aktion geladenen und mysteriösen Einstieg, der eine Menge Fragen aufwirft, entwickelt sich die Geschichte zunächst zu einer sanft dahinplätschernden Erkundungstour. Der Autor verzaubert uns mit seiner Beschreibung Aurora's, der scheinbar perfekten Festungsanlage. Verfolgen wir zu Beginn noch Ash's Suche nach seinen Eltern, werden die Crew des Frosthearts und die Leser tiefer in eine Welt des Hasses und der Ablehnung hinein gezogen. Ash's rätselumwobene Suche, zwingt ihn bald dazu einige Entscheidungen zu treffen, die nicht mehr nur ihn betreffen, sondern über die Zukunft sämtlicher Liedweber entscheiden können. Jamie Littler schafft es nicht nur, durch verstreuten Hinweise auf Ash's Eltern die Spannung aufrecht zu erhalten, sondern gibt uns einen Plottwist, mit dem ich nie gerechnet hätte.

Frostheart Escape from Aurora zeichnet sich, wie bereits Band 1 durch unterschiedlichster neue und alte Charaktere aus. Von starken weiblichen Persönlichkeiten, über an ihren Fähigkeiten zweifelnden Crewmitgliedern, bis hin zu verräterischen Gesellen. Eine Sammlung von diversen Charakteren, die mich zum lachen, zweifeln, mitfiebern und weinen brachte.



Negatives

Leider konnte mich dieses Mal die Erzählweise nicht ganz überzeugen. Wir verfolgen die Geschehnisse aus der Perspektive von Ash. Dabei greift der Autor auf den personellen Erzähler zurück. Jamie Littler verpasst hier die Chance die Erlebnisse auch aus den Perspektiven anderer Figuren zu vermitteln. Gerade auf der emotionalen Ebene, welche stark den Umgang mit innerer Zerrissenheit und Zweifeln thematisiert, hätte ein Perspektivwechsel auf Charaktere mit ähnlichen Problemen, dem Leser die Möglichkeit gegeben mit verschiedenen Lösungsansätzen in Berührung zu kommen. Was für mich das Buch in seinem Bildungsgehalt etwas dämpfte.

Ein zweiter oder eher halber negativer Aspekt betrifft den Buchschnitt. Für meinen inneren Monk war es zugegebenermaßen etwas enttäuschend, dass der Buchschnitt dieses Mal nicht eingefärbt ist. Das ist bei weiten kein Weltuntergang und schmälert des Lesevergnügen natürlich nicht, weshalb ich es nicht in die Bewertung einfließen lasse, es aber hier kurz erwähnen wollte.



Fazit

Frostheart Escape from Aurora verzauberte mich wie bereits Band 1. Auch wenn mich die Handlung zunächst nicht überzeugen konnte, da ich eine abgedroschene 0815 Geschichte erwartete, überraschte mich Jamie Littler zunehmend positiv. Nicht nur der unerwartete Plottwist, sondern auch der etwas fiese Cliffhanger am Ende versüßten mir das Lesevergnügen. Für mich war es, wie ein Ausflug in schneeverwehte Ebenen mit emotionalen Tiefgang. Die negativen Aspekte schmälerten meine Freude kaum und wie bereits der Vorgänger entführte mich Frostheart Escape from Aurora in eine eisige Welt, die dennoch mein Herz erwärmte.

Ich würde das Buch jedem empfehlen, der sich zum Träumen verleiten lassen möchte und keine Berührungsängste mit Kinder- und Jugendbüchern hat. Ein Buch für die Zweifler unter uns!

Dank Jamie Littler kann ich sagen, dass sich die Wartezeit auf Frostheart Escape from Aurora wirklich gelohnt hat und mein Herz erneut einen Freudensprung gemacht hat. Am Ende durfte ich nämlich erneut diese wundervollen Worte lesen "Frostheart 3 coming soon…"

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2021

Was streift den da durch die tiefen Wälder Minnesotas?

Macimanito
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Vorwort

Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber ich denke die meisten buchbegeisterten Menschen suchen sich ihren Lesestoff nach Hobbies und Vorlieben aus. Wie auch in anderen Bereichen unseres Lebens ...

Vorwort

Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber ich denke die meisten buchbegeisterten Menschen suchen sich ihren Lesestoff nach Hobbies und Vorlieben aus. Wie auch in anderen Bereichen unseres Lebens verlassen wir nur selten unsere Komfortzonen, obwohl wir uns damit manchmal (bewusst oder unbewusst) neue Erfahrungen verbauen und auf Erinnerungen verzichten, die uns nachhaltig prägen können.

Ich lese mit Vorliebe Fantasy. Tatsächlich sogar häufiger High Fantasy und Dark Age, als Urban Fantasy oder New Age. Ich bin fasziniert von der nordischen und indianischen Mythologie und sobald ein Buch Alice im Wunderland oder die Sagen um König Artus thematisiert bin ich Feuer und Flamme. Dem Genre des Horrors konnte ich noch nie etwas abgewinnen.

Trotzdem konnte ich kaum nein sagen, als man mir Macimanito empfahl. Schließlich verband es Horror mit einem meiner liebsten Themen: Warum also nicht die Komfortzone verlassen?



Inhalt

Wir begleiten den jungen Jim, welcher auf der Suche nach einer vermissten Person einen neuen Job angenommen hat. Als Kameramann für die Serie Monster Hunter, verschlägt es Jim und den Rest der Filmcrew in die Wälder von Minnesota. Die scheinbar bunt zusammengewürfelte Besetzung der Realityshow, macht es Jim nicht gerade leicht. Besonders das rassistische Dreiergespann aus Opa Shutter und seinen beiden Enkeln, macht Jim das Leben schwer. Als halber Cree, einem der nativen Stämme Nordamerikas, sieht er sich wieder und wieder Anfeindungen ausgesetzt.

Auf der Suche nach dem legendären Bigfoot, stößt die Crew auf Spuren eines anderen Wesens. Eines das sehr viel realer und gefährlicher ist, als der Kryptid. Schneller als es ihnen lieb ist, geht es Jim und seinen Kompagnons nicht mehr, um den Staffeldreh, sondern um das nackte Überleben. Was ist das für ein Wesen, welches sie durch die tiefen Wälder Minnesotas jagt?



Positives

Ralf Kor führt uns anhand von überschaubaren Kapiteln durch die Geschichte um Jim und den Macimanito. Im Durchschnitt schwankt die Kapitelgröße zwischen 5 und 6 Seiten. Für jeden Einsteiger in das Genre bietet der Autor uns Lesern damit genug Erholungspausen. Auch Leser die gerne vor dem Schlafen gehen schnell ein Kapitel lesen wollen kommen auf ihre Kosten.

Aus der Perspektive eines personellen Erzählers verfolgen wir die Geschehnisse. Zumeist aus der Perspektive von Jim. Jedoch versteht sich Ralf Kor auch darauf uns die Erlebnisse aus den Perspektiven anderer Figuren nahezubringen. Für mich eine willkommene Abwechslung, welche den Lesefluss anregte. Ich fieberte regelrecht mit und konnte kaum darauf warten zu erfahren, was als nächstes mit der einen oder anderen Figur geschah.

Durch einen Wechsel aus sparsamen Beschreibungen und detaillierten Darstellungen an ausgewählten Punkten, schafft es Macimanito jedes Mal aufs neue mir einen Schauer über den Rücken zu jagen und mir den Magen umzudrehen. Die Atempausen zwischen diesen Textstellen, sind grandios gewählt. Gerade lang genug, um den Leser wieder gespannt das Rätsel um das mysteriöse Wesen verfolgen zu lassen und kurz genug, um durch den immer wiederaufkeimenden Ekel ein beklemmendes Gefühl beim Leser zu hinterlassen.

Nach einem eher seichten Einstieg entwickelt sich die Geschichte rasch zu einem aktionengeladenen Spektakel. Geht es anfangs noch um den harmlosen Dreh einer Reality Show, werden Film Crew und Leser immer mehr in das Rätsel, um den Macimanito hinein gezogen. Ein Rätsel, dass schließlich in einer Verfolgungsjagd und dem Kampf ums Überleben mündet. Ralf Kor schafft es durch das bruchstückhafte Zusammensetzen der Hinweise die Spannung aufrecht zu erhalten. Als Leser wird man mitgerissen, möchte man doch unbedingt wissen was Jagd auf die Crew macht und ob es ein Entkommen gibt.

Macimanito glänzt durch eine Vielzahl unterschiedlichster Charaktere. Vom väterlich wirkenden Zoologen bishin zu rassistischen Rednecks. Eine dynamische Mischung, die mich trotz oder vielleicht gerade wegen, der schwelenden Gefahr, immer wieder zum Schmunzeln brachte. Besonders die Shutters haben mir diese Leseerfahrung versüßt.



Negatives

Viel Negatives konnte ich an Macimanito nicht finden. Jedoch muss ich anmerken das mich die Handlung etwas enttäuschte. Die Entdeckung, um welches Wesen es handelt erfolgt sehr spät. In Anbetracht der Tatsache, das sich die gesamte Realityshow um Kryptide dreht, empfand ich dies als unglaubwürdig. Keiner ahnte auch nur was sie verfolgt. Eine Entwicklung, welche die Handlung für mich als unnötig herausgezögert erscheinen ließ.



Fazit

Macimanito überraschte mich zunehmend positiv und hatte ich zunächst noch die Befürchtung, dass ich es nach ein oder zwei Kapiteln zur Seite legen würde, trat das genaue Gegenteil ein. Es war für mich wie ein Rausch. Trotz der negativen Aspekte, fesselte es mich und ich las es an einem Abend fast durch. Hätte ich am nächsten Tag nicht früh raus gemusst, hätte ich es noch am selben Abend zur Gänze verschlungen.

Ich würde das Buch jedem empfehlen, der mal ein Blick über den Tellerrand hinauswerfen möchte und einen starken Magen hat.

Dank Ralf Kor und Macimanito konnte ich eine dieser wundervollen neuen Erfahrungen sammeln, die ich Eingangs erwähnte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere