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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.11.2021

Eine Lebensgeschichte die Gehör verdient

Schwarzes Herz
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In „Schwarzes Herz“ erzählt die Autorin über ihr Leben als Frau und, was anscheinend in dieser Gesellschaft noch erschwerend hinzukommt, als schwarze Frau. Sie erzählt über Ihre Erfahrungen in ihrer Kindheit, ...

In „Schwarzes Herz“ erzählt die Autorin über ihr Leben als Frau und, was anscheinend in dieser Gesellschaft noch erschwerend hinzukommt, als schwarze Frau. Sie erzählt über Ihre Erfahrungen in ihrer Kindheit, den vielen Sprüchen, den Blicken, das ständige Abgrenzende wegen ihres „Andersseins“. Auch in der Familie wird ihr dieses Selbstbild vermittelt, sie sie halt anders aus als der Rest der Familie… Als dann ein Mann in ihr Leben tritt, der sie wahrnimmt und annimmt wie sie ist, verfällt sie ihm und wird immer mehr Opfer seiner Machtspielchen, Demütigungen und Gewalteskapaden.
Die Geschichte ist die einer extrem toxischen, gewalttätigen Beziehung aber auch die einer hochgradig frauenfeindlichen und rassistischen Einstellung der Gesellschaft. Nach dem Motto „ist ja nur ein Spruch“ hagelt es abwertende und ausgrenzende Bemerkungen zu ihrer Person, bzw. vielmehr ihrem Erscheinungsbild. Die Autorin liest die eigene Erzählung selbst, offensiv und mutig nimmt sie den/die Hörerin mit in ihr früheres Leben. Szenen, die als Hörerin schon kaum zu ertragen sind erzählt, Jasmina Kuhnke mit klarer Stimme und viel Selbstreflexion.
Ein sehr mitnehmendes und wachrüttelndes Hörereignis, dass ich jedem ans Herz legen möchte.

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Veröffentlicht am 29.09.2021

Kritischer Blick einer jungen Erwachsenen

Jung, besorgt, abhängig
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In dem Buch habe ich quasi eins zu eins meine aktuellen Sorgen und wohl auch die vieler anderer junger Menschen wiedergefunden.
Die Themen werden in Dialogen mit Freundinnen oder Beispielen von eigens ...

In dem Buch habe ich quasi eins zu eins meine aktuellen Sorgen und wohl auch die vieler anderer junger Menschen wiedergefunden.
Die Themen werden in Dialogen mit Freundinnen oder Beispielen von eigens oder im Bekanntenkreis der Autorin erlebten Vorfälle bearbeitet. Dadurch ist man richtig "dabei". Man erinnert sich an all die Gespräche und Diskussionen, die man selber so oder so ähnlich schon mit Freunden geführt hat und an Vorfälle die man ebenso oder ähnlich erlebt hat. Das ist natürlich nicht immer angenehm aber darum geht es schließlich: es muss sich was ändern und das muss jeder begreifen, vor allem aber die entsprechenden Entscheidungsträger.
Das Buch werde ich auf jeden Fall auch meinen Eltern zu lesen geben, die viele meiner Sorgen und Ängste z.b. um die Absicherung im Alter so gar nicht nachvollziehen können.

Fazit:

Ein aufrüttelndes Buch in dem all die kleinen, akzeptierten, alltäglichen Problem und Sorgen in Zusammenhang gebracht werden und greifbar werden.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.09.2021

Ein Roman der unter die Haut geht

Die Überlebenden
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Das Cover dieses Buches ist sehr schlicht und neutral gehalten, ganz im Gegenteil zum Inhalt des Buches: Man findet sich in der Lebensgeschichte, vor allem der Kindheit, dreier Brüder wieder. Erzählt wird ...

Das Cover dieses Buches ist sehr schlicht und neutral gehalten, ganz im Gegenteil zum Inhalt des Buches: Man findet sich in der Lebensgeschichte, vor allem der Kindheit, dreier Brüder wieder. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von einem der Brüder, Benjamin, abwechselnd aus der Vergangenheit, der Kindheit, und Gegenwart, dem Erwachsenenalter. Die Zeitstränge nähern sich im Laufe der Geschichte an, sodass sich immer mehr Puzzleteile des Lebens der Kinder zusammenfügen. Eine sehr schöne Erzählweise, wie ich fand.
Man wird mitgenommen in eine Kindheit, die geprägt ist von der Unberechenbarkeit und seelischen Abwesenheit der Eltern. Die Eltern verbringen scheinbar einen Großteil der Zeit miteinander, die eisgekühlte Flasche Wodka immer zwischen sich stehend und mit regelmäßigen „hej“s untereinander aufteilend. So wie der Wodka scheint auch die meiste Zeit über die Stimmung zwischen den Eltern und gegenüber den Kindern zu sein. Kalt und distanziert. Nur gelegentlich unterbrochen durch einen kurzen liebevollen Moment, wie eine Vorleserunde, doch noch öfter unterbrochen durch Streitigkeiten bis zu Handgreiflichkeiten zwischen den Eltern und Ausrastern und Ausfällen gegen die Kinder.
Die Familiendynamik ist durchgehend angespannt, auch zwischen den drei Brüdern. Eines Tages kommt es zu einem Unfall, der die Familie endgültig auseinandertreibt und jeden zurückgezogen in seinem eigenen distanzierten Raum aus unausgesprochenen Gefühlen und Verletzungen zurücklässt…
Passend zur Stimmung die einen beim Lesen der Seiten befällt, habe ich das Buch an einem grauen Herbsttag begonnen zu lesen und auch beendet. Einmal angefangen, konnte ich das Buch bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte ist unendlich traurig und schier endlos hoffnungslos und doch versteht der Autor es, in einer Leichtigkeit und mitreißenden Art zu schreiben, dass man nicht mehr loskommt. Der Roman lässt mich demütig und mit drückender Schwere zurück und doch möchte ich das Buch jedem ans Herzen legen. Lange nicht mehr hat mich ein Roman so tief bewegt. Die Geschichte hat kein Happy End aber ein versöhnliche s Ende, das einen wachruft zu überdenken was man selber schon viel zu lange totgeschwiegen hat.

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Veröffentlicht am 28.08.2022

Erschütternd

Denk ich an Kiew
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Das Buch handelt von den Frauen einer ukrainischen Familie aus zwei Perspektiven: Aus der Perspektive der damals jungen Großmutter von Cassie um 1930 und aus der Perspektive von Cassie, die nun, selbst ...

Das Buch handelt von den Frauen einer ukrainischen Familie aus zwei Perspektiven: Aus der Perspektive der damals jungen Großmutter von Cassie um 1930 und aus der Perspektive von Cassie, die nun, selbst schon Mutter und Witwe nach dem Zusammenziehen mit ihrer Großmutter mehr über deren Vergangenheit erfährt.
Die Familie lebt mittlerweile in Amerika und Cassie hat ihren Mann bei einem Autounfall verloren, doch sie lernt nun einen Nachbarn Nick kennen. Leider fand ich diesen Teil der Geschichte viel zu klisscheemäßig. In der Sekunde, in der man den ersten Satz über Nick gelesen hat, wusste man, dass die beiden zusammenkommen werden. Das "Herumgehampel" ob sie nun mit ihm zusammen sein kann / will oder nicht und was daraufhin folgte war wenig überzeugend dargestellt und hat mich eigentlich nur in der Hauptgeschichte gestört. Ebenso, dass sich die beiden noch gesiezt haben als sie sich schon des öfteren, auch auf Dates, verabredet haben fand ich widersprüchlich zu ihrer eigtnlich schon recht vertrauten Beziehungsebene.
Abgewechselt wurden diese Episoden jedoch immer wieder durch die Lebensgeschichte von Caissies Großmutter in der Ukraine während des Holodomors. Dieser Teil war sehr erschütternd und hat mich an vielen Stellen sehr berührt. Ich war dann doch froh, dass dieses Abschnitte immer wieder von leichteren Abschnitten aus Cassies Alltag unterbrochen wurden, sodass man etwas durchatmen konnte.
Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch aus dem ich persönlich viel mitnehmen konnte.
Ich bin etwas entsetzt darüber, dass ich noch nie vom Holodomor gehört habe. Jedes Schuljahr aufs Neue haben wir den Holocaust behandelt aber über den Holodomor habe ich noch nie etwas gehört. Ich werde zu dem Thema auf jeden Fall noch mehr Literatur suchen.

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Veröffentlicht am 05.08.2022

Spannend bis zum Schluss

Poppy. Dein Kind verschwindet. Und die ganze Welt sieht zu. (Die Emer-Murphy-Serie 1)
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Es handelt von einer Instagrammom "Lotte" deren Kind "Poppy" entführt wird. Durch die große Follwerzahl und den veröffentlichten Standort des Mädchens direkt vor der Entführung ist der Verdächtigenkreis ...

Es handelt von einer Instagrammom "Lotte" deren Kind "Poppy" entführt wird. Durch die große Follwerzahl und den veröffentlichten Standort des Mädchens direkt vor der Entführung ist der Verdächtigenkreis scheinbar unbegrenzt. Doch am Ende ist der Täter viel näher als gedacht.
In der Geschichte finden sich verschiedenste, oft auch unsympathische Charaktere wieder, was die Story sehr interessant macht, auch wenn einige Figuren zu kurz kommen.
Jede*r scheint mindestens ein dunkles Geheimnis zu haben und es wird einem nicht leicht gemacht das Familienkonstrukt um Lotte und Poppy herum zu durchschauen.
Es bleibt bis zum Ende spannend und man tappt bis zuletzt im Dunklen. Alle Theorien, die man sich bis dahin überlegt hat, kommen nicht an die Auflösung heran. Das Ende lässt einen ein bisschen im Zwiespalt des eigenen moralischen Kompasses zurück und sorgt dadurch noch für den ein oder anderen Gedankengang nach Abschluss des Buches und auch was die Nutzung der sozialen Medien angeht, wird es einen bestimmt etwas aufmerksamer zurücklassen.

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