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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Brutal faszinierend

Elias & Laia - Die Herrschaft der Masken
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Jaaa... wo fange ich bloß an? Damit, dass dieses Buch so gar nicht das war, was ich erwartet hatte? Weil ich mich eher auf eine Dystopie á la "Legend" gefreut hatte, in der die Charaktere von Anfang an ...

Jaaa... wo fange ich bloß an? Damit, dass dieses Buch so gar nicht das war, was ich erwartet hatte? Weil ich mich eher auf eine Dystopie á la "Legend" gefreut hatte, in der die Charaktere von Anfang an wissen, was sie wollen und erst im Laufe des Buches merken, dass ihre Position vielleicht nicht ganz richtig ist? Weil ich eine Liebesgeschichte, ähnlich Romeo & Julia erwartet habe, die von der ersten Sekunde zum Scheitern verurteilt ist?

Oder doch damit, dass mich diese wortwörtlich unverblümte Gewalt schockiert hat und mir durch Mark und Bein ging? Dass ich geheult, vor Überraschung die Augen aufgerissen, vor Wut innerlich geschrien, vor Entrüstung den Kopf geschüttelt und vor Anspannung an den Nägel geknabbert habe???

Vielleicht sollte ich aber mit den Charakteren anfangen... denn die haben mir den Atem genommen. Ich habe angefangen zu lesen, mir ein mehr oder weniger gutes Bild gemacht und erwartet, dass es so weiter geht. Tja... dem war nicht so. Immer wieder zeigten die Charaktere neue Fassetten und stellten mein Bild von ihnen auf den Kopf. Insbesondere Helena hat mich mehr als überrascht!

Die Story erinnerte mich etwas an das Alte Rom, wenngleich die Masken deutlich brutaler und gefühlsloser sind, als ich mir die Römer je vorgestellt habe!



Fazit:
Lesen, rezensieren und ins Regal stellen??? NEIN! Nicht bei diesem Buch! "Elias & Laia" werde ich so schnell nicht vergessen können, da es ungewöhnlich und brutal, aber vor allem nachdenklich stimmend ist. Aber wie bewertet man ein Buch, dass einen überwältigt und geschockt, enttäuscht und gefesselt hat? Brutal faszinierend, ungerecht schockierend und schrecklich berührend.

Veröffentlicht am 10.05.2021

Kuriositätenkabinett Unterwasserwelt

Crazy Horse
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Eine unterhaltsam kuriose Lektüre, nicht nur Küstenmenschen und Meerfizierte! Taucht ab in die schillernde Welt der Seepferdchen :)



Seit geraumer Zeit lese ich ja nun vermehrt Sachbücher und als ich ...

Eine unterhaltsam kuriose Lektüre, nicht nur Küstenmenschen und Meerfizierte! Taucht ab in die schillernde Welt der Seepferdchen :)



Seit geraumer Zeit lese ich ja nun vermehrt Sachbücher und als ich über diese Neuerscheinung stolperte, war ich neugierig - bisher beschränkte sich mein Wissen über Seepferdchen darauf, dass die Männchen schwanger werden und ich für das Schwimmabzeichen damals ganz schön strampeln musste.

Womit ich nicht gerechnet habe: Wie interessant diese Tierchen doch sind! Die Evolution dieser Fische ist wahrlich kurios - nicht nur die männliche Schwangerschaft, sondern das gesamte Paarungs- und Parrverhalten. Wie Seepferdchen jagen, sich fortbewegen, kommunizieren und was sie sonst noch alles können... Faszinierend!

Das Buch bescherte mir also allerhand Aha-Momente und versetzte mich immer wieder in Staunen über unsere wunderliche Natur. Auch die kulturellen und technischen Aspekte gefielen mir; Seepferdchen inspirierten schon lange vor dem Schwimmabzeichen ^^

Der Schreibstil von Till Hein kommt lockerflockig daher - mir bisweilen zu gewollt und aufgetragen, alles in allem aber leicht verständlich. Er ist kein Seepferdchen-Experte per se, sondern erzählt, was er über die Tiere von Expert*innen und Recherche gelernt hat - die persönlichen Ausführungen hätte ich nicht gebraucht, sollen wohl aber den Sachbuchcharakter des Buches auflockern.

Fotos oder zumindest Zeichnungen hätten dieses Buch noch aufwerten können und für mich hätte es auch ein nüchternerer Schreibstil getan - alles in allem hat mich diese Unterwasserreise jedoch überzeugen und allerhand lehren können. Kein Nischensachbuch sondern überraschend überraschend :)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 30.10.2019

Als wäre es der zweite Band

Jumper. Im Netz der Welten
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Lesenswerte Fantasy mit wunderbarem Schreibstil, viel Fantasie und ungewöhnlichen Charakteren - auch wenn dieses Potential noch weiter ausgebaut werden können.


Piratenschiff?! Da war es um mich geschehen, ...

Lesenswerte Fantasy mit wunderbarem Schreibstil, viel Fantasie und ungewöhnlichen Charakteren - auch wenn dieses Potential noch weiter ausgebaut werden können.


Piratenschiff?! Da war es um mich geschehen, nach längerer Abstinenz griff ich wieder zu einem im.press-Titel :D

Und habe es nicht bereut. Wind im Haar, Salz in der Luft, Sehnsucht nach Freiheit?! #icantotallyrelate

Besonders gefiel mir, wie bunt die Geschichte ist - all´ die verrückten und phantastischen Welten und ihre Einwohner. Rubys Familie, Nerons Mannschaft - Ausgestoßene, Unangepasste, Regelbrecher. Gerade die besten Freunde hätten gerne noch mehr Raum bekommen dürfen, da sie erfrischend unkonform sind.

Während der Schreibstil angenehm zu lesen, voller Magie und Bilder und auch immer wieder Humor ist, merkt man an der Handlung doch, dass dieses Buch ein Debüt ist - während sich über die Kapitel alles langsam entwickelt, ist dann plötzlich der Endkampf da, der Schurke zwar angenehm menschlich (und nicht wie üblich das durch und durch verdorbene Monstrum) aber auch flach. Ich war zugegebenermaßen enttäuscht davon, wie wenig Twists und Überraschungen es bis zur Auflösung gab und dass es Ruby plötzlich verhältnismäßig leicht fiel, ihre Kräfte zu nutzen. Dass sie nicht als die unbezwingbare Superheldin startete, mochte ich, fand es aber unglaubwürdig wie schnell aus dem Mädchen, das sich vor allem und jedem fürchtet, die unerschrockene Kämpferin wurde.

Ähnlich übereilt kam mir die Liebesgeschichte vor, obwohl ich Ruby und Neron süß zusammen finde.

Gerade im ersten Teil des Buches hatte ich oftmals das Gefühl, einen zweiten Band zu lesen - und glaube, dass sich die Geschichte als solcher sogar besser machen würde! Mehr Weltenbau und Hintergrund, mehr gemeinsame Geschichte der Protagonisten, mehr Entwicklungsspielraum, mehr Welten... Gleichzeitig ist es auch erfreulich, endlich mal einen Einzelband statt den Auftakt zur fantasyüblichen Trilogie zu lesen ^^

Trotz meiner Kritik an der wenig überraschenden Handlung ist das Buch eine unterhaltsame Geschichte, die mit Charakteren und Schreibstil überzeugt. Ich kann mir definitiv vorstellen, künftige Bücher der Autorin zu lesen, da ich Potential sehe! :)

Veröffentlicht am 19.09.2021

Ergriff mich leider nicht

Und der Ozean war unser Himmel
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Als Plädoyer ergreifend und einleuchtend, als Geschichte für mich emotional nicht greifbar und verwirrend. So gerne wollte ich dieses Buch lieben und wurde doch nicht mitgerissen.


Von Patrick Ness habe ...

Als Plädoyer ergreifend und einleuchtend, als Geschichte für mich emotional nicht greifbar und verwirrend. So gerne wollte ich dieses Buch lieben und wurde doch nicht mitgerissen.


Von Patrick Ness habe ich bisher viel Gutes gehört - und bei diesem wie für mich gemachten Buchcover konnte ich natürlich der Versuchung nicht widerstehen, seine Schreibwelt kennen zu lernen!

Leider habe ich mich jedoch von Beginn an schwergetan, mich auf Bathsebas "verkehrte" Welt einzulassen, hielt immer wieder inne, blätterte zurück und blieb merkwürdig distanziert zu den Ereignissen.

Die beeindruckenden Illustrationen, die Botschaft, nautisches Setting und Thematik - alles sprach dafür, dass mich dieses Buch mitreißen würde und doch, es tat es leider nicht. Der rationale Teil meines Hirns war viel zu sehr damit beschäftigt, sich über die "menschliche" Welt der Wale zu wundern, herauszufinden, wie rum sie schwimmen und wie funktioniert, was sie tun, um mich auf die emotionale Ebene einzulassen; ständig schwebte das "Wie soll das funktionieren?" über meinem Kopf.

Ich liebe die Idee, die Sinnlosigkeit von Gewalt, die Spirale aus Hass und Gewalt, den Teufelskreis des Krieges durch vertauschte Perspektive (kindgerecht) vor Augen zu führen, allegorisch aufzuzeigen. So manch elegant formulierter Gedankengang konnte mich berühren - nur sprang für mich eben der Funke nicht über. Gut möglich, dass die Geschichte bei Kindern/Menschen mit lebhafterer Fantasie und Wille, sich Details selbst auszumalen jedoch besser funktioniert!

Als Plädoyer gegen Krieg und Gewalt nicht nur eindrucksvoll gestaltet, sondern auch im gewichtigen Sprachstil überzeugend; in der Kürze des Buches konnte ich das Worldbuilding jedoch nicht erfassen, der Handlung nur wie aus weiter Ferne folgen. Schade! So reizvoll ich es auch finde, Moby Dick aus Walperspektive zu lesen - für mich hat das (hier) nicht funktioniert.

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Veröffentlicht am 15.02.2021

Merk-würdig

Piranesi
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Ein Buch, das schwer nur in Worte zu fassen ist; schillernd und anmutig und zugleich schwerfällig und behäbig. Eine Geschichte definitiv, die einen vollständig eintauchen und nur schwer wieder entlässt.

Als ...

Ein Buch, das schwer nur in Worte zu fassen ist; schillernd und anmutig und zugleich schwerfällig und behäbig. Eine Geschichte definitiv, die einen vollständig eintauchen und nur schwer wieder entlässt.

Als ich dieses Buch das erste Mal in der Verlagsvorschau entdeckte, war ich interessiert und zugleich unschlüssig; nach positiven Besprechungen musste ich es einfach wagen. Und was soll ich sagen?!

Ich bin genauso zwiegespalten und verwirrt wie beim erstmaligen Lesen des Klappentextes - weshalb ich auch so lange mit den Worten dieser Rezension gerungen habe.

Piranesi ist ein skurriles Buch. Wir folgen der Hauptfigur, die in einem nicht enden zu scheinenden Haus lebt, das voller Statuen und Räume, Gezeiten und Aufgängen, aber leer an Leben zu sein scheint. Außer ihm, den Toten und dem Anderen. Doch wessen Wahrnehmung stimmt; wesssen Sinne leiten in die Irre? Die langsame Entfaltung dessen, was tatsächlich geschieht, wann und warum, ist von der Autorin äußerst kunstvoll konstruiert und entbehrt nicht an Spannung.

Und doch. Die Zeit verrinnt zäh wie Honig und in ungleichmäßigen Bahnen; die Grundspannung voller unheilvoller Ahnungen, wirrer Vermutungen und mysteriöser Stimmung wird nicht durch allzuviel Handlung unterstützt. Beschreibungen der Irrungen und Windungen - des Hauses, des Protagonisten und der eigentlichen Geschichte - stehen im Vordergrund. Speziell; auch vom Schreibstil und Erzählton her!

Was mir am Ende des Buches gefällt hat, ist nicht ein geschlosseneres Ende an sich, sondern eine für mich schlüssige Interpretation; das Gefühl, die Geschichte einordnen zu können. Der Geschichte zu folgen hat mir durchaus Freude bereitet, gerade ob der kunstvollen, fast schon poesievollen Inszenierung - es fühlt sich jedoch so an, einen losen Faden in der Hand zu halten, den ich nicht verknüpfen, in Kontext bringen kann. Kein konkretes "und die Moral von der Geschicht", aber doch ein "was wollte uns die Autorin damit sagen".

Im Nachhinein habe ich im Internet gelesen, dass die Autorin Susanna Clarke an chronischem Erschöpfungssyndrom leidet und über viele Jahre das Haus nicht verlassen habe; das macht all die widerstreitenden Gefühle der Hauptperson für das Haus; das Bewundern und Geborgenfühlen und zugleich das Sehnen nach mehr, greifbarer. Und doch bleibt das Buch für mich ein Rätsel. Vielleicht liegt darin jedoch auch dessen Schönheit und Zauber; die es nicht zu durchschauen gilt.

Wen der Klappentext anspricht, wer sich auf dieses Abenteuer einlassen möchte - es lohnt sich! Piranesi ist kein Buch, das sich schnell vergessen lässt oder mit völliger Gleichgültigkeit gelesen werden kann, sondern eines, das mich viel hat Nachdenken lassen.

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