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Veröffentlicht am 10.01.2021

Unklare Zielgruppe

Geheimnisse der Hexen
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Wundervolle Gestaltung, Inhalt jedoch zwischen interessant und merkwürdig esoterisch.

Ein wunderbar und durch und durch magisch gestaltetes Buch voller Wissen über die Welt des Übernatürlichen und das ...

Wundervolle Gestaltung, Inhalt jedoch zwischen interessant und merkwürdig esoterisch.

Ein wunderbar und durch und durch magisch gestaltetes Buch voller Wissen über die Welt des Übernatürlichen und das Schicksal von Frauen, denen einen Nähe dazu zugesprochen wurde. Vor allem im letzten Abschnitt war mir das Ganze dann aber zu esoterisch angehaucht; Pendel bauen und Weissagen; naja.

Das vermittelte Wissen über Hexenverfolgung, bekannte und weniger bekannte Frauen (hier gefiel mir vor allem, das sie selbst "zu Wort" kamen), Heilkräuter sowie die bezaubernde und düstermagievolle Aufbereitung jedoch finde ich ganz hervorragend.

Was mir nicht ganz klar ist, ist an welches Zielpublikum sich das Buch richtet?! Es spricht einen als Schwester direkt an; doch ist es mehr ein Sachbuch mit augenzwickerndem Esoterikteil oder femnistisch-ernstgemeinte Einladung in die übernatürliche Welt? Für junge Leser*innen ab 11 finde ich es verfrüht...

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Veröffentlicht am 25.04.2020

Im hohen Norden...

Vardo – Nach dem Sturm
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Beklemmend und eindrucksvoll geschildert aber leider handlungsarm, gewährt das Buch einen tiefen Einblick in eine Spirale aus Misstrauen und Verrat, Freundschaft und Liebe.


Hexenverfolgung und Inquisition ...

Beklemmend und eindrucksvoll geschildert aber leider handlungsarm, gewährt das Buch einen tiefen Einblick in eine Spirale aus Misstrauen und Verrat, Freundschaft und Liebe.


Hexenverfolgung und Inquisition gehören nicht zu meinen bevorzugten Buchthemen, doch das Setting im hohen Norden Norwegens sowie die angedeutete machten mich neugierig.

Von der ersten Seite an vermochte es die Autorin, mich mit ihrem Schreibstil, wenngleich streckenweise anstrengend zu lesen und poetisch schwer, einzufangen. Elend, Dreck, Ungerechtigkeit, Hunger und körperliche Erschöpfung - all´ dies ließ mich Kiran Millwood Hargrave förmlich am eigenen Leib spüren.

Und dennoch ließ meine Begeisterung Kapitel für Kapitel nach - erst nach etwa 150 erreichen der Kommissar und seine junge Frau Ursa die Insel und so relevant die Beschreibungen des harten Alltags und die schleichenden Veränderungen im Miteinander doch für das Verständnis späterer Ereignisse sind, passierte mir schlicht zu wenig.

Das ändert sich auch nach der Ankunft nicht; das Geschehen war an sich aufregend wie eine Bedienungsanleitung. Erst die letzten 50-100 Seiten bringen Handlung, die vom Alltäglichen abweicht.

Das historische Elend und die Entwicklung einer eingeschworenen Gemeinschaft bis hin zu einer von Misstrauen und Missgunst durchzogenen Gemeinde schildert die Autorin eindrucksvoll und gelungen, die Handlungsebene ist jedoch als dürr zu beschreiben. Auch die Charaktere konnten mein Herz kaum berühren; ich fühlte mich als distanzierte Beobachterin, die zwar erschrocken ob Gewalt und Elend, nicht aber mitleidend war.

Im offenen Ende liegt eine Stärke und offenbart das Wachstum Marens und Ursas und ließ mich dennoch unbefriedigt ob der unklaren Zukunft zurück.

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Veröffentlicht am 29.03.2020

Kongenial, aber mir zu viel

The Doll Factory
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Für die Konzeption und den Aufbau der bedrückenden Atmosphäre zolle ich der Autorin allerhöchsten Respekt; für mich waren die Abgründe der menschlichen Psyche in Kombination mit dem alltäglichen Leid, ...

Für die Konzeption und den Aufbau der bedrückenden Atmosphäre zolle ich der Autorin allerhöchsten Respekt; für mich waren die Abgründe der menschlichen Psyche in Kombination mit dem alltäglichen Leid, Dreck und Elend jedoch zu viel, das beklemmende Gefühl minderte mein Lesevergnügen erheblich.


Mit Beenden des Buches schwirrten mir viele Worte im Kopf herum - bedrückend, krank, widerwärtig, ekelerregend, erschreckend, scheußlich... doch nach dem ich meiner Mutter von meinen Leseeindrücken erzählt hatte, konnte ich meine Gedanken sortieren:

Von der ersten Seite an hatte ich Schwierigkeiten mit dem Schreibstil - Präsenz ist einfach nicht meine liebste Erzählform und immer wieder stolperte ich darüber; es wollte einfach nicht zu historischem Schauplatz und Zeit passen. Zudem war die Sprache auch immer mal wieder vulgär und in meinen Augen unpassend neumodisch.

Dennoch konnte mich das Buch fesseln - zwar war durch den Klappentext von Anfang an klar, worauf die Geschichte hinauslaufen würde bzw. von welchem Charakter unerwartete Entwicklungen zu erwarten sind, und dennoch löste das über allem schwebende Damoklesschwert einen Lese-Sog aus. War mir das Setting und seine Beschreibung auch oft zu dick aufgetragen, zu ekelerregend, so schuf die Autorin Macneal damit auch eine bedrohliche Stimmung, eine schauerliche Ahnung zukünftigen Leids.

Und obwohl ich eben wusste, wer für dieses Leid verantwortlich sein würde, war ich doch über die Entfaltung des Wahnsinns überrascht; hatte das Verstörende unter der Oberfläche trotz Andeutungen nicht vollständig erahnen können. Wie die Elizabeth Macneal hier Schicht für Schicht das kranke Innere ans Licht bringt, immer wieder mit Symbolen und Metaphern in den verschiedenen Erzählsträngen arbeitet, um sie alle zu einem furchtbaren Ende zu führen - Hut ab für diese Leistung!

Als Kunstlaie ließen mich die Schwärmereien für Farben, Licht und Formen zwar kalt; ein künstlerischer Geist dürfte jedoch Freude an den Beschreibungen und der vermittelten Liebe zu den schönen Künsten finden. Gefallen hat mir hingegen die Liebesgeschichte, die sich ganz zart und langsam entwickelt, von stiller Zuneigung und Wertschätzung getragen.

Enttäuscht hat mich dann jedoch das abrupte Ende und das quasi nicht existente 1-Satz-Nachwort - bei dem historischen Kontext hätte ich mir viel mehr Erläuterungen der Autorin gewünscht, als nur die Anmerkung zum Nachnamen einer Nebenfigur! Dass es Präraffaelische Bruderschaft tatsächlich gegeben hat, dass Louis und seine Werke nur eine künstlerische Freiheit waren, Hintergrundinformationen zur Weltausstellung in London 1851... Schade!

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Veröffentlicht am 02.03.2020

Was zur Hölle?!

Kiffen, Kaffee und Kajal
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In einem Wort: Zwiespalt! Einerseits durchaus unterhaltend geschrieben, sorgfältigst recherchiert und informativ, andererseits ohne roten Faden lose zusammengeschrieben und in der intoleranten Positionierung ...

In einem Wort: Zwiespalt! Einerseits durchaus unterhaltend geschrieben, sorgfältigst recherchiert und informativ, andererseits ohne roten Faden lose zusammengeschrieben und in der intoleranten Positionierung untragbar und unerträglich.



Als ich beim Stöbern zufällig über dieses Buch stolperte, war ich sofort Feuer und Flamme - Humor meets Geschichte?! Die letzten Seiten ließen mich jedoch fassungs- und zunächst sprachlos zurück...

Als ich das erste Kapitel anlas, dachte ich "BAMM! Das wird genial". Der Ausflug in die Welt der Worte und ihrer Herkunft war jedoch auf wenige Seiten begrenzt und der historische Teil des Buches begann - womit ich zwar nicht gerechnet hatte, was mich aber erstmal auch nicht störte. Viele Namen, viel kleinteilige Erzählung - aber informativ und bis ins Detail recherchiert!

Von Kapitel zu Kapitel jedoch sank meine Lesemotivation, fehlte mir doch ein roter Faden. Das Buch ist weniger eine strukturierte Reise durch Kunst, Kultur und Geschichte der islamischen Welt, sondern mehr eine lose Erzählung über alles, was irgendwie "orientalisch" ist - weit ausholend jedes Mal. Die Geschichte der Tulpen, die Ausbreitung des Schachspiels und Machtkämpfe bei Abbassiden, Osmanen & Co. Ich fand das zwar alles durchaus interessant, aber mir fehlte der Kit, ein "und deshalb ist das alles relevant". Klar, der Klappentext gibt das schon her, das Buch soll zeigen, wie ähnlich sich das "hier" und das "dort" sind, das auf beiden Seiten Menschen stehen... Das schwang jedoch sehr, sehr subtil nur mit und hätte gerne expliziter ausformuliert werden können.

Während die Präsentation des reichhaltigen Schatzes an Wissen zur islamischen Welt für mich also kleinere Mankos hatte, störte mich eines gewaltig: Die persönlichen Einschübe des Autors über seine Kindheit und Eltern, vor allem seine Positionierung am Ende. Denn, was zur Hölle???!

»Die heutigen metrosexuell »angetouchten« Fußball- und Musikstars, die mit rasierter Brust und glitzernden Diamanten im Ohr herumgockeln, würde ich am liebsten zur Wiederentdeckung ihres eigentlichen Geschlechts in ein nordkoreanisches Militärcamp stecken.«

Da bleibt mir doch die Spucke weg, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll?! Ja, der Autor ist Kabarettist und der Schreibstil humorvoll bis bitterböse - das jedoch geht über jede Grenze der Satire hinweg und ist, wie dieser Absatz auch eingeleitet wird, leider der volle Ernst des Autors, der beweint, dass der "schreckliche Feminisierung [...] selbst die Mauern der letzten rein männlichen Bastionen geschleift" hat, den Fußball. Während des Lesens hatte ich schon an einigen Stellen auf Grund eines androzentrischen und subtil patriarchatsbejahenden Tones gestutzt, das aber auf künstlerische Freiheit und flapsigen Ton geschoben. Diese Positionierung zu Ende des Buches ruinierte mein Bild vollständig. Zumal ich diese privaten Anteile auch höchst unnötig empfand - entweder, dies ist ein Buch über Kunst, Kultur, Geschichte und Erfindungen "des Orients" oder eine autobiographische Erzählung über die Migration seiner Eltern, seine Jugend und Integration und Umgang mit dem Leben zwischen zwei Welten. Die entstandene Mischung aus Beidem war für mich irritierend.

Irritierend auch, wie klar sich Kerim Pamuk zu Fremdenfeindlichkeit positioniert, die Blödsinnigkeit der Argumente gegen "die Ausländer" und "die Flüchtlinge" richtigerweise hervorhebt und zugleich auf ganz anderer Ebene ähnliche Intoleranz und rückständiges Denken zeigt.

ANMERKUNG: Warum schreibe ich "Orient" in Anführungsstrichen? Um es knapp zu fassen, ist "Orient" ein westliches Konstrukt, eine Projektionsfläche, ein Abgrenzungsbegriff und nicht neutral, sondern abwertend, exotisierend. Ausführlich und wunderbar differenziert dazu dieser Artikel.

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Veröffentlicht am 15.04.2018

Wenn nur Anna nicht so nervig wäre...

Auf ewig mein
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Trotz der "Reise um die Erde in 80 Tagen" inhaltlich leider nicht so packend und abenteuerlich, wie erhofft. Und Annas Unfähigkeit und Unselbstständigkeit sind einfach nur zum Augenrollen ärgerlich. Dennoch ...

Trotz der "Reise um die Erde in 80 Tagen" inhaltlich leider nicht so packend und abenteuerlich, wie erhofft. Und Annas Unfähigkeit und Unselbstständigkeit sind einfach nur zum Augenrollen ärgerlich. Dennoch kein "schlechtes" Buch, nur eben nicht spektakulär, sondern seichte Lektüre.


Nicht nur wegen des traumhaft schönen Covers, sondern vor allem wegen der Jules-Vernes-Thematikhabe ich mich unbändig auf das zweite TimeSchool-Abenteuer gefreut. Doch schnell schlug meine Euphorie in Ernüchterung um...

Fangen wir mit dem Positiven an: Neben den neuen Charakteren der TimeSchool- Trilogie Ole und Fatima, die ich beide für ihre gegenseitigen Sticheleien feiere, ist Eva Völler der Reiseaspekt gelungen. Ortsbeschreibungen und historische Ereignisse hat sie geschickt in die "Handlung" eingeflochten, ohne dabei aufzählend zu wirken. Gerne hätte ich die Bazaare Bombays oder Kalkuttas ausführlicher erkundet oder von Suez aus einen Abstecher zu den Pyramiden gemacht - aber das war weder für Phileas Fogg noch für die Protaginisten dieses Buches möglich. Die Zeit tickt!

Warum ich "Handlung" schreibe? Weil für meinen Geschmack deutlich zu wenig passiert ist oder genauer: Kaum Ereignisse gingen von unserer Reisegruppe aus. Stets hatten fremde Mächte, falsche Freunde und undurchsichtige Strippenzieher das übertragene Steuerruder in der Hand. Anna, Sebastiano und Co hetzen ihren Aufgaben hinterher, erfüllen sie auf enttäuschend unspektakuläre Art (meist löste dann auch noch jemand anderes das Rätsel für sie). Zudem geschieht weite Strecken des Buches außer schlafen und essen nichts.

Auf den letzten Seiten wird es dann turbulent, nur konnten mich die Wendungen weder emotional aufwühlen noch inhaltlich überzeugen. Die ganzen Alten, die ihre Finger im Spiel hatten - was war deren Absicht? Und dann Annas "Sieg" über Moretti... Ernsthaft? Schon wieder auf diese Art?!

Und damit kommen wir auch schon zum eigentlichen Knackpunkt. Anna!! Dieses Mädel hat in mir ein breites Spektrum von Empfindungen ausgelöst - von entnervt und enttäuscht bis wütend. Obwohl sie die Ich-Erzählerin des Buches ist, käme die Geschichte prima ohne sie aus. Sie kann einfach NICHTS! Außer Panik schieben, angelesenes Wissen von sich geben und durch ihre unbedachte Art Probleme herbeiführen. Wird sie beleidigt, wartet sie darauf, dass jemand anders sie verteidigt, wird sie entführt, hofft sie, dass jemand ohnmächtiges aufwacht und sie rettet und wenn sonst Schwierigkeiten entstehen, wird schon einer ihrer Reisebegleiter mit Waffen oder Geld die Situation lösen. What??? Warum ist sie so unselbstständig??? Nichtmal ihren Unterricht kriegt sie auf die Reihe, reagiert empört, wenn ihr jemand (zu Recht!) ihre Naivität und Gutgläubigkeit vorwirft. Schade, wie sie das Stereotyp blond-blöd-naiv erfüllt. Ich konnte im gesamten Buch keine Situation rauslesen, in der sie taff, selbstständig (!!!) und entscheidungsfreudig gewesen wäre - auch die ganze abstruse Rettungsaktion am Ende ist weder auf ihrem Mist gewachsen noch entscheidend durch sie ausgeführt worden.

Alles in allem bin ich enttäuscht von und unzufrieden mit der Entwicklung dieser Geschichte, da hilft es auch nicht viel, dass Ole und Fatima sich näher zu kommen scheinen und weiterhin viel gereist wird. Für mich fühlt es sich so an, als wäre diese Spinoff-Reihe einfach zusammengewürfelt worden; ein bisschen Besonderes-Kind-Prophezeiung, ein wenig Weltreise, Dämonen und Pforten zur Hölle kombiniert mit einigen spielsüchtigen Alten, die Unfrieden stiften und dazu noch lauter gewollt wirkende Missionen. Das ergibt für mich kein rundes Bild. Ob das im letzten Band noch wird? Ich lasse mich gerne überraschen, bin aber skeptisch.