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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2019

Bewusstseinserweiterung und dann

Das Licht
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T.C. Boyle lese ich immer wieder gern, er kann erzählen, und ich lasse mich auch gern überraschen von der Wahl seiner Sujets. Bei seinem aktuellen Roman fällt zunächst das Cover ins Auge, erst recht, wenn ...

T.C. Boyle lese ich immer wieder gern, er kann erzählen, und ich lasse mich auch gern überraschen von der Wahl seiner Sujets. Bei seinem aktuellen Roman fällt zunächst das Cover ins Auge, erst recht, wenn man den Schutzumschlag abnimmt: Da wird es dann, ganz dem Thema angemessen, psychedelisch.
Der innere Kreis, den Timothy Leary um sich schart, steht im Mittelpunkt des Romans, nicht etwa Leary selbst, der Psychologe und Dozent in Harvard, der mit bewusstseinserweiternden Drogen experimentiert, und spätere Guru der Hippie-Bewegung. Erzählt wird aus der Sicht eines Paares, das sich Leary anschließt und ihm folgt, auch noch nach seinem Rauswurf aus der Universität und als seine Experimente schon lange keinen wissenschaftlichen Charakter haben. Fitz ist Doktorand und seine Frau Joanie hat die akademische Karriere aufgegeben, um ihrem Mann das Studium zu ermöglichen, sie finanziert die Familie (einen Sohn gibt es auch noch), indem sie schlechtbezahlte, öde Jobs annimmt . Es ist spannend zu lesen, was Experimente, Drogenparties, Alkohol, Geldnot, Illegalität etc. aus einzelnen Personen der anfangs so verschworenen Gemeinschaft macht.
"Das Licht" hat mir gut gefallen, ist aber nicht mein Lieblingsroman von T.C. Boyle.

Veröffentlicht am 15.02.2019

"Ist es jemals zu spät, um Nähe zuzulassen?"

Agathe
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So ist Titel des Klappentextes.
Und das bringt es so ziemlich auf den Punkt.

Der zweiundsiebzigjährige Psychiater bereitet sich auf seinen Ruhestand vor, indem er die Tage bzw. Gespräche zählt, die noch ...

So ist Titel des Klappentextes.
Und das bringt es so ziemlich auf den Punkt.

Der zweiundsiebzigjährige Psychiater bereitet sich auf seinen Ruhestand vor, indem er die Tage bzw. Gespräche zählt, die noch verbleiben bis zum Ende. Dabei ist ihm klar, wie sehr ihn inzwischen die Probleme seiner Patienten langweilen, und dass er überhaupt nicht in der Lage ist, Hilfestellung zu geben. Erst durch Agathe, eine neue Patientin, wird ihm seine eigene innere Leere bewusst.
Um das Buch bin ich lange herumgeschlichen, da mir das Cover so gefallen hat. Die Buchhändlerin hat meinen Kauf kommentiert mit "Ach, das ist wenig Buch für den Preis". Tatsächlich hat der Roman nur 156 Seiten, aber die haben mich sehr angerührt.

Veröffentlicht am 14.02.2019

Undercover in der Kälte

Sechs mal zwei
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Das war höchst spannend bis zun Schluss, beinahe wäre ich eine S-Bahnstation zu weit gefahren.
Seltsamerweise hatte mich meine Erinnerung an den vorherigen Band "Sieben minus eins" im Stich gelassen, aber ...

Das war höchst spannend bis zun Schluss, beinahe wäre ich eine S-Bahnstation zu weit gefahren.
Seltsamerweise hatte mich meine Erinnerung an den vorherigen Band "Sieben minus eins" im Stich gelassen, aber dies spielt glücklicherweise am Anfang gar keine Rolle, da auch Sam Berger Probleme hat, sich zu erinnern und zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. All die Intrigen, die Haken, die die handelnden Personen schlagen, all ihre Täuschungsmanöver und falschen Fährten, so dass man streckenweise nicht mehr weiß, was man von Sam, Molly und Deer halten soll, gehen erstaunlicherweise nicht zu Lasten der Spannung.
Nun hoffe ich auf den dritten Teil (Band 3: Fünf plus drei)

Veröffentlicht am 14.02.2019

Wem gehört das Wasser?

Fremde Wasser
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Da ich davon ausgehe, dass der Autor hier wieder so gründlich recherchiert hat, wie man dies normalerweise von ihm gewohnt ist, bin ich ziemlich entsetzt. Unglaublich, welche Geschäftsinteressen da ganz ...

Da ich davon ausgehe, dass der Autor hier wieder so gründlich recherchiert hat, wie man dies normalerweise von ihm gewohnt ist, bin ich ziemlich entsetzt. Unglaublich, welche Geschäftsinteressen da ganz im Verborgenen durchgesetzt werden, und das mit dem vermeintlichen "Gemeingut" Wasser.
Über den Unterschied zwischen Gebrauchswert und Tauschwert habe ich auch schon lange nicht mehr nachgedacht....

Veröffentlicht am 07.02.2019

Kleiner Happen (Häppchen?) für zwischendurch

Mein parfümierter Roman
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Dieses kleine Bändchen enthält 2 Erzählungen auf insgesamt 92 Seiten. Die erste, die titelgebende, besticht durch ihre Boshaftigkeit. Sie handelt von einem Schriftsteller, der seinen Freund und (bis dato ...

Dieses kleine Bändchen enthält 2 Erzählungen auf insgesamt 92 Seiten. Die erste, die titelgebende, besticht durch ihre Boshaftigkeit. Sie handelt von einem Schriftsteller, der seinen Freund und (bis dato erfolgreichen) Schriftstellerkollegen auf perfide Art in Literaturkreisen unmöglich macht.
Die zweite Erzählung, "Betrachtung eines Hausaffen", die mich nicht überzeugt hat, hat auch eine Schreibblockade zum Thema. Die Story hat mich sehr erinnert an Erzählungen aus einer frühen Sammlung von McEwan, "First Love, Last Rites", in denen es teilweise auch um sexuelle Absonderlichkeiten geht.